Sag es mir

Oscarchen

Mitglied
Sag es mir

Sag es mir, sag mir warum
Erträgt sich ein Leid still und stumm
Verdrängt und gedanklich verbannt
Verschwiegen und niemals genannt
Und Ängste verschatten die Zeit
Der dunkelsten Vergangenheit

Sag es mir, sag mir womit
Hält Grausamkeit Richtung und Schritt
Wird Dummheit gehorsam zur Pflicht
Und Mut und Vernunft find sich nicht
Doch nackte Gewalt, Hand in Hand
Vertilgen den Rest an Verstand

Sag es mir, sag mir woher
Kommt nur dieser Hass und wiegt schwer
Und legt sich auf Seele und Geist
Bis Menschlichkeit stirbt und verwaist
Wer gibt ihn nur vor, diesen Takt?
Noch nie waren Menschen so nackt

Sag es mir, sag mir wohin
Führt uns diese Zeit, macht es Sinn
Wenn Hoffnung wie Zunder verbrennt
Und jeder nur flüchtet und rennt
Das Ende, es kündigt sich an
Sag es mir, sag mir doch wann
 

Hi Oscarchen,

ich bin kein Freund von solchen Gedichten, das anklagende Pathos dieser Verse geht mir gegen die Natur. Aber es ist eine Zeile darin, die reißt das Wehleidige heraus und ruft geradezu danach, meiner Einschätzung nach, von dir zu einem neuen Gedicht verarbeitet zu werden: «Noch nie waren Menschen so nackt.» In dieser Zeile ist Anklage, die wirklich trifft.

Gruß JF
 

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