Schreiben absurd

blackout

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Das Gedicht wächst
in mir, Schreiben vom Riss in der
Welt, von Reinheit und Schwäche,
die ungeschriebenen Verse schon beim
Gedanken an sie verworfen.

Gedanken von Angst und
Verleumdung, Ignoranz und Verklärung
der Zeiten, dass der Tod Tausender
Hoffnungsuchender nicht mehr ist
als eine Randnotiz.

Dass Gewinne der Wenigen
wachsen wie Unkraut in Ruinen
von Menschenträumen, aufschreiben
die Nächte voll Kummer,
die unsägliche Erschöpfung.

Dass es kein Ende nimmt,
dass wir es uns nicht eingestehen.
Schreiben absurd, ich vernichte
Metaphern, zu lieblich für das,
was kommen kann.
 

revilo

Mitglied
Irgendwie erinnert mich das an die These, dass nach Auschwitz keine Gedichte mehr geschrieben werden sollten .... wir sind nahe dran..... aber deswegen liebliche Metaphern vernichten? Das mag ein jeder selbst entscheiden..LG revilo
 

blackout

Mitglied
Ja, Revilo, vielleicht habe ich manchmal so ein Gefühl, dass alles Schreiben umsonst ist, weil es nichts verhindern kann.
Mit keinem noch so guten Gedicht verhindere ich das Sterben eines einzigen Menschen im Mittelmeer. Ich kann mich empören, ich kann bemitleiden, ich kann den Gedanken der Verantwortlichen und ihrer Opposition folgen oder sie ablehnen - aber verhindern kann ich nichts. Nun schreibt man Gedichte nicht unbedingt mit dem Gedanken an praktische Nützlichkeit. Die lieblichen Metaphern, womit ein weites Feld gemeint ist, stehen aber in schreiendem Gegensatz zur Wirklichkeit. In der Auschwitz-Aussage geht es ja im Grunde nicht um Gedichte, sondern darum: Dürfen wir heute wieder zur Tagesordnung übergehen - nach Auschwitz? Ich bin der Ansicht, wir alle hier sollten uns etwas weniger an die Tagesordnungspunkte halten.

Danke fürs Reinsehen.

Gruß, blackout
 

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