Meeresflüstern V

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Ciconia

Mitglied
[ 4]Frühmorgens betörendes Gleißen,
[ 4]ein Spiegelblau, funkelnd und glatt.
[ 4]Das Bild kann nur Gutes verheißen,
[ 4]der Sommer strahlt üppig und satt.
[ 4]
[ 4]Am Abend orange-gelbes Glimmen,
[ 4]die Sonne küsst zärtlich das Meer.
[ 4]Ans Ende der Welt könnt ich schwimmen,
[ 4]vielleicht fiel’s mir gar nicht so schwer.
[ 4]
[ 4]Des Meeres unendliche Weiten,
[ 4]Gefahr und Verführung zugleich.
[ 4]Ein Rauschen wird mich heut begleiten
[ 4]zur Kate gleich hinter dem Deich.
[ 4]
[ 4]Die Auszeit im Seewind macht süchtig,
[ 4]drum komm ich auch morgen zum Strand.
[ 4]Momente wie Flugsand, meist flüchtig -
[ 4]sie halten die Seele instand.



[ 4]
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Ciconia,
für mich ein typisches Ciconia-Werk: sauber verreimt, handwerklich gelungen, Bodenhaftung spürbar.
An einer Stelle wird mir der Ton einen Tick zu süßlich / romantisch:

die Sonne küsst zärtlich das Meer.
Möchte mal Folgendes in den Raum stellen (was freilich den Charakter dieser Stelle deutlich verändern würde):

die Sonne geht baden im Meer.

Das könnte man dann ganz neutral lesen und zuvorderst den Bezug zur nächsten Zeile sehen: Ans Ende der Welt könnt ich schwimmen

Oder man könnte sich natürlich auch fragen, ob hier, für einen kurzen Moment, die romantische Stimmung unterminiert wird (sofern man der negativen Konnotation der Wendung, wie z.B. in: Die Aktie geht baden, Raum gibt).

Sozusagen ein kaum merkliches, selbstironisches Einsprengsel.

Aber du darfst mit Fug und Recht behaupten: Solch Einsprengsel will und brauche ich hier nicht! Trotzdem: Mir klingt diese Zeile etwas zu sehr nach Poesiealbum, der Rest ist zupackender, das gefällt mir gut.

lg wüstenrose
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Wüstenrose,

vielen Dank für Deine Gedanken zu diesem Gedicht. Du hast Recht, die genannte Zeile klingt ein wenig zu süßlich, ich war auch nicht so ganz zufrieden damit.
Das "baden gehen" gefällt mir nicht wirklich, es ist mir zu negativ besetzt.
Wie wär’s denn mit
die Sonne verliert sich im Meer
Gruß Ciconia
 

molly

Mitglied
Hallo Ciconia,

In Deinem Gedicht spürt man: Lyri ist glücklich am Meer zu sein.
Daher wundert es mich nicht, dass die Sonne das Meer küsst.

"Spiegelt sich", ist mir noch eingefallen. Aber "Verliert sich" gefällt mir auch, besser als "baden gehn".

Viele Grüße und einen schönen Sonntag

molly
 

Ciconia

Mitglied
[ 4]Frühmorgens betörendes Gleißen,
[ 4]ein Spiegelblau, funkelnd und glatt.
[ 4]Das Bild kann nur Gutes verheißen,
[ 4]der Sommer strahlt üppig und satt.
[ 4]
[ 4]Am Abend orange-gelbes Glimmen,
[ 4]die Sonne verliert sich im Meer.
[ 4]Ans Ende der Welt könnt ich schwimmen,
[ 4]vielleicht fiel’s mir gar nicht so schwer.
[ 4]
[ 4]Des Meeres unendliche Weiten,
[ 4]Gefahr und Verführung zugleich.
[ 4]Ein Rauschen wird mich heut begleiten
[ 4]zur Kate gleich hinter dem Deich.
[ 4]
[ 4]Die Auszeit im Seewind macht süchtig,
[ 4]drum komm ich auch morgen zum Strand.
[ 4]Momente wie Flugsand, meist flüchtig -
[ 4]sie halten die Seele instand.



[ 4]
 

Ciconia

Mitglied
Danke, molly und Andreas, für Eure Vorschläge.

Ich denke, die Version „Die Sonne verliert sich im Meer“ trifft am besten, was ich ausdrücken möchte. Ein „Gleiten“ erscheint mir zu abrupt, während „sich verlieren“ gemächlicher und vielleicht doch noch mit einem leicht romantischen Touch zu verstehen ist.

Ich ändere es jetzt mal so ab, nehme aber trotzdem gern weitere Vorschläge an. ;)

Schönen Sonntag!
Gruß Ciconia
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Ciconia,
mal vorab: mein Alternativvorschlag war wirklich wenig hilfreich, ich war dann unzufrieden damit. Aber besagte Stelle beschäftigte mich weiter und, ob dus glaubst oder nicht, auf meinem Vormittagspaziergang, die Sache erwägend, landete ich letzten Endes auch bei verliert sich im Meer.
Und ich empfinde durchaus einen Zusammenhang zwischen verliert sich im Meer und der nachfolgenden Zeile: das Motiv der Grundlosigkeit, Uferlosigkeit, der Ferne, Weite, des nicht recht in Worte zu fassenden Fernwehs.
Das Fernweh mündet dann, doch wieder recht prosaisch, in ein geschmackvolles Getränk (Deichkate). Aber genau diese Wendung, die das Erlebte / die emotionalen Strandimpressionen wieder erdet und das lyr. Ich wieder ins Hier und Jetzt zurückholt, gefällt mir.
Ein schönes Gedicht!
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Wüstenrose,

danke, dass Dich mein Gedicht auf Deinem Sonntagsspaziergang begleiten durfte. Es freut mich, dass wir so schnell einig werden konnten. :)

Woher allerdings das von Dir erwähnte „geschmackvolle Getränk“ stammt, kann ich aus meinem Gedicht nicht ganz erkennen. Ich meinte eher das Rauschen des Meeres und nicht den Rausch nach einem steifen Grog ... :D

Gruß Ciconia
 

wüstenrose

Mitglied
bei
Kate gleich hinter dem Deich
habe ich tatsächlich die "Deichkate" und somit das Strandbistro, die Einkehr in eine Art Strandbar oder so assoziiert. War ich hier zu sehr beeinflusst von meinem diesjährigen Ostsee-Kurztrip: erst der Sonnenuntergang, dann das Uferpromenaden-Getränk ??? :confused: Und wie ich dann so saß: ein Gefühl von: Durchatmen. Auszeit-nehmen. Siehste mal, was ein Gedicht so alles heraufbeschwören kann ...
 

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