Traum vom Fliegen

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blackout

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Das Fliegen habe ich schon längst verlernt.
Als Kind noch überflog ich jede Treppe.
Mein Himmel ist zwar immer noch besternt,
doch was das Fliegen angeht: platte Steppe.

Mir fehlt die Treppe aus der Kinderzeit.
Wie damals fliegen – immer rauf und runter!
Ach, könnt ich’s noch, bin nicht mehr so gescheit,
mein Kinderleben war entschieden bunter.

Das Fliegen war mein Leben lang ein Traum.
Denk heute ich an Treppen, könnt ich heulen,
man stolpert leicht, schlägt einen Purzelbaum.
Nun ja, ich zähle nicht mehr meine Beulen.

Die dritten Zähne und das graue Haar –
ja ach, als Mensch wird man bloß ständig älter.
Vergessen all mein Fliegen, das ist klar.
Was bleibt mir denn als kleiner Angestellter?

Heut fliege ich im besten Falle raus.
Beschränke mich jetzt auf Gedankenflüge,
bedank mich auch gesittet für Applaus,
sei’s kleine Wahrheit oder große Lüge.
 

Tula

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Hallo blackout

Gut gereimt auf jeden Fall, aber die Aussage ist mir allzu deutlich und direkt, der Vergleich mit dem kleinen Angestellten irgendwie nicht überzeugend (ich kann mir mit Geld gern die Falten straffen lassen, wie ein junges Kind aber immer noch nicht 'fliegen'). Zu diesem Thema gehört Humor - richtig, aber dieser kommt mir hier deutlich zu kurz.

LG
Tula
 

blackout

Mitglied
Hab Dank, Tula, für die Beschäftigung mit diesem Gedicht.
Was meinst du mit der Aussage des Gedichts, die dir allzu deutlich und zu direkt sei? Soll ich das so verstehen, dass du eine undeutliche und indirekte Aussage eines Gedichts vorziehst? Bist du also der Ansicht, dass, je unverständlicher, abgehobener, quasi in Deckung, ein Gedicht ist, um so mehr ist es Lyrik?

Beim Traum vom Fliegen geht es nicht um Geld bei dem kleinen Angestellten. Worum es geht, dir das zu erklären, übersteigt meine Möglichkeiten, dir indirekt und unverständlich zu erklären, worum es eigentlich geht beim Traum vom Fliegen.
Wäre dir diese Erklärung undeutlich und indirekt genug?

blackout
 

Tula

Mitglied
Hallo blackout

Lyrik soll sicherlich nicht unverständlich sein, aber dennoch eine sprachlich kunstvolle Bearbeitung eines Themas. Der Begriff, etwas "durch die Blume" zu sagen, ist dir ja geläufig. Das trifft in gewisser Weise auch auf Lyrik zu. Je nach inhaltlicher Absicht und Form, ob mit Humor oder ohne, will ich als Leser sprachlich 'überrascht' werden (WIE etwas sprachlich umgesetzt wurde, denn sonst wird es wie hier so etwas wie gereimte Prosa); es sollte Raum für eigene Interpretation bleiben.

Was den Angestellten angeht, frage ich mal anders herum: wie war es denn gemeint. Entweder hast du kein Geld, um zu verreisen, oder um dich um dein outlook, sprich dritte Zähne und graues Haar, zu kümmern. Ist auch relativ egal.

LG
Tula
 

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