Sehnsucht nach was Neues

Isbahan

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Teil I. Sehnsucht nach was Neues



… Fred, hab` ich gesagt, kaufst du mir eine Expressomaschine? Bei Jutup habe ich so ein tolles Gerät gesehen, die gibt es ganz billig da, im Internet.
Weißt du eigentlich, wie sehr ich mich nach was Neues sehne? Das haben wir uns doch verdient, habe ich gesagt.
Ich meine, schau dir nur unsere Wohnung an: Die alte Tapete hängt schon seit einem Jahr! Ich kann die echt nicht mehr sehen. Die könntest du auch mal wieder neu rennowieren, Fred, hab ich gesagt..
Moah, ich muss dringend raus hier. Schon wieder Lockdaun, das hält doch keiner aus ohne Urlaub. Ich hab bald Geburtstag und schon wieder ohne Gäste.
Fred hat zu mir gesagt: Annemie, hör auf mit Jutup. Was meinst du, was diese Impfluenzas für Geld verdienen mit ihren Pottkasts? Letztes Jahr wolltest du das teure Colljeh und die ganzen Assesoars von diesen Kardeschiäns. Ich bin doch kein Krösus, der Lambortschini fährt, sondern bloß ein einfacher Facharbeiter bei Krupp!
Fred, hab` ich gesagt, du musst ja nicht die teuerste Maschine kaufen. Nur eine, die nach was aussieht. Ich würde mir ja selbst eine auf Raten bestellen, aber jetzt, wo ich Homoffis mache und Kurzarbeit wegen dem dusseligen Corona …
Ich hab` den Scheff doch erst wegen einer Gehaltserhöhung gefragt. Weil ich jetzt Wirtschaftsenglisch mache, an der VHS. Boss, hab` ich gesagt, I see me wörking in se mänadschment!
Da war die Meyer aber platt, als die das gehört hat. Hat die geguckt. Was die Frau kann, kann ich schon lange! Von wegen „berufliche Fortbildung“ in Herne - die hat doch was mit dem Junjorscheff. Ich bin doch nicht blöd. Mit dem vom Finanzamt geht die doch schon lange nicht mehr, die ist dem wohl inzwischen zu alt. Na ja, kann man irgendwie auch verstehen. Die Männer wollen was fürs Auge, nicht wahr?
Apropo: Ich habe mir diese sündhaft teuren, heißen Teile von Hunkemöller bestellt. Du weißt schon, die mit echter Spitze: Granatapfelrot. Aber sag bloß Fred nichts davon. Soll eine Überraschung werden.
Mit den schwarzen Dessuhs hat das ja nicht hingehauen …
Was? Wieso nicht?
Na, als ich die angezogen hatte und mich damit in der Schlafzimmertür drapiert habe, hat Fred nur kurz von seiner Zeitung hochgeschaut und gefragt:“Schwarze Dessuhs? Ist was mit Oma?“
Was Klamotten angeht, ist Fred ja nicht völlig geschmacksinkontinent. Wenn`s nach ihm geht, soll ich nicht so ungepflegt rumlaufen wie die Elli, aber Geld will er dafür nicht rausrücken.
Ja, genau die Elli, die mit dem Fliesenleger verheiratet ist. Das Bad hat er gemacht, ja. Aber was meinst du, was der dabei getrunken hat. Ein Diesaster, dieser Mensch. Kam uns fast teurer als ein Proffessioneller.
Fred, hab` ich gesagt, lass uns wieder zum Baumarkt. Bevor die nächste Welle kommt. Ich brauche Abwechslung. Was Neues in der Wohnung. Oder lass uns zum Italiener gehen, Essen bestellen: Diese Triologie vom Schwein. Mit Salat und Bruschetta.
Was, hat Fred gesagt, schon wieder?
Stell dich nicht so an, Fred, hab ich gesagt. Ich muss mich doch nicht verteiligen für das bisschen Essen bestellen. Jedes mal so ein Theater. Und den Balkong hast du auch noch nicht gemacht. Wolltest du noch vor Ostern fertig machen. Man wird ja wohl noch Träume haben dürfen. Wenn schon alles andere verboten ist.
Wieso, du warst doch gerade erst wieder zum Frisör, hat Fred geantwortet ...
... oha, ich muss Schluss machen, Fred kommt vom Einkaufen zurück! Ich hör` schon im Flur seine Schuhe quietschen. Also, Moni: Morgen abend um acht Uhr bei uns. Und seid bitte nicht so laut im Treppenhaus, wenn ihr alle kommt. Muss ja nicht jeder wissen, dass wir trotzdem Ostern feiern, nicht wahr?




Teil II. Die Ruhrpott-Version: Sehnsucht nach wat Neuet

Fred, habich gesacht, kannze mir `ne Expressomaschine schenken? Bei Jutupp hab` ich dat Teil gesehen, gibbet ganz billich da, im Internetz.
Weiße eigentlich, wie sehr ich mich nach wat Neuet sehnen tue? Dat hamwer uns doch verdient, nä?
Ich meine, kuck nur unsere Wohnung: Die olle Tapete hängt da schon seit ein Jahr! Ich kann die echt nich mehr sehen. Die könnze auch mal wieder neu rennowieren, Fred, habich gesacht..
Boo ey, ich muss dringend wech hier. Schon wieder Lockdaun, dat hält doch keiner aus ohne Urlaub. Ich hab bald Geburtstag und schon wieder ohne Leute.
Fred hat zu mir gesagt: Annemie, hör mir auf mit Jutupp. Wat meinze, wat die Impfluenzas da für Kohle am abgreifen sind, mit ihre Pottkast? Letztet Jahr wollzte dat teure Colljeh, mitti ganzen Assesoars von diese Kardeschiäns. Bin ich ein Krösus, der Lambortschini fährt? Nee. Bloß `n einfachen Mallocher bei Krupp. Meinze, ich kann dat Geld kacken, oder wat?
Fred, hab` ich gesacht, du muss ja nicht die teuerste Maschine kaufen. Nur eine, die nach wat aussieht.
Ich würd mir ja selber eine auf Kucki bestellen, aber gezz, wo ich Homoffis und Kurzarbeit am machen bin, wegen dat Scheißcorona …
Ich hab` den Scheff doch erst wegen die Gehaltserhöhung angegraben. Weil ich gezz Wirtschaftsenglisch mache, anne VHS. Scheff, hab` ich gesagt, I see me wörking in se mänadschment!
Da war die Meyer aber platt, als die dat gehört hat. Hatse geguckt. Wat die Frau kann, kann ich schon lange! Von wegen „berufliche Fortbildung“ in Herne - die hat doch`n Krösken mit dem Junjorscheff. Ich bin doch nicht blöd. Mit dem vom Finanzamt geht die Meyersche doch schon lange nich mehr, die war dem zu alt geworden. Na ja, kannze irgendwie auch verstehen. Die Männer wollen wat fürs Auge, nä?
Apropo: Ich hab` mir diese sündhaft teuren, heißen Schlüpper von Hunkemöller bestellt, die mit echte Spitze. In Puffrot. Aber sag bloß Fred nix davon. Soll `ne Überraschung werden.
Mit die schwatten Dessuhs hat dat ja nich hingehauen …
Watwiesonich?
Na, weil, als ich die angezogen hatte und mich damit inne Schlafzimmertür drapiert habe, hat Fred nur kurz vonne Zeitung hochgekuckt und gefragt:“Schwatte Unterbuxe? Is wat mitte Omma?“
Wat Klamotten angeht, is Fred ja nich geschmacksinkontinent. Ich soll nich so schlunzig rumlaufen wie die Elli, nur soll dat nich sein Geld kosten.
Ja, die Elli, der ihr Mann Fliesenleger is. Dat Bad hatter gemacht, ja. Aber wat meinze, wat der gesoffen hat dabei. Ein Diesaster, dieser Mensch. Kam uns fast teurer als ein Proffessionellen.
Fred, hab` ich gesacht, lass uns wieder nachm Baumarkt. Bevor die nächste Welle kommt. Ich brauch` Abwechslung. Wat Neuet inne Hütte. Oder lass uns nochmal nach dem Italiener gehn, Essen bestellen: Diese Triologie vom Schwein. Mit Salat und Bruschetta.
Wat, hat Fred gesacht, schon wieder?
Stell dich nich so an, Fred, hab ich gesacht, ich verteilige mich doch nich wegen dat bisken Essen bestellen. Jedes mal so ein Theater. Und den Balkong hasse auch noch nicht gemacht. Wollzze doch noch vor Ostern fettich kriegen. Man wird ja wohl noch Träume haben dürfen. Wenn schon allet andere verboten is.
Wieso, du wars doch gerade erst wieder nachm Frisör, hat Fred geantwortet ...
... Boo ey, wenn man vom Teufel spricht: Ich hör` dem Fred sein Schuhequietschen im Flur. Also, Moni, bissi Tage: Um acht bei uns, morgen. Und nich` so laut sein im Flur, wenn ihr mit alle Mann kommt. Muss ja nich` jeder wissen, dat wir trotzdem Ostern feiern, nä?
 
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