„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

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Rezension zu:

Roland Jäger, Ausgesessen, Warum uns die Kultur des Nicht-Entscheidens unsere Zukunft kostet, Orell Füssli 2013, ISBN 978-3-280-05486-4

Der mittlerweile an den Rollstuhl gefesselte Helmut Kohl hat es in seinen langen Regierungsjahren, aber auch in seiner eigenen Partei vorgemacht, und je länger Angela Merkel regiert, desto mehr bekommt man den Eindruck, sie sei gerade darin eine gelehrige Schülerin des Mannes, von dem sie sich doch so klar distanziert hatte auf ihrem Weg zur Macht. Gemeint sind das Aussitzen von Problemen, das bewusste Abwarten und die dezidierte Nicht-Entscheidung.

Man hat nicht nur in der großen Politik und da auch nicht nur in Deutschland schon seit langem den Eindruck, dass die wichtigen Probleme nicht angegangen, die nötigen Entscheidungen nicht gefällt und die wichtige Fragen nicht beantwortet werden. Eine „Kultur des Nicht-Entscheidens“ nennt das der Autor des vorliegenden Buches, Roland Jäger. Eine Kultur, die nicht auf die Sphären der großen Politik beschränkt bleibt, sondern die sich bis weit in das private und berufliche Leben der einzelnen Menschen ausgebreitet hat. „Wir alle träumen von einem erfüllten Leben“, schreibt er in seinem Vorwort“, sind aber erstaunlich oft sehr weit davon entfernt und geben uns mit schalen Kompromissen zufrieden.“

Doch wer glaubt, dieses Aussitzen sei seine eigene Sache und gehe auch nur ihn selbst etwas an, den belehrt Roland Jäger eines Besseren. Das Nicht-Bearbeiten von Problemen, das Nicht-Entscheiden bleibt nie nur privat beim Einzelnen, sondern es hat Folgen für seine Umwelt, meist keine positiven. Und das Aussitzen in der Politik, man hat es schon geahnt, geht zu Lasten unser aller Zukunft und erst der unserer Kinder und Enkel.

Roland Jäger setzt, obwohl er mit Kritik an der politischen Kultur des Aussitzens nicht spart, beim Individuum an. Er will den Einzelnen mit seinem Buch ermutigen aufzustehen und Ja zum Nein zu sagen und die Chancen, die sich ihm bieten zu ergreifen:

* nicht leugnen sondern hinschauen
* aus der Position des Opfers zur Selbstbestimmung kommen
* nicht Legitimation durch die Masse suchen, sondern eine eigene Meinung entwickeln
* von der Alternativlosigkeit (TINA) zur Handlungsvielfalt gelangen
* aus Stagnation Wachstum machen
* von der sorglosen Kurzsichtigkeit zur Weitsicht sich entwickeln
* die Angst vor Veränderung verwandeln in Expertenschaft für Wandel

Er ist sicher:

„Hinschauen, Selbstbestimmtheit, Mut zur eigenen Meinung, Handlungsvielfalt, Wachstum Weitblick und Experte für Veränderung - das sind also die Meilensteine auf einem Weg, der zu dem führt, was wir uns alle wünschen: Glück. Unser individuelles Glück, das nicht darin besteht, das möglichst erfolgreich zu tun , was alle anderen uns vorgeben und vorleben, sondern das umzusetzen, was wir selbst wollen. Herauszufinden, was das ist, und die nötigen Veränderungen dazu angehen sind die größten Herausforderungen unseres Lebens.“

Und wer das meistert, sorgt auch dafür, dass auf den Makroebenen unserer Gesellschaft nicht mehr so viel ausgesessen wird: „Die Realität folgt der Geisteshaltung“, sagt Jäger und zitiert am Ende Gandhi: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“
 

Val Sidal

Mitglied
Winfried Stanzick,

eine gelungene Rezension, die ich gerne gelesen habe.

Das besprochene Werk wird ökonomisch prägnant in den gesellschaftspolitischen Kontext eingebettet. So bleibt der Bogen von der sozialen Perspektive zu den individuellen Haltungs- und Handlungsbotschaften gespannt, nachvollziehbar und anregend.

Er ist sicher:

„Hinschauen,
Müsste es nicht "Er ist [blue]sich[/blue] sicher:" heißen?

„Die Realität folgt der Geisteshaltung“, sagt Jäger...
Wer ist der Jäger, der solche Botschaften sendet?
Ein Kurzprofil des Buchautors wäre hilfreich gewesen.

Das Buch werde ich lesen.
 

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