tränen-reich (Senryu)

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G

Gelöschtes Mitglied 21884

Gast
Dieser Text, Ciconia, drängt viel zu stark auf die 'Richtigkeit' der Autorenmeinung/empfindung - im Haiku nicht üblich, dort wird allenfalls ein distanziertes Bildangebot gemacht, um dem Leser Spielräume der Interpretation zu lassen. Warum die Leere nicht 'leer' lassen? gespenstisch - das kann man doch dem Leser überlassen! tränen der ohnmacht - das ist Drama, nicht Lyrik! Hätte man das Weinen nicht durch tropfende Kerzen andeuten können? Vielleicht

Leere
unter dem Christbaum
Wachstropfen


Es kommt noch etwas dazu: Dein Text bezieht sich auf das Thema Corona, eindeutig. Das wird in zehn/fünfzehn Jahren kaum mehr nachvollziehbar sein. Es wäre wohl besser, die Leere (Einsamkeit) an Weihnachten allgemein zu beschreiben, eine Tatsache, die stets in dieser Zeit besonders intensiv empfunden wird.

Gruß
Béla
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Béla,

mit dem ersten Absatz magst Du teilweise recht haben – Du verstehst mehr von Haikus/Senryus als ich. Allerdings kann ich mit Deiner verkürzten Form nicht viel anfangen. Der reine Begriff Wachstropfen bedeutet für mich noch keine Tränen, eher eine schlechte Kerzenqualität. Soviel zu Spielräumen der Interpretation.

Dein Text bezieht sich auf das Thema Corona, eindeutig.
Ich finde es mittlerweile unerträglich, dass hier so vieles ausschließlich auf Corona bezogen wird. Siehst Du denn in diesem Dreizeiler keine andere Deutungsmöglichkeit, z. B. einen Todesfall in der Familie, der auch eine gewisse Ohnmacht auslösen könnte, oder die Trennung vom Partner, usw. usf.? "Heuer“ kann doch mancherlei Ereignisse in diesem Jahr beeinhalten. Und in Zeiträumen von zehn/fünfzehn Jahren ab heute denke ich sowieso nicht mehr.

Gruß, Ciconia
 

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