Seifenblasen für Johanna (gelöscht)

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Paloma

Mitglied
Hallo Ciconia,

die neue Version finde ich noch besser – war ja klar, nachdem du den Satz geändert hast. Schade, dass ich schon gewertet habe, sonst hättest du jetzt noch einen Punkt mehr von mir bekommen.

Das

‚Ich wär' so gern einfach nur stolz auf dich‘, denke ich und muss [strike]erst einmal[/strike] schlucken, bevor ich antworten kann.
und das

Da hab ich mich so … irgendwie schwerelos gefühlt. [strike]Daran hab ich den ganzen Tag denken müssen. Und[/strike] dann hab ich gedacht, ich schreib mal ein Gedicht darüber.“
würde ich noch streichen, ist mMn überflüssig.

Erlaube mir ein Wort zu den anonymen Wertungen – die brauchst du nicht ernst nehmen. Wer seine mageren Punkte nicht öffentlich abgibt, weil er sie nicht begründen kann, hat eh keine Ahnung! Reinschleichen, mit Maske ein paar Punkte abliefern und kommentarlos verschwinden ist für mein Empfinden mies und zeugt von Furcht vor Rachebewertungen.

Liebe Grüße
Paloma
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Paloma,

danke, dass Du noch einmal reingeschaut hast. Die neue Version fiel mir heute plötzlich ein, obwohl ich ja - eigentlich - gar nicht vorgehabt hatte, noch etwas zu ändern. Manchmal drängen sich Formulierungen eben einfach auf, und wenn's beim Hausputz ist ...

Mit den von Dir vorgeschlagenen Kürzungen kann ich mich im Moment noch nicht anfreunden, beim Kürzen bin ich eher zurückhaltend. Aber man soll ja nie nie sagen. ;)

Gruß Ciconia
 

Vagant

Mitglied
Hallo Ciconia, also gut, hier der Versuch etwas 'Konkretes' zu sagen: Deine Geschichte soll berühren. Das ist nicht jedermanns Sache, aber völlig legitim. Ich lass mich gern berühren; aber wenn, dann bitte von den Protagonisten und nicht vom Autor, der den Erzähler dazu benutzt.

Hier agiert ein Ich-Erzähler der in der Szene verortet ist. Einer der unmittelbar in der Szene agiert. Auch der Ich-Erzähler hat viele Möglichkeiten eine Story zu transportieren. Er kann mit ironischer, mit kritische, mit aller möglichen Distanz erzählen, oder er kann seinen Protagonisten vertrauen; sich zurück halten, die Menschen erzählen lassen.

Warum baut er diese größtmögliche Distanz zum Erzählten auf, indem er die inneren Vorgänge in dieser Art erzählt? Zumal der Gebrauch des Präsens ja die Unmittelbarkeit suggeriert.
Der Gebrauch von Anführungszeichen + Komma + 'denke ich' lässt die Gedanken eindeutig dem Erzählbericht zuordnen. An diesen Stellen ist es nötig, in die Figur zu gehen (meiner Meinung nach), diese Distanz zu überwinden. Es ist eine altmodische Auffassung des Ablaufs der Gedankenwelt, die dem Erzähler zu viel Platz gibt.

Indem ich die Anführungszeichen und das 'denke ich' weg lasse, gebe ich diese Sätze dem Protagonisten. Sie sind nun erlebte Rede, gehören nicht mehr zum Erzählbericht - dem meist zu viel Platz eingeräumt wird. Auf diese Art wird das System flexibel, die Erzählung löst sich vom Autor; man kommt in die Figur.

Für mich lebt eine Geschichte einzig und allein durch ihr Personal. Lyrisches, intellektuell geschwurbeltes, der 'schöne Satz', all das, kann vorkommen (solange ich den Atem der Figuren spüre), muss aber nicht. Mir fehlt hier eine wirkliche Nähe zu den Figuren. Deshalb hat es nicht funktioniert.

Vagant.
 

Ciconia

Mitglied
Moin Vagant,

danke, dass Du Dir noch einmal die Zeit genommen hast für eine ausführliche Erläuterung. Leider habe ich von Dir noch keine Kurzprosa lesen können, in der diese theoretischen Ansätze umgesetzt wurden.

Für mich klingen Deine Zeilen zu lehrbuchmäßig und im Übrigen nicht einer Kurzprosa angemessen. Ich erzähle nicht, ich beschreibe lediglich eine kurze Szene. Für die einen so berührend, dass sie Sprachbeschwerden bekommen, an die anderen kommt die Szene gar nicht heran. Immerhin gab es auch einige Leser, deren Geschmack ich getroffen habe. Polarisierend hat dieser Text allemal gewirkt.
An eine Erzählung oder Kurzgeschichte mit diesem Thema kann man natürlich ganz anders herangehen.

Gruß Ciconia

Ich freue mich, dass dieser einfache kurze Text so viel Zuspruch erhalten hat, und bedanke mich noch einmal bei allen Kommentatoren.
 
D

Dominik Klama

Gast
Okay, nun doch noch mal ein paar artikuliertere Worte. Wo der Text schon die Gemüter so erregt, dass in paar Tagen die Kommentarseiten sich verdoppelt haben...

Ich hülle mich in eine Seifenblase. Wenn die Hoffnung sie aufbläst, schwebe ich leicht in ihr davon
Das ist kitschiges Getue, als hätte man dermaßen was zu sagen, nur die feinsten und edelsten Sprachbilder gehen noch - angesichts der Erschütterung, die man gerade mitmacht. (Und der Leser gleich auch, nachdem er es gelesen hat.)

1. Kein Mensch kann sich in eine Seifenblase hüllen. (Was wäre auch der Zweck davon, wenn man's täte, will man schmierig werden oder ersticken?)

2. Seifenblasen werden vielleicht weggeblasen im Sinne von "gepustet", aber sie werden nicht aufgeblasen. Aufgeblasen werden Luftmatratzen. Und Texte. Mit heißer Luft.

3. Was soll das sein: Die HOFFNUNG bläst die Seifenblase auf und dann schwebt die Person davon? Indem willkürlich das Wort Seifenblase an dieser Stelle eingeführt wurde, wurde extra darauf abgehoben, dass sie PLATZEN MUSS. Aber was ist denn nun wohl das Schön-Sentimentale, wenn man sich eine Hoffnung wünscht, wobei man vorher schon weiß, dass die platzen wird. Warum bleibt man nicht einfach da, wo man gerade ist? ("Ich schwebe davon.")

Es ist ein Georgel auf der Duftorgel, ein Spielchen auf der Tastatur der Klischees. Das ist alles, was es ist.

Aber wir werden das nicht sagen, denn, pscht!, da ist ein zwölfjähriges Mädchen gerade am - viel zu frühen - Sterben. Wenn sie allerdings die Woche davor gestorben wäre, hätte die Autorin vielleicht den kostbaren Moment verpasst - und wir auch, eine schreckliche Sorge weniger in unserem Leben.

Ein Text, der mit dieser Kitschexplosion anhebt, ist unrettbar verloren. Und wenn er dann hinterher bloß eine halbe Seite bekommt, diese Scharte wieder auszuwetzen, allemal.

Ich sage in so Fällen gerne: "Warum schreiben die Leute nach Millionen Vorgängern immer noch über Sonnenblumen, Rosenblüten, Sternennächte, Seifensieder, wo sie doch zur Abwechslung mal ihre brillante Beobachtungs- und Formuliergabe auf Fußpilz, Achselhaar, Mundgeruch und Christian Wulff ausrichten könnten?"

Behutsam schiebt sie die dünnen Schläuche ein wenig zur Seite. Ihre dürren Ärmchen wirken bedauernswert zerbrechlich.
Die dünnen Schläuchchen und die dürren Ärmchen. Wäre die Unterhaltung des Lesers nicht gesteigerter, wenn es "monströse" oder "klinische" Schläuche wären? "Behutsam" "ein wenig", sie ist immer noch so ein zartes Seelchen, wie wenn sie noch lange nicht sterben müsste. (Oh, oh, bitte haltet mich, ich muss mich schneuzen, bevor ich weiter reden kann!) Und wenn sie aber "genervt" die "fetten Schläuche" "weggefetzt" hätte, die sie "hier angekettet" haben. Wäre das nicht auch voll gut gekommen?

Ihr dürren Ärm-CHEN wirken zerbrechlich. Bedauernswert zerbrechlich. Wie denn nun, wenn man genau an dieser Stelle noch ein "Bald wird sie ihre Ruhe finden" reinklotzen würde? Nee? Wär nicht so gut? Wäre etwas unsensibel? Na, wenn ihr's sagt, ihr seid die Sensiblen hier.

Dass in so Foren wie LL gewisse Texte zuerst in einer Serie die allermeisten Punkte kriegen, dann plötzlich eine Gegenbewegung einsetzt, wenn sich jemand lustig drüber gemacht hat, dafür kann ich nichts. Die Leute sind offenbar so veranlagt. Auch sind unter jedem Text und bei jeder Gelegenheit die Leute so veranlagt, dass sie anonym werten. (Ich wurde nahezu immer nur anonym bewertet. Viel zu gut, wie viele meinen.) Ich jedenfalls habe dem Text eine Zwei gegeben. Und ich weiß, wieso ich das tat.
 

Ciconia

Mitglied
Herr Klama,

wenn Ihnen meine Geschichte zu kitschig ist, kann ich dies durchaus akzeptieren. Nicht bei jedem harten Mann kommt Rührseliges an.

Wer aber einen derartigen Kübel Müll über eine harmlose kleine Geschichte schüttet, sollte wenigstens in der Sache korrekt bleiben: Fehlerhafte Zitate und eine (gewollt) falsche Interpretation werfen ein schlechtes Licht auf den Kommentator, nicht auf die Autorin. Und dass die Leselupe dabei auch noch schnell einen Seitenhieb abbekommt, hat mit der Qualität des Textes überhaupt nichts zu tun.

Sie haben mir schon einmal eine harmlose Geschichte mit einer Obszönität auf Pennäler-Niveau verunziert. Vielleicht ist die Leselupe ganz einfach das falsche Forum für Sie. Hier wird nämlich öfter mal über Gefühle geschrieben.

Ciconia
 
E

eisblume

Gast
Was für eine Aufregung wegen so einer kleinen Geschichte :)

Hab jetzt extra nochmals nachgelesen und konnte in den paar Zeilen keine Stelle finden, an der es explizit hieß, dass sich das Mädel (oder sonst wer) in eine Seifenblase hüllen wollte. Vielleicht hab ich aber auch nicht mitbekommen, und man darf nur über etwas schreiben, auch was Gedanken/Träume/Vorstellungen von Protas betrifft, das wissenschaftlich belegt ist und wozu es entsprechende Abhandlungen gibt.

Ich denke, um so vehement sagen zu können, wie jemand in der hier beschriebenen Situation denkt/handelt/spricht, müsste man deutlich mehr über die Beteiligten, die Vorgeschichte und Hintergründe wissen. So handelt es sich doch nur um eine Momentaufnahme - die einen werden davon angesprochen, die anderen nicht, für die einen funktioniert es, für die anderen nicht.

beruhigende Grüße
eisblume
 
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