schwierige selbstfindung

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Lieber Freund,

wenn Du Selbstfindungsprobleme hast, bist Du in einem Lyrikforum völlig falsch. Weder ich noch meine Gedichte können Dir weiterhelfen.

Alles Gute
Kristian
 

Samoth

Mitglied
schwierige selbstfindung


was ich immer wollte
hoch in die luft
um zu wissen
wie es ist zu ersticken
man erlaubte mir
die fahrt in einem
himmelblauen wetterballon
aber nur ein bisschen
ein klitzekleines bisschen
troposphäre und die
auch nur winzig kurz
ich würde sonst ersticken
ich erfror was ich
gar nicht wissen wollte
Etwas höher wirds wärmer in der Stratosphäre und dann folgt alsbald Vakuum. Rückkehr von 5 HPa auf NN wird neuerdings auch aufgezeichnet im Wetterballon für die Forschung.
 
Das ganze Gedicht ist doch eine Farce auf Gedichtebene; es spottet über die Grenzerfahrungshysterie des modernen Menschen, der offenbar noch berichten kann, wenn er längst tot ist. Es könnte auch ein Bluff sein, weil gar nicht sicher ist, ob der höhensüchtige Held überhaupt aufsteigt - die Troposphäre fängt ja bereits am Erdboden an! Ab einer bestimmten Höhe ist Erfrieren allerdings möglich.

Also - mal kräftig mit den Augen zwinkern und nicht alles gleich ernst nehmen!

Danke für alle Besuche und Wertungen (schlechte gehören auch dazu).


Kristian
 

s'écrire

Mitglied
Eben, nüchtern und trocken durch den Fleischwolf gedreht mit einem tollen satirischen Schluss! Nicht einfach nur ein platter Lacher.
Ich finde es richtig gut.

Grüße, Ruth
 

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Mitglied
schwierige selbstfindung


was ich immer wollte
hoch in die luft
um zu wissen
wie es ist zu ersticken
man erlaubte mir
die fahrt in einem
himmelblauen wetterballon
aber nur ein bisschen
ein klitzekleines bisschen
troposphäre und die
auch nur winzig kurz
ich würde sonst ersticken
ich erfror was ich
gar nicht wissen wollte

Die "Fahrt in einem himmelblauen Wetterballon", um "winzig kurz" nur "ein klitzekleines bisschen" das Ersticken in der Troposphäre zu finden - um dann zu erfrieren...

einfach köstlich, lieber Kristian!

Auch sprachlich führst du gekonnt aufs Glatteis (zumindest den, der es gar nicht so genau weiß und/oder wissen will :cool: ) - lassen Melodie und Wortwahl doch auf ein inniges Naturgedicht gemischt mit menschlicher Innenschau schließen. Da fehlt nichts: Dramatik wird geboten, Wissensdurst vorgetäuscht, und alles in perfekt verdichteten "winzig kurzen" Dosen für ganz viel Nachspüren der allgegenwärtigen Weisheit des Menschen zwischen den Zeilen. Selbst die Willensfrage wird nicht ausgespart!

Ich habe mich großartig amüsiert (und bei der Gelegenheit - nur um sicher zu gehen, weils mir beim Lesen eben seltsam vorkam - nochmal mein Wissen über die Troposphäre aufgefrischt und ein wenig erweitert...danke auch dafür ;) ).

Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße,
Claudia
 



 
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