Selten war weniger Kompass

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Es war einmal ein Land…

In dem ging es nicht vor und nicht zurück. Das Land war gezeichnet, die Wirtschaft steckte in der Krise, die Arbeitslosigkeit war hoch und kleine Parteien, rechts und links am Rand, hatten Hochkonjunktur. Heilsversprechen machten die Runde. Die Medien schlugen sich, je nach Ausrichtung, auf die eine oder andere Seite. Die Wirtschaft wollte ihr Geld zusammenhalten und unterstützte den rechten Rand. Der Rest ist Geschichte…

Es gab es einmal zwei Länder…

Die kamen ernüchtert aus einem großen Krieg. Die Menschen waren ernüchtert. Das einzige wonach sich alle sehnten waren Ruhe und Sicherheit. In der einen Hälfte feierte die Restauration lähmende Urständ, in der anderen wurde das gesamte Gesellschaftssystem auf den Kopf gestellt, doch hielt die anschließende Lähmung hier noch länger als auf der anderen Seite an. In den sechziger Jahren begehrten viele Menschen hüben wie drüben auf. Auf der einen Seite veränderte dies die Gesellschaft, auf der anderen wurde der Widerstand blutig unterdrückt. Beiden Seiten gemein war eine Abhängigkeit von der jeweiligen Großmacht und der Wunsch nie wieder in einen Krieg zu geraten, auch wenn die jeweils andere Seite immer wieder der Kriegsgelüste bezichtigt wurde. Die Medien? Auf der einen Seite ausdifferenziert, auf der anderen Seite gleichgeschaltet.

Es ist ein Land…

Das seit mehr als zwanzig Jahren wieder eins ist. Das hochanerkannt ist in der Welt. Dem es wirtschaftlich gut geht. Das demokratisch verfasst hat. Das auf eigenem Land seit 67 Jahren keinen Krieg erlebt hat. Das souverän ist. Die großen Schlachten sind geschlagen. Und genau das macht Viele mürbe. Die „großen Themen“ wechseln schneller, als so mancher das eigene Unterhemd. „Es ist gut, natürlich könnte vieles besser sein, lasst uns daran arbeiten mit allen gesellschaftlichen Kräften“. Das wäre eine zukunftsweisende Einstellung. „Es ist gut, aber das interessiert uns nicht, wir finden in jeder Suppe ein Haar“. Das ist Credo von Medien und Interessengruppen. Und weit und breit kaum ein Politiker, eine Politikerin, die dieses Spiel nicht mitmachen. Heute loben wir das schnelle Pferd, morgen mokieren wir uns, dass es Äpfel legt. Wir haben unseren Kompass verloren.

Wie wird das Land…
 
Es war einmal ein Land…

In dem ging es nicht vor und nicht zurück. Das Land war gezeichnet, die Wirtschaft steckte in der Krise, die Arbeitslosigkeit war hoch und kleine Parteien, rechts und links am Rand, hatten Hochkonjunktur. Heilsversprechen machten die Runde. Die Medien schlugen sich, je nach Ausrichtung, auf die eine oder andere Seite. Die Wirtschaft wollte ihr Geld zusammenhalten und unterstützte den rechten Rand. Der Rest ist Geschichte…

Es gab es einmal zwei Länder…

Die kamen ernüchtert aus einem großen Krieg. Die Menschen waren ernüchtert. Das einzige wonach sich alle sehnten waren Ruhe und Sicherheit. In der einen Hälfte feierte die Restauration lähmende Urständ, in der anderen wurde das gesamte Gesellschaftssystem auf den Kopf gestellt, doch hielt die anschließende Lähmung hier noch länger als auf der anderen Seite an. In den sechziger Jahren begehrten viele Menschen hüben wie drüben auf. Auf der einen Seite veränderte dies die Gesellschaft, auf der anderen wurde der Widerstand blutig unterdrückt. Beiden Seiten gemein war eine Abhängigkeit von der jeweiligen Großmacht und der Wunsch nie wieder in einen Krieg zu geraten, auch wenn die jeweils andere Seite immer wieder der Kriegsgelüste bezichtigt wurde. Die Medien? Auf der einen Seite ausdifferenziert, auf der anderen Seite gleichgeschaltet.

Es ist ein Land…

Das seit mehr als zwanzig Jahren wieder eins ist. Das hochanerkannt ist in der Welt. Dem es wirtschaftlich gut geht. Das demokratisch verfasst hat. Das auf eigenem Land seit 67 Jahren keinen Krieg erlebt hat. Das souverän ist. Die großen Schlachten sind geschlagen. Und genau das macht Viele mürbe. Die „großen Themen“ wechseln schneller, als so mancher das eigene Unterhemd. „Es ist gut, natürlich könnte vieles besser sein, lasst uns daran arbeiten mit allen gesellschaftlichen Kräften“. Das wäre eine realistische Einstellung. „Es ist gut, aber das interessiert uns nicht, wir finden in jeder Suppe ein Haar“. Das ist Credo von Medien und Interessengruppen. Gefahr von rechts, Gefahr von links, Gefahr von innen, Gefahr von außen, Gefahr von oben, Gefahr von unten. Und weit und breit kaum ein Politiker, eine Politikerin, die dieses Spiel nicht mitmachen, kaum eine gesellschaftlich relevante Gruppe, die das Ganze vom Kopf auf den Fuß stellen könnte. Heute loben wir das schnelle Pferd, morgen mokieren wir uns, dass es Äpfel legt. Wir haben unseren Kompass verloren.

Wie wird das Land…
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Der Letzte Teil ist ok. Aber was sollen die ersten beiden Teile? Diese Zeiten waren besser, weil es große Probleme gab, die man lösen wollte (Kompass, Ziel)? Naja, große Probleme gibt es heute auch …
 
Jon: Ja, manchmal fehlen die Worte. Was ich eigentlich sagen will: Es gab eine Zeit, in der sich Mensch und Medien wirklich mit dem Geschehen auseinandersetzten, in der es um Wirklichkeitsentwürfe ging (ob richtig oder falsch, ob gut oder schlecht ist nicht mein Thema). Und ich erleben eine (mediale) Realität, die ich als beschämend empfinde. Der Mainstream spricht Wahrheiten nicht mehr aus. Mit Themen wird nur noch gespielt. Kleine Medien, kleine Interessengruppen (z.b. Flüchtlingsrat vor Ort, Hilfsangebote für gesellschaftlich ausgebootete) kümmern sich um die echten Herausforderungen in diesem Land. Dem Rest ist das alles egal, der echauffiert sich über AKW in Japan, Hilfen für Griechenland, Pandasterben in Irgendwo und hat Null Ahnung. An das grummelige Unwohlsein, dass wir an den echten Themen vorbeidilletieren, traut sich die Masse nicht ran.
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich verstehe dieses Unwohlsein und mich nervt diese extreme Boulevard-Kultur auch. Andererseits …

… nervt es ebenso, wenn diese „großen Themen“ ständig dominieren würden. Ein Beispiel, das mir grade selbst passiert: Bei „nano“ (3sat) ist seit Monaten ständig immer wieder die Rede von erneuerbaren Engergien. Seit ein paar Wochen kommen alle Nase lang Beiträge zum Netz und jedesmal holen die Moderatoren ganz gewichtig aus (Offshore im Norden, Verbrauch im Süden – wie kriegt man das zusammen?). Es macht keinen Spaß mehr, wirklich nicht.

… mögen in den Vor-Ländern die Medien ja „Kompass“ geliefert haben - aber hat es de Leute interessiert? Die braunen Idee wurden nicht sorgfältig wahrgenommen und führt zu wir wissen was. Die Rote Presse hat kaum einer ernsthaft gelesen oder ernst genommen. Die Bunte Presse der anderen Seite „log“ beim "großen Kompass" fast genauso stark, beim kleinen zeigte sie (wie heute) lauter verschiedene Richtungen und Boulevard gabs da auch. Und: Es gibt die großen Themen ja in den Medien, nur schaut keiner mehr (richtig) hin.

… ist die Welt so komplex geworden, dass es viele große Themen gibt. Und die allerallerallermeisten davon sind extrem wirtschaftlich geprägt, so dass dazu noch alle möglichen „Wirtschaftkompasse“ auftauchen.

… entstand die Kompass-Wirkung der „alten Presse“ durch ihre Monopolstellung. Die paar Nasen, die unabhängig „Medien“ machen und damit Richtung zeigen konnten, fielen großflächig nicht ins Gewicht. Heute kann jeder einzelne Popelhannes seine Meinung so laut rausschreien, jeder Spaßvogel oder Klatschonkel seine Themen breittreten, dass dieses irre wirre Gemisch entsteht. Man müsste diesen Leuten (den Hänsen, Vögeln und Onkeln sowie den Unterhaltungsfirmen in TV, Presse & Co) das (unkontrollierte) Wort verbieten, wenn man daran was ändern wollte, müsste Worte vorschreiben. Dass es trotzdem nicht funktioniert, wissen wir.


Also was tun? Selbst laut schreien? Sich still seinen eigenen Weg durch das Richtungschaos suchen und nur die passenden Medien konsumieren? Sich dem Durcheinander der ganzen großen Themen entziehen und sich seinen Teil denken? Ich weiß es nicht.




Zum Text, zur „Argumentation": Die Sachen so aufzuschreiben ist nie wertungsfrei. Bei deiner Gegenüberstellung klingt es erstrebenswert, den Zustand der Vor-Länder wieder herzustellen.
 

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