Reise ins Nichts

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blackout

Mitglied
Die Autobahn unter den Rädern,
rasen wir durch die Landschaften
des Lebens, ausgerichtet die Fahrspuren.

Wir fragen nicht, wo werden wir
ankommen; was bleibt von unserer Geburt,
wie wird die Fahrt enden.

Wir schwören auf freie Fahrt für freie Bürger
unser Lachen ist Verzerrung der Züge,
stoisch ertragen wir Staus und Unglücke,

nehmen sie, wie Kurse fallen, gelassen
und plötzlich, wie unbekanntes Land, das man
durchwandert haben muss, wir Globetrotter.

Alles ist Traum, wir fahren und sterben
tausend Tode, wissen nicht, ob wir leben -
noch nicht oder nicht mehr.
 

Marian.b

Mitglied
Hallo @blackout ,

ein Gegenbesuch von mir, habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut.
Ich habe wenig Ahnung von Lyrik, daher fokussiere ich mich auf meinen ersten Leseeindruck:

Die Autobahn unter den Rädern,
rasen wir durch die Landschaften
Du startest mit einem klaren Bild, das ich mir gut vorstellen kann. Gleichzeitig führst du dadurch den Schauplatz ein, mir gefällt es.

ausgerichtet die Fahrspuren.
Das habe ich als Leser nicht so richtig verstanden, kann natürlich auch an mir liegen.
Willst du damit sagen, dass das Leben zu einem gewissen Grad vorbestimmt ist?

Wir fragen nicht, wo werden wir
ankommen; was bleibt von unserer Geburt,
Weckt in mir ein Gefühl der Vergänglichkeit, funktioniert für mich.

Wir schwören auf freie Fahrt für freie Bürger
Das Motiv der Freiheit wird eingeführt und verstärkt weiter den Eindruck, dass der Erzähler den Moment lebt und sich nicht zu sehr mit der Zukunft befasst.

stoisch ertragen wir Staus und Unglücke
gelassen
und plötzlich
Was auch immer passiert, der Erzähler lässt sich davon nicht unterkriegen. Stoizismus zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass man die Dinge so akzeptiert, wie sie sind und das beste daraus macht. Liest sich für mich ganz und gar nicht wie Schwarzmalerei.

Alles ist Traum, wir fahren und sterben
tausend Tode, wissen nicht, ob wir leben
Hier wieder die Betonung der Vergänglichkeit. Ich verstehe es so, dass du einen Kontrast baust zwischen Vergänglichkeit auf der einen Seite und Stoizismus auf der anderen. Das Leben beinhaltet, dass wir sterben, warum machen wir dann nicht das beste daraus?


Insgesamt kann ich hier nur meinen eigenen Leseeindruck schildern, weil ich wenig Ahnung von Lyrik habe. Ich sehe darin jedoch keineswegs eine Schwarzmalerei, sondern den Versuch den Lauf des Lebens (zu dem nun mal der Tod und Vergänglichkeit dazu gehören) zu schildern. Mir hat's gefallen.


Beste Grüße,
Marian
 

blackout

Mitglied
Danke, Marian, für deinen ausführlichen Kommentar. Du siehst es genau, wir leben nicht richtig. Genauer, man zwingt uns, nicht richtig zu leben.
Überhaupt, deine Geschichte ist ausgezeichnet, wollt ich dir nur noch einmal sagen.

Lieben Gruß, blackout
 

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