Reden von B. am See

blackout

Mitglied
Die Rede kam auf B.,
diesem B. am See, das der einst dort
siedelnde Dichter lebend so nicht
kannte und tot so gewiss nicht
wünschte.

Nicht vergessen
der Traum von B. am See, diesem B.,
in dem die Katzen auf Zäunen hockten,
Schwäne in ihrem Flug
die Dächer streiften, wo sich
Fischerhäuser ihrer grauen Mauern
nicht schämen mussten, wo die Luft
leicht war wie das Dach
überm Kopf.

Die neue Zeit nahm, was ihr
niemand verwehrte, der See jetzt
weltläufig Wellnessoase, die Katzen
hocken nicht mehr auf Zäunen,
die Schwäne sind ausgeflogen,
und die Luft íst schwer wie ehemals
die vollen Fischernetze.

Es leben dort nüchterne Leute,
angeblich vermissen sie nichts.
Nur manchmal, wenn die Rechnungen
im Briefkasten liegen, spüren sie etwas,
was sie sich nicht erklären können,
etwas wie Sehnsucht nach den Schwänen,
den Katzen auf Zäunen, nach ihrem
alten B., diesem B. am See.
 
Zuletzt bearbeitet:

Perry

Mitglied
Hallo blackout,
spontan kommt mir da Heinrich von Brentano in den Sinn, nach dem ein See in Darmstadt benannt wurde.
Im Text schwingt eine spürbare Sehnsucht nach früher mit.
LG
Manfred
 

blackout

Mitglied
Danke, Perry, fürs Reinsehen und Kommentieren. Ja, da hast du natürlich recht, die Leute dort sind nicht unbedingt begeistert von der "neuen Zeit".
Aber es kommt wie das Gewitter über sie, gegen das sie sich nicht wehren können.

Gruß, blackout
 

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