Mark

Anonym

Gast
Mark stieg aus dem Bus der Linie 33 und nahm die letzten Meter zur Villa der Familie von K. zu Fuß. Er hatte einen schrecklichen Kater. Der Busfahrer rief ihm nach „Hast du eine scheiß Fahne. Das sagt mir meine Frau am Samstagmorgen auch immer hahaha“. „ Ja Ja, ich kann nichts riechen“, antwortete Mark.

Am Abend zuvor hatte Mark seine alte Schulbekanntschaft wieder getroffen. Was hatte er nicht alles damals mit ihr erlebt. Der Abend wurde dann auch erst mal so gut, wie Mark es sich erhofft hatte. Sie bekundete ihm ihre Liebe und fragte, wie es mit ihnen beiden weiter gehen soll. Sie tranken Rotwein, Bier und Crémant. Später am Abend hatte ihn plötzlich seine Schulzeit eingeholt und er sehnte sich nach alten Zeiten. Dabei lief er ihr damals nur hinterher und malte sich aus, wie sie mit anderen Männern wilden Sex hatte und er nicht dazu gehörte. Mark erinnerte sich, dass er bei der Abschlussfeier mit ihr getanzt hatte. Sie verschwand am Ende der Abschlussfeier mit Marks besten Freund.

Mark hatte den Verdacht, dass sie nicht mehr die Bekannte von damals war. Ihre Haut war rau und ihre Haare hatten den Glanz von damals verloren. Sie wirkte wie ein Skelett. Sie küsste ihn stürmisch und Mark schmeckte den schalen Geschmack von Rotwein. Unter einem Vorwand schicke er sie nach Hause, sie weigerte sich und beschimpfte ihn. Weshalb endeten solche Abende immer so beschissen, dachte Mark.


Mark hatte das Anwesen der Familie von K. erreicht. Er ging in den Geräteschuppen und holte sein Gartenwerkzeug. Es war ruhig, niemand schien vor Ort zu sein. Alle Autos der Familie waren nicht da. Selbst der Schäferhund der Familie bellte nicht.Herr von K. und alleiniger Erbe des Privatvermögens der Unternehmerfamilie von K., saß in seinem Arbeitszimmer. Die Geschäfte liefen immer schlechter, sein Unternehmen verlor täglich Tausende von Euro, weil Sendungen wegen Zollstreitigkeiten nicht ausgeliefert werden konnten. Seine Sekretärin, war eine junge Frau, nicht besonders hübsch, aber auch nicht besonders hässlich. Sie hatte krumme Beine und lispelte. Genau diese Makel sprachen ihn bei Frauen an, das war schon immer so gewesen. Wie gerne er mal ran wollte bei ihr, dachte er.



Er ging zum Schnaps und genehmigte sich den dritten Cognac an diesem Morgen. Am Abend stand die Vorstandsvorsitzenden Sitzung seines Unternehmens an. An solchen Abenden wurde immer reichlich gesüffelt und die Gewinne und Verluste des letzten Quartals besprochen. Herr von K. rief seine Sekretärin und sagte ihre, dass sie ganz nah ran kommen sollte. „Heute, achtzehn Uhr Firmenwagen auf der Einfahrt bereithalten, Minibar auffüllen und Hemden gebügelt halten“ sagte Herr von K. Er bekam eine Erektion.



Gleichzeitig zur Erektion von Herrn von K. ertönte der Aufsitzrasenmäher im Vorgarten und Mark steckte sich eine Zigarette an. „Wie oft habe ich diesen Deppen schon gesagt, dass im Garten nicht geraucht werden darf“ brüllte Herr von K.. Er beschloss, allen Deppen mitzuteilen, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Herr von K. wusste nicht, wann Mark kam und welche Aufgaben Mark hatte, er erschien ihm nur jeden Monat auf irgendeiner Abrechnung, die er im Suff unterschrieb.



Herr von K. war deprimiert und aggressiv, er ging in den Keller und zerschlug die Scheibe der Waffenvitrine. Er nahm sich das Jagdgewehr seines Großvaters. Mit diesem Jagdgewehr hatte der Großvater im Herbst 1909 in Afrika immerhin drei Löwen, vier Elefanten und zwölf Antilopen erlegen können. Er ging auf die Veranda, lud das Jagdgewehr und drückte ab. Die Kugel traf Mark an der Schulter und er flog durch den Aufprall von seinem Aufsitzrasenmäher. Er lud nach und traf Mark ins Bein. Was hat mich da gestochen, was soll der Scheiß, dachte Mark. Er bemerkte nicht, dass er viel Blut verlor. Er kroch über den Rasen, wobei an einer antiken Zeus Statur. Er erreicht das Tor zur Villa und er konnte sich auf den Bürgersteig retten. Passanten kamen und riefen einen Krankenwagen. „Was ist passiert“ fragte der Rettungssanitäter. „Ich wurde getroffen“, antwortete Mark. Der Rettungssanitäter blickte auf die Villa. Die Villa war verfallen und unbewohnt. Es fing heftig an zu regnen und Mark wurde ins örtliche Krankenhaus gefahren
 

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