Sucht

4,00 Stern(e) 4 Bewertungen

Ciconia

Mitglied
Ich hätte schon gern gewusst, wem dieses Gedicht gefallen hat, sage aber auch dem/der Anonymen Danke für die Bewertung.

Gruß Ciconia
 

Label

Mitglied
Liebe ciconia

ich war es nicht, aber mir gefällt es ebenfalls, dein Gedicht.
Gut, dass du es noch einmal hervorgekramt hast, denn ich kannte es noch nicht und da hätte ich etwas verpasst.

gut eingefangen hast du das was Sucht ausmacht: Das Wissen um die Schädlichkeit und trotzdem wider alle Vernunft weitermachen

mit einem Sonntagsgruß
Label
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Ciconia,

Leben wie auf Sand gegründet
Jeder Schritt Balanceakt
Tagtraum der in Zweifeln mündet
[blue]Kribbeln im Minutentakt[/blue]

Toboggan ins Ungewisse
Achterbahn durchs Höllental
Wider alle Hindernisse -
Nur noch dieses eine Mal!

dein Gedicht hat mich schnell aufhorchen lassen, ja, es hat mich sogar in seinen Bann gezogen. Nur die vierte Zeile mag ich nicht so, sie erscheint mir zu aufdringlich, penetrant. Auf die Schnelle hab ich versuchsweise was anders hingestellt, muss nicht gelungen sein, doch vielleicht mag es dich anregen, die Zeile nochmal zu hinterfragen.

Eine große Stärke deines Textes sehe ich darin, dass er zwar als kritisches Schlaglicht auf die Sucht gelesen werden kann, dass er aber ebenso ganz anders aufgefasst werden kann: das, was lockt, reizt, verstört, quält, drangsaliert... ist unterm Strich so süß und unwiderstehlich, dass LyrI ihm nachgeben muss: noch ein einziges Mal (und dann nochmal und nochmal und für immer...). Es könnte sich also auch um ein DU handeln, das hier den solide strukturierten Alltag des LyrI völlig durcheinander wirbelt und aus den Angeln hebt. Und die Liebe zum Heimlichen, Verbotenen, Wilden und Ungezügelten ist ein starkes Opiat, das süchtig und wehrlos macht, die Sinne hinschmelzen lässt...

lg wüstenrose
 

Mondnein

Mitglied
Sog

"Sucht" heißt das Gedicht, aber das erscheint als ein äußerlich hinzugefügter, "erklärender" Titel, und das zeigt (wie ich meine) eine Schwäche des Gedichts: Die Subjekte der einzelnen Zeilen reihen Merkmale eines kritischen Zustandes steigernd auf - Priamel mit Klimax - haben aber nichts vom heftigen Begehren an sich, das die Substanz einer Sucht ist. Den Süchtigen versteht nicht, wer nicht die Lust kennt, die er sucht, wieder aufsucht, wieder und wieder aufsucht. Außer im letzten Doppelvers, da wirds deutlich gesagt.
Dadurch bleibt es (bis zum letzten Vers) beurteilende Außensicht: Vorwurf statt Wahrnehmung und Beschreibung. Erhobener Zeigefinger statt Begreifen. Das Thema (das Sachsubjekt, über das gesprochen wird) bestimmt hier das Rhema (die Prädizierung, die Information in der Aussage) - aber in einem guten Lied geht das Thema völlig im Rhema auf. Hier hieße das: Der Sog würde spürbar, der die "süchtige" Person unwiderstehlich hineinzieht in dieses "Nur noch dieses eine Mal!"
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Label,

freut mich sehr, dass Dir diese Zeilen gefallen! Herzlichen Dank für Kommentar und Bewertung.

Schönen Restsonntag
und liebe Grüße
Ciconia


Hallo Wüstenrose,

auch Dir vielen Dank für Deine einfühlsame Interpretation und den Änderungsvorschlag. Mit dem „Kribbeln“ kann ich mich allerdings nicht so recht anfreunden, aber ich denke über diese Zeile noch einmal nach. Die kaputte Seele war für mich schon wichtig, aber vielleicht kann man das auch noch anders darstellen.

Liebe Grüße
Ciconia


Hallo Mondnein,

auch Dir vielen Dank für die Beschäftigung mit dem Text.
Den „erhobenen Zeigefinger“ kann ich nicht entdecken – jedenfalls war er keinesfalls beabsichtigt. Vielleicht muss man an diesem Thema näher dran sein, um einen wirklichen „Sog“ beschreiben zu können. Ich glaube auch, dass es zu vielschichtig ist, um es in einigen wenigen Zeilen wirklich gut bearbeiten zu können – es sei denn, man ist ein wirklich sehr guter Lyriker und keine Laienschreiberin ...

Gruß Ciconia
 

Oben Unten