Teamplayer

Das Wasser stand mir bis zu meinen Knöcheln. Seit Tagen hatte es geregnet. Ein Landregen der aller ersten Güte. Buddeln sie am Abwassergraben, holen sie den Spaten aus dem Lager, sagte mein Chef. Ich ging in das Lager, suchte zehn Minuten den Spaten und fand ihn hinter einem Sack mit Muttererde. Der Stiel des Spatens war locker. Der Regen wurde stärker. Ich stach in die Erde, lockerte die Erde und vergrößerte den Graben um ein paar Zentimeter. Dann lief das Wasser über den Graben und ich stand bis zu den Knien im Wasser. Mir wurde kalt, die Schnürsenkel lösten sich und mir riss es fast die Füße weg so stark war der Wasserdruck. Ich sah den Chef aus meinem Augenwinkel. Er fuhr in einem Golfcaddy. Machen sie das richtig, sonst war’s das für sie, brüllte er.Aber wieso sollte ich mir Mühe geben, es gab keinen Mindestlohn und die Arbeitsbedingungen waren miserabel. Ich versuchte weiter verzweifelt den Graben zu erweitern. Mache sie sich mit der Kündigung vertraut, brüllte der Chef. Ihnen mangelt es an Einsatz und sie sind kein Teamplayer. Der Regen ließ nach, etwas Sonne fiel durch die Wolken. Es wurde mir fast angenehm warm, dennoch fror ich immer mehr. Zehn Minuten nach Beginn der Pause setzte ich mich ins Auto, mein Klamotten dampften. Die Heizung des Autos ging nicht an. Ich zog frische Socken an.

Auf dem Klo wusch ich mein Gesicht. Ein Kollege stand an einer Heizung und fragte nach einer Kippe. Ihm fehlten die Schneidezähne. Im Pausenraum standen mehrere Betten der Saisonarbeiter. Ein Wasserkocher lag auf dem Boden das Kabel war abgeschnitten. Der Chef kam in den Pausenraum und sagte, dass es für heute mit dem Graben genug sei. Mehr Teamplay und Ehrgeiz, das hätte ich heute vermissen lassen, wir hätten uns doch darauf geeinigt bei meiner Einstellung.
 
Zuletzt bearbeitet:


Oben Unten