Mikroerotika zum Vierten

Susi M. Paul

Mitglied
Mikroerotika zum Vierten

(Sonderausgabe für einen tendenziell unfröhlichen, weil coronigen Advent)



1

An einem nebligen, ausgangsbeschränkten Novemberabend, nachdem sie ihr Tagwerk an beruflichen und häuslichen Pflichten erfüllt hatten, gingen Susi und Paul daran, ihren Adventskalender zu gestalten. Sie kamen nicht weit. Denn wie sie so miteinander schäkerten und sich im Onlinefachhandel für Ehehygiene die neuesten Spielsachen anschauten, weil der Kalender ja wirklich speziell werden sollte, erfasste sie ein rasant anschwellendes Bedürfnis in ihren zentralen Geschlechtsteilen. Sie hätten eben auch ihre ehelichen Pflichten vorher erfüllen sollen.

;)

2

Die Milch für ihren Frühstückslatte war leer. Da bediente sie sich einfach an seiner Morgenlatte.


3

Als er sein empfindliches Thermometer in sie einführte, spürte er, dass ihre Kerntemperatur schon viel zu hoch war. Was blieb ihm anderes übrig, als überstürzt mit seiner seifig-molekularen Espuma zu kühlen?


4

Viermal hintereinander hatte er sich rührend und massierend um sie bemüht. Vor und nach dem Mittagsschlaf, beim Spaziergang im Wald und zur Tagesschau auf dem Sofa. Sie hatte es ihm auch jeweils lauthals gedankt. Sobald er aber sein Recht einforderte, selbst an die Reihe zu kommen, schützte sie Migräne vor. Da nahm er das Hochzeitsbild aus dem Rahmen und benutzte es als Zielscheibe. Wieder hinter Glas, sah es unschön befleckt aus.


5

„Als Nachtisch gibt es für jede von euch eine frisch gepellte Eichel mit würziger Sahnesauce“, verkündete Rita ihren allseits und allzeit experimentierfreudigen Freundinnen, denen sie eine spritzige Überraschung versprochen hatte.


6

Erschöpft, aber mit ihren Auftritten zufrieden, befreiten sich der Nikolaus von Untertupfing und sein Krampus von ihren verschwitzten Kostümen. Wie Sie dann in ihrer spärlichen Unterwäsche dastanden, stellten sie fest, dass der Hausmeister nur die Männerduschen aufgesperrt hatte. Er hatte nicht bedacht, dass diesmal die Sauer Maria den Krampus spielen würde und nicht ihr Bruder, weil der in Quarantäne war. „Macht nichts, wir sind doch erwachsene Leute“, sagten sie fast unisono. Wie erwachsene Leute mit einem gesunden Geschlechtstrieb allerdings, vor allem unter dem heißen Wasser.


7

Für seinen samstäglichen Besuch hatte sie ihre aufreizendsten Dessous angelegt, doch er kam nicht. Das Essen war fertig, doch er kam nicht. Das Essen war verkocht, doch er kam nicht. Da holte sie ihren appetitlich fleischfarbenen Frauentröster hervor. Sie kam, er kam immer noch nicht. Als er dann endlich kam, fand er verschlossene Tore vor.


8

„Verkehrskontrolle!“, sagte der Polizist maliziös von oben herab, als er Paul und Frieda in ihrem niegelnagelneuen Cabrio bei der ganz offensichtlich mutwilligen Erregung öffentlichen Ärgernisses ertappte.

:):)

9

„Holla der Waldfaun!“, rief sie aus, als sie dem Nachbarn ein paar Tomaten rüberbrachte und ihn dabei auf der Terrasse mit heruntergelassener Hose erwischte. „Holla die Waldfee!“, kam es ihm über die Lippen, nachdem sie gedankenschnell ihr Röckchen gelupft hatte. Diese Chance, seine Gurke zu verkosten, wollte sie schließlich nicht ungenutzt verstreichen lassen.


10

Die von Mirjam sind braun, die von Gertrud schwarz, die von Klara naturrot. Petra trägt sie, wasserstoffgeblondet, fast glatt, Steffi hübsch gekräuselt und Lisas sehen so elegant gelockt aus, als hätten sie eine Dauerwelle bekommen. Hilda hat sie ratzeputz eliminiert und Linda sie zum Herzchen gestutzt. Helene schließlich hat die wenigen, die ihr Epilierer zu verschonen pflegt, zu einem Pfeil gestaltet, der mir den Weg dorthin weist, wo meine Liebkosungen am willkommensten sind. Welche Wonne, solch eine Vielfalt!


11

„Küss die Hand, gnä Frau! Ah so, der Herr Gemahl küsst lieber weiter unten? Völlig verständlich, und sicherlich nicht zu Ihrem Missvergnügen, nehme ich an. Und jetzt, zu Weihnachten, soll es als Geschenk für ihn dort eine Generalüberholung geben? Schauen wir doch mal, was sich machen lässt. Nehmens bittschön Platz und die Beine auseinander. Ja, ich sehe schon, es baumelt und fältelt etwas. Aber keine Sorge, was hier dazwischen schlapp heraushängt, das können wir problemlos entfernen, und außenherum spritzen wir es einfach etwas auf. Da kann dann der Herr Gemahl wieder beherzt küssen und kölbeln.“


12

„Ja leckt mich doch alle kreuzweise am Arsch“, kommentierte Sven unflätig die Quartalszahlen, die Ilse ihm gerade gebracht hatte. Die beschloss, die Gelegenheit für einen strategischen Vorstoß am Schopf zu packen. Zunächst legte sie leichtes Bedauern in ihre Stimme: „Ausgerechnet damit kann ich leider nicht dienen, weil ich das ungemein ekelhaft finde. Allerdings“, beeilte sie sich dann ein schmeichelnd hinzuzufügen, „hätte ich da ein paar andere, wirklich interessante Praktiken drauf. Meinetwegen können wir gleich anfangen, die durchzutesten.“


13

„Eene, meene, riste, wer kommt mit in die Kiste?“, zählte Marion ab. Vor ihr standen fünf hoch- bis höchstmotivierte Kandidaten für diese Nacht. Allerdings hatte sie nur Lust auf einen, wollte die anderen aber nicht verprellen. „Eene, meene, plin, und du bist drin!“ Ihr Finger zeigte auf den mit dem langen Bart und dem auffälligsten Gemächt. Kein Zufall natürlich, denn Marion wusste ganz genau, wo sie mit dem Abzählen beginnen musste.


14

„Weißt du was? Mein Honigtöpfchen wird gerade wunderschön feucht“, erklärte Steffi dem selbsternannten Sexiest Man Alive neben sich. Unglücklicherweise gehörte der aber auch zu den begriffsstutzigsten seiner Sorte. Um also den Ernst der Lage zu verdeutlichen, nahm sie seine rechte Hand vom Schaltknüppel und führte sie unter ihren Rock, dorthin, wo das Honigtöpfchen Honig produzierte. Da begriff er endlich. Allerdings konnte er bei dem Megastau am Mittleren Ring mit diesem Erkenntnisgewinn reichlich wenig anfangen.


15

„Alles querliegende Samenstränge“, verkündete Ralf stolz, während seine neue Freundin zum ersten Mal seinen Bierbauch freilegte. Doch nach zwei Stunden intensiver Massage, bei der sie es gerade mal schaffte, zwei lächerlich kleine Portiönchen dieser Stränge herauszupressen, dämmerte ihr, dass das mit dem schier unerschöpflichen Vorrat geschummelt war. Mehr als unbefriedigt verließ sie ihn ohne weitere Umstände.

:rolleyes::rolleyes::rolleyes:

16

An Halloween hatten ihn alle versetzt. Sogar Gerdi und Dani. Scheißvirus! Also baute er sich einen Joint, zündete die Kerze im Riesenkürbis an und gab sich der Erinnerung an die geilen Partys früherer Jahre hin. Als er high genug war, setzte er seinen Schwanz an das passgenau herausgeschnitzte Nasenloch, trieb ihn ein paarmal hinein und schaffte es tatsächlich, gleich mit dem ersten Schub die Rudelrammelgedächtniskerze auszuspritzen.


17

Nackt wie eine Grazie, das Gesicht dem Meer zugewandt, lag sie drei, vier Meter vor mir. Ihre gazellenschlanken Beine ruhten, bequem ausgebreitet, im warmen Sand. Der Seewind wehte ihr durch die Ritze und die sanften Strahlen der untergehenden Sonne streichelten sie. Ach hätte ich doch, wie die Gischt der sich brechenden Wellen dies konnte, einen Blick auf ihre tiefsten Geheimnisse werfen können!


18

Jedes Jahr pünktlich zur dunklen Zeit überkommt Jochen seine Herbstfrigidität. Um ihn dennoch wenigstens ab und zu steif ins Bett zu bekommen, pflegte seine Myra ihm früher Bilder aus Pornos oder von ihrer schmachtenden Rille ins Büro zu schicken. Leider meist ohne durchschlagenden Erfolg. Besserung brachten erst sonnige Fotos vom letzten Sommer. Steifheitsmäßig flutscht es seitdem zwar immer noch nicht wie im Urlaub, aber die Entbehrungen ihrer Rille werden zumindest nicht gänzlich chronisch.


19
Nach der heißen Salsa, die sie hingelegt hatten, brauchten Swenja und Klara eine Pinkelpause. „Viel Vergnügen!“, rief Rolf ihnen eingedenk der üblichen Schlangen vor dem Frauenklo sarkastisch hinterher. Während er so vor sich hin wartete, malte er sich aus, wie er hinterher die zwei abschleppen würde. Er hatte ja keine Ahnung, mit welchem Vergnügen die beiden gerade ihre mühsam ergatterte Kabine zu einem ganz anderen Behufe als dem Pinkeln blockierten.

20

Elfter Elfter. Schon in der Früh habe ich es gespürt. Eins nach elf. Ein angenehmes Sabbern macht sich breit. Um diese Zeit war ich sonst längst auf der Pirsch. Letztes Jahr habe ich vier ausgewachsene Machos zur Strecke gebracht. Fünf nach elf. Mein Klausi hat allerdings fünf Faschingsmiezen flachgelegt. Behauptet er jedenfalls. Ich hege da so meine Zweifel. Neun nach elf. Heuer Coronadarben. Nichts von wegen einmal im Jahr Abwechslung vom Ehetrott. Elf Uhr elf. Er ist pünktlich. „Schatz, ich hätte da was ziemlich Hartes für dich. Kommt garantiert besser als deine Geschichten.“


21
Es war wieder das Zucken, das sie verriet. Alles andere hatte sie inzwischen perfekt unter Kontrolle. Aber ihr Sitznachbar regierte verständnisvoll, wie die meisten. „Auf diesen langen Flügen, wer kann es Ihnen verdenken?“ Da stimmte sie vollinhaltlich mit ihm überein. Während er daran ging, es ihr gleich zu tun, unterband sie daher auch nicht den Impuls seiner anderen Hand, über ihr vor Wonne schier zerflossenes Heiligtum zu streicheln. Sie half ihm sogar mit ihrer Serviette aus, als es für ihn an der Zeit war, sich zu säubern.


22

„Du Holger“, seufzte Silke leicht genervt, als sie ihn schon wieder mit seinem allzeit steif Bereiten auf sich zukommen sah, „statt dass du mich immer rammelst, könnten wir doch vielleicht auch mal knuffeln. Die Belgier sagen, das hilft gegen Corona.“

:oops::oops::oops::oops:

23

Unbequem gefesselt und mit einem gehörigen Brummschädel liegt er auf einem Liegestuhl. Und es amüsiert ihn keineswegs, dass die drei Nackedeis am Grill ihm seinen Pinsel alle naselang mit Bier und Chiliöl einpinseln. Er hätte argwöhnisch werden müssen. Gestern hatte er in dem Garten drei Mädels oben ohne beobachtet, heute waren es nur zwei gewesen, die dafür ohne alles. Als es dann hinter ihm im Gebüsch geraschelt hatte, war es zu spät gewesen. Nun fragt er sich schon eine ganze Weile, wie sein gut gewürzter Schniedel wohl den sich abzeichnenden Sonnenbrand überstehen wird.


24

„Du mit mir, das könnte passen“, sagte sie beim ersten Kölsch. „Du auf mir, das könnte passen“, sagte er beim zweiten Kölsch. „Du in mir, das könnte passen wie die Stange in den Kranz“, sagte sie beim dritten Kölsch, bevor sie sich wechselseitig die Kleider vom Leib rissen und übereinander herfielen. Das konnten sie ungeniert tun, ohne jemandem zu nahe zu treten, denn er war der einzige Gast in ihrer Kneipe, an diesem traurigen Heiligen Abend der Ära Corona.
 
Hallo Susi M. Paul,

das ist ja ein lustiger Adventskalender (bei 24 Törchen ...;)). Kommt dann aber noch zwei Wochen zu früh.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Also wenn ein Adventkalender mit erotischen Türchen zu früh kommt, passt das ja perfekt zu Lust und Liebe!
:)

Die Geschichtchen sind jetzt nicht so mein Fall, aber witzige Idee!

Und Einspruch: So schnell wirkt Kölsch nicht. Da muss schon ein gefüllter Kranz leer sein ... :cool:
 

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