Treibjagd

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Ciconia

Mitglied
Schüsse verhallen in der Ferne. Ein Feldhase rennt um sein Leben, schlüpft unter einem Weidezaun hindurch, überwindet eine kleine Böschung, schlägt mehrere Haken. Männer mit orangeroten Westen und griffbereiten Gewehren folgen gemächlich in gebührendem Abstand. Ihr Jagdhund hechelt in der kalten Morgenluft über den bereiften Acker. Innerhalb von Sekunden hat er den angeschlagenen Hasen gepackt; mit aufrechtem Kopf trägt er ihn zu einem der Jäger. Dieser entreißt ihm die Beute und zeigt sie wie eine Trophäe in die Runde der Treiber. Dann verstaut er das tote Tier in seiner großen Umhängetasche.

Weiter geht es in langer Kette quer über das Feld, der vierbeinige Gehilfe wird jetzt an kurzer Leine gehalten. Vermutlich war der erlegte Hase der letzte Feldbewohner. Jedes Jahr eine Treibjagd, dazu die nahe Landstraße – es gibt nichts mehr zu jagen. Rehe, die sich gelegentlich hierher verirren, gehören hoffentlich nicht zum Beuteschema der Jagdgesellschaft.

Orangerote Punkte verlieren sich am Waldrand. Weitere Schüsse sind nicht zu hören.
 
A

aligaga

Gast
Jaja, @Ciconia,

die böhsen, böhsen Jäger in ihren weithin erkennbaren, orangefarbenen Joppen, ihre böhsen Hunde und die guhten, guhten Nichtjäger, die vorwurfsvoll aus dem Gebüsch gucken und haargenau wissen, dass die böhsen Jäger soeben den aller-, allerletzten guhten Hasen zur Strecke gebracht haben.

Das machen die böhsen Jäger, vor allem die heutigen, mit ihrer Beute ja immer – knallen sie ohne Sinn und Verstand zusammen, bis nichts mehr übrig ist, und sie ins Wirzhaus gehen müssen, wenn sie nicht verhungern wollen. Da treffen die Böhsen dann auf die Guhten, und sie essen gemeinsam ein Weihnachtsganserl mit Kartoffelknödel und Blaukraut.

Sie schmatzen dabei alle gleichlaut, reden aber nicht mit-, sondern nur übereinander. Die böhsen Jäger, wie blöd die guhten Ökofuzzis sind, und die guhten NGO-Mitglieder, wie doof die böhsen Hasenmörder sind.

Derweil tobt draußen der Krieg, und die 5000 Flüchtlinge, die immer noch jeden Tag neu ins Land kommen, hätten gar nichts zu fressen, wenn’s nicht irgendwo jemanden gäbe, der ein Würstel für sie spendierte. Das Würstel wurde vorher natürlich nicht über die Felder gejagt, sondern wuchs an dem Weihnachtsbaum, den Papst Franziskus schon im Advent auf dem Petersplatz gepflanzt hatte, während die Menge einstimmig „Ihr Kinderlein kommet“ dazu sang. Die Lichter am Baum sind elektrisch; der Strom dafür kommt aus der Steckdose: hundert Protzent Ökostrom aus einem Wasserkraftwerk, das von den Guhten in einem Fluss eingerichtet wurde, wobei alle zuvor in ihm lebenden Fische samt den böhsen Fischern, die ihnen Jahrtausende lang nachgestellt hatten, ausstarben.

In der digitalen Welt hat aber alles seine Ordnung! Da gibt‘s kein Schwarz-Weiß mehr! Nur noch das Plus und die Null; über Guht und Böhse entscheidet deren Reihenfolge. Ein Strichcode nur noch, mehr nicht. Eine haarfeine Linie zu wenig, und die Lichtschranke bleibt geschlossen.

Wir leben im Zeitalter der digitalen Treibjagden, @Ciconia. Du solltest dich – zumindest trivialliterarisch – nicht zum billigen Werkzeug dieser Inquisition machen lassen. Das hat später noch jeder bereut, wie uns die Geschichte lehrt!

Froh und munter

aligaga
 

Ciconia

Mitglied
@Ali ist dann mal wech!
Da hatte ich Ihnen gestern doch direkt geglaubt und auf Gaga-freie Feiertage gehofft – stattdessen waren sie anscheinend nur schnell zur Medikamentenausgabe …
dass die böhsen Jäger soeben den aller-, allerletzten guhten Hasen zur Strecke gebracht haben
Aber wenn’s um die armen, armen Fischerln in bayerischen Gewässern ginge, die von den bösen, bösen Fischern weggefischt würden, wäre Ihr Mitgefühl sicher ausgeprägter, gell, Dr. Gaga? Wer die Welt zu oft aus der Unterwasserperspektive sieht, hat wohl keinen rechten Bezug mehr zur Restnatur.

Kopfschüttelnd
Ciconia
 
A

aligaga

Gast
@Ali glaubt, @Ciconia, die sorgfältig überdachte und ausgearbeitete Kritik an deiner Jägerschelte sei vollständig an dir vorbeigegangen. Was du mit deinen persönlichen Mutmaßungen bezweckst, ist und bleibt dein Geheimnis. Du wirst es wohl mit ins Grab nehmen müssen ...

@Ali ist gleichwohl sicher, seine wohlmeinende Kritik könnte von so manch anderem ohne weiteres nachvollzogen werden. Sie war deshalb gewiss nicht vergeblich zu Papier gebracht!

Sehr heiter

aligaga
 

ThomasQu

Mitglied
@aligaga, ich weiß gar nicht, warum du dich aufregst.
Ciconia hat dieses Jagdgeschehen doch sehr schön beschrieben. Nur darum geht es hier, nicht um “Gut und Böse“.
Außerdem sind dir in deiner wohlmeinenden Kritik einige Rechtschreibfehler unterlaufen, schau dir Ciconias Antwort an, da kannst du lesen, wie die Wörter richtig geschrieben werden.
Auch heiter,
Thomas
 

rothsten

Mitglied
Nabend Ciconia,

sorry, aber Dein Text ist schlecht recherchiert:

- Keine Jagdgruppe hätte nur einen einzigen Hund

- Eine Jagdgruppe geht in einer Kette, aber ihre Jagdhunde halten sie dabei sicher nicht an der kurzen Leine. Die sollen das Wild doch treiben!

- das eine Forstgemeinschaft alles leerballert ist hanebüchen. Nichtsdestotrotz ist der Feldhase stark gefährdet. Das liegt aber allein an der Tatsache, dass der Mensch dank der Pestizide, Landraub etc seine Nahrung vernichtet: Wildkräuter.

Mir fallen leider auch zwei Wörtchen auf, die einfach nicht passen:

Männer mit orangeroten Westen und griffbereiten Gewehren folgen gemächlich in [red]gebührendem [/red]Abstand.
Warum sollten waffenbewehrte Menschen einem Feldhasen in gebührendem Abstand folgen? Jagen sie ihn nicht und wollen eher die Distanz so kurz wie möglich halten? Oder ist es ein Riesenhase, haushoch und brandgefährlich? Das ist Käse.

Dieser[red] entreißt [/red]ihm die Beute und zeigt sie wie eine Trophäe in die Runde der Treiber.
Ein Jagdhund, dem man die Beute entreißen muss, der ist nicht tauglich für die Jagd. "Entreißen" impliziert Gegenwehr, für einen Jagdhund aber ist es üblich, dass er nicht nur ohne Murren die Beute frei gibt, nein, er erwartet von seinem Herrchen dafür sogar Anerkennung. Das ist das Grundprinzip Herrchen - Jagdhund.

Hattest Du schonmal einen Hund? Ich meine keinen Deko-Hund, sondern einen echten. Ich schon!

Und das hier geht gar nicht:
Rehe, die sich gelegentlich hierher verirren, gehören [red]hoffentlich [/red]nicht zum Beuteschema der Jagdgesellschaft.
Rehe verirren sich nicht. Entweder gibt es Jagdgebiete mit Rehen, oder es gibt sie nicht. Wiederum schlecht recherchiert. Mir geht aber spätestens hier dieser wertende Duktus komplett auf die Nerven. Er ist vor allem falsch.

Sorry, aber das ist nullkommanix.

lg
 

ThomasQu

Mitglied
Hallo rothsten,

ich finde, du bist ein bisschen zu streng mit Ciconias Text.
Vermutlich hat sie überhaupt nicht recherchiert, sondern die Szenerie so beschrieben, wie sie sie selbst aus der Entfernung beobachtet hat.

“““Keine Jagdgruppe hätte nur einen einzigen Hund“““
Das behauptet Ciconia auch gar nicht, aber es können nicht fünfzehn Jagdhunde einen einzigen Hasen apportieren. Hätte sie geschrieben “Der Jagdhund“, wäre alles paletti gewesen.

Von einer “““Forstgemeinschaft“““ war bei Ciconia nicht die Rede, Forst und Jagd sollte man sorgfältig trennen.

Mit den “““gebührenden“““ Abstand gebe ich dir Recht, mit dem Beute “““entreißen“““ aber nur zum Teil. Bei einem jüngeren Jagdhund mit Spieltrieb kann ich mir schon vorstellen, dass der Jäger ihn mit etwas Nachdruck um die Beute bitten muss. Das kannst du als Hundeexperte gewiss nachvollziehen.

Dass sich Rehe im Wald nicht verirren, ist klar, aber dass sich Hasen und Rehe den Wald parzellenweise aufteilen, wie du es beschreibst, kann ich mir nicht vorstellen.

Ciconias “““wertender Duktus“““ gefällt mir auch nicht, außerdem schreibt sie in dem Text “““den angeschlagenen Hasen“““, anstatt “““einen erlegten Hasen“““, das wäre stimmiger.

Insgesamt gefällt mir Ciconias Text ganz gut, die kleinen Leichtsinnsfehler lassen sich leicht verbessern.

Grüße, Thomas
 
Sprachlich-stilistisch ausgezeichnet. Die Bedenken wegen der Einschätzung der Fauna im Zusammenhang mit Jagd (Absatz 2) teile ich. Es bieten sich da zwei Auswege aus meiner Sicht an: Entweder inhaltlich aufgrund von Recherche ändern oder diese Passage noch deutlicher als subjektive Vermutung kennzeichnen. Z.B. statt " - es gibt nichts mehr zu jagen." dann " - gibt es nichts mehr zu jagen?"

Arno Abendschön
 

Ciconia

Mitglied
Schüsse verhallen in der Ferne. Ein Feldhase rennt um sein Leben, schlüpft unter einem Weidezaun hindurch, überwindet eine kleine Böschung, schlägt mehrere Haken. Männer mit orangeroten Westen und griffbereiten Gewehren folgen gemächlich in gebührendem Abstand. Ihr Jagdhund hechelt in der kalten Morgenluft über den bereiften Acker. Innerhalb von Sekunden hat er den getroffenen Hasen gepackt; mit aufrechtem Kopf trägt er ihn zu einem der Jäger. Dieser entreißt ihm die Beute und zeigt sie wie eine Trophäe in die Runde der Treiber. Dann verstaut er das tote Tier in seiner großen Umhängetasche.

Weiter geht es in langer Kette quer über das Feld, der vierbeinige Gehilfe wird jetzt an kurzer Leine gehalten. Vermutlich war der erlegte Hase der letzte Feldbewohner. Jedes Jahr eine Treibjagd, dazu die nahe Landstraße – wahrscheinlich gibt es nicht mehr viel zu jagen. Rehe, die man gelegentlich auf den Feldern sieht, gehören wohl nicht zum Beuteschema der Jagdgesellschaft.

Orangerote Punkte verlieren sich am Waldrand. Weitere Schüsse sind nicht zu hören.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Rothsten,

manchmal finde ich es erschreckend, mit welcher Impertinenz hier eigene Befindlichkeiten und Meinungen herausgestellt und davon abweichende Empfindungen gnadenlos kritisiert werden.

Was habe ich denn hier beschrieben? Eine Jagdszene, für die ich nicht recherchieren, sondern nur aus dem Fenster zu schauen brauchte. Es handelte sich nicht um eine Gesellschaftsjagd bei Baron von Dreysen, sondern um eine Gruppe Landmänner (keine „Forstgemeinschaft“), die auf ihren im Winter brachliegenden Weiden und Feldern eine kleine Treibjagd veranstaltet. Und ich habe nur diesen Ausschnitt beschrieben, nicht wissend, aus wie vielen Hunden (mit welcher Ausbildung), Treibern und Jägern diese Gruppe sonst noch bestand.
folgen gemächlich in gebührendem Abstand
Wie ich die Sache verstand, kämpfte der Hase noch um sein Leben, wahrscheinlich war er nur angeschossen (die Schüsse fielen ja schon vorher). Bis er dann vom Hund zum Jäger apportiert wurde, hatte er sein Leben wohl verloren.

Vor einigen Jahren gab es hier übrigens auch noch etliche Fasane, die sind inzwischen ganz verschwunden. Rehe sieht man des Öfteren auf den Feldern, sie werden hier aber nicht gejagt (soviel ich weiß).

In diesem Jahr fand übrigens zum ersten Mal keine Treibjagd statt.

Einige kleine Änderungen habe ich vorgenommen, und damit danke für Deine nächtliche Beschäftigung mit meinem Text.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Thomas,

auch Dir vielen Dank für Deinen Kommentar. Die meisten Punkte habe ich schon in meiner Antwort an Rothsten abgehakt.
Eine Frage habe ich noch: Warum ist ein „wertender Duktus“, den ja auch Rothsten kritisiert, negativ? Darf man in einer Kurzprosa keine eigene Meinung äußern? Ich meine übrigens, dass ich mich mit einer Wertung sehr zurückgehalten habe.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Arno,

auch Dir vielen Dank für die Beschäftigung mit meinem Text. Auf Sprache und Stil wird hier in Kommentaren leider oft zu wenig Bezug genommen, deshalb freut mich Deine Bemerkung umso mehr.

Gruß Ciconia
 
A

aligaga

Gast
Die Kritik bezog sich auf folgende Textpassage:
Weiter geht es in langer Kette quer über das Feld, der vierbeinige Gehilfe wird jetzt an kurzer Leine gehalten. Vermutlich war der erlegte Hase der letzte Feldbewohner. Jedes Jahr eine Treibjagd, dazu die nahe Landstraße – es gibt nichts mehr zu jagen. Rehe, die sich gelegentlich hierher verirren, gehören hoffentlich nicht zum Beuteschema der Jagdgesellschaft.
Der Text unterstellte, dass Jäger Deppen sind, die im Verein mit einer Landstraße die Hasen der Region ausrotteten und im Weiteren, dass es besser sei, Rehe nicht zu bejagen.

Inzwischen wurde der beanstandete Text - schwupp! - geändert.

Niemand hat etwas dagegen, dass eine AutorIn in einem Kurzprosastückerl ihre Meinung äußert. Das hat ja auch niemand kritisiert - sondern dass Blödsinn verzapft wird von einer Person, die's nun mal nicht mit der Jagd hat.

Übrigens - ohne Hegemaßnahmen gäb's in unseren Breiten gar keine Fasane. Durch strenge Winter kommen sie nicht, und wenn zufällig doch, dann holt sie der Fuchs.

Heiter und immer weiter

aligaga
 

onivido

Mitglied
Hallo Ciconia,
das "edle" Waidwerk wird hier sehr anschaulich beschrieben. Ein paar Sadisten erlegen einen Hasen. Dieser Hase war bestimmt ungeheuer schaedlich fuer das Feld. Eine Grosstat. Das hebt das Selbstbewusstsein.
 
A

aligaga

Gast
Fein!

Dann hat dieses Traktat ja erreicht, was es ursprünglich wollte: Stimmung gegen die böhsen Jäger machen und die Guhtmenschen, die im Gegensatz zu den Böhsen den richtigen Peil haben und sich aus den Steckdosen ernähren, statt Bruder Baum zu verschüren, hinter sich zu versammeln.

Am besten gleich ein Literaturgrüppchen gründen, @Ciconia. Arbeitsitel: "Veganes Schreiben". Zwei seid ihr schon!

Kichernd

aligaga
 

ThomasQu

Mitglied
Ciconia, keine Ahnung, vielleicht ist das eine Geschmacksfrage. Der wertende Duktus bestand für mich in erster Linie aus dem Wort “Hoffentlich“, das du zwischenzeitlich entsorgt und ersetzt hast.
Im ersten Absatz beschreibst du das Geschehen sachlich distanziert. Das hättest du vielleicht bis zum Schluss durchziehen sollen. Geschmacksache.

Thomas
 

Ciconia

Mitglied
Hallo onivido,

na ja, als Sadisten habe ich sie eigentlich nicht beschrieben – aber hier interpretiert eben jeder den Text anders. Ist doch schön, wenn er unterschiedliche Sichtweisen hergibt … ;)
Danke für Deinen Eintrag.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Thomas,

danke für Deine Antwort. Ja, Du hast Recht, das ist wohl Geschmackssache. Ich gebe eigentlich immer ganz gern ein wenig eigene Meinung mit in den Text – auch wenn ich immer noch glaube, mich sehr zurückgehalten zu haben. :cool:

Gruß Ciconia
 

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