Noch mehr Mikroerotika

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Susi M. Paul

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"Guttural" - das war das Wort, nach dem er schon den ganzen Nachmittag gesucht hatte. Endlich war es im eingefallen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, seine Frau hatte ihn darauf gebracht. Die fand es aber verständlicherweise gar nicht lustig, dass er sich kurz vor ihrem Orgasmus ausstöpselte und in die Küche rannte, um anstatt sie sein Zeit-Rätsel fertigzumachen.

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„So kam ich unter die Männer“
Das stand einsam und allein als Überschrift auf dem ansonsten jungfräulich weißen Blatt. Mit der Geschichte wollte ich vom Leder ziehen und die Herren Schwanzträger als ewige Schweine entlarven. Doch mir wurde bewusst, dass ich eigentlich zu wenig Erfahrung mit ihnen hatte. Also warf ich mich in Schale und zog um die Häuser. Drei Monate lang. Nun lautet der Titel meines neuen Buches: „So kam ich unter die Männer und wurde genauso ferkelig wie sie“.

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Den tiefschwarzen Schnauzer über ihrem saftigen, vertikalen Mäulchen stutzte sie jede Woche sorgsam und wichste ihn überdies fast täglich. Leider hatte sie lange niemanden, der ihre dergestalt geschmückten Lippen bewundert hätte. Eines heißen Sommertages beschloss sie daher, den Slip unter dem dünnen, weißen Kleidchen wegzulassen. Und, sieheda, plötzlich wollten sie gleich drei Bartverehrer bürsteln, was unvermeidlich zu Irritationen führte.

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Sie lernten sich über ein Vermittlungsportal für besondere Ansprüche kennen. Als sie merkten, dass sie beide bei der Angabe zum Hobby: „Lesen“, nicht gelogen hatten, chatteten sie die halbe Nacht über ihre Lieblingsbücher. Schon am nächsten Abend landeten sie in der Kiste. Er gewann das Schnick-Schnack-Schnock und griff, natürlich, zum Zauberberg. Mit seiner tiefen, sonoren, männlichen Stimme las er, bis sie vor Lust fast verging.

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Das Thermometer zeigte 38 Grad. Völlig geplättet lag er, alle Viere von sich gestreckt, auf dem Bett. Völlig geplättet? Nein! Ein unbeugsamer Körperteil hörte nicht auf, den Temperaturen Widerstand entgegenzustrecken. Bis sich endlich eine hitzeresistente Maid seines Zaubertranks bemächtigte.

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Beim Griechen um die Ecke feierten die zwei das 20-Jährige der Erstbesteigung standesgemäß mit Vorspeisenplatten und Korfutellern. Hinterher im Bett erinnerten sie sich an das anmutig gespaltene Hügelchen von damals, das sich über eine weithin flache Landschaft erhoben hatte. Nun war es zum Ausläufer eines mächtigen Mittelgebirges degradiert. Ihren Besteiger, der ihr in Sachen Fleischberge in nichts nachstand, focht dies nicht an. Für seine Lieblingsdisziplin, die Höhlenerkundung, war es einerlei, was sich darüber auftürmte.

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Eine Muschi wie ein Strich. Sein Gehilfe in Sachen Lüste und Gelüste stellte sich auf wie eine Eins, um daraus einen Kreis zu formen. Doch dann fing sie an, ihn zu vermessen. Länge, Umfang der Eichel, Umfang am Schaft, Erektionswinkel, Linksabweichung und dergleichen mehr. Während sie die Daten in ihre Kladde eintrug, kündigte der Gehilfe seine Dienste auf. Bedauerlich, denn endlich einmal hätte einer exakt gepasst.

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„über allen zipfeln ist ruh',
in deinem ritzchen spürest du
kaum einen hauch.
die vögelein schnäbeln im walde.
warte nur, balde,
vögelst du auch.“

Als Elke am Frühstückstisch diese lyrischen Ergüsse ihres längst zu seinem Arbeitsplatz geeilten Liebsten vorfand, liefen ihr Herz und andere Organe über vor Freude. Wohlgemut nahm sie ihr Tagwerk in Angriff, der Dinge harrend, die sein Zipfel und ihre Ritze bald verrichten würden.

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Karl versteifte eigentlich nur, wenn sie ihn mit einem seidigen Stoff an den richtigen Stellen streichelte. So erklärte sich das Arsenal an Schals und Tüchern, das Carola zusammengetragen hatte. Allerdings wusste sie nicht, dass auch Silke wusste. Sie erfuhr es auf der Fete zu ihrem 40. Von der Küche aus sah sie im Flurspiegel, wie die Schlampe den rosafarbenen Hauch eines Slips unter ihrem sündigen Röckchen hervorzog und ihn damit im Nacken kitzelte. Willig folgte er ihr ins Gästezimmer. Tragisch endete Carolas nachfolgender Wutanfall für die Fische im Gartenteich. Die waren wahrlich nicht auf zentnerweise Seide in ihrem Revier vorbereitet.

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Um der deutlich erhöhten Treffsicherheit willen war Lisa ja sehr dafür, dass sich Männer beim Pinkel hinsetzen. Aber dass es einer ausgerechnet im Frauenklo ihrer Lieblingskneipe machen musste, bei sperrangelweit offener Kabinentüre, das fand sie nicht so gut. Sie wollte schon Zeter und Mordio schreien, als sie merkte, dass der besoffene Typ mit seinem widerspenstigen Viertelsteifen nicht wirklich wie ein perverses Arschloch aussah. Eher wie ein Maikäfer, der hilflos auf dem Rücken liegt. Ihr Beschützerinstinkt war geweckt, ja mehr noch jener andere, viel egoistischere Instinkt. Der führte sie tatsächlich zum Erfolg. Aber erst am nächsten Tag, nachdem sie aufopferungsvoll seinen wütenden Kater bekämpft hatte.

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Dass das Steife ins Weiche musste, wussten eigentlich beide. Doch in der Praxis gab es da ein Problem. Sie unten, das kam ihr nicht in die Tüte, “such dir dafür ein williges Weibchen!“ Er unten? Woher denn, „das würde meiner Männlichkeit unwiederbringlichen Schaden zufügen“. Liegend von der Seite kam er nicht zwischen und in sie. Sich von hinten einstechen lassen? „Ich bin doch keine Karnickelin!“ Also blieb nur stehend, face-to-face, sie auf einem Höckerchen balancierend. Er kam mit Mühe, lustlos. Sie wartete vergebens auf das ersehnte Zucken. Bis heute übrigens.

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Nie hätte er es für möglich gehalten, dass er noch einmal in dieser Prachtscheide stecken würde. Und sie hätte nicht zu träumen gewagt, ihn noch einmal in sich aufnehmen und seine stählerne Härte spüren zu dürfen. Zu lange hatten sie schon nebeneinander gelegen, ohne sich auch nur berühren zu können. Bis die Archäologin sie auf dem alten Schlachtfeld freilegte und den Dolch in das ihm zugehörige Futteral einführte.

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Jo mei, Herr Wachdmoasda, gseng hob i di freili, di zwoa, wia sis driem hom. Oba wos is do a scho dabei. Is ja koa Wunda ned, dass oam do der Zibbfe gands narrisch wead, bei dene hoibnaggadn Weibsleid, di wo do oiwei rumlaffa. Und easchd di Bodhosn vo di Mannsbuider, do sigd ma doch ois, wos di do drin schdegga hom. Und wenns oam vo dene Deandln dann nahad a glusd, worum soins na a ned a weng schnaxeln. Di zwoa hom se ja eh vaschdeggd. Bled gloffa hoid, dass af oamoi am Bresendiadella gleng san, wia der Eiswong weggfoan is. Agrad wos eana olle zwoa kemma is.
 

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