nachtspaziergang bei vollmond

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Mara Krovecs

Mitglied
Vollmondspaziergänge um den See, im Wald, in der Stadt ... ich liebe das sehr.

Daher hat mich Dein Gedicht sofort angesprochen ... ich wunderte mich, über den nüchternen Einstieg, als ob das Lyrische ich gar nicht wirklich dabei wäre, Gedanken hinter den Gedanken hätte ... gut verborgen, vielleicht sogar vor sich selbst.
Und dann der letzte Vers .... DAS hat das Lyrische Ich in Wirklichkeit beschäftigt .... das war der Grund für den Spaziergang, den Kopf frei zu bekommen, für diesen Satz.

Kleine winzige Veränderungsvorschläge, leichte Füllwortstreichung, vielleicht auch, um die Nüchternheit noch stärker zu betonen.Eventuell ist die dritte Strophe entbehrlich ...



Nachtspaziergang bei Vollmond

manchmal gehe ich
nachts noch aus

die straßen entlang
den menschen
aus dem weg

hier und da
erinnert mich etwas
an dies und das


lichter und gesichter
in den fenstern

vollmond
stimmen und
irgendwo musik

in den gassen
sitzen all die leute
sie essen und sie trinken

und sie lachen über mich


Nachtspaziergang bei Vollmond

manchmal gehe ich
nachts aus

die straßen entlang
menschen
aus dem weg

lichter - gesichter
in fenstern

vollmond stimmen
irgendwo musik

in gassen
sitzen all die leute
sie essen - sie trinken

und lachen über mich



Vielleicht gefällt Dir aber der leichte Erzählton besser, dann passen auch die Füllwörter .... es ist ja Dein Gedicht, das mir allemal gefällt.

Herzlichst

Mara

Ps. Ich finde, dass die "unds" schon deshalb so reduziert werden könnten, weil dann das letzte "und", auf das es ankommt, so richtig kracht.
 

Cellist

Mitglied
Liebe Mara,

danke für die interessanten Hinweise und Vorschläge. Ich werde sie mir in Ruhe anschauen und überdenken.
Ich habe gefreut über deinen Beitrag.

LG
Cellist
 

Ulritze

Mitglied
"und lachen über mich"
Feine Ironie. Ein Hauch "romantischer Ironie"?

Wie hätte Franz Schubert diese Verse vertont oder wie würde ein moderner Franz Schubert dies tun?
"... Ihr lacht wohl über den Träumer... " (Winterreise, Frühlingstraum)
 

Cellist

Mitglied
"und lachen über mich"
Feine Ironie. Ein Hauch "romantischer Ironie"?

Wie hätte Franz Schubert diese Verse vertont oder wie würde ein moderner Franz Schubert dies tun?
"... Ihr lacht wohl über den Träumer... " (Winterreise, Frühlingstraum)
Danke dir, Ulritze. Ein Träumer könnte es sein ... ;-)

LG
Cellist
 

Cellist

Mitglied
Hallo Mara noch einmal,

ich habe jetzt noch ein wenig gefeilt an dem Text und dabei deine Vorschläge zum Teil dankbar angenommen. So ganz konsequent konnte ich nicht streichen. Wie du schon schriebst, ist mir das Erzählerische bei diesem Text wichtig, auch wenn ich gewöhnmlich für Anderes bekannt bin und für einige zu sehr verdichte. Nun, das ist jetzt mal eine neue Version, die vielleicht auch eine Zwischenversion ist:


Version II

nachtspaziergang bei vollmond


manchmal gehe ich
nachts aus

die straßen entlang
den menschen
aus dem weg

lichter, gesichter
in den fenstern

vollmond, stimmen
irgendwo musik

in der kneipengasse
sitzen all die leute

und lachen über mich
 

Vera-Lena

Mitglied
Hallo Cellist, die zweite Version gefällt auch mir viel besser. Die letzte Zeile lässt einen nachdenken: Geht da jemand allein spazieren, weil er weiß, dass man sich für gewöhnlich über ihn lustig macht, oder bildet er sich das ein, dass die Leute über ihn lachen? Das gefällt mir gut an dem Text, dass der Schluss gänzlich offen bleibt.

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Cellist,
welche Version ist besser?
Manchmal ist das eine müßige Frage. Je nach Blickwinkel kommt das eine oder das andere besser an.
Ich finde nicht wirklich einen Zugang zur überarbeiteten Version.
Die hier eingestellte erste Version fand gleich unmittelbar den Weg zu mir.
Was mir die erste Version vermittelt: Vagheit, Herumstreunen, ein Nirgendsangebundensein (nicht im Sinne von Freiheit, sondern im Sinne von Fremdsein), Beliebigkeit (Empfinden von Leere und Austauschbarkeit), in sich versunkenes Sinnieren. In der ersten Version fließen Text und Verunsicherung gleichermaßen. In der zweiten Version wird "regulierend" in den Textfluss eingegriffen. Jetzt wirkt der Text klarer, gefasster. Aber geht es nicht eigentlich darum: dass jemand die "Fassung" (das Eingebundensein in ein größeres Ganzes) verloren hat?

lg wüstenrose
 

Cellist

Mitglied
Hallo Cellist, die zweite Version gefällt auch mir viel besser. Die letzte Zeile lässt einen nachdenken: Geht da jemand allein spazieren, weil er weiß, dass man sich für gewöhnlich über ihn lustig macht, oder bildet er sich das ein, dass die Leute über ihn lachen? Das gefällt mir gut an dem Text, dass der Schluss gänzlich offen bleibt.

Liebe Grüße
Vera-Lena
Danke dir, liebe Vera-Lena.
 

Cellist

Mitglied
Hallo Cellist,
welche Version ist besser?
Manchmal ist das eine müßige Frage. Je nach Blickwinkel kommt das eine oder das andere besser an.
Ich finde nicht wirklich einen Zugang zur überarbeiteten Version.
Die hier eingestellte erste Version fand gleich unmittelbar den Weg zu mir.
Was mir die erste Version vermittelt: Vagheit, Herumstreunen, ein Nirgendsangebundensein (nicht im Sinne von Freiheit, sondern im Sinne von Fremdsein), Beliebigkeit (Empfinden von Leere und Austauschbarkeit), in sich versunkenes Sinnieren. In der ersten Version fließen Text und Verunsicherung gleichermaßen. In der zweiten Version wird "regulierend" in den Textfluss eingegriffen. Jetzt wirkt der Text klarer, gefasster. Aber geht es nicht eigentlich darum: dass jemand die "Fassung" (das Eingebundensein in ein größeres Ganzes) verloren hat?

lg wüstenrose
Hallo wüstenrose,

in der Tat ein interessantes Thema. Was doch ein paar kleine Änderungen bewirken können. Ich bin froh, dass beide Versionen hier stehen. Ich lasse deinen Kommentar jetzt erst einmal unbeantwortet. Vielleicht kommt ja noch der eine oder andere Beitrag zu diesem Thema hinzu. Würde mich freuen und interessieren.

LG
Cellist
 

Cellist

Mitglied
Hallo Cellist,
welche Version ist besser?
Manchmal ist das eine müßige Frage. Je nach Blickwinkel kommt das eine oder das andere besser an.
Ich finde nicht wirklich einen Zugang zur überarbeiteten Version.
Die hier eingestellte erste Version fand gleich unmittelbar den Weg zu mir.
Was mir die erste Version vermittelt: Vagheit, Herumstreunen, ein Nirgendsangebundensein (nicht im Sinne von Freiheit, sondern im Sinne von Fremdsein), Beliebigkeit (Empfinden von Leere und Austauschbarkeit), in sich versunkenes Sinnieren. In der ersten Version fließen Text und Verunsicherung gleichermaßen. In der zweiten Version wird "regulierend" in den Textfluss eingegriffen. Jetzt wirkt der Text klarer, gefasster. Aber geht es nicht eigentlich darum: dass jemand die "Fassung" (das Eingebundensein in ein größeres Ganzes) verloren hat?

lg wüstenrose

Hallo wüstenrose,

nachdem nun nichts mehr an Kommentaren kam, möchte ich dir noch einmal antworten. Welche Version besser ist, kann man wohl hier nicht fragen, wie du schon sagtest. Die zweite Version ist überarbeitet, daran wurde gefeilt. Sie ist runder, vermutlich auch lyrischer. Und, um es zu sagen, sie gefällt mir. Ich glaube, Mara hat gute Hinweise gegeben.
Allerdings ist die erste Version nicht über den Kopf, sondern über Gefühl entstanden. Sie drückt tatsächlich aus, was der Autor gefühlt hat, als er den Text geschrieben hat. Du findest, wenn ich dich recht verstehe, in dieser ersten Version mehr Lebendigkeit, sie überträgt mehr. Ja, auch für mich fließt sie mehr, ist eingängiger, hier stimmen Textrhythmus und -stil mit der Situation des LyrIch überein. Und mit dem Herzen bin ich bei der ersten Version.

Wie wir hier sehen, sind die Geschmäcker verschieden. Und das ist OK.
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Interessanter Text. Viel Spielraum für Assoziationen

manchmal gehe ich nachts aus

den menschen
aus dem weg

hier und da
erinnert mich etwas
an dies und das...

...lichter, gesichter
stimmen
dies und das

irgendwo musik

in den gassen
sitzen leute
sie essen und trinken

und lachen über mich
 

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