Nichts konnte die große Kindheitswunde heilen

Rezension zu:
David Foenkinos, Lennon, DVA 2018, ISBN 978-3-421-04799-1

Er ist seit Jahrzehnten ein Liebhaber seiner Musik und hat sich schon sehr lange mit dem Gedanken getragen, etwas über ihn zu schreiben um ihm näher zu kommen und mehr zu verstehen, was für ein Mensch dieser John Lennon war. Nun hat der französische Schriftsteller David Foenkinos diesen Versuch gewagt und es ist ihm hervorragend gelungen.

In einem Interview sagt Foenkinos dazu: „Ich lasse John Lennon in der Ich-Form erzählen, aber auf meinem Buch steht ja ‚Roman‘. Insofern verrate ich ihn nicht. Und natürlich habe ich versucht, ihm so nahe wie möglich zu kommen. Ich habe versucht, mir Lennons Sprache anzueignen, seine lustige und sehr poetische Art, die Dinge zu sehen, auch in Momenten der Verzweiflung.“

Nach umfangreicher Recherche setzt David Foenkinos John Lennon im Jahr 1975 auf die Couch eines Psychoanalytikers. Nachdem John Lennon kurz vorher entschieden hatte, keine Bühne mehr zu betreten, lässt ihn Foenkinos in insgesamt achtzehn Sitzungen, die sich über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren hinziehen und immer wieder längere Zeit unterbrochen werden, sein Leben erzählen. Seine problematische und einsame Kindheit, die in ihm eine lebenslang schwärende Wunde zurückgelassen hat, die er auch mit Drogen, Alkohol und Frauen und erst recht nicht mit Erfolg heilen kann, der kometenhafte Aufstieg der Beatles und wie er daran fast zugrunde gegangen wäre. Er erzählt von seiner Liebe zu Yoko Ono, den Jahren des Suchens, der Drogen, des Größenwahns – und seinem Kampf für den Frieden.

Wer war dieser John Lennon wirklich, den sie alle zu kennen glauben? David Foenkinos versucht in seinem Roman das Seelenleben von John Lennon zu ergründen. Die Grenze zwischen Fiktion und Fakten verwischt dabei an vielen Stellen. Doch die im Buch erzählten Begebenheiten sind genau so geschehen. Seine Interpretation dieser Ereignisse jedoch, die er seinem John Lennon auf der Couch in den Mund legt, ist jedoch frei erfunden.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt, manchmal total erschüttert, besonders die immer wieder schmerzhaft spürbar Tatsache, dass alles, was dieser letztlich einsame Mann versucht hat, die große Kindheitswunde nicht heilen kann.

Seine Musik hat hunderte von Millionen Menschen überall auf der ganzen Welt berührt und bewegt. Viele Generationen von den sechziger Jahren bis heute haben sie gehört und sich je länger je mehr von Lennons Texten inspirieren lassen. Wie autobiographisch geprägt sie alle waren, kann man in dem Buch von David Foenkinos nachlesen.
 

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