Petit Paris.

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G

Gelöschtes Mitglied 20939

Gast
Wie jeden Morgen sitze ich auf meinem kleinen Balkon und trinke einen Kaffee. Morgens trug die Luft noch die feuchte Nacht in sich. Daher war sie deutlich kühler, steckte jedoch noch voller Möglichkeiten, Zweideutigkeit und Zuversicht. Ich atme tief ein, hole meinen Laptop von dem Glastisch im Wohnzimmer und schalte ihn ein. In der Ferne kann ich die Umrisse der Spitze des Eifelturms erkennen. Die Straße schien noch zu schlafen. Zumindest waren die meisten Rollläden, Jalousien oder Fensterläden noch nicht geöffnet worden. Ein Baum der schmalen Allee ragt beinahe durch das filigrane Geländer hindurch. Die Sonne war gerade erst aufgegangen, weshalb ich ein wenig fror. Bevor mich also eine Gänsehaut packen kann, werfe ich mir eine gestreifte Decke über die Schultern. Paris war, subjektiv gesagt, eine Stadt, zu der Ruhe und Schlaftrunkenheit passte. Das Zwitschern der Vögel lässt meine Ohren spitz werden. Ich glaube das Gefühl jener Morgen im Frühling oder Sommer war eines meiner liebsten. Wenn der Winter sich langsam zurückzog und ich merkte, wie ich wieder mehr Hoffnung schöpfte. Ich denke sogar, dass die Menschen im Sommer wesentlich mehr Energie hatten. So ging es zumindest mir. Eine ordentliche Portion Glück verbreitete sich jedes Mal in mir, sobald ich auf dem Bildschirm meines Laptops las, dass die Temperaturen in den nächsten Tagen kontinuierlich ansteigen würden. Mein Balkon befand sich auf der Südseite, wodurch ich den Sonnenaufgang im Osten sehr gut beobachten konnte, sofern ich mich auf den rechten der beiden hölzernen Klappstühle setzte. Der Sonnenaufgang sieht wie so oft atemberaubend schön aus. Fast zu schön, um meinen Blick davon abwenden zu können, was mich von der Arbeit abhält. Das hatte ich fast vergessen zu erwähnen. Ich arbeitete seit einigen Jahren als Dame eines zaghaft anrüchigen Metiers. Grundsätzlich war es mein Ziel mich als Schriftstellerin über Wasser zu halten, allerdings waren andere von meinen literarischen Werken nur gering überzeugt. Um ehrlich zu sein, hatte ich in den letzten Monaten keinen Cent mit meiner Kunst verdient. Aber so ist das nun mal. Hast du dich einmal mit dieser Kreativität angefreundet, willst du sie nicht mehr loslassen. Sie ist allerdings nicht daran interessiert dich finanziell über Wasser zu halten. Ob mir der weniger moralische Job Spaß machte? Es kam sehr auf den Mann an, mit dem ich an diesem Abend verkehrte. Es war nicht so gewesen, dass ich am Hungertuch nagte. Meine Eltern hatten mir angeboten mich auch nach dem Abschluss meines Studiums zu unterstützen, bis ich sicher auf eigenen Beinen stand. Ihnen war natürlich klar, dass die Finanzierung des Lebensunterhalts in Paris nicht vom Himmel fiel. Das Geschäft mit meinem Körper genügte dennoch zunehmend als alleinige Einnahmequelle. Zu meinen Gunsten war ich damals bei einer Agentur gelandet, die an wohlhabende Männer vermittelt. Es war Montag. Die meisten Männer zogen es vor mich unter der Woche zu sehen, da sie am Wochenende vorzugsweise Zeit mit ihrer Familie oder Freunden verbrachten, um den Schein zu wahren. Derzeit befanden sich sieben Stammkunden in meiner Kontaktliste. Es schien mir, als ginge mindestens jeder zweite Mann fremd. Es gefiel mir nicht einen matten Ring an ihren Fingern zu sehen. Anstandshalber erfragte ich die Hintergründe nie. Mein Kaffee war inzwischen fast erkaltet. Ich nehme die Tasse in die Hand, gebe ein wenig heiße Milch dazu und rühre die Emulsion behutsam mit einem viel zu großen Löffel um. Ich liebte es die Schlieren zu beobachten, die scheinbar schwerelos durch den umliegenden Kontext flogen. Ich mochte die Muster, die auf diese Weise entstanden. Ich nehme einen kräftigen, süß-bitteren Schluck, halte das Gefäß weiterhin fest und lege meine rechte Handfläche auf die Plastikmaus. Um mich nicht hoffnungslos in belanglosen Gedanken zu verlieren, riskiere ich einen Blick in meinen Terminkalender, den eine lederne Hülle umgab. Brunch mit Doktor Martin um elf, gemütliche Teerunde mit den Literaturfreunden um sechzehn Uhr, förmliches Abendessen mit Monsieur Macaron um halb acht. Ich wohnte in der Rue Duvivier, nur vierzehn Gehminuten vom Eifelturm entfernt. Motiviert schließe ich den Laptop. Es war bereits halb zehn. Die Sonne stand inzwischen selbstsicher am Himmel, während mir einfiel, dass ich unbedingt noch duschen müsse. Hygiene wurde in meinem Beruf verständlicherweise großgeschrieben. Dennoch fand ich zur Verdeutlichung keinen Buchstaben, der größer als das große H war, pardon. Hastig schlüpfe ich in meine weichen Hausschuhe, falte die karierte Decke aus Merinowolle zusammen und schließe die reichlich schwere Balkontür. Kurz bewundere ich wie so oft meinen wunderschönen Fußboden. Kirschholz, sehr angenehm. Allgemein legte ich auf die Einrichtung meiner bescheidenen, kleinen Wohnung sehr viel wert. Das meiste Geld, das ich verdiente, investierte ich in nützliche Dekoration oder Kleidung. Somit investierte ich wiederum in meine berufliche Zukunft, denn reizvolle Dessous hatten es auf meine Kunden abgesehen. Über wohltuender Fußbodenheizung sause ich auf Zehenspitzen ins Badezimmer, lasse meine seidene Schlafanzughose auf den Boden gleiten, ziehe mein Top über den Kopf, bringe das heiße Wasser zum Laufen. Ich hatte die nervige Angewohnheit, so betitelte es zumindest mein Exfreund, dass ich unter der Dusche automatisch anfing zu singen. Nach einer kurzen verträumten Ewigkeit streife ich zuerst ein schwarzes Spitzenhöschen über meine frisch rasierten Beine. Danach hole ich Strapse und einen perfekt sitzenden BH aus der weißen Hochglanzkommode. Da ich inzwischen ungefähr wusste worauf Männer standen, entschied ich mich für einen engen Bleistiftrock gepaart mit einer locker sitzenden hellblauen Bluse. Ihre Ärmel werden etwas hochgekrempelt, sodass man die silberne Armbanduhr auf Anhieb erspähen kann. Noch ein wenig Parfum auf die rechte und linke Seite meines Halses sprühen, die dezenten Ohrringe anbringen, kurz durch meine Haare kämmen, um sie dann anschließend verspielt über meine Schultern fallen zu lassen. Etwas Mascara auftragen, den Lidstrich nicht vergessen, Augenbrauen fixieren, in die schwarzen Pumps schlüpfen, mich in den cremefarbenen Trenchcoat werfen, die Schlüssel vom Schlüsselbrett nehmen, sie in meine Handtasche werfen, die Tür unter einem beruhigenden Geräusch hinter mir ins Schloss fallen lassen. Den Arm heben, ein Taxi hält an, einsteigen, die Tür kräftig zu mir ziehen, den Zielort äußern, Café de l'Homme verlauten, losfahren, im Stau stehen. Ich sehe verträumt aus dem Fenster, weshalb mich ein Gefühl überkommt, das ich zwischen Pflicht und Freiheit einstufen würde. Wohl eher zwischen Fantasie und Befangenheit. Ich zweifelte in manchen Momenten an der Gutartigkeit dessen, was ich tat. In den um einiges objektiveren Minuten, in denen sich mein Verstand außerhalb meiner kleinen Welt befand, wollte ich mich aus dem für meine Psyche schädlichen Business zurückziehen. Meine kreative Ader sollte ich ebenfalls zum Stillstand bringen. Es sah nicht danach aus, als führte sie mich auf den wahrhaftigen Weg. Ich war mittlerweile immerhin schon sechsundzwanzig, hatte also nicht mehr allzu viel Zeit mich für die richtige Karriere zu entscheiden. Irgendwann würde ich endgültig zwischen freiem Risiko und enger Sicherheit wählen müssen. Meine Formulierung klänge ziemlich pessimistisch, erinnert mich eine optimistische Seite. Der schmächtige Taxifahrer mittleren Alters bekundet, dass wir den Zielort erreicht haben. Er scheint Inder zu sein, denke ich blitzartig, als ich ihm das geforderte Geld in die Hand drücke. Doktor Martin, sage ich nahezu selbstbewusst zu dem Mann in gastronomischer Uniform. Er verliert einige Worte und deutet gleichzeitig souverän auf eine schmale Marmortreppe. Das grelle Tageslicht erblickend bewege ich meine Augen mehrmals schnell von rechts nach links, wobei sie auch schon eine haarige Hand fokussieren, die nahezu selbstverliebt in die Höhe schnellt. Bonjour Monsieur Martin, singe ich mit meiner erotischsten Stimme, während ich auf ihn zu stolziere. Unter einer freundschaftlichen Umarmung, die unterschwellig nach mehr verlangt, legt er seine rechte Hand auf meine linke Schulter. Seine andere Hand in seiner Anzughose belassend küsst er meine Wangen beidseitig, woraufhin er auf einen der beiden Sessel aus neongrünem Samt deutet. Nach dieser einladenden Geste befolge ich seinen Befehl natürlich gerne. Monsieur Martin war ein Arzt kurz vor der großen Lebenskrise. Zudem ahnte ich, dass er Kinder hatte. Eventuell war er auch schon älter und hatte sich nur besonders jung gehalten. Er war ein Kunde, mit dem ich auch in meiner Freizeit hin und wieder schrieb. Die Gespräche mit ihm waren allerdings nie besonders raffiniert gewesen. Nein, wenn man genauer grub, schien er ein Mann zu sein, der relativ einfältig dachte. Sicher war deshalb, dass zwischen uns eine etwas schräge Verbindung bestand. Er wirkte, als sei er dauerhaft scharf auf mich gewesen. Er hatte mich im Chat unzählige Male nach Videos und Bildern gefragt. Wünsche, die ich ihm virtuell nicht erfüllen wollte. Ich muss zugeben, dass er recht gut aussah. In dieser Sekunde fallen mir regelrecht Schuppen von den Augen. Ich glaubte, mich in seinen Anblick verliebt zu haben. Im Nachhinein würde ich meinen mentalen Zustand eher als irrational promiskuitiv bezeichnen. Umgeben von einer dunklen Sonnenbrille, einem weißen Hemd und dunkelblauem Pullover mit V-Ausschnitt sah er doch ziemlich ansehnlich aus. Seine dunkelblonden Haare glänzen in der Sonne, die seine schwarze Anzughose offensichtlich zu sehr wärmt. Getreu einem Modemotto trägt er an seinen schwitzigen Füßen schicke dunkelbraune Schuhe, die nicht weniger funkeln als die große schwarz-blaue Uhr, die nur existiert, um seinen kräftigen Unterarm zu betonen. Ehrlicherweise schlummerte zunehmend Erregung in mir, die ich auf die dort hervortretenden Adern zurückführe. Mein Blick wandert weiter nach oben und rastet auf seinem Bizeps, der den Stoff auszureizen vermag. Sein Dreitagebart gefällt mir ebenfalls ausgesprochen gut. Unsere Knie berühren sich leicht unter dem mageren Tisch, der unsere Körper noch für einige Minuten trennen sollte. Die anzügliche Anziehungskraft zwischen uns beiden ist deutlich zu spüren. Sie sieht wie immer gut aus in ihrem süßen Kostüm. Ihre Haare glänzen wie Diamanten, wogegen selbst ihre strahlend blauen Augen nicht ankommen. Ich schiebe meine Sonnenbrille ein wenig nach unten, um sie für einen kurzen Moment ohne Sepiafilter zu begutachten. Das Frühstück wird endlich serviert, der Latte Macchiato neben uns gestellt und Servietten legen sich wie von selbst auf unseren Schoß. Der erste Schluck Orangensaft erfrischt unsere trockene Kehle. Ich mochte es, wenn er mich so ansah. Sobald sich unsere Blicke trafen, durchdrang mich ein erschütterndes Gefühl. Sehr wahrscheinlich stand das traditionelle Essen in unserem Fall für das Vorspiel des Dramas in wenigen Akten, denn wenn die Hotelzimmertür hinter uns ins Schloss fiel, konnten wir uns gewöhnlich nicht lange zurückhalten. Ich erwische seine Augen beim Landen auf meinen Brüsten. Ich sehe, wie ihre Wangen leicht erröten. Ich kann meine Gedanken nicht davon abhalten an ihren nackten Körper zu denken. Lustvoll beiße ich lächelnd in den gebratenen Speck. Während er kaut glänzen seine Lippen, als hätte er Lipgloss aufgetragen. Er ging davon aus, ich stünde auch auf Frauen. Eines lauen Sommerabends hatte ich ihm in einem Café von meinen weiblichen Bekanntschaften erzählt. Aus irgendeinem Grund war sein Begehren für mich mittlerweile ein wichtiger Teil meines Selbstwertes geworden. Unabhängig davon, ob diese Lebensweise bedenklich ist oder nicht. Zum Glück berührt die Tischdecke fast den Boden, sodass niemand sieht, wie ich meinen rechten Fuß behutsam zwischen seinen Beinen bewege. Nach einer Weile bitte ich sie durch eine dezente Geste darum damit aufzuhören. Madame Luxure, s'il te plait, raunt er, nachdem ich seine Aufforderung egoistisch ignoriere. Ich lache etwas albern, bewege meine Hand wie eine verspielte Katze ihre Tatze und hauche ein naives Miau über das pompöse Gedeck. Der Kellner schaut daraufhin etwas verwirrt. Ich war dazu bereit gewesen mich in ihrem Anblick zu verlieren. Er lehnt sich zurück und holt einen Joint hervor. Er zündet ihn, eine Hand schützend um ihn haltend, an. Nachdem ich drei Züge genommen hatte, reiche ich ihn ihr. Der Kellner bringt einen Sekt und lacht uns herzlich an. Wir lächeln natürlich freundlich zurück. Ich frage ihn, ob er auch einmal ziehen wolle. Dankend lehnt er ab, während er etwas irritiert hinzufügt, dass er offensichtlich bei der Arbeit sei. Dann bleibt mehr für uns, denken wir uns. Ich rücke meine Sonnenbrille zurecht und bitte den Kellner darum den Schirm dem aktuellen Sonnenstand anzupassen. Er bejaht unterwürfig. Wir hatten in diesem Restaurant mittlerweile einen gewissen Status erreicht, weil wir mindestens jede Woche ein halbes Vermögen hier ließen. Ich bedanke mich aufrichtig, weshalb ich meine Beine erneut übereinanderschlage. Man hätte fatalerweise beschäftigte Füße gesehen, säße man gerade wie ein Hund unter dem Tisch. Ich wäre jetzt gerne ein Hund, denke ich, weil ich an das letzte Mal mit ihr denken muss. Ich beäuge angestrengt die strahlend grünen Büsche in den massiven dunkelroten Tontöpfen, die die großzügige Dachterrasse umsäumen. Er hebt seine große Hand, reibt Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger aneinander und fordert somit die Rechnung an. Wenig später erreicht sie uns auf einem silbernen Tablett. Er legt einige Scheine unter den wartenden künstlichen Edelstein, der das Papier beschweren sollte. Ich werde hinausbegleitet, indem er seine linke Hand um meine Taille legt. Wir steigen in ein Taxi und fahren in das nächstgelegene Hotel mit metaphorischem Namen. Sie öffnet die Tür mit der passenden Karte. Wir treten ein. Ein recht aufgeschlossenes Zimmer eröffnet sich mir. Sie stellt ihre dunkelrote Handtasche auf den Schreibtisch neben dem Bett und lässt sich darauf nieder. Langsam spreizt sie ihre Beine. Der Anblick ihrer zarten Lippen lässt mich beinahe weinen. Anschließend dusche ich mich kurz ab, werfe willkürlich Wortfetzen in den genügsamen Saal und verschwinde in trockenen Welten. Die Stadt ist deutlich belebter als heute Morgen. Ich muss noch etwas für den Besuch besorgen, den ich morgen Abend empfangen werde. Bekannte aus Deutschland hatten vor etwa einem halben Jahr beschlossen mich hier besuchen zu kommen. Wir kannten uns aus Studentenjahren. Beinahe hätte ich die Zeit und somit auch den Termin mit den Literaturfreunden vergessen. In diesem Kurs war ein Herr, der mich wirklich interessierte. Er war ein ehemaliger Student der Kosmologie. Wir hatten uns damals bei ihm getroffen, um uns kennen zu lernen. Eines Abends saßen wir also gemeinsam oder einsam auf seinem Balkon, von wo aus man einen gigantischen Überblick erlangen konnte. Wir zählten zusammen die Sterne und versuchten die Form der leuchtenden Wolken zu deuten, als läsen wir Wolkensätze. Er bot mir direkt etwas zu trinken an, um das Eis zu brechen. Nach kurzer Zeit hatten wir die ganze Flasche geleert. Den Rest der minimalistischen Geschichte kann man sich also fast denken. Er war ein engagierter, intelligenter Mann von stabiler Statur. Das muss ich neidlos zugeben. Gott sei Dank komme ich pünktlich zu der intellektuellen Erörterung. Ziel des kreativen Zusammenspiels war es sich gegenseitig Bücher vorzustellen, die einen begeisterten. In den vergangenen Jahren hatte ich sehr gerne und viel gelesen, jedoch verlor ich allmählich mein Interesse an durchschnittlicher Literatur. Eine Stunde dauerte mein wöchentlicher Besuch für gewöhnlich. Ehrlich gesagt kam ich nur noch wegen ihm. Ich schrieb der jungen, hübschen Dame nur selten, weil ich der Meinung war, dass sie nymphomanisch war. Ich wusste über ihren Beruf und ihre Leidenschaften Bescheid und deshalb hatte ich ihr mehrmals geraten, sie solle etwas Greifbares wagen. Ab und zu rauchten wir nach dem Kurs eine Zigarette. Die Botschaft, die in seinen Abschiedsworten lag, war immer dieselbe. Ich solle mich bei ihm melden, wenn ich Zeit und Lust hätte. Das Ende konnte ich schon damals erahnen. Mir noch schnell einen Snack genehmigen, bevor ich wie immer zehn Minuten zu spät bei Monsieur Macaron ankomme. Er nahm mich meistens zu Geschäftsessen mit, um seine Homosexualität zu tarnen. Dieser Mann war, wenn es bei dieser nüchternen Schilderung um meine Meinung ginge, ein sehr charismatischer Mensch. Heute hatte ich mir ein besonders schönes Kleid geliehen. Es war geziert von schwarzen Pailletten und Steinen. Besonders reizvoll war außerdem der freizügige Rückenausschnitt. Monsieur Macaron begrüßt mich wie immer ausgiebig herzlich an der monströsen Eingangstür seines Gutshofs. Er arbeitete in der Automobilbranche. Ich nicke stumm und drehe die Holunderblüte in meinem Glas herum. Ich riskierte nur ungern einen Blick in die trüben Gewässer dieser Geschäftsleute, wohlgleich ich in seine Anwesenheit und Aura vernarrt war. Es schien mir, als umgebe ihn ein leuchtendes Feld, das ihn in ein wunderbares Licht rückte. Ich hatte seit letztem Jahr, in dem ich ihn besser kennen lernen durfte, enorm viel von ihm gelernt. Er erzählte mir von abstrakten Dingen, die mich immer wieder zum Staunen bringen. Er erzählte von seinem Mann, der in der Blütezeit seines Lebens an einer schweren Krankheit gestorben war. Er versicherte mir allerdings, dass er keine Sekunde mit ihm bereut habe. Ich hielt ihn seither für einen empfindsamen, weisen Mann. Unsere Liebe war eine andere als zwischen mir und den restlichen Kunden. Er behandelte mich stets respektvoll, niemals arrogant. Ich wusste, dass er unmenschliche Summen Geld verdienen musste. Dies bestätigte sein Verhalten jedoch nie. Der Abend verläuft wie immer reibungslos. Zuhause angekommen kann ich mich der Leidenschaft widmen, die von Anfang an Sommerabenden auf meinem Balkon galt. Zwischen nächtlichen Sternen und Kerzen fühlte ich mich immer noch am wohlsten. Kurzerhand beschließe ich den Studenten anzurufen, um ihn zu fragen, ob er zu mir kommen wolle. Wir könnten ein Gläschen Wein trinken, biete ich ihm an. Es dauert keine halbe Stunde, bis er vor meiner Tür steht. Er erfüllt den Raum mit einem angenehmen frischen Duft. Ein Gemisch aus männlicher Muskatnuss und süßem Salz. Er läuft auf direktem Weg nach draußen auf den Balkon, während ich ein weiteres Glas aus der Küche hole. Keine Frage, wir genießen den Abend in vollen Zügen. Wir betrachten den Sternenhimmel und sehen Sternbilder der Zukunft darin. Unvollständige Versuche ihn wegweisend zu deuten. Ich verliere mich in seiner Stimme und dem Inhalt seiner Worte. Der Eifelturm leuchtet irgendwo dort hinten in der verschwommenen Ferne. Sein vom Leben begeisterter Anblick beeindruckt mich in diesen Momenten sichtlich. Die Art, wie er dem Mond entgegensieht muss ich nicht erwähnen. Die Weise, wie er über die Menschen spricht. Sein Gestikulieren, das das Abwenden meiner Augen unmöglich macht. Er benennt den hellsten Stern dort oben nach mir und wäre dieser Prozess in meinen Augen nicht zu kitschig gewesen, hätte er mich zu ihm hingezogen. Er stand für die Rationalität und die Bodenständigkeit. Er meinte, ich solle mit dem Verkehren in diesem Zwielicht abschließen. Das Leben brauche eine stabile Grundlage, argumentiert er im Gegensatz zu mir fest entschlossen, wodurch er Teile meiner passionierten Träume wie einen störenden Schal von meinen Schultern nimmt und intime Hoffnungen zerreißt. Ich könne mich nicht ewig in unberechenbaren Grauzonen bewegen. Die winzige Erkenntnis brennt sich schmerzhaft in mein Gesicht. Wir versinken in einem sachten Sommerschlaf.
 

hein

Mitglied
Hallo varilella,

du solltest deine Texte mehr durch Absätze strukturieren. In dieser kompakten Form wird wohl kaum jemand bis zum Ende lesen.

LG
hein
 
G

Gelöschtes Mitglied 20939

Gast
Ich würde den Text ja gerne bearbeiten nur finde ich diesen Button nicht.
 

dongerardo

Mitglied
Das ging mir auch schon so, als ich meinen Text wegen Flüchtigkeitsfehlern bearbeiten wollte.
In der früheren Gestaltung gab es einen Button zur Bearbeitung. Jetzt ist keiner mehr zu finden.
Die Redaktion gibt keine Auskunft. Wer kann helfen?
 

Aina

Mitglied
Hallo Valirella,
vielleicht wäre es ganz gut, sich die Erzählzeit noch einmal genauer anzuschauen und sie durchgängig einheitlich zu gestalten.
Viele Grüße,
Aina
 
G

Gelöschtes Mitglied 20939

Gast
Kann mir jemand sagen wie ich den Account hier löschen (lassen) kann?
 

Aina

Mitglied
Hallo Valirella,
schade, dass du dich abmelden willst. Wäre doch schön Textarbeit zu machen und etwas zu lernen. Tun wir alle hier. Solltest du aber wirklich deinen Account löschen lassen wollen, würde ich mich an denjenigen wenden, der dich als erstes angeschrieben hat.
Viele Grüße und einen guten Start ins neue Jahr,
Aina
 

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