Meinem Freunde wird manchmal wunderlich...

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Penelopeia

Mitglied
Meinem Freunde wird wunderlich manchmal,
ab zwei Bieren faselt er Stuß.
Gestern nun sprach er vom Heiligen Geist,
der ihn begrüßt hätt' mit "Jesus"!

Er habe die Stimme deutlich gehört,
ganz direkt aus seiner Tasche.
Doch als er nachsah, entdeckte er nur
eine sehr leere Schnapsflasche...

Und wie er an der ganz vorsichtig roch,
schwebte er fast wie auf Flügeln,
ihm war auch, als würd' er Marien schaun,
wenn auch nur beim Hemdenbügeln.

So beichtet' er mir in einer Bar
von seinen heil'gen Qualen.
Mit leichtem Gruseln wandt' ich den Blick,
starrte auf seine Sandalen.

Leider war ich auch ein bißchen zu feig,
die harte Wahrheit zu sagen.
So schwieg ich betreten. Und brach dann doch
aus in mitleidsvolles Klagen.

"Ach", jammerte ich, "was hast du da bloß,
alter Freund, dir übernommen!? -
Ich seh' bezüglich des heiligen Plans
Probleme auf dich zukommen..!"

"Wo denn?", schrie mein Freund und schnaufte empört,
"Gott macht doch wohl keine Fehler!
Er weidet uns auf einer grünen Au,
führt uns in Bars, Hospitäler..."

"Vertraue, mein Freund", so sprach ich zu ihm,
"wie bisher auch deinem Glauben".
Wer dürfte sich schon an göttlichem Plan
geringsten Zweifel erlauben..!?

Bedenken hätte ich eigentlich nur
bei kleineren Einzelheiten,
und ich beschwor ihn inniglich,
nicht wieder mit mir zu streiten.

Erstens, erklärte ich, gäb's ein Problem
bei neuer Predigt vom Berge:
Die Hügel der Stadt seien dichtbebaut,
die Vorgärten voll bunter Zwerge...

Zweitens sei es heut' nicht so ganz leicht
mit Botschaft im Allgemeinen:
Zuviele schon hätten die Menschen genervt,
taub seien viele, wollt's scheinen...

Hierzu erwähnt' ich so manche Sendung
des Fernsehns mit Werbeworten,
ich wies auf den Sommerschlußverkauf hin,
den man anpreis' allerorten...

Ich brachte ihm auch in Erinnerung
all der Polit'ker Versprechen,
zum Beispiel zum End' des Rabattverbots
und sonst'ger übler Gebrechen.

Ein drittes Problem gäb es sicher auch
für die Kreuz'gung am Freitage:
Da wären die Deutschen beim Großeinkauf
fürs Wochenend', ohne Frage.

Noch schwieriger sei es damit bestimmt
an normalen Wochenenden:
Die Bürger, sie flüchteten auf das Land
oder fräßen, glotzten, pennten...

Desweit'ren, merkte ich einfühlsam an,
könnt' sein Gewicht viel verderben:
Wer wüßt', ob solch Kreuz auch die Last gut hielt
für die Zeit bis hinters Sterben..?

Außerdem wäre die Grablegung sehr
durch volle Höhlen erschweret:
Sie hätten sich leider zur Lagerung
von Müll und Giften bewehret...

Auf meine Worte hin weinte mein Freund,
ich gab ihm mein Tuch zum Schneuzen.
"Ach", sprach ich, "schade, daß nicht mehr modern
Messiasse an Holzkreuzen."

Vielleicht, tröstet' ich, käm ein and'rer Traum,
einfach und schnell auszuführen,
viel angenehmer sei es sowieso,
nägellos sich aufzuführen...

"Geh'", riet ich ihm, "doch für heute nach Haus,
Maria macht was zu essen.
Vielleicht kannst du bei einem Spiegelei
den Heiligen Geist vergessen!"

Da hellte sich auf das trübe Gesicht,
als ob die Sonne aufginge.
Der Heilige Geist hätt' grade gesagt,
er sei Elvis: "Geh hin. Singe!"
 
K

Klopfstock

Gast
Hallo, Penelopeia,

also die Idee von einem Menschen, der im Suff
göttliche Eingebungen hat gefällt mir, ist auch
sehr humorig und ich mußte schon grinsen - nur
die Ausführung, entschuldige bitte, aber da könnte man
viel mehr daraus machen. Ich habe mir sogar den Spaß
gemacht und es "nachgedichtet" für mich sozusagen, ohne
Deinen Inhalt zu verfälschen, aber das würde jetzt bei
dieser Länge des Gedichtes zu weit führen.
Wie gesagt, Idee und Inhalt sind wirklich zum schmunzeln.

Sende Dir liebe Grüße
 

 
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