Seifenblasen für Johanna (gelöscht)

Status
Für weitere Antworten geschlossen.

anbas

Mitglied
Hallo Ciconia,

bei berührenden Texten habe ich häufig zwei Schwierigkeiten. Zum einen sind viele dieser Texte mir persönlich zu rührselig, zu sehr auf die Tränendrüse drückend. Zum zweiten lenkt mich der berührende Inhalt häufig davon ab, mir das Handwerkliche am Text genauer anzusehen.
In diesem Text von Dir passt aus meiner Sicht aber alles zusammen. Ich finde ihn sehr gut gelungen!

Liebe Grüße

Andreas
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Andreas,

es ist sicher immer eine Gratwanderung bei „berührenden“ Texten. Als Autor ist man oft unsicher, ob man den Grat zur Rührseligkeit nicht überschritten hat. Deshalb freut mich Deine Einschätzung sehr. Vielen Dank!

Liebe Grüße
Ciconia
 

Miner

Mitglied
Seifenblasen für Johanna

Das Schwanken zwischen rührselig und berührend ist auch für mich jeweils ein Kriterium. Hier neige ich zu berührend (positiv). Deshalb rumpelt es in meinem Werkzeugkasten. Er flüstert mir das Benutzen folgender Werkzeuge ein: Du darfst nicht gleich am Anfang das Ziel verraten, das Gedichtzitat sollte der Höhepunkt einer zu formenden Kurzgeschichte werden. Vielleicht solltest du mit der Schilderung einer Seifenblasen-Begegnung beginnen. Aus der bloßen Vorgangserzählung könnte eine spannende Geschichte werden.
Aber, wie gesagt, das Rumoren kommt aus meinem (sehr, sehr eigenen) Kasten.
BG
Miner
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Miner,

sicher, so hätte man es auch machen können. Aber eine spannende Geschichte wollte ich nicht schreiben, sondern eine ruhige Momentaufnahme als Kurzprosa.
Es freut mich, dass auch in Deinen Augen die Gratwanderung gelungen ist. Vielen Dank für Deinen Eindruck!

Gruß Ciconia
 

APO

Mitglied
Hallo Ciconia,

du erzählst eine kurze Episode zwischen einer Mutter und ihrer, so wie ich verstehe, totgeweihten Tochter. Oder hat die Mutter nur Angst davor, dass ihr Kind sterben könnte? Die Tochter wirkt auf mich ein wenig ihrem Schicksal ergeben, auf eine ruhige Art gleichmütig und - siehe das Gedicht - recht erwachsen. Die Mutter dagegen scheint verzweifelt. In Panik.
Ich weiß nicht, ob der letzte Absatz wirklich sein muss. Ich finde, er weist arg deutlich (und ein wenig kitschig) auf die Panik der Mutter hin und dämpft die schöne, ruhige Atmosphäre, die deine Kurzprosa bis dahin ausstrahlt. Der dann letzte Satz ist mMn. ein guter Schluss, denn er deutet die Gefühlslage der Mutter nur an und gibt dem Leser die Möglichkeit, sich seine eigenen Gedanken zu machen:
Weinen kann ich schon lange nicht mehr.
Ich würde den letzten Absatz einfach streichen. Der Text gewönne dadurch. Meine Meinung.
Davon ab ein gelungener Miniatur, die in wenigen Worten viel über Mutter und Tochter, ihre Beziehung und das was Schicksal mit den Menschen anstellt, erzählt.

Lieben Gruß
Apo
 

Paloma

Mitglied
Guten Morgen Ciconia,

deine Texte gefallen mir immer besser. Dieser ist besonders gelungen. Nachdenken würde ich über

‚Beachtlich für eine Zwölfjährige‘, denke ich und sage: „Sehr schön! Ist das von dir?“
denkt man wirklich „beachtlich für eine Zwölfjährige“ wenn das todkranke eigene Kind so etwas sagt? Ich meine, dann bekommt man eher Gänsehaut oder fängt innerlich an zu frieren oder so etwas in der Richtung.

Und den letzten Absatz würde ich komplett streichen, den braucht es nicht.

Liebe Grüße
Paloma
 

Ciconia

Mitglied
Moin Apo,

vielen Dank für Deine Interpretation des Textes, mit der Du den Inhalt sehr gut wiedergegeben hast. Vielleicht hilft die Hoffnung dem Kind, diese beachtliche Haltung zu wahren, während die Mutter, die die Realität und Unabänderlichkeit des Krankheitsverlaufs besser einschätzen kann, längst die Hoffnung aufgegeben hat. Von Panik würde ich hier allerdings nicht reden, vielleicht einfach Verzweiflung.
Wegen des letzten Absatzes zögere ich noch ein wenig. Zum einen, weil diese „Miniatur“ dann wirklich zum Miniatürchen, sprich (für meine Verhältnisse) einfach zu kurz werden würde, zum anderen, weil dann auch der Titel keine Berechtigung mehr hätte. Ich wollte ja gerade zum Schluss noch einmal den Bogen spannen zum Anfang der Geschichte und dem kleinen Gedicht.

Ich denke darüber nach, zumal Paloma denselben Einwand hatte.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Paloma,

danke für das Kompliment!
Mir leuchtet Dein Einwand bezüglich des „beachtlich …“ ein und ich werde den Satz wahrscheinlich ändern. Für mich war es wichtig, Johannas Alter irgendwo unterzubringen, um zu verdeutlichen, dass sie zwar noch ein Kind ist, aber doch schon eine erstaunliche Reife aufweist.
Wegen des letzten Absatzes habe ich in meinem Kommentar zu Apo Stellung genommen, er ist ja derselben Meinung wie du. Ich bleibe dran.
Vielen Dank für Deine Beschäftigung mit dem Text.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Macht es einen Unterschied, wenn die Erzählerin die Großmutter des Kindes ist?
Das war eigentlich meine Ursprungsidee gewesen, habe es dann aber doch offen gelassen – und mehrere Kommentatoren hatten sofort die Mutter im Bild. Ich meine, die Sicht- und Ausdrucksweise einer Großmutter ist vielleicht ein klein wenig anders als die einer Mutter. Wäre schön, wenn mir noch jemand etwas dazu sagen könnte. Danke!

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Der Text wurde vom Autor gelöscht.
Gemäß den Forenregeln bleiben die Kommentare jedoch erhalten.
 
E

eisblume

Gast
Hallo Ciconia,

zuerst einmal schließe ich mich an, dass ich diesen kleinen Text sehr gelungen finde.
Die Oma als Prot wäre jetzt natürlich nicht völlig abwegig, aber ich dachte spontan auch an die Mutter; ich meine das ist einfach der erste Gedanke und halt am naheliegendsten. Wenn es partout die Oma sein soll, meine ich, könnte ein entsprechender Hinweis nicht schaden.

Wie ich gesehen habe, hast du deinen ursprünglichen Schluss so beibehalten. Ich streiche ja immer recht gern an den Schlusssätzen herum, hier hätte ich das nicht zwingend getan, nur vielleicht ein wenig umformuliert.
Ich meine, über das Stadium „könnte“ ist die Mutter/Oma hier schon hinaus. Auch die direkte Anrede würde ich ändern.
Vorschlag:
Wie gern würde ich ihr tausend Seifenblasen mit auf die letzte Reise geben, um ihr das Davonschweben zu erleichtern.

Ansonsten noch zwei Kleinigkeiten:
Johanna richtet sich vorsichtig in ihrem Bett auf, so behutsam, dass die dünnen Schläuche nicht durcheinander geraten.
Das „so“ unbedingt streichen.

Ein wenig stolz sieht sie jetzt aus und so bedauernswert zerbrechlich.
Mit diesem Satz hadere ich schon, seit ich den Text zum ersten Mal gelesen habe. Ich meine, der "klingt" nicht so richtig.

Lieben Gruß
eisblume
 

APO

Mitglied
Nochmal ich, Ciconia,

mal ganz weg von deinem Text: kürzen geht immer, ist oft sinnvoll. Ich habe mein 333er-Text mit 666 Wörtern angefangen wg. der böse-magischen Bedeutung der Zahl, hatte dann sehr viel Ballast in dem Text und habe rausgeschmissen, rausgeschmissen. Auch ohne den letzten Absatz finde ich, ist deine Miniatur ein veritabler Text. Aber, wie gesagt, meine Meinung; letztendlich ist das Wichtigste, dass es für dein Gefühl stimmt.
Auf die Großmutter wäre ich nicht gekommen. Wenn es als primär literarischer Text gedacht ist, funktioniert die Mutter-Kind-Schiene besser.

Bis denne
Apo
 

Ciconia

Mitglied
Der Text wurde vom Autor gelöscht.
Gemäß den Forenregeln bleiben die Kommentare jedoch erhalten.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Eisblume,

auch Dir vielen Dank für die Beschäftigung mit dem Text und die Verbesserungsvorschläge, die ich in der Überarbeitung weitestgehend übernommen habe.
Wie schon weiter oben erwähnt, rundet der Schlusssatz für mich die Geschichte ab, deshalb habe ich mich entschlossen, ihn (in etwas veränderter Form) beizubehalten.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Apo,

danke, dass Du Dich noch einmal gemeldet hast.
Natürlich geht kürzen immer, das ist hier auch nicht so sehr das Problem. Wie Du sagst: Für mein Gefühl ist der letzte Satz eben wichtig, um an den ersten anzuknüpfen.
Auf die Großmutter wäre ich nicht gekommen. Wenn es als primär literarischer Text gedacht ist, funktioniert die Mutter-Kind-Schiene besser.
Das müsstest Du mir mal näher erläutern. Für mich passt die Großmutter besser, weil sie vielleicht ein klein wenig mehr Abstand hat. Auch nur so ein Gefühl.

Gruß Ciconia
 
E

eisblume

Gast
Hallo Ciconia,

das hier
Für mich passt die Großmutter besser, weil sie vielleicht ein klein wenig mehr Abstand hat.
ist so eine Sache. Jetzt auch nur so aus dem Gefühl heraus:
Wenn es sich um die Oma mütterlicherseits handelt, könnte ich mir vorstellen, dass die Oma doppelt belastet ist, weil sie sich in ihrer Funktion als Mutter auch noch um ihre Tochter kümmert/sorgt und nicht nur um ihr Enkelkind. Von diesem Blickwinkel aus ist da für mich nix mit Abstand.

Sorry, mir ist schon klar, dass man da jetzt vom 100. ins 1000. kommen kann :)
Wie auch immer, ich meine, mit der Mutter als Ich-Erzählerin funktioniert die Geschichte am besten.

Lieben Gruß
eisblume
 

molly

Mitglied
Hallo ciconia,
ich sehe eine Oma und ihr todkrankes Enkelkind. Vielleicht kann die Enkelin ihr Hoffnungsgedicht der Oma besser vorlesen, weil sie weiß, dass die Oma nicht in Tränen ausbricht. Von Panik lese ich hier nichts.

Du fragst, wie Oma das noch sehen könnte. Ich kenne zwei Omas, die würden Deinen letzten Satz noch ergänzen, dass sie gern Johannas Leid auf sich nehmen würden. Beide Omas hatten lange Zeit sogar ein schlechtes Gewissen, dass sie noch leben durften und ihr Enkelkind vor ihnen starb.

Viele todkranke Kinder sind wie Johanna, gelassen und hoffnungsfroh.

Für mich gehört Dein letzter Satz dazu.

"Johanna, mein kleiner Engel. Wie gern würde ich dir tausend Seifenblasen mit auf die letzte Reise geben, um dir ein Davonschweben zu erleichtern."


Viele Grüße
molly
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Eisblume, hallo Molly,
Wie auch immer, ich meine, mit der Mutter als Ich-Erzählerin funktioniert die Geschichte am besten.
da gehen die Meinungen jetzt offensichtlich auseinander
Vielleicht kann die Enkelin ihr Hoffnungsgedicht der Oma besser vorlesen, weil sie weiß, dass die Oma nicht in Tränen ausbricht
Das meinte ich mit "mehr Abstand". Und deshalb soll es bei der Oma und dem letzten Satz bleiben.

Danke Euch beiden für Eure Mitarbeit.

Gruß und
schönen Sonntag
Ciconia
 
E

eisblume

Gast
Ja, da gehen die Meinungen wohl auseinander, denn ich glaube nicht, dass eine Oma in so einer Situation "cooler" bleiben kann als eine Mutter, nur weil sie eben Oma ist.
Eine Art Abstand stellt sich evtl. ein, das ist aber dann von anderen Faktoren abhängig.

LG
eisblume
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Oben Unten