Tütken - Flucht vorm Ministerium - Schlechte Karten für Fridolin

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ahorn

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Des einen Freud, des anderen Leids


Schlechte Karten für Fridolin

Schraube locker

„Oh! Entschuldigen Sie, Milena, dass sie …“
Sie kniff ein Auge zu. Wofür er sich entschuldigte, erahnte sie. Wie sie zu reagieren hatte, wusste sie, obwohl sie keinen Sinn darin sah. Die Konvention verlangte es von ihr. Dabei hatte sie es nie verstanden, weshalb. Weshalb sie sich als Frau brüskieren musste, wenn ein Mann sie in Unterwäsche sah, obgleich dieser sie unter Umständen ein paar Wimpernschläge zuvor angeglotzt hatte, wie sie in Bikini über einen Strand flanierte.
Sie tat, was sie tun musste. Sie kreischte, so laut sie konnte, verdeckte ihren Oberkörper mit ihrem altrosafarbenen Kittel und versuchte ihre Hysterie, die sie gar nicht hatte, mit einem coolen Spruch zu revidieren.
„Dass ich mich umziehe. Dies tue ich jeden Tag.“
Er räusperte sich. „Dass sie hier sind. Ich dachte, ich wäre allein und hatte ein Geräusch gehört.“
„Ich habe die Listen vervollständigt. Samuel, würden Sie sich bitte umdrehen.“
„Es ist Sabbat.“
„Ist dies ein Grund? Haben Sie ihren 1000. Schritt erreicht und müssen hier bis morgen ausharren? Umdrehen!“
Kaum hatte sie ihren Satz beendet, da biss sie sich auf ihre Unterlippe. Was hatte sie gesagt? Ihr Chef musste annehmen, dass sie eine von diesen Deutschen war, die bloß nach Israel kamen, um ihre Vorurteile zu bestätigen. Dabei war sie mit einem Juden liiert.
Er hob seine Arme und flüsterte: „Schon gut“, während er ihr seinen Rücken zukehrte. „Steht ihnen.“
Sie legte ihren Kittel beiseite, fasste in einen Schrank und holte ein erikaviolettes Kleid zum Vorschein. „Was?“
„Ihre Spitzenunterwäsche.“
„Bitte?“
„Sie verleiht ihnen einen femininen Glanz.“
Milena schlüpfte in das Kleid. „Was interessiert sie meine Unterwäsche und finden sie mich etwa nicht feminin?“
„Nein! Ganz im Gegenteil sie sind bildhübsch“, wehrte er ab.
„Sie können sich umdrehen“, forderte sie ihn auf, wobei sie ihm ihren Rücken zuwandte. „Könnten Sie bitte?“
Samuel schritt auf sie zu. „Gerne.“
„Ihre Prothese quietscht.“
Er schloss ihren Reißverschluss.
„Wenn sie ein paar Minuten Zeit haben, ziehe ich ihre Schraube nach“, versprach sie ihm, während sie sich auf eine Bank setzte, sodann in hochhackige erikaviolette Sandaletten schlüpfte und deren Schnallen schloss. „Ich bin gleich so weit.“
Sie stand auf, griff erneut in ihren Schrank und förderte eine Bürste sowie eine Handtasche ans Tageslicht. Diese hing sie sich über ihre Schulter, bevor sie ihr glattes, kinnlanges karamellblondes Haar frisierte. Anschließend öffnete sie ihre Handtasche, entnahm dieser eine Dose sowie einen Lippenstift und tuschte ihre Augenlider, ohne Eile. Sie genoss es. Genoss seinen Blick, ohne sich ihm zuzuwenden. Genoss den Sabber, welcher auf seinen Lippen waberte.
Er war ein Mann, sie eine Frau. Ihn zu reizen, ihr eine Lust, ein Vergnügen. Ihr ein Vergnügen, bis er sie aus ihrem amourösen Traum riss.
„Haben Sie heute noch was vor?“
„Es geht Sie zwar nichts an, aber ich treffe mich mit meinem Freund“, teilte sie ihm mit, indes sie ihre Lippen purpurviolett anmalte. „Fertig.“ Sie stöckelte an ihm vorbei. „Kommen Sie?“

Samuel folgte ihr ins Labor, während sie sich umwandte. „Geben sie mir Ihr Bein.“
„Jetzt? Hier!“
„Es ist nicht das erste Mal, dass ich Ihre Schrauben nachziehe.“
Er zupfte an seiner Hose. „Aber?“
„Stellen Sie sich nicht an. Dann sind wir quitt. Sie haben mich in Dessous gesehen und ich sehe Sie in Unterhose.“
„Wenn jemand ins Labor kommt?“
„Machen Sie.“
Er setzte sich auf einen Drehstuhl und murmelte: „Na gut“, dabei zog er sich seine Hose vom Leib und seine Prothese vom Stumpf. Danach überreichte er Milena sein Bein.
Sie kniff ein Auge zu und grinste. „Erotisch ist etwas anders.“
„Es ist ein Bein.“
„Ich meine Ihre Unterhose. Haben Sie diese aus einem Museum?“
Er senkte den Kopf. „Die ist neu.“
„Dann halt ein neuer Liebestöter.“ Sie wies an ihm vorbei. „Samuel, ziehen Sie bitte die obere Schublade am Rollcontainer auf und geben mir einen fünfer Imbu.“
Er dreht sich mit dem Stuhl herum, öffnete die Schublade und griff hinein.
Sie verdrehte ihre Augen. „Das ist ein Zehner. Links daneben ist ein Fünfer.“
„Milena, wie geschickt Sie sind“, schmeichelte er ihr und übergab ihr das Werkzeug. „Ich erinnere mich heute noch daran. Eine Steckdose sollten sie wechseln oder war es ein Schalter?“
„Eine Steckdose.“
Er lehnte sich vor, wobei er ihr sein Gesicht zuwandte.
„Klar eine Steckdose“, bestätigte er, dabei tippte er an seine Schläfe. „Sie wissen, ich habe es nicht mit Technik. Ich bin eher der Theoretiker. Anschließend haben sie die kleine Zentrifuge repariert.“
Milena steckte den Inbusschlüssel in die Schraube. „War ein Widerstand durchgeknallt. Klacks.“
„Drei Monate ist dies jetzt her“, sinnierte er. „Wo haben Sie das alles gelernt, als ..?“
Sie stemmte ihre zierlichen Hände gegen ihre Taille und zeterte: „Frau“.
„Das meine ich nicht“, wehrte er ab, „als Elektrikerin.“
„Drei Monate und eine Woche. Die Stoppmutter ist vergnibbelt. Geben Sie mir den zehner Steck.“
„Zehner Steck?“
„Eine von diesen Röhrchen auf dem eine Zehn steht.“

Sie legte das Bein ab, stöckelte zur anderen Seite des Labors und murmelte: „Ich glaub, ich habe gestern eine zehner Stoppmutter gesehen“, dabei beugte sie ihren Oberkörper, umklammerte ihre Schienbeine und musterte die unterste Reihe von Schubfächern eines Laborschrankes.
„Zumindest tragen Sie keinen Liebestöter“, stellte Samuel fest, wobei er schmunzelte.
Milenas rechte Hand schnellte an ihr Gesäß, während sie zürnte und sich hinhockte. Dabei empfand sie eher Behagen, Freude darüber, dass Männer sie als Frau wahrnahmen. Die Jahre des Versteckens, der Schmerzen waren vorbei. Sie wollte ihr Leben genießen, obwohl die Narben auf ihrem Herz alles andere als verheilt waren.
„Ich kann nichts dafür, dass Sie ein kurzes Kleid tragen. Bei diesen Aussichten werde ich wehmütig, dass sich unsere Wege trennen.“
Sie schnappte sich die Mutter und stand auf. „Wollen Sie mir kündigen?“
„Gott bewahre! Ich gehe. Am Monatsende ist Schluss für mich.“

Zurück an der Prothese, wandte sie sich Samuel zu. „Gehen Sie in Rente?“
„Sehe ich derart alt aus. Ich bin 62. Dies ist kein Alter, um in den Ruhestand zu wechseln. Ich habe in Italien eine neue Anstellung. Ein Privatinstitut hat mich abgeworben. Die haben Geld wie Heu. Dort kann ich endlich meinen Forschungen nachgehen.“ Er wandte sich von ihr ab. „Hier haben die für mich keinen Schekel übrig.“
Milena löste die Schraube. „Woran forschen Sie eigentlich immer nachts, wenn Sie allein sind?“
„Ich forsche nicht. Ich denke.“
Sie lehnte ihren Kopf zur Seite und klimperte mit ihren Wimpern.
„Na gut! Weil sie mein Bein regelmäßig warten und da ich sowieso gehe, sage ich es Ihnen.“ Er legte einen Zeigefinger an seine Lippen. „Aber zu niemanden ein Wort, sonst halten die mich für verrückt.“
„Kein Wort dringt aus meinem Mund.“
„Der Mann hat ein X und ein Y-Chromosom.“
„Schulwissen.“
„Das X ist nicht das Problem. Es wird immerfort regeneriert. Dagegen das Y vom Vater auf den Sohn übertragen.“
„Extrem interessant.“
„Reden sie mir nicht andauernd dazwischen“, schnauzte er sie an. „Das Y degeneriert durch Mutationen, bis es verschwindet.“
„Und?“
„Dann gibt es keine Männer mehr.“
Sie verdrehte die Augen. „Was für eine schöne Welt wäre dies?“
„Ohne Sex?“
„Doof.“
„Mein Ansatz ist, wenn man es schaffen könnte, das Chromosom zu resetten, dann wäre das Problem gelöst.“
„Resetten?“
„Derart einfach ist es nicht. Was weg ist, ist weg, aber wenn man jenes, was den Mann ausmacht, auf ein X transferieren könnte, wäre das Problem gelöst.“
„Dafür bekommen Sie in Italien Forschungsgelder.“
„Wie kommen Sie darauf?“
„Haben Sie mir vor ein paar Sekunden gesagt.“
„Blödsinn! Dafür gibt niemand Geld aus, außerdem passiert dieses erst in 500000 Jahre oder später oder nie. Sie haben mich gefragt, was ich nachts hier im Labor treibe.“
„Sie machen sich über mich lustig.“
„Würde ich nie wagen. Indirekt hat meine neue Anstellung mit dem Problem zu tun.“
„Ich verstehe Sie nicht.“
„Wehre den Anfängen. Mutationen.“
Sie legte den Maulschlüssel ab. Wenn sie eins hasste, dann waren es Männer, die sie für dumm, für Blond hielten. Sie war unbestreitbar blond, jedoch hatte sie ihre letzten Reserven aufgelöst, dass sie derart aussah, wie sie aussah.
„Samuel, spannen Sie mich nicht auf die Folter.“
„Beeinflussung von Umwelteinflüssen auf die Qualität von Spermien, sowie deren Genom.“
„Hört sich wichtig an. Weshalb unterstützt man Ihre Arbeit nicht hier im Institut.“
„Ich bin Kinderarzt sowie Gynäkologe und betätige mich hier als Reproduktionsmediziner. Die Genetik ist ein Hobby von mir.“

Milena nahm den Maulschlüssel wieder auf und zog die Mutter fest. „Nach so vielen Jahren traut man es Ihnen nicht zu?“
„Wieso viele Jahre?“
„Samuel, Sie arbeiten seit über einem Jahrzehnt hier.“
„Nicht, dass ich dieses wüsste. Seit einem Jahr bin ich hier beschäftigt.“ Er schmunzelte. „Weil alle mich hier kennen? Sie haben mich erwischt. Vor vierzehn Jahren war ich bereits einmal in diesem Institut, damals war es noch unter der Leitung von Professor Yaichiro. Ich bin aber nach einem Jahr weg. Erst nach meinem Blinddarmdurchbruch habe ich meine Beschäftigung aufgenommen. Schonarbeitsplatz.“
„Was haben sie in der Zwischenzeit gemacht?“
„Was ich mein ganzes Leben getan habe.“
„Samuel, Sie sprechen in Rätseln.“
„Ich bin Kinderarzt.“
Sie riss ihre Augen auf. „Sie hatten eine Praxis?“
Er winkte ab. „Hatte ich mal. Ich war in Süd- und Mittelamerika. Nicht durchweg, dies hält niemand aus. Da mir Israel zur zweiten Heimat geworden ist, war ich von Zeit zu Zeit hier.“ Er verdrehte die Augen. „Ja. Auch hier an der Uni.“
Milena sah zur Zimmerdecke. „Südamerika muss wundervoll sein. Der Amazonas, die Anden, die Majas und Inkas würden mich interessieren.“
„Die Guerillas, die Contras, die Drogenkriege“, vervollständigte Samuel ihre Aufzählungen. „Glauben Sie, ich war auf Sightseeing dort. Haben sie einer Mutter in die Augen gesehen, die ihr Kind auf dem Arm trägt, welches eine Maschinengewehrsalve durchlöchert hat.“
„Nein.“
„Seien Sie froh.“ Er hob seine Arme. „Obwohl, wenn sie länger in Israel bleiben, werden sie es irgendwann sehen. Israel ist erbärmlich.“
„Ich dachte, es ist Ihre Heimat?“
„Die Menschen ja, die Eliten, die Regierung alles Faschisten.“ Er verdrehte seine Augen. „Streichen Sie das letzte Wort. Kennen Sie das größte Gefängnis der Welt?“
Sie zuckte mit den Achseln. „Wird irgendwo in Sibirien sein.“
„Gaza.“ Er schüttelte seinen Kopf. „Ich halte sie auf. Treffen Sie sich mit Ihrem Freund und haben einen unbeschwerten Abend.“
„Es interessiert mich.“
„Was?“
„Ihr Leben.“
Sie schloss ihre Augen. Leben. Sie hatte zwar nur die Vita einer Journalistin geentert, schrieb die eine oder andere Kolumne für ein deutsches Tagblatt, trotzdem konnte sie sich vorstellen, diese Tätigkeit zu ihrem Beruf zu machen. Allemal besser als Messwerte in Tabellen einzutragen.
Samuel tippte an seine Schläfe. „Das Leben eines verschrobenen Reisenden?“
„Woher wollen Sie dies wissen?“
Er schmunzelte. „Was bekomme ich als Gegenleistung?“
Milena zuckte mit den Achseln. Was sollte sie ihm bieten, außer die Schrauben seines Beins nachzuziehen?
Er zwinkerte: „Sie schlafen mit mir.“
Sie ließ sein Bein fallen, bevor sie ihm mit ihrer Rechten gegen sein Gesicht schlug.



Eremit wider Willen

Wie all die letzten Tage, Wochen, Monate, saß sie auf ihrer Pritsche und starrte die Wand ihrer Zelle an.
Sie wandte ihr Gesicht einem Nachttisch zu, auf dem neben der Bibel zwei aus Brotteig geformte Figuren standen.
Sie seufzte, flüsterte: „Klara, Svenja ihr seid die Einzigen, die mir geblieben sind.“
Wie jeden Morgen stand sie auf, schnappte sich ihren Zinkeimer, ging zur Zellentür und wartete. Sie wartete darauf, dass irgendjemand ihr den Fäkalieneimer abnahm, dafür ihr einen Krug Wasser und ein Kanten Brot überreichte.

Es scharrte an der Tür. Sie schritt zurück. Die Tür schwang auf.
Sie sah nur eine Silhouette, die sich angeschienen vom Licht der Freiheit, abzeichnete. Eine in einer Art Umhang gekleidete Gestalt erschien. Eine Nonne in ihrem Habits lächelte sie an. Es war kein freudiges Lächeln, was jene ihr entgegenwarf. Ein hämisches, teuflisches Lächeln war es, das ihr Gesicht verzerrte. Ein ihr bekanntes Gesicht, welches sie in dieser ihrer Zelle, in ihrem Verlies, nie gesehen hatte. Denn außer ihrer Pritsche, einem Tisch, einem Nachttisch, einem Schemel und der Bibel war ihre Zelle leer. Kein Bild, kein Spiegel verzierte, die aus Natursteinen erbauten Wände.
Dann vernahm sie seit einer gefühlten Ewigkeit die ersten Laute, die nicht ihre eigenen, jedoch für jeden Fremden nicht von ihrer Stimme zu unterscheiden, waren.
„Griaß di, Bärbel.“
„Lotte, was für ein seltener Besuch.“ Sie wies zum Schemel. „Ich würde dir gern einen Sessel anbitten, aber ...“
„Schweig! Ich bin nicht hier, um mit dir einen Plausch zu halten. Bereust dein unzüchtig Leben? Hat die Einsamkeit des Klosterlebens den Dämon aus dir getrieben?“
„Leben? Was für ein Leben?“ Bärbel setzte sich auf ihre Pritsche, wandte ihr Gesicht. „Nennst du dies hier Leben?“
„Das Leben eines Eremiten bring ihn zum Herrn. Bereust endlich deine Unzucht?“
„Tut mir leid, ich weiß nicht, was du meinst.“
„Tanja, Nicolette und wie sie alle hießen. Die Hexen, Dämonen, die dich heimgesucht haben.“
Bärbel tippte sich an ihre Schläfe. „Hexen, Dämonen, das nennt man Liebe. Aber davon verstehst du ja nichts.“
„Ich weiß nicht, was Liebe ist? Ich liebe den Herrn, den Vater. Das ist wahre Liebe.“
„Wenn du es meinst.“
„Schwöre ab. Rette dich vom ewigen Fegefeuer, löse dich vom Satan.“ Lotte kniete nieder, ergriff Bärbels Hand. „Komm auf die richtige Seite, des Vaters, des Herren.“
„Wenn einer auf der Seite des Satans ist, dann bist du dies.“
„Blasphemie. Ich bin dem Herrn, dem Messias geweiht. Dann mache zumindest dein Herz frei. Sage mir wo sie, wo er ist.“
Bärbel legte ihren Kopf in den Nacken, als könne sie an der Decke ihrer Zelle eine Antwort finden. „Weißt du nicht, wo der Herr wohnt?“
„Mach de nicht lustig. Mei Bua der Gesegnete.“
Bärbel tippte an ihre Schläfe. „Du bist Nonne und ich glaube, verrückt.“
„Der Vater, der Herr hat‘s mir geschenkt, wegnahms hams mir. Aus Angst vorm jüngsten Tag, der Apokalypse.“
Bärbel kicherte. „Du hast mit einem Mann ... dann hast du mir etwas vor. Mir wirfst du Unzucht vor. Eine Nonne, die den Heiland betrügt.“
Lotte stand auf und richtete ihren Arm auf Bärbel.
„Schweig, Hexe. Nie ging ich der leiblichen Wollust nach. Der heilige Geist hat mich zum Vater geführt. Sag, wo ist der Sohn des Herrn.“
„Soweit ich es aus der Bibel kenne, an seiner Seite.“
„Mein Bub.“
„Lotte, woher soll ich wissen, wo dein Kind ist. Weggenommen haben sie es dir, wohl wahr. Jedoch bestimmt nicht, weil es ein Messias ist, sondern du Nonne. Sehe es ein.“
„Also weiß doch wo’s steckt?“
„Nein! Woher.“ Bärbel kratzte sich am Genick. „Sagtest du nicht vorhin sie?“
„Mein Madle das hab I. Ewige Jugend, Keuschheit hat der Herr ihr geschenkt, bis …“
„Bis?“
„Bis es sich mit ihm vereinigt de neu Weltordnung schafft, wie eins de Adam und de Eva. Komm zu uns. Wir sitzen dann an ihrer Seit.“
„Wie, du sollst sie mit dem Herrn vermählen?“
„Na! Mit ihr Bruder.“
Bärbel riss ihre Augen auf und sprang auf. „Du bist total durchgeknallt. Du suchst deinen Sohn damit er mit seiner Schwester ..? Wer von uns ist vom Teufel besessen.“ Sie wies zur Zellentür. „Raus und suche dir einen Psychiater.“
Lotte eilte aus der Zelle, schlug die Tür hinter sich zu und verriegelte diese.
Bärbel nahm sich ihr Brot, ihr Wasser, setzte sich wieder auf die Pritsche, aß, trank, starrte auf die Wand, wie all in den letzten Tagen, Wochen, Monaten.



Im Kleidchen reitfertig

„Du weißt als Einziger, dass Tanja in Wirklichkeit Klara Weber ist.“
Antonia zupfte an ihrem Ohrläppchen. Sie hatte sich einmal verplappert, obwohl sie Aishe hoch und heilig geschworen hatte, niemanden die volle Wahrheit zu erzählen. Jedoch manchmal ging Antonia ihr Temperament durch.
Wenn jemand sie reizte, dann vergaß sie ihre hanseatischen Tugenden. Allerdings, dem war sie sich sicher, außer Matthias wusste niemand von Tanjas Identität, jedenfalls nicht von ihr. Matthias, Alinas älterem Bruder, konnte sie vertrauen. Trotzdem erzählte sie ihm nicht die ganze Wahrheit.
„Ihre Mutter und Tami bestimmt ebenfalls“, stelle Matthias fest. „Aber worauf willst du hinaus.“
Antonia drehte sich um, kreuzte ihre Arme vor der Brust und legte ihre Fingerspitzen auf ihre Schultern. „Ich wundere mich, für einen Jungen bist du schnell wieder im Thema.“
„Dass dann Tami deine Tante ist?“
Antonia schmunzelte in sich hinein. Sie empfand es immer als witzig, wie er über Tami sprach. Dabei kannte er sie nicht, hatte sie nie gesehen. Er hörte nur gelegentlich mit, wenn sie mit ihr telefonierte, bis es ihr zu intim wurde, sie ihn vor die Tür schickte.
Tami war Antonias beste Freundin, obwohl Tami sie belogen hatte. Sie gab sich, als sie sich kennenlernten als dreizehnjähriges Mädchen aus, dabei war sie mit Matthias gleichaltrig. Die drei Seetage von Mellum bis Ameland, sowie die Woche auf der Insel hatten sie vereint. Tami brachte ihr bei, wie ein Mädchen sich kleidete, sich benahm, und Antonia machte eine waschechte Seefrau aus ihr. Zumindest fiel sich nicht mehr über Board.
Antonia zog ihren Kopf zurück. „Jetzt nicht!“
„Hast du dich wieder mit Tanja gezofft.“
„Ach, wenn wir Mal richtig streiten würden.“
Matthias nahm seinen Arm von ihrer Taille und wischte ihr eine Träne von der Wange, wobei sie Matthias Hand beiseiteschob und flüsterte: „Früher. Weißte, haben wir oft herumgekabbelt. Nur manchmal holte sie die Mutter heraus. Hätte ich damals gewusst …“

„Schick siehst du aus. Das Kleid steht dir.“ Matthias wies zu Boden. „Sind die neu?“
„Was?“
„Deine Schuhe?“
Antonia winkelte ihr rechtes Bein ab und schlug sich gegen die Stirn. „Habe ich ganz versemmelt. Nee. Alinas.“
Matthias zuckte mit den Achseln. „Könntest dich auch etwas …“
„Auftakeln? Nee. Danke!“ Sie zupfte am Stoff ihres Kleides. „War nur ein Spaß.“
Matthias schritt zu Alinas Bett und setzte sich. „Warum macht ihr nicht einfach einen Gentest?“
Wortlos stöckelte sie zum Fenster, presste ihr Becken gegen die Fensterbank. „Eigentlich“, sie stütze sich ab und hauchte an die Scheibe: „Ist es ganz schön bei euch.“

Es kam ihr vor wie ein Déjà-vu. Zum einen hasste sie diesen Hof, als trüge er an allem Schuld, zum anderen krampfte ihr der Magen, wenn sie daran dachte, jenen zu verlassen.
Bis zu ihrem ersten Besuch hatte sie ein fast normales Leben geführt. Ein wenig durchgeknallt war sie, trotzdem auf ihre Art glücklich.
Sie genoss es, keine Eltern zu haben, frei zu sein. Eine Schwester an ihrer Seite zu wissen, die ihr manchmal auf den Keks ging, dennoch, wenn Antonia sie brauchte, fest zu ihr stand.
Mit Wehmut dachte sie an ihre Großmutter, die immer ihre Oma blieb, an Nahne den schrulligen Seebären, der sie auf den Schoß nahm und ihr Seemannsgarn spann. Sie blieben in ihrem Herzen, obwohl sie längst verstorben waren. Bloß ihr kleines weiß getünchtes Haus stand weiterhin hinter dem Deich und trotzte den Herbststürmen.
Erst zweimal war sie wieder dort gewesen. Im Frühjahr mit Tanja, um nach dem Rechten zu sehen. Zuvor letzten Sommer mit Tami vor ihrem großen Segeltörn. Nur Ailsa Craig hatte sie nie erreicht. Vielleicht in diesem Sommer, denn die Sophia, ihre geliebte Zweimann-Jolle lag im Hafen von Cadzand. Wenngleich ihr Training mit dem Laser Standard all ihre Zeit beanspruchen würde.
Antonia zupfte an ihrem Ohrläppchen. Sie hatte keinen Namen für ihr Boot.

„Woran denkst du?“
„Nichts.“
Antonia schob die weißen Sandaletten von ihren Füßen, schritt um sieben Zentimeter geschrumpft auf Matthias zu, setzte sich seitlich auf seinen Schoß und schmiegte ihren Arm um seinen Hals.
„Das will ich nicht.“
„Was?“
„Ob Tanja meine Mutter ist oder nicht.“
„Könnt ihr Weiber nicht einmal beim Thema bleiben?“
Sie stieß mit der flachen Hand gegen seine Stirn. „Wi Deerns denken holt anner, at hör Möpels.“
„Möpels?“
„Ist Platt und heißt liebenswerter Junge“, erklärte sie nüchtern, wenngleich sie schmunzelte, und ihre Lippen auf die seinen presste.
Konnte ein junges Mädchen zwei Männer lieben, schoss es Antonia durchs Gehirn. Bei Hindrik bekam sie Herzklopfen, schmolz dahin in seinen Armen. Dagegen bei Matthias fühlte sie sich geborgen. Sie erinnerte sich an ihren ersten Tag, als er ihr den Hof zeigte. Sie spürte erneut das Knistern, als sie seine Hand berührte. Die Zerrissenheit am Mittagstisch, die darauf beruhte, dass sein gutes Herz sein Großvater Alfons und sein Halbbruder Fridolin geschunden hatten.
Ein schlechtes Gewissen peinigte sie.

Matthias kräftige, dennoch sinnliche Finger berührten ihr Knie, fingerten unter ihrem Rocksaum.
Sie schlug zu. „Kaum hat man ein Rock an, wiest ihr Keerlke nicht wohin mit den Pfoten“, dabei dachte Antonia an Hindrik, nicht an Matthias, und wünschte sich die Zeit, einerseits wieder zurückdrehen zu können, anderseits die Chance nicht gepackt zu haben, obgleich sie sich ekelte.
Ihr lief es erst kalt, dann heiß den Rücken herunter. Sie nahm sich vor, gleich nach den Ferien ihre Ärztin aufzusuchen, denn es kam ihr vor, als wäre sie nicht richtig eingestellt.
Er schaute sie mit einem Dackelblick an, zumindest sah es für sie derartig aus. „Aus Versehen“, brummelte er.
Antonia blickte an ihm herab und zeterte: „Lüge nicht! Ihr Burschen könnt eure Erregung nicht verbergen“, dabei drückte sie auf die Beule, welche sich abzeichnete.
Matthias lief rot an.
Sie stieß an seine Stirn. „Da habe ich es besser.“
„Warum?“
„Weil ich ein Mädchen bin“, sang sie, drückte ihm einen Kuss auf die Lippen und quetschte die Beule, bis er aufschrie. „Bis sechzehn muss er warten.“
„Ich bin sechzehn.“
Antonia gab ihm eine Kopfnuss. „Wer redet von dir?“
Sie hüpfte von seinem Schoß, ging zum Fenster und stützte sich auf der Fensterbank ab, schaute erneut hinaus, hielt im Gedanken die Zeit an, bis ein Räuspern von Matthias sie wieder in die Gegenwart holte.

Sie schritt zur Zimmertür. „Ob Freundin oder Tante ist mir egal.“ Sie legte ihren rechten Fuß auf der Türklinke ab. „Wer ist mein Vater?“
Matthias stand auf und zuckte mit den Achseln.
Den Oberkörper beugend, berührte sie mit den Fingerspitzen ihre Zehen, dann streckte sie sich zurück, bis ihre Hände ihr Gesäß touchierten. „Dass sie mit irgendeinem Fremden herumgemacht hat, glaube ich nicht, immerhin ist sie lesbisch. Sie muss ihn gekannt haben. In Südafrika hatte sie nur vier zur Auswahl. Anton schließe ich aus, war ihr Erzeuger. Doc kann ich streichen, ein väterlicher Freund. Karl ist Priester ...“
„Bischof von Passau“, verbesserte Matthias sie. „Ich verstehe dich. Es ist für dich sicherlich nicht einfach eine Mutter zu haben, die dich bereits als Säugling weggegeben hat. Aber Bärbel ist deine Mutter. Deine Papiere …“
„Sind eindeutig.“
Sie zupfte an ihrem Ohrläppchen und dachte, wenn er wüsste. In diesen Situationen hasste sie ihren Schwur.
„Gut, dass jemand am eigenen Vater zweifelt, verstehe ich. Ich selbst war all die Jahre der Auffassung, dass Anton mein Vater war. Dabei hatten meine Mutter und er gar nichts miteinander. Sie waren nur verheiratet. Aber zu glauben deine Cousine Tanja wäre deine Mutter, total abgefahren.“
Antonia richtete sich auf, wechselte das Bein und beugte sich erneut, bis aus ihrem Blickwinkel Matthias kopfstand.
„Ich sprach von der Möglichkeit.“
Sie richtete sich abermals auf, nahm ihren Fuß von der Türklinke und drehte sich, sah Matthias an. Dann spreizte sie ihr rechtes Bein ab, ergriff ihren Fuß und presste ihre Wade an ihr Ohr.
Matthias zischte: „Kannst du nicht mit deinen Verrenkungen aufhören. Mir schmerzt es bereits beim Zusehen. Tanja, deine Mutter und dein Cousin sollten es wohl wissen.“
„Welcher Cousin? Beim Ballett kann ich am besten denken.“
„Torben.“
Antonia senkte ihr Bein, spreizte das Linke. „Den gibt es doch gar nicht. Habe ich dir schon tausendmal verklickert.“
Mit einem Schmunzeln versuchte sie ihr Flunkern zu kaschieren. Nachdem sie sich wieder auf ihre beiden Füße gestellt hatte, glitt sie in Spagat.
Matthias quittierte dieses mit einem Zucken seiner Gesichtsmuskeln. „Ich kann dir eine Reitstunde geben, dann bewegst du dich auch.“

Sie und reiten? Zwei Welten prallten aufeinander. Dass sie sich immer wieder auf Wetten einließ. Gleichwohl sie der Devise nachging: Wette nur, wenn du zu einhundert Prozent gewinnst, hatte sie einmal beinahe aufgegeben und einmal verloren, beides Wetten mit Pferden, beziehungsweise bei der Ersten mit ihren Ausscheidungen.
Es ging darum, dass sie bei Tanjas Hochzeit ein Kleid anziehen sollte, wenn sie es tat, bekam sie als Preis die Jolle Sophia, ansonsten stand für sie Pferdestall ausmisten auf den Plan.
Matthias hatte es, nach einer Einweisung von Antonia, geschafft, mit einem Optimisten bei strammem Wind von Steuerbord, den Attersee zu queren. Überdies kam er punktgenau am Ziel an.
Ihre Arme über den Kopf vereint, beugte sie sich zur Seite. „Bleibt nur Stephen übrig.“

Matthias zeigte ihr einen Vogel. „Stephen? Der hat doch keinen Schwanz.“
„Wird jedoch einen gehabt haben, und nur weil er sich ein Kleid übergestreift, als er Tami und mich abgeholt hat, heißt dies lange nicht, dass er schwul ist.“
Ganz war es nicht so, argwöhnte Antonia. Immerhin hatte sie von Aaron von Düwen erfahren, dass er seine Schulzeit in Aarons Internat verbracht hatte. Dieses war ein Mädcheninternat.
Antonia zog den Saum ihres Kleides über ihren Hintern.
Matthias hatte von ihr erfahren, dass Stephen dort zur Schule gegangen war. Dieses war bestimmt kein Geheimnis, immerhin hatten damals Franziska sowie Anton dort eine Stelle als Hausmeisterpaar. Trotzdem verschwieg sie ihm, dass das Internat immer ein Mädcheninternat war. Matthias kannte bloß ein Internat und dieses war jenes, das Alina und sie besuchten.
Es passte nicht in Matthias Weltbild. Die Jahre, in denen sein Großvater ihn manipuliert hatte, hatten Spuren in seiner Seele hinterlassen. Zumindest hatte sie es geschafft, dass er nicht mehr der Ansicht war, Frauen gehörten an den Herd. Trotzdem waren für ihn weiterhin Männer Männer und Frauen Frauen, als stände dieses eingemeißelt im Buch des Lebens.
Aishes und Tanjas Beziehung akzeptierte er zähneknirschend, wenngleich bloß aus dem Grund, da er sie kannte. Dagegen, wenn sie beide handhaltend durch Passau spazierten, ein gleichgeschlechtiges Paar, welches offen ihre Liebe zeigte, ihnen entgegen schritt, dann spürte sie seine Abneigung. Ihre Hand schmerzte ihr dann.
Antonia wusste, dass nicht die Gene einen Menschen trieben, sondern das Herz. Das ganze letzte Jahr hatte sie genug Zeit, um alle Indizien zu sortieren, abzuwägen, sich selbst ein Bild zu machen. Ob dieses der Wahrheit entsprach, vermochte sie nicht zu beweisen. Allerdings kam jene ihre Ansicht nach, dieser nahe.
Ihre Theorie hatte sie außer mit Tami mit niemandem geteilt.
Sie schloss ihre Arme über ihrem Kopf zu einem Kreis und murmelte: „Obwohl er in seinem rapsgelben Sommerkleid extrem feminin daherkam“, dabei beugte sie sich zur Rechten, zur Linken. Sie erhob ihre Stimme. „Nicht jeder Mann der Frauenkleider trägt, ist gleich homosexuell.“
Matthias lehnte sich zurück. „Ich verstehe dich, wenn ich wüsste, mein Vater wäre anderes herum, dann ...“
„Würdest du nicht wissen wollen, ob er es ist.“
Antonia rollte über ihren Bauch ab, ging in den Handstand, während sie weiterhin ihre Beine spreizte. Dann drehte sie ihren Unterleib, bis die Zehenspitzen ihres rechten Fußes Matthias steiften. Ihr rechtes Bein senkend, das andere hebend, schwang sie sich auf, umschlang seinen Hals und zischte: „Kommt der alte Nazi in dir hoch“, dabei umfasste er ihre Taille, fing sie auf, hielt sie fest, sodass ihr ganz anders wurde.
Ihr kam eine Idee, wie sie ihn aufklären, sowie gleichzeitig ihr Wort halten konnte. Ihn in den nicht den Schwur betreffenden Bereichen zu unterstützen, damit er, eines Detektivs gleich, auf den wahren Kern stieß.
Wie sehr sehnte sie sich an die Zeit zurück, in denen sie Joachim Friedrichs Werke verschlang. In die Welt seiner Serien Armanda X eindrang, dabei darüber nachsann, ob sie lieber Ricky oder Blümchen wäre.
Als sie sich mit Tami in van Düwens Villa einschlich, kam sie ihren Vorbildern der Kindheit das erste Mal am nächsten. Es war mehr als ein Abenteuer. Sie zupfte an ihrem Ohrläppchen. Warum nicht? Es waren Ferien.

Ihre Augen halb geschlossen, hauchte sie ihm einen Kuss auf die Wange. „Du verstehst nicht. Wenn Stephen mein Vater ist, dann bist du mein Onkel!“
„Und?“
„Und!“ Sie sprang vom Bett. „Tickst du nicht ganz richtig.“
„Erst mal ist die Wahrscheinlichkeit das Tanja und Stephen ... du weißt schon, gering und außerdem ...“
„Sie haben geheiratet. Ist dies nicht Beweis genug?“
Er ergriff ihre Hand. „Des Erbes wegen und hier auf dem Dorf nicht unüblich ...“
Sie riss sich von ihm los und schrie: „Dass ein Onkel seine Nichte ficken will?“
„Natürlich nicht. Cousin und Cousinen kenn ich.“
Sich ans Ohrläppchen greifend, rannte Antonia zum Fenster. „Hunderte Jahre Inzucht hier oder wie?“
„Aber ich will doch gar nicht.“
Antonia wandte sich um und stemmte ihre Fäuste in ihre Taille. „Findest du mich nicht attraktiv? Bin ich dir nicht sexy genug.“ Sie hob ihren Arm. „Ach ja, ich soll mich ja auftakeln, damit du etwas zum Vorzeigen hast.“
„Mann, seid ihr Weiber kompliziert.“
Sie wies zur Tür. „Raus.“
„Warum? Es tut mir leid.“
„Raus!“ Sie hob den Saum ihres Kleides. „Soll ich etwa im Kleidchen reiten.“
Er runzelte die Stirn. „Aber sonst?“
„Sonst, sonst, ist eben nicht heut“, schmetterte sie ihm entgegen. „Fisch dir eins von den Zeitschriften unter deinem Bett hervor, dann kannst du nackte Frauen anglotzen.“
„Aber?“
„Raus! Denken ist wahrlich nicht deine Stärke.“
„Wie?“
„Wat finnt ji Kerls daaran düll splitternakend Froen to gluupt“, donnerte sie ihm entgegen, dann zuckte sie mit den Achseln. „Schließ die Tür.“
Matthias ging zur Zimmertür, umfasste den Türschlüssel.
Sie ballte ihre Hände und kreischte: „Von draußen!“



Falsche Ausfahrt

„Ich glaube es nicht?“, murmelte eine Frau, strich dabei über ihr weißes, mit Spitze besetztes Minikleid, bevor sie „Josephine“ rief.
Die Angesprochene wandte sich ihr zu und fragte: „Janet, du hier? Ich dachte, du wohnst in München?“, wobei sie ‚wohnst‘ über Gebühr betonte.
„Fragen. Lass dich drücken.“
Die beiden Frauen umschlangen sich, hauchten sich Küsse auf die Wangen.
Die Hand von Josephine erfasst, erklärte Janet ihr, dass sie ihre Kanzlei in München hätte.
Josephine zog eine Augenbraue hinauf. „München? Ich dachte in Linz.“
„Linz lange nicht mehr. Ich habe mich doch auf Familienrecht spezialisiert und hier in München sind die Klienten Zahlungskräftiger.“ Sie kicherte. „Wenn du verstehst, was ich meine? Immerhin kenne ich mich in Scheidungsrecht vorzüglich aus.“
Eine dritte Frau verließ das Zimmer, aus dem zuvor Janet getreten war, und schnarrte. „Kein Zimmer mehr frei.“
Weiterhin Josephines Hand gefasst, wandte sich Janet der Frau zu. „Ute, darf ich dir vorstellen: Josephine Krücke eine meiner ältesten Freundinnen.“
„Schreiber“, korrigierte Josephine.
Ute schritt auf Josephine zu, woraufhin diese gleichfalls deren Hand ergriff. „Josephine, Ute Fisher, meine beste Mitarbeiterin, Freundin und Trauzeugin.“
Ute strich ihr himmelblaues Etuikleid glatt, umarmte Josephine, hauchte ihr jedoch keinen Kuss auf die Wange, sondern presste ihre Lippen auf die von Josephine, bevor sie ihr zublinzelte und ein gehauchtes „Hallo“ entgegen raunte.
Ihr Gesicht weiterhin auf Ute gerichtet, flüsterte Josephine: „Trauzeugin? Ich dachte du …“
Worauf diese lächelte. „Dann hast du meine Einladung bekommen. Warum hast du nicht geantwortet?“
Josephine senkte ihren Blick. „Vergessen.“
„Du änderst dich nie, aber dass lieben wir an dir.“
Janet umschlang Utes Taille, drückte ihr einen Kuss auf den Mund und flüstere: „Herzchen, gehst du schon einmal vor.“
Ute blinzelte Josephine ein weiteres Mal zu, bevor sie den Hotelflur entlang schritt und rechts in einem anderen Gang verschwand.

Janet kicherte. „Josephine, ich glaube, du hast eine neue Verehrerin.“
Josephine lehnte sich vor, bis ihr Mund das Ohr von Janet erreichte. „Ist sie ..?“
Janet hob ihre Schultern. „Sagen wir mal, sie schaut lieber Frauen hinterher.“
„Da entgeht den Männern aber etwas. Sie ist zwar hochgewachsen, jedoch knackig.“
Janet lehnte ihren Kopf zur Seite. „Knackig?“
„Wäre ich ein Kerl, würde ich eher sagen, sie hat richtig Holz vor der Hütten und ein Arsch …“
„Manchmal bist du wirklich vulgär.“
„Wenn ich ein Mann wäre? Bin ich aber nicht. Allerdings ihre langen schwarzen Haare?“
„Finde ich auch.“
„Janet jetzt verrate mir endlich, was du hier im Hotel machst. Immerhin heiratest du erst in knapp einen Monat an der Cote Azur. Stand zumindest in der Einladung.“
„Kirchlich. Standesamtlich ist heute.“
„Nein. Aber warum in München?“
„Erstens habe ich meine Mitarbeiter eingeladen und zweitens habe ich meinen Zukünftigen hier in München kennengelernt.“ Janet harkte sich bei Josephine ein. „Komm! Ich erzähle es dir auf dem Weg nach unten.“
Josephine grinste. „Da bin ich gespannt.“
„Ich war gerade auf dem Weg zu Nummer sieben.“
„Nummer sieben?“
„Meinen siebten Mann. Theodor. Wohlhabendes Elternhaus, gepflegte Erscheinung. Er war Gentleman.“
„Und füllte deinen Taschen.“
„Was glaubst du von mir? Aufwandsentschädigung für fast zwei Jahre Ehe“, sprach sie, dann zerrte sie Josephine in den Gang, in dem zuvor Ute verschwunden war. „Erdgeschoss?“
„Wohin sonst?“, zeterte Josephine und drückte den Aufzugknopf.

„Ich hatte bei meinem Elternhaus nach dem Rechten gesehen, wollte mich mit Theodor in München treffen, um zu unserm Haus an der Adria zu fahren. Schönes Anwesen.“ Die Aufzugtür glitt auf. „Gehört jetzt mir.“ Die Frauen traten hinein. „Nach einer gefühlten Ewigkeit fand ich endlich einen Parkplatz. Du weißt Parkhäuser sind nicht meins, außerdem kostet es ein Vermögen für einen Monat. Also ich finde endlich einen Parkplatz direkt zwischen Hotel und Bahnhof. Das war wie ein Sechser im Lotto. Theodor fuhr gerne nachts.“ Sie drückte eine Taste, worauf die Aufzugtür wieder zu glitt. „Ich wollte noch mal schnell in den Bahnhof ein paar Sachen für die Fahrt besorgen. Was man eben als Frau so brauch. Jedenfalls hatte ich das vor. Ich schnappte mir meinen Koffer, überquerte die Straße und da passierte es.“
„Du liefst deiner zukünftigen Nummer acht direkt in die Arme.“
„Quatsch. Ich blieb mit einem Absatz hängen und machte mich lang.“
„Oh! Hastest du dich verletzt?“
Janet runzelte ihre Stirn. „So weit ich mich entsinne, nur meine Strümpfe zerrissen.“
Josephine verdrehte ihre Augen. „Nur?“
„Stimmt.“ Janet kicherte. „Habe ich ganz vergessen, mit auf die Rechnung zu setzen. Immerhin wollte ich zu Theodor. Vielleicht? Nachforderungen?“ Sie winkte ab, während die Aufzugtür erneut aufglitt. „Egal. Jedenfalls da war er.“
„Theodor?“
„Gotteswillen. Ich bin froh, dass ich diesen Langweiler los bin. Seine Hand, sein starker Arm. Er ist ein richtiger Mann, nicht wie …“
„Theodor.“
„Wie Nummer sechs. Kasimir. Allein schon dieser Name. Ich erinnere mich genau an seinen ersten Satz.“ Sie senkte ihre Stimmlage um eine Oktave. „Junge Frau, ich hoffe Sie haben sich nicht verletzt, aber so kann ich sie nicht Bahnfahren lassen, wo soll ich sie hinfahren?“

Die Frauen verließen den Aufzug.
„Das hat Kasimir gesagt?“
„Josephine. Mein Prinz natürlich.“
„Dann?“
„Dann hat er mich nach Linz gefahren.“ Sie verdrehte ihre Augen „War das ein Wochenende. Himmlisch.“
„Theodor?“
„Den habe ich erst beim Scheidungstermin wiedergesehen.“ Janet schlang ihren Arm um Josephines Taille. „Komm mit, dann können wir noch ein wenig quatschen.“
„Wohin?“
„Wohin wohl? Du wirst von ihm begeistert sein. Hast du eigentlich etwas von Tanja gehört. Sie hat mir auch keine Antwort auf meine Einladung geschickt.“
„Ich? Nein. Ich habe sie ewig nicht mehr gesehen.“
Sie durchquerten das Foyer.
Janet schlug sich an ihre Stirn. „Stimmt, sie hat ja geheiratet. Kann ich mir bei Tanja gar nicht vorstellen.“
„Wieso?“
„Sie ist doch überzeugte Lesbe.“
„Tanja?“
„Natürlich. Sie war doch mit dieser Aishe zusammen. Hast du das nicht gewusst?“
„Glaubst du, es interessiert mich, mit wem sie in die Kiste springt. Woher weißt du es?“
„Von Tanja.“
„Dass sie geheiratet hat?“
Janet verdrehte ihre Augen. „Wir haben doch zwei gemeinsame Pferde.“
„Die haben es dir gesteckt?“
„Witzig! Vom Stalljungen.“
„Der war dabei?“
„Nein. Dessen Bruder hat sie …“ Janet zog eine Augenbraue herauf. „Als Lesbe.“
Josephine schmunzelte. „Vielleicht hat sie erkannt, dass ein knackiger Kerl zwischen den Schenkel …“
„Madame!“
Janet wandte sich um. „Pjotr, du sollst mich nicht immer derart erschrecken.“
Ein Mann wie ein Schrank senkte sein Haupt. „Pardon Madame. Wagen steht.“
„Wo ist Ute?“
„Wagen.“
„Pjotr, geh schon mal vor.“
Er verneigte sich, bevor er das Foyer durch den Hauptausgang verließ.
Josephine wies ihm hinterher. „Wer ist das?“
„Einer von Ommos Bodyguards. Meine Sicherheit liegt ihm sehr am Herzen. Rund um die Uhr hat er immer jemanden, der auf mich aufpasst. Ist er nicht süß.“
„Pjotr?“
„Quatsch. Mein Liebster.“
Josephine zog ihre Augenbrauen zusammen und zirpte: „Rund um die Uhr“, dann wandte sie ihr Gesicht nochmals dem Ausgang zu und grinste. „Auch nachts.“
Janet schüttelte ihren Kopf. „Was du wieder denkst? Obwohl? Ute ist immer an meiner Seite.“ Sie zwinkerte. „Auch nachts.“

Als die Damen das Hotel verließen, hielt Pjotr die rechte hintere Tür einer schwarzen Limousine auf, deren verspiegelten Scheiben in der Sonne funkelten. Pjotr reichte Janet seine Hand, während sie ins Innere rief: „Ute, setzt dich neben Pjotr“, dann wandte sie sich Josephine zu. „Komm, rutsch gleich hinein. Ute steigt aus.“
Josephine raffte den Rock ihres eng am Körper liegenden, kurzen Sommerkleides und schwang sich in die Limousine, woraufhin Janet ihr es gleichtat. Bloß mit dem Unterschied, dass sie ihren Rocksaum bis an ihre Hüfte schob, sodass sie die Spitze ihrer halterlosen Strümpfe präsentierte.
„Pjotr wir können“, befahl sie, bevor sie sich Josephine zuwandte. „Erzähl. Was machst du hier im Hotel, immerhin wohnst du in München? Mann, Kinder wie stehst? Verheiratet bist du ja. Immerhin sahen wir uns das letzte Mal auf deiner Pinkelparty.“
„Markl.“
„Markl?“, wiederholte Janet.
„Ich wohnte in Markl, nicht in München.“
„Ist das nicht das Dorf, in dem der ?“
„Genau der, der sich letzte Jahr …“
„Wohnt er jetzt wieder dort?“
„Glaube ich nicht. Was habe ich mit diesem Verein zu schaffen?“
„Wo wohnst du jetzt mit Mann und Kind?“
„Frage mich nicht.“
Janett erhob ihren Zeigefinger. „Oh, Oh. Ich kann dir eine gute Anwältin empfehlen.“
„Zu spät.“
„Du hast nicht an mich gedacht. Ich hätte richtig was für dich herausgeholt. Pjotr rase nicht so. Wo?“
„Wie wo?“
„Wo lebst du jetzt.“
„Leben? Dort, wo ich bin. Meinen Wohnsitz habe ich weiterhin in Markl. Vergessen …“
„Josephine wir lieben dich.“
„Hamburg.“
„Hamburg?“ Janet nickte. „So ein Zufall bis vor einem Jahr hatte ich eine Dependenz in Hamburg. Lief nicht gut. Diese Hanseaten sind einfach zu vernünftig, zu kaufmännisch. Dabei hatte ich eine, die hatte den richtigen Schneid. Ich hätte sogar ihr Studium bezahlt. Studienabbrecher du verstehst.“ Janet kratzte sich an ihrer Unterlippe. „Vielleicht kennst du sie, war oder ist eine Freundin von Tanja.“
„Glaubst du, ich kenne alle Liebschaften von Tanja.“
„Nee, die war nicht lesbisch. Zumindest stand sie auf Männer. Ich habe sie irgendwann, nachdem sie aufgehört hatte, hier in München mit einem Kerl gesehen. Die ließen sich von den Passanten im Englischen Garten nicht stören. Warte? Klara hieß sie. Klara Weber!“
Josephine schluckte. „Kenne ich nicht. Einen Anwalt könnte ich schon gebrauchen.“
„Oh, hast du einen neuen in Aussicht?“
„Geschäftlich.“
„Was für Geschäfte?“
„Ich mache Frauen in doppelter Hinsicht glücklich.“
Janet blinzelte ihr zu. „Hab ich es doch immer gewusst. Du und Tanja waren im wahrsten Sinnen des Wortes Busenfreundinnen. Was sie mir immer erzählt hat, was ihr früher getrieben habt. Habt ihr es nicht einmal in einer Scheune …“ Sie strich über Josephines Brust. „Na ja, seitdem ich Ute kenne, bin ich prallen, weiblichen Rundungen nicht mehr abgeneigt“, schmachtete und steckte ihre Finger unter Josephines Kleid.
„Sind nicht echt.“
„Utes auch nicht. Dafür hat sie …“ Janet flüsterte Josephine ins Ohr, worauf diese ihren Mund verdeckte.
Josephine legte ihre Hand auf Janets Knie. „Geht das?“
„Warum nicht? Mich bringt sie zum Höhepunkt.“ Sie spreizte Daumen und Zeigefinger ab. „Bei der Länge.“
„Das sieht man ihr gar nicht an.“
„Josephine Dummerchen, natürlich im ausgefahrenen Zustand. Jetzt sage mir endlich, was du genau machst?“
Diesmal lehnte sich Josephine an Janets Ohr.
Diese nickte und flüsterte: „Damit kann man Geld verdienen?“
„Was glaubst du? Geht wie geschnitten Brot.“
„Wie geht es?“
„Katalog.“
„Katalog?“
„Meine Kundinnen suchen sich zwei, drei Spender aus und machen dann Urlaub.“
„Urlaub?“
„Ambiente, kennenlernen, romantische Abende. Welche Frau kauft schon die Katze im Sack.“
„Das funktioniert? Ich meine biologisch so auf Anhieb?“
„Natürlich nicht. Moderne Medizin, aber mit einem persönlichen Tatsch.“
„Was sagen ihre Ehemänner dazu?“
„Wenn sie welche haben?“
„Natürlich.“
„Die meisten sind zugegen.“
Janet strich über Josephines Knie. „Nein.“
„Was ist dabei?“
Ihre Finger glitten über Josephines Rock. Ihr Mund näherte sich Josephines Dekolleté. „Erregend“, schmachtete sie.
Josephine wandte ihr Gesicht zum Fenster. „Das ist aber nicht der Weg zum Rathaus?“
Janet presste sich an sie und flüsterte: „Wer hat etwas vom Rathaus gesagt? Wir werden heute noch viel Spaß haben“. Dann zerrte sie Josephines Kleid von deren Brüsten und küsste diese.



Weiberkram

„Hey Hias. bring ihr das Reiten bei!“
Matthias zog seine buschigen fuchsbraunen Augenbrauen herauf und griente. Daraufhin schlug Aishe ihm mit der Faust an seinen Oberschenkel und Antonia mit der flachen Hand gegen sein Genick.
„Damit wir frei wie die Vögel über die Wiesen fliegen können“, vervollständigte Aishe ihren Satz.
Antonia nahm Reithelm und Gerte in die Linke und umfasste die Türklinke der Küchentür.
Aishe rollte an sie heran, strich über ihr Gesäß und flüsterte: „Lieb gemeint, aber das kann ich selbst. Nur, weil ich nicht laufen kann, heißt es lange nicht, dass ich behindert bin. Los, haut schon ab.“
„Sagst du Tanja“, Antonia zeigte zur Haustür, „dass ich …“
Aishe schüttelte ihren Kopf und murmelte „Du und Tanja.“

Tanja stellte das Geschirr in die Spüle. „Hallo Aishe!“ Sie schritt auf sie zu, umarmte sie und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
Sie mochte Aishe. Im letzten Jahr war sie ihr eine gute Freundin geworden. Jedoch, mehr war nicht, keine Gefühle, nichts, obwohl Aishe behauptete, sie wären ein Liebespaar. Sie fand in keiner ihrer Ablagen etwas, ob sie jemals eine sexuelle Beziehung mit einer Frau durchlebt hatte. Das Gegenteil traf eher zu.
Sie hasste es, es widerte sie an, wenn die Körper von Frauen oder gar Männer sich näherten. Tief in ihrer Seele war diese Abneigung verwurzelt, obschon ihr der Verstand sagte, dass jeder leben durfte, wie er wollte. Gleichfalls wie Tami nannte Aishe sie Klara, fraglos, wenn sie ungestört waren. Sie lebten zusammen, lagen wie ein normales Liebespaar nebeneinander im Bett.
Ungeachtet dessen, dass sie nie Aishe, außer einem Kuss, sexuell berührte. Aishe hatte keine Hemmschwelle. In diesen Minuten schloss Tanja einfach ihre Augen und stellte sich vor, Aishe wäre ein Mann, dadurch war für sie die Pein zu ertragen.
Tanja hatte Verständnis. Die Querschnittslähmung beeinträchtige Aishe. Sie unterstütze sie, soweit es in ihrem Ermessen lag.
Seit einem halben Jahr war Aishe überdies wieder berufstätig, obwohl ihre Pension ausreichte. Immerhin war es ein Dienstunfall gewesen. Dienstunfall?
Es war eine von den Ungereimtheiten, welche sie nicht begriff. Aishe hatte ihr berichtet, dass sie ein paar Tage am IJsselmeer verbracht hätten. Antonia und Tami hatten vor, mit dem Segelboot zu ihnen zu stoßen, um dann gemeinsam einen Urlaub auf einem Reithof zu verbringen. Stephen soll ebenfalls dabei gewesen sein. Eine Geschichte, die sich nicht ganz mit der Ihrigen deckte, jedenfalls für sie, wenn sie diese mit Abstand betrachtete.
So weit war das Geschehen für sie logisch, nachvollziehbar. Bei einem Faktum stutze sie. Stephen soll mit den Kindern vorgefahren sein, damit sie mit Aishe eine gemeinsame Nacht verbringen konnte.
Warum? Abgesehen, dass sie den Sex mit einer Frau ablehnte, ergab es keinen Sinn. Zum einen hatten sie bereits Nächte miteinander verbracht, zum anderen wäre dies ebenfalls auf einem Reithof möglich.
Der Rest war weitaus verrückter. Verrückter als sich Tanja fühlte. Diese Josephine soll am nächsten Morgen vorbeigeschneit sein, Aishe in den Rücken geschossen und sie, Tanja anschließend bis nahe an dem Tod zu ersticken. Josephine war dort, daran glaubte sie, sich zu erinnern. Allerdings erfuhr sie von der Polizei, dass ein Unbekannter sie gewürgt hatte, und von Aishe war keine Rede gewesen.
Diese Geschichte war für Tanja verrückt, paradox. Aber war es ein Dienstunfall? Aishe war EDV-Spezialisten bei der Polizei, somit Beamtin, jedoch am IJsselmeer?

Franziska eilte auf ihren grellgrünen Pumps, welche im krassen Kontrast zu ihrer Tracht standen, zur Anrichte, die zwischen Spülküche und Essecke rechts an der Küchenwand lehnte, schnappte den goldenen Pokal und hob ihn in die Höhe. „Schau wos des Madl gwonna hod.“
Aishe griff an die Räder ihres Rollstuhls und sauste zu Franziska, die ihr die Auszeichnung übergab.
Begeistert wendete Aishe die Trophäe. „Wow! Erster Platz.“ Sie senkte ihr Haupt und murmelte: „Ach! Ich habe sie gar nicht gefragt“, dann wandte sie sich um und schielte über die Schulter zu Tanja. „Bevor ich es vergesse. Antonia ist mit Matthias reiten.“
„De beidn wärn a scheens Boh. Oan Kaffä?“
Aishe wandte sich wieder um. „Danke Franzi. Lieber einen Tee.“
„Diakisch?“
„Gern“
Aishe rollte an die Stirnseite des eichenden Esstisches, Tanja setzte sich links neben ihr auf die Bank und Franziska schritt zum Samowar.
„Dei Muada hod recht da Tä aus dem Ding schmeckt wirklich frischa.“ Franzi ergriff die kleine Messingteekanne und goss zweifingerbreit Tee in ein türkisches Teeglas. „Wann kimmd dei Muada eigentle wieda zua Besuch. I hob no a boh Probleme mid den Rezepdn. De Kombination vo boarischa und diakischa Kuche kimmd guad an.“
„Kurdisch“, korrigierte Aishe.
Franziska winkte ab und füllte das Glas mit heißem Wasser. „Is do des Selbe.“ Sie nahm das Glas in die Rechte, raffte ihren Rock mit der Linken und tanzte, drehte sich dem Tisch entgegen. „Dann konn i mid deim Voda wieda des Tanzhax schwindn, wia bei dein Houchzeid.“ Sie stellte das Gefäß ab. „Mei! Wia da tanzn konn.“ Die Augen verdrehend, klopfte sie auf ihren Oberschenkel, strich den Rock an ihr Gesäß und setzte sich Aishes zur Rechten auf einen der rustikalen Eichenstühle. „Drotz seim steifa Haxs tanzt ea hundert Moi bessa ois Vale. Da dritt ma oiwei auf de Fiass.“

Tanja schlug mit der Faust auf den Tisch. „Franzi, sprich deutsch.“
Aishe blies eine schwarze Haarsträhne von der Stirn und flüsterte: „Ich verstehe dich“, dabei strich sie über Franziskas Unterarm.
„Kommst von hier“, grollte Tanja sie an.
„Österreich.“
„Ist dasselbe.“
Franziska beugte sich vor. „Es würde nicht schaden, wenn du Bayrisch lernen würdest. Den Gästen würde es gefallen. Ich kann dich bei einem Kursus unseres Trachtenvereins anmelden.“
„Ich spreche Englisch, Französisch und Niederländische, kannst du das?“
Tanja kniff ihr linkes Auge zu. Französisch und Englisch lernt man in der Schule, aber welcher normale Mensch studierte Niederländisch, es sei denn, er war Holländer, schoss es Tanja durchs Gehirn. Gut! Sie hatte in Südafrika gelebt, dort sprach man Afrikaans, dieses stammte von den Buren. Aber in zwei, drei Jahren dieses zu erlernen, ob man eine Schule in Südafrika besucht hat oder nicht? Dann nach mehr als dreizehn Jahren von einem Niederländer angesprochen zu werden, ob sie aus Apeldoorn komme, etwas anderes. Ihr fehlte die Kindheit. Sie schloss ihre Augen. Die Psychos hatten recht, das Leben eines Menschen ist nicht länger als eine Stunde.

„Mein Bav ist für sein Alter wirklich rüstig, so gelenkig, trotz steifen Bein“, quatschte Aishe in die Runde.
Franziska lächelte und betrachte verträumt die Zimmerdecke. „Das ist er.“
Tanja grinste. „Oh! Was höre ich? Hast dich in Aishes alten Herrn verguckt?“
Den Kopf zur Seite lehnend, die Arme verschränkend, zuckte Franziska zusammen. „Quatsch!“ Sie zwinkerte den Frauen zu. „Na ja, so oan richdn Mo zwischn den Schenkl, kannt ma aa moi wieda Gaudi machn.“
„Franzi!“, floss unisono über Tanjas und Aishes Lippen.
„Ist doch wahr. Mit de Vale läufts seit Jahren net mehr. Alt Mos sind wie Rotwein, liegen nur da und wart, bis der Herr sie austrinkt.“ Sie klopfte auf den Tisch und stand auf. „Da habt ihr es besser.“ Sie kniff in Aishes Wange. „Wenn ihr erst einmal verheiratet seit und was Kleines in den Armen habt, dann freu i mi.“

Tanjas Herz klopfte. Sie wollte nur weg. Das Leben mit einer Frau hätte sie ertragen, aber ein gemeinsames Kind. Wenngleich Aishe danach verlangte, darauf beharrte, das Baby selbst auszutragen, denn ihre Lähmung beschränkte sich nur auf ihre Beine.
Dabei war die Zeugung eines Kindes für Tanja bei Weitem einfacher. Ihre Gefühle, Erfahrungen sowie die Erzählungen von Aishe, bestätigten ihr, dass sie auf Männer stand. Aishe berichtete ihr über das Verhältnis, welches sie nach ihrer Ansicht mit ihrem Mann Fridolin gehabt hatte. Sie damals wie heute nichts einzuwenden hätte, wenn sie ihrer Neigung nachginge. Dabei betonte Aishe das Wort Neigung, als wäre die Verbindung von Mann und Frau abartig.
Dennoch lagen die Gedanken, welche sie in sich trug eher nahe, dass sie zwar mit Fridolin befreundet war, dagegen um keinen Preis das Bett mit ihm geteilt hatte. Es waren eher Bilder, wie aus dem Kindergarten, wenn die Kleinen im Spiel in Rollen schlüpften und das Leben der Erwachsenen übten.
„Wir sind noch verheiratet“, erklärten Tanja und Aishe fügte hinzu: „Außerdem heißt es eingetragene Lebenspartnerschaft. Dass Lesben heiraten dürfen, werde ich in diesem spießigen Land, glaube ich, nicht mehr erleben“, dabei blickte Tanja sie mit einem gekünstelt traurig dreinschauenden Gesichtsausdruck an.

„No oan Tä?“
„Danke nein!“
„Na mit den Friedl de Perverse hast ja bald Schluss. Wann ist de Scheidung?“
„In drei Monaten.“
Aishe strich über Tanjas Arm. „Deine Scheidung kriegen wir auch durch.“
Tanja legte ein vorgegaukeltes Lächeln auf. „Von einem Mann der seit dreißig Jahren tot ist.“
Sie richtete ihren Blick gen Zimmerdecke. In diesem Haushalt waren alle durchgeknallt. Vale hatte ihr gesteckt, dass er sie dafür entlohnt hätte, Stephen Fransiskas Sohn zu ehelichen. Verwerflich, nach Sichtweise unmoralisch zugegeben, soweit sie es sich dachte, nicht strafbar. Kurze Zeit später berichtete Aishe ihr, dass sie ihr, bevor sie bewusstlos war, erzählt hätte, Stephen mit Fridolin bei sexuellen Handlungen ertappt zu haben. Wobei diese nicht homoerotischer, sondern eindeutig heterosexueller Natur waren. Demzufolge hatte sie eine Frau und keinen Mann geheiratet. Einen Umstand, welchen Vale bestätigten, jenen gleichwohl unter der Decke des Stillschweigens zu begraben, anstrebte.

Franziska fiel zurück auf ihren Stuhl, schluchzte und tupfte sich mit der Schürze Tränen vom Auge.
„Sei nicht immer so hart“, harschte Aishe Tanja an.
Tanja verdrehte die Augen. „Sorry.“
Die Mundwinkel gesenkt klopfte Franziska aus Tanja Hand. „Ich hatte dich.“
Kopfschüttelnd verschränkte Tanja ihre Arme. „Wenn ich nur wüsste, wo er ist. Ich würde ihn hierher zerren, zum Richter prügeln.“
Franziska stand erneut auf. „Ich weiß nicht, was du hast. Immerhin hat er gleich nach der Hochzeit die Vaterschaft an Antonia anerkannt und mir den Hof überschrieben. Ohne ihn wären wir alle obdachlos.“ Sie schloss ihre Lider und senkte ihr Haupt. „Außerdem habe ich den Bub in mein Herz geschlossen.“
„Sie war eine Frau“, konterte Tanja, ohne nachzudenken, einzig das Bild in ihrem Kopf wie Stephen und Fridolin sich vergnügten.
„Tanja!“, herrschte sie Aishe an.
„Da Bub hod oan Unfoi“, warf Franziska ein.
Tanja fletschte ihre Zähne. In diesem Haushalt waren alle verrückt, durchgeknallt.
Immerhin, sinnierte sie, bestand die Möglichkeit, dass Stephen Klara war, aber wie sollte sie dieses dem Psychologen erklären, eine Einweisung in die Geschlossene für sie das Resultat. Dabei zweifelte sie selbst.
Lüge. Wahrheit. Einbildung. War Klara nur ihr Zweites ich, das abgespaltet von Tanja ihr Eigenleben pflegte und durch den nahen Tod gestorben war.

Sie bemerkte wie Aishe zur Wanduhr schielte und grummelte: „Ich muss los.“
Tanja erhob sich. „Soll ich dich bringen?“
„Bin ich behindert! Ich kann selber fahren.“
Franziska strich über Aishes Haar. „Warum musst du wieder in die Klinik?“
Die Augen verdrehend, schaute, lächelte Aishe sie an. „Ich habe da ein Kribbeln im großen Zeh und die Untersuchung soll zeigen ... na ja.“ Sie beugte sich zu Tanja und küsste sie auf den Mund. „Vielleicht kann ich in Südafrika bereits laufen.“
„Mach dir nicht zu viel Hoffnung. Ich glaube nicht, dass du in einer Woche herumhüpfst.“
Aishe grinste. „In zwei?“
„Madl wos woit ihr bloß in Afrika?“
Aishe jubilierte: „Mal sehen, schauen?“
Tanja schloss kurz ihre Augen. Nach der Vergangenheit suchen. Ihr Herz frohlockte gleichfalls, allerdings aus einem anderen Grund. Gegebenenfalls dableiben, aber dieses verkündete sie nicht laut.
Das Türblatt der Küchentür schlug gegen eine Garderobe, an der die Schürzen der Damen hingen und Valentin stand breitbeinig, seine Hände flach, seitlich am Bauch, in der Öffnung. „Da Friedl is geflohn!“
„Eazähle koa Schmarrn, hohl liaba de Antonia mia miassn zua Vasammlung“, befahl ihm seine Frau.



Im Westen Afrikas

Dies war ein Mann, dem war er sich sicher, auf den Frauen flogen. Mit festem Schritt ging er auf ihn zu. Wobei das Wasser über seine schwarzen italienischen Schuhe spritzte, das Klackern der Absätze dämpfte und sein zu einem Pferdeschwanz gebundenes pechschwarzes Haar an seinen Schultern pendelte. Seine Muskeln spannten die Ärmel seines schneeweißen T-Shirts, hoben den Barhocker, als wäre dieser eine Feder. Er stellte den Hocker neben Fridolin ab und blinzelte ihn an. Dann wandte er sich, ohne ein Wort mit ihm zu wechseln, um und verließ das Becken. Für ihn verschwand er mit der gleichen Anmut, dem gleichem Stolz, Selbstbewusstsein, wie er es betreten hatte. Als ein Mann, der wusste, dass die Frauen auf ihn flogen.

Fridolin verharrte, bis das Klacken der Absätze verhallte. Bewunderung kam in ihm auf. Wenngleich er sich nicht in einem Spiegel betrachten konnte, zeigte ihm das Verhalten des Mannes, der nach seiner Vermutung Igor hieß, dass Josephine eine Künstlerin war.
Die Deutung war klar. Igor wusste, ahnte nicht einmal, dass er ein Mann war. War dieses seine Chance, aus seiner Lage zu entfliehen. Er war ein Mann, kannte ihre Triebe. War jene Josephines Achillesferse? Ihre krankhafte Neigung, zur Perfektion, der Schlüssel, der seine Fessel löste. Sich in Frauenkleidern zu hüllen war eins, eine Dame zu sein etwas anders.
Setz dich richtig hin! Du bist eine Dame, hallten Tanjas Worte in seinem Kopf. Sie kannte Igor ohne Zweifel, wusste, wie er tickte.
„Ich heiße Klara“, flüsterte er.
Nein! Sie war Tanja. Für Josephine war sie Klara. War es ein Wink von ihr oder spielte sie ein doppeltes Spiel. Fridolin hob den Saum des Rockes, klemmte diesen zwischen seine Lippen, beugte sich vor und versuchte, den ersten Haken des Bodys in seine Öse zu hängen.
Fridolin spulte zurück, bis zu dem Tag, an welchen er Tanja das erste Mal gesehen hatte.

Seit seiner frühesten Jugend verbrachte er seine Sommerferien auf dem Reiterhof. In welchem Jahr Josephine auf den Reiterhof kam, verschwamm im Nebel des Vergessens. Es waren zu viele Mädchen und er verbrachte die meiste Zeit im Stall. Sie zickten, gackerten, hatten eine Freude daran ihn und Boon zu ärgern, oder liefen den älteren Jungen, den Reitlehrern hinterher.
Sie nannte sich Stephanie, stand neben ihm und teilte ihm mit, dass der Reiterhofleiter ihr gesagt hätte, sie solle sich an ihn wenden. Ab diesem Moment verbrachten sie jede Minute zu zweit. Er zeigte ihr den Hof, gab ihr die ersten Reitstunden. Sie hatte Talent. Im Gegensatz zu ihrer Freundin Klara, die angetrieben von ihrem Reitlehrer, erst nach Tagen den Sprung vom Holzpferd zum Wallach wagte. Dabei waren sie Zwillingsschwestern, zumindest gaben sie es an. Erweiterten ihren Kult auf Josephine, welche er das erste Mal wahrnahm.
Es war um ihn geschehen. Ihr Anblick schnürte ihm die Kehle zu, sodass einzig ein Gestotter herauskam. Wenn er nicht mit Stephanie unterwegs war, versteckte er sich, beobachtete Josephine beim Reiten, glotze auf ihre Brüste, die im Trab wippten.

Stephanie war anders. Er nahm sie nicht als Mädchen, gar als Frau wahr. Sie war ein Kumpel. Sie philosophierten über Newton oder Aristoteles.
Nach zwei Wochen holten sie Stephanie und Klara ab, Josephine blieb.
Am folgenden Tage erschien Vale, wo der die Zeit sonst verbracht hatte, war Fridolin egal. Vale fragte ihn, ob er mit zu Anton wolle. Da Josephine mit ein paar anderen Mädchen auf einem Ausflug war, er nichts Besseres zu tun hatte, fuhr er mit. Er war nie zuvor bei den van Düwen gewesen, was sollte er dort. Auf einen Reiterhof die Ferien zu verbringen, auf welchen Jungen die Minderheit erträglich, nur auszuhalten des Sportes zuliebe. Dagegen ein Internat aufzusuchen, in welchem einzig, nach seinem Wissen, Anton und der alte van Düwen die Fahne des männlichen Geschlechtes hochhielten, für ihn absurd.
Er richtete sich auf, murmelte: „Oder?“, und schüttelte, bevor er sich wieder hinab beugte, seinen Kopf.

Er bereute seinen Entschluss. Nach Kaffee und Kuchen plagte ihn die Langweile. Franziska reinigte das Haus, Vale und Anton hatten sich zurückgezogen. Er verließ, obwohl ihn Franziska dieses untersagt hatte, das Haus gen Park.
Der Park, im Still eines Englischen Gartens bepflanzt, lockte ihn. Er flanierte durch ihn hindurch, bis er großflächige Blumenbeete erreichte. Eine Villa mit angebauten mehrgeschossigen Flachbauten erblickte. Vor den Anbauten verlor sich ein Bauerngarten, auf welchem Mädchen, gekleidet in Karnevalskostümen, Unkraut jäteten.
Ihre in allen Farben des Regenbogens gefärbten Röcke, Blusen und Kleider erinnerten ihn an Frauen eines westafrikanischen Marktes, die, gehüllt in ihrer Tracht, ihre Waren feilboten. Die unterschiedlichen Hautfarben der Mädchen unterstrichen seine Annahme. Er verweilte, sah dem Schauspiel zu, bis, die Stimme eines Mannes in fragte, was er dort täte.
Fridolin wandte sich um, wusste nicht, ob er lachen oder die Füße in die Hand nehmen sollte. Die Person, die ihm gegenüberstand, war eindeutig, sein Gesicht verriet ihm dieses, ein Mann, obwohl er, gleich wie die Mädchen gekleidet, vor ihm stand. Einzig mit dem Unterschied, dass er über dem Kleid einen Blazer trug, welcher in der Farbgestaltung seinem Kleid nahestand.
Er nahm seine Füße in die Hand, rannte durch den Englischen Garten. Erst nachdem er sich in Sicherheit vermutet hatte, dass niemand ihm folgte, blieb er stehen und atmete tief ein.

Er hörte seinen Namen, sah sich um, aber erblickte niemanden, der ihn gerufen hatte. Erst nach dem dritten Male schälte sich eine farbenfrohe Gestalt hinter einem Baum hervor.
Es war Stephanie, die sich ihm als Jannette vorstellte.
Sie berichtete ihm, dass sie in der Hölle lebe. Die Tage mit ihm die Schönsten ihres Lebens gewesen wären. Er bot ihr an, zu ihm zu kommen. Sie könnten durch die Felder flanieren, ihre Theorien weiterentwickeln. Sie weinte, erklärte ihm, dass sie das Gelände nicht verlassen dürfte.
Jannette begleitete ihn bis zum Hausmeisterhaus. Dann beim Abschied hellte sich ihr Gesicht auf. Sie hätte eine Idee, verkündete sie. Er solle nach zwanzig Uhr an der Nordseite des Areals erscheinen. Neben dem Bauerngarten, unweit des Lehrerhauses, hinter Hecken sei ein Tor. Er würde dann ihre Idee erkennen.

Punkt acht erschien er am Tor. Er wartete, aber sie kam nicht. Die Zeit verging. Er blieb allein. Genauso verlassen, wie ein Stoffbeutel, der einsam am Zaum hing. Jenen musste jemand vergessen haben, dachte er sich, vergessen, wie er von Jannette. Er nahm den Beutel an sich, öffnetet diesen und sah hinein. Ein Kleid in der Ornamentik eines Gewands einer westafrikanischen Marktfrau, ein Paar flache beige Pumps sowie ein Zettel kamen zum Vorschein, als er ihn leerte. Morgen 16 Uhr hier am Tor erwarte ich dich, stand in geschwungene Lettern auf diesem.

Die ganze Nacht tat er kein Auge zu, wühlte im Bett. Was verlangte sie von ihm? Sollte er sich, als Mädchen verkleidet, sich in das Internat einschleichen, damit sie nicht allein war? Das konnte sie nicht verlangen.
Den Wecker am Morgen überhörte er. Er stand erst auf, nachdem alle zum Frühstück gegangen waren. Er ging zu den Waschsälen. Im Vorraum, in dem sich der Weg der Jungen und Mädchen trennte, lag auf dem Boden eine Kosmetiktasche. Er nahm sie auf, schaute hinein, erblickte alles, was ein Mädchen für ihre Schönheit benötigte. Es kam ihm vor, als wäre es ein göttliches Zeichen, obwohl er nie an einen Gott glaubte.
Fridolin versteckte die Tasche in seinem Zimmer, lief zurück ins Bad, wusch sein Gesicht, drückte seine Nase gegen den Spiegel. Er zupfte am Flaum oberhalb seiner Lippen, strich durch sein Haar.
Beim Reitlehrer meldete er sich für den Vormittag ab – Besorgungen machen. Er fuhr mit dem Bus in die Stadt, wusste was, aber nicht wo er es erwerben sollte.

Er ging, seinen Rucksack geschultert, nach dem Mittag in den Stall. Er mistete aus, als bekäme er eine Prämie. Die Zeit rann dahin. Er beeilte sich. Den Schweiß von seiner Stirn wischend, bestieg er sein Rad, fuhr zur alten Scheune.
Bis zur Unterhose zog er sich aus, schlüpfte sodann in das Kleid, steckte die Füße in die Schuhe, woraufhin seine Zehen schmerzten, bemalte sein Gesicht und setzte sich beim Besteigen des Rades die Perücke auf.

Fridolin öffnete den Mund, der Saum seines Rockes folgte der Schwerkraft und pendelte auf seinen Oberschenkeln aus. Er könnte es schaffen. Wie damals, als er im Pulk der Mädchen aufging. Sie ihn für ihresgleichen hielten, ihn annahmen.
Er drückte den Stoff des Rockes an seinen Schritt. Mit festem Willen es schaffen. Seinen Mann zu stehen. Fridolin schwang seinen Blick über die mit Wasser bedeckten Fliesen, bis zur Leiter, die ihm den Weg der Freiheit zeigte, und murmelte: „Wie er.“



Falsche Papiere aus Matonge

Matthias umwickelte seine linke Hand mit der Longe und streichelte mit der Rechten die Mähne des bayerischen Warmbluts. „Gut gemacht!“
„Wo kickst du weder hin.“ Antonia zog ihm an den Haaren. „Schau mir ins Gesicht! Kann ich nicht ein anderes Pferd nehmen? Sultan ist so riesig.“
Den rechten Zeigefinger an seine Oberlippe gedrückt, wandte sich Matthias um. „Vielleicht?“, er zeigte auf einen Isländer, der auf der anliegenden Koppel graste. „Balou.“
„Ha! Ha! Da kann ich gleich mitlopen.“
„War ein Scherz. Sultan ist unser einziger Wallach und er hat ein besonnenes Temperament.“
Antonia strich über seine Wange, verdeckte ihre Lippen und kicherte. „Ganz wie du.“

Matthias drehte sich zurück und gab ihr einen Klaps auf den Hintern. „Apropos? Ich habe mir mal Gedanken gemacht.“
Sie tippte an seinen Kopf. „Damit?“
Matthias grummelte, während sie sich vorbeugte und Sultans Hals umarmte. „Macht man euch Kerlen ein Kompliment, seid ihr gleich eingeschnappt.“
„Im Ernst. Was ist, wenn Bärbel die Wahrheit gesagt hat?“
Die Stirn gerunzelt, drückte Antonia ihre rechte Wange auf die Mähne des Pferdes.
„Welche?“
„Dass sie deine und Tanjas Tante war.“
„Aber …“
Er zupfte an ihrer Reithose. „Lass mich einmal ausreden.“
„Seit wann lasse ich dich nicht aussnacken. Wie kommst darauf. Ich höre dir gerne zu. Nur meistens denkt ihr Männer immer so verwickelt, da …“
„Blümchen?“
Sie drückte die Rechte auf ihre Lippen. „Bin still.“
„Mal angenommen. Hypothetisch?“
„Du kennst Fremdwörter.“
Matthias kniff ihr in die Wade.
„Aua!“, schrie Antonia und rieb über ihr Bein. „Sei nicht immer so barsk.“ Sie wuschelte seine Haare. „Sonst mach ich einen Wallach aus dir.“
„Musst du gerade, sagen“, wetterte er.
Erschrocken zupfte Antonia an ihrem Ohrläppchen. Hatte er es herausbekommen oder hatte es Alina ihm gesteckt, dachte sie.
Wenngleich sie mit Alina ein Zimmer teilte, sie ihre Freundin war, vertraute Antonia ihr nicht zu hundert Prozent. Irgendetwas stimmte mit Alina nicht. Ihre Lügengeschichten, die sie oft zum Besten gab, trieben, ganz abgesehen von Hindrik, einen Keil in ihre Freundschaft.

Matthias strich mir der Schuhspitze durch den Sand des Reitplatzes. „Dann wären wir nicht verwandt.“
„Du hast das Foto vergessen?“
„Welches Foto?“
„Das mir Aaron gegeben hatte.“ Antonia richtete sich auf. „Das Gleiche stand jahrelang auf meinem Nachtisch. Meine angebliche Mutter Sophia eng umschlungen mit meinem scheinbaren Vater, nur dass auf der Rückseite von Aarons Foto geschrieben stand: ‚Ich habe geheiratet. Liebe Grüße Lisselotte‘. Wer war damit Bärbel?“
„Bärbel?“
„Dösbacken! Bärbel hat mir erzählt, dass sie bei einer Schmuggelfahrt ihr Bein verletzt hatte. Deshalb ihre Narbe. Wer hatte von den beiden das Abitur gebaut?“
Matthias zuckte mit den Achseln.
Antonia verdrehte ihre Augen. „Sophia. Ich habe dir das Abiturfoto gezeigt, auf dem sie mit Krücken abgebildet ist.“
„So viel erkennt man darauf nicht.“
„Damit war Bärbel Sophia und da Sophia und Lisselotte ein und dieselbe, war Bärbel deine Tante Lisselotte.“
„Dann wäre ich dein Cousin.“ Er erhob den Kopf und grinste. „Zumindest nicht dein Onkel.“
„Wat maak dat vör een Unnerscheed“, grollte Antonia.
„Hör mit deinem Platt auf. Ich spreche auch nicht Bayrisch.“
Sie musste sich mäßigen. Mit Hindrik sprach sie meistens Platt. Geheimsprache. Diese verstand ausgenommen dem Koch niemand im Internat. Der war waschechter Ostfriese, aus Saterland, wie er betonnte.

„Deine Bärbel ist niemals die Lisselotte. Meine Mutter wäre ihr um den Hals gefallen. Nach so vielen Jahren ihre Schwester wiederzusehen.“
„Stimmt!“, gab sie ihm recht. „Erwachsene sind meist komisch, so richtig verstehen kann man die nicht. Womöglich haben sie Geheimnisse, die wir“, sie malte zwei Anführungszeichen in die Luft, „Kinder nicht erfahren sollen.“
Matthias zog seine Augenbrauen zusammen und spannte die Lippen. „Bei uns wird über alles offen gesprochen“, haderte er. „Was man von deiner Familie nicht behaupten kann.“
Antonia zog die Schultern herauf. „Wie meinst du das?“
„Einmal ist Tanja Klara, dann Klara Tanja und zum guten Schluss existiert sie überhaupt nicht.“
Den linken Mundwinkel heraufgezogen, blickte Antonia auf ihn herab. „Bei euch verschwinden alle. Erst deine Großmutter, dann deine Tante.“ Sie schnellte die Arme in die Höhe. „Buff und weg.“
Er ballte seine Rechte zur Faust. „Dann mach den Test mid Tanja, damit mia Klarheit hom.“
Die Augenbrauen zusammengeschoben zeigte sie auf Matthias. „Außerdem habe ich nie behauptet, dass Tanja nicht existiert, sondern ich habe an der Existenz gezweifelt. Ihre Geburtsurkunde ist falsch oder nachträglich gefälscht, da ihr Geburtsort nach dieser Matonge ein Stadtteil von Brüssel ist.“
„Genauso foisch wia dei Ausweis Antonia Tütken. Oda is ea echt und du foisch Sven-Fiete Sengbein.“

Antonia starrte ihn an. Hatte er ihr Geheimnis schneller herausgefunden, als es ihr lieb war. War dies der passende Anlass, sich von ihm zu trennen, ihm eine Szene vorzuspielen. Sie dachte an Hindrik.
Ihr Herz schrie, nein, die Zunge etwas anders. „Spionierst du mir hinterher?“
„Das habe ich nicht nötig. Schmeiß deine Klamotten nicht überall herum.“
„Du lügst.“
„Na ja. Ich sollte für Aishe etwas aus eurer Wohnung holen, da fiel der Kinderausweis mir in die Hände“, druckste er.
Ihr Brustkorb schnürte sich ein. „Ich bin Antonia!“
„Mir ist es egal, ob du ein Junge warst oder nicht. Ich liebe dich. Nur deine Lügen schmerzen.“
Sie musste die Sache wieder einfangen. Kein Streit auf dem Reitplatz.
„Ich bin Antonia“, wiederholte sie, spreizte weiter ihre Knie und drückte zwischen ihre Schenkel. „Sehe ich wie ein Junge aus.“
„Ich sagte, war! Warum hat Tanja vor der Hochzeit von ihrem Bruder erzählt, wo ist er? Dann kam sie mit dir, ihrer Tochter. Merkwürdig?“
Antonia verdrehte ihre Augen, zupfte an ihrem Ohrläppchen. Sie beugte sich zu ihm vor, küsste ihn und flüsterte: „Erkläre ich dir nachher. Du wirst dich totlachen.“
Matthias zog eine Augenbraue herauf und murmelte: „Wirklich?“, während sie erneut ihre Wange an den Hals von Sultan schmiegte.
„Dummerchen! Du bist süß. Weil ich mich in dich …“, sie zwinkerte ihm zu, legte sodann den Zeigefinger der rechten Hand an ihre Oberlippe und spreizt den kleinen Finger ab. „Guten Tag Herr Doktor“, sprach sie eine Oktave tiefer, „Ich bin ein Junge und habe mich in einen Jungen verliebt, will aber nicht schwul sein, könnten sie mir den Pimmel abschneiden.“
„Zieh es nicht ins lächerlich.“
„Wenn es so wäre, ginge das gar nicht so schnell. Gutachten, psychologische Betreuung, Hormontherapie und was weiß ich alles.“
„Dafür bist du aber gut informiert“, konterte Matthias.
„Weswegen warst du zwei Monate in Thailand. Da macht man so was, einfach zum Arzt, aus Mann wird Madel.“
Antonia quollen Tränen aus den Augen, flossen über ihre Wangen. „Weil man mich entführt hat. Es war nicht Thailand, kein Urlaub, sondern Russland“, schluchzte sie.
Was sie dort erlebt hatte, hatte sie Matthias nie erzählt. Nur Tanja, Franziska, Tami und Joos wussten davon, seit neuestem Hindrik.
„Tschuldigung“, druckste Matthias.
Antonia beugte sich vor, schlang ihren linken Arm um seinen Hals und küsste ihn. „Lass uns nachher darüber sprechen.“

„Wo hast du meine neuen Schuhe gelassen?“, donnerte Alina über den Reitplatz.
Matthias dreht sich zu ihr um. „Schon zurück?“
„Dein blöder Vater hat sich beim Datum vertan. Friedl ist noch im alten Knast!“
„In unserm Zimmer“, antworte Antonia.
Alina hob ihr rechtes Bein. „Zum Blamieren. Die hässlichen Treter“, sie zupfte am Saum ihres Kleides, „zu diesem schicken Kleid.“
„Komm, ich machte dir Diva fertig. Ein kurzer Ausritt beruhigt“, gab ihr Matthias zu verstehen.
„Danke“, zischte Alina, streckte ihm ihre Hand entgegen und spreizte ihre Finger. „Kuck! Habe mir letzten beim Sprung einen Fingernagel abgerissen, das reicht.“

Sie drehte sich um und stampfte zum Haus.
Matthias legte eine Hand an seine Hüfte, schritt ein Fuß vor den anderen auf dem Sand, schwang sein Becken und wedelte mit der anderen in der Luft herum. „Mein schöner Fingernagel ist kaputt.“
Antonia verdeckte ihren Mund und lachte.
Kopfschüttelnd marschierte er zurück. „Gut, dass du nicht so bist.“
„Sei froh, dass du eine Schwester hast.“
„Eine Nervensäge.“ Er öffnete den Karabiner der Longe und gab Sultan einen Klaps. „Zwei achten rechtsherum, zwei links in Schritt und Trab“, schrie er Antonia hinterher, die verkrampft versuchte, das Pferd mit ihren Schenkeln zu bändigen.

Antonia brachte Sultan zum Stehen, woraufhin Matthias erst über dessen Mähne strich, sodann über Antonias Oberschenkel. „Beim nächsten Mal reiten wir aus.“
„Hias mach de Gaul droggn und du Antonia, mach di hübsch fia eurn Dtachtenvaein!“, schmetterte Valentins Stimme über den Hof.



Flucht im Brautkleid

„Tä?“
Tanja starrte, fixierte ungläubig Valentin an. Sie wusste nicht, ob sie sich jubeln sollte, oder Angst empfand. Sie musterte, betrachtet all jenes, was um sie herum geschah, als ginge es ihr nichts an, als säße sie auf ihrem Sofa und glotze Fernsehen, einen Film, einen langweiligen Film.
„Tä?“
„Bin i a Diake!“
Franziska schritt zum Küchenschrank, holte eine Tasse mit blauem Streublumenmotiv, dazugehöriger Untertasse und Kuchenteller hervor, stolzierte zum Esstisch, stelle diese ab. Valentin setzte sich an Tanjas Seite und grummelte seine Frau an: „Wos is den des, hosd du koa richtige Tass?“
Wortlos marschierte diese zum Spülbecken, spülte einen Pott aus, schnappte sich den Teller mit dem Streuselkuchen von der Anrichte und schmetterte beides vor seiner Nase auf den Tisch. Woraufhin er sich ein Stück grapschte.
Aishe stützte sich auf ihren Rollstuhl ab, lehnte sich vor und flüsterte: „Was ist mit dem Fridolin?“
Seine Lippen gepresst, seine buschigen Augenbrauen an seiner kräftigen Nasenrücken gezogen, schwenkte der Mann, der neben ihr sah, der ihr abrupt fremd war, seinen rechten Arm über den Tisch.
Franziska schnappte sich den Kuchenteller und versuchte, die fallenden Streusel aufzufangen. „Mo kannst koan Tella drunterhoidn.“
„Bin doch koa Weib. Obgehaun is ea!“
Kurz aus ihrer Lethargie erwachend, fasste sie an seinen Oberschenkel und flüsterte: „Wie?“, dabei guckte sie ihn grimmig an. „Sprech Deutsch.“

Er berichtete, dass Fridolin beim Transport von Celle nach Traunstein nahe Goslar geflohen wäre.
Franziska verdeckte ihren Mund. „Mei, dann muss er noch länger einsitzen.“
Während er seine Augen verdrehte, grinste er sie an, als übernahm ein Dämon seinen Körper. „Ja! Wenn er die beiden Vollzugsbeamten erschossen hat? Was ich nicht glaube. Er war bestimmt angekettet.“
Kopfschüttelnd säuselte Franziska: „Da arme Bub.“, während sie aufstand und zur Spüle ging.
„Bisd du bled! Das war ein Witz. Mehr als lebenslänglich mit anschließender Sicherungsverwahrung kann man nicht bekommen“, rief er ihr hinterher, bevor er in den Kuchen biss. „Hat nichts zu verlieren.“

Aishe runzelte die Stirn. „Du bist der Meinung, er hat die Flucht in Auftrag gegeben?“
„Ach! Dafür ist er zu bled. Na. Das steckt jemand anders hinter.“
Die Augen aufgerissen, zuckte Aishe zurück und zischte: „Josephine?“
„Lass do das arme Madel daraus. Immerhin wollt der Deb, ihr alles in die Schuhe schieben.“ Valentin schlug auf die Tischplatte. „Na! De Titus de Schwuchtel steckt dahinter.“
„Es gibt weder einen Titus noch eine Tita“, konterte Aishe. „Ist total abwegig. Aus einem Kerl eine Frau machen, die dann einen Mann spielt.“
„Sei still, net so laut, de Franzi“, flüsterte Valentin, zumindest in einer Lautstärke, die Tanja vernahm.
Er wandte seinen Kopf über seine Schulter und starrte aus dem Fenster. „I nenn ihn nur Titus. War irgendeine Transe aus der Lola.“
Aishe drehte ihren rechten Zeigefinger an ihrer Schläfe und wisperte: „Die hatte zufälligerweise Stephens Papiere. Was ist eigentlich mit der Lola? Ich meine, weil Fridolin nicht mehr Pächter sein kann?“
Franziska schritt wieder auf sie zu.
„Zu is“, berichtete sie.
Mit einen knappen „Jo“ holte er das Gespräch zu sich. „Zu is! Die Schandfleck von Strass wird endlich saniert und an die Japaner verkauft“, er rieb sich die Hände. „Bringt ä Menge Kies.“
„Das willst du wissen“, warf Franziska in die Runde.
„Stand in der Zeidung. Wenns lesn dadsd und ned grod de Kochrezepte ausschneidn.“
Irgendwie verstand sie, wie oft, nur Bahnhof. Sie zupfte an ihrem Jeansrock und plärrte ihn, bloß aus dem Grund, da sie irgendetwas zum Gespräch beitragen wollte, an: „Dass du das als grüner Bürgermeister gutheißt“.
„Ökologie und Ökonomie sind keine Gegensätze, wer die Umwelt erhalten will, braucht Zaster, aber davon versteht ihr Weiber nix. I wird mi freuen, wenn so ein Schlitzaug de alt Feuerwehr oder de Gasthof kaufn wird .“
Aishe ließ die Schultern sinken. „Ich fand es immer nett in der Lola.“
„Für euch Leuts, aber net für Normale.“
„Vale!“, harschte ihn Franziska an. „Wo wolltens de Madl sonst hin. In Hirsch vielleicht und sich von de Kerl’s anmachen“, wetterte sie und verschwand wieder zur Spüle.

Aishe stütze auf dem Tisch ab, wandte sich zu Valentin und flüsterte: „Wie soll sie an Stephens Papiere gekommen sein?“
Valentin streckte ihr seine Nase entgegen. „Von de Friedl natürlich.“
„Und er?“
Er betatschte Tanjas Knie und fingerte unter ihren Rocksaum. „Von ihr.“
Tanja zuckte zusammen, stieß seine Hand weg. „Was tuschelt ihr, und nimm deine dreckigen Finger von mir.“
Er presste seinen Rücken gegen die Lehne, grinste, spreizte die Beine und murmelte: „Franzi hat uns gebeichtet, dass du Stephen bist und Friedl wo dei Mo!“
„Wir waren nur Freunde.“

Tanja zupfte an ihrem Rock. An mehr konnte sie sich nicht erinnern. Sich nicht vorstellen, dass Fridolin als Josephine verkleidet, erst Stephanie entführt, malträtiert und dann einen Unschuldigen mit einem Kugelschreiben erstochen hätte, um die Tat Josephine in die Schuhe zu schieben. Nein! Gewalttätig war er nicht. Dies spürte sie tief in ihrem Herzen.
Einmal war sie bei ihm im Gefängnis. Er sagte nichts, entschuldigte sich nur. Er hätte es nicht gewollt. Da meinte er gewiss die Entführung von Antonia. Seine Augen logen nicht.

„Er war es nicht“, schrie sie.
„Wer?“, rief Franziska, dabei polierte sie ein Glas.
Sie wandte ihren Blick von ihr ab, bis sie Valentins Gesicht einfing, ihn anstarrte, versuchte, in seinen Augen zu lesen. „Fridolin ist unschuldig.“
Er kratzte sich am Genick, trommelte auf der Tischplatte. „Denkst, ich find es toll, einen perversen Sohn zu haben, aber die Beweise sprechen für sich. Das Video der Tat, seine Wimper auf der Leich ...“
„Augenbraue“, warf Aishe ein.
„Die Tatwerkzeuge“, fuhr er unberührt fort, „de Aussag von de Frau im Hotel, daas es sei Zimmer war und er mit Weiberklammot auf dem Arm de Hotel verließ und“, er trommelte energischer, „daas de Josephine beweisen konnte, daas sie zur Tatzeit auf de Fähr nach Calais war.“
„Wo ist sie? Verschwunden“, wetterte Aishe. „War nicht einmal bei Gericht.“
„De Titus a net“, entgegnete Valentin zuerst barsch, bevor er schmunzelte und Tanjas Schenkel rieb.

Aishe klopfte auf den Tisch. „Ihr könnt von mir aus weiterhin über den Schwachsinn diskutieren. Ich muss los. Für mich ist Fridolin gestorben.“ Sie wandte sich an Valentin. „Kannst du die Rampe richten. Sie klemmt, wenn ich“, sie pochte auf die Armlehne des Rollstuhls, „meinen Rennwagen hochziehen will.“
„Na gut, dann roll i di ma raus.“
„Das kann ich selber. Es reicht, wenn du die Tür aufmachst.“
Valentin stand auf, ging zur Küchentür, öffnete diese und schlug sie zu, nachdem er die Küche verlassen hatte.
„Arschloch“, rief ihm Aishe hinterher. Dann rollte sie zur Küchentür und nachdem sie diese geöffnet hatte, verließ auch sie die Küche,

„Komm Tanja, de Tass wasch mia mit de Hand ab, de gut Geschirr magst die Spülmaschiin net.“
Franziska ließ Wasser ins Spülbecken einlaufen und tropfte ein wenig Spülmittel ins Becken.
Tanja sah sie traurig an. „Mit dir und dem Valentin. Na ja ...“
Das Geschirr eintauchend, raunte Franziska: „Alt Leut sam mia.“
Tanja schnappte sich ein Geschirrtuch. „Du und alt?“
Franziska tauchte einen Schwamm ins Wasser, fuhr über einen Kuchenteller. „Komm in mein Alter, da läufst nicht mehr“. Sie reichte ihr den Teller. „Früher kamst mia net aus Bett raus, aba seit joarn.“
„Ihr habt keinen Sex mehr?“
„Na! Wos würd i gebn fia oan Mo zwischn meina Schenkel.“ Sie spülte eine Tasse ab. „Ich glaub, aba des bleibt unter uns, ich hab i nie geliebt.“ Tanja nahm die Kaffeetasse entgegen. „Da kamst de Hias, de Onton war weg, du warst weg und de Hias brauchte a Voda. Nicht mal richtig geheiratet habn wir. I geschieden Frau, e geschieden Mo, kei Segen von de Pfarra.“ Den Kopf gesenkt, hielt sie Valentins Kaffeepott zwischen den Fingern. „Mei, warst du scheen bei dei Hochzeit.“

Tanjas versuchte, die einzelnen Bilder ihrer Hochzeit zusammenzufügen, wie sie es bereits unzählige Male getan hatte.
Stephen, Stephanie in ihrer Lederhosen, eng anliegend, ihre Weiblichkeit im Schritt kaum verbergend, als hätte sie es darauf angelegt, enttarnt zu werden. Der Gamsbarthut wie ein Diadem, eine Krone auf ihrer dunkelbraunen Prinz-Eisenherz-Perücke.
Der Standesbeamte, der auf seine Armbanduhr starrte, nervöse, wie das Pendel eines Metronoms schwankte. Ihr Verkrampfen, als er die entscheidende Frage stellte. Alles sah sie, aber nicht als Braut, sondern eher als Gast der Zeremonie.
Der Einzug in die Kirche. Schemenhaft. Ihr rechter Arm eingehakt bei Stephanies. Herzklopfen. Stephanie lüpfte ihren Schleier, steckte ihr den Ring an. Augenglitzern! Stephanies Lippen auf den ihren. Ihre Arme um ihren Hals. Zungenspiel, war sie doch ein Mann? Cut! Die Bilder verwaschen, die Sinne, der Geschmack ihrer Lippen echt. Sie kein Gast, kein Beobachter, sondern Braut.
Waren diese Bilder von Fotos in ihren Geist gedrungen oder hatte ihr Gehirn aus Erzählungen Szenen entwickelt.
Sie sieht sich im Brautkleid, wie sie es von ihrem Körper streift, in das safrangelbe Sommerkleid schlüpft. Dass mit dem Rosenmotiv, welches sie weiterhin gern trug, schlicht, nichts für eine Hochzeit.
Stammten dieses Bild vom Tag der Eheschließung oder war es eine Anprobe. Denn Aishe erzählte ihr andauernd, dass sie ihr das Brautkleid vom Körper gepellt, die Hochzeitsnacht mit ihr verbracht hätte.

„De Hias mit de Ontonia ...“
„Antonia“, korrigierte Tanja sie.
Franziska stützte sich auf dem Spültisch ab und schaute wehmütig zum Fenster. „Wie äh zweit Brautleut. Sie in ihrem weißen Kleidchn. Mei, wär des scheen, wense in ein paar Joar.“ Sie lächelte. „Dann tanzen wir wieder die ganze Nacht durch.“ Ihr Gesicht zu Tanja gewandt, tauchte sie die Hände ins Abwaschwasser. „Ich erinnere mich, als wärs heid. Du mit de Aishe. Mei hatte sie ein scheens Seidenkleid. Wie die Mannsbilder sie angehimmelt hab‘n. Ihr in ihren mit Spitze versäumten Ausschnitt seng haben. Der weite Rock beim Tanzen geflogen is. Sie sich auf ihren, wie de Kleid himbeerroten Pumps gedreht hat. Dir in den Armen lag. Und i“, Franziska trocknete ihre Finger an ihrer Schürze ab, ergriff ihren Rock, streckte den Arm, umfasste einen imaginären Tanzpartner, summte ein Lied und drehte sich um ihre eigene Achse, „mit de Okan. Bis zu den Sternen habn mia getanzt.“
Tanja blickte zu Boden. „Neue Schuhe?“
Franziska hob ihr rechtes Bein. „Hat mia de Aishe aus de Stadt mitbracht. De weist, was mia gefällt.“
„Ein bisschen knallig.“
„Moanst türkis is grod wos fia junge Weiberleid.“

Sie blieb den Rücken zu Tanja gekehrt, stehen. „Dann habn mia di und die Aishe geseng, wie ihr eich geküsst hobt, wie du dei Ruggn an ihr Laib gepresst, sie den Roassvaschluss des Houchzeidskleidls geöffnete hod. Dann hast du dei Kopf auf ihre Schuita gelegt, sie dei Hals geleckt und dei Kleidl üba dei Körpa glitt.“

Tanja war fassungslos. Nicht darüber was Franzi und Okan gesehen, sondern, dass sie sich an diese Szene nicht erinnerte. Sie hatte nie mit einer Frau Intimitäten ausgetauscht. Ein paar zärtliche Berührungen mit Aishe gewechselt, aber mehr nicht. Tanja versuchte, erbost zu wirken. Mit einem Ruck zog sie den Stöpsel aus der Spüle. „Habt ihr zugesehen oder wie?“
„Na. Getanzt habn mia.“ Franziska drehte sich abermals um ihre Achse und sie schaute in ihr Gesicht, sah ihre leuchtenden Augen. „Bis in di Scheun und da...“
Aishe klopfte ans Küchenfenster.
„Dei Liebste will fahren. Komm, geh, verabschiede dich. Ich muss mich für die heutige Versammlung umziehen.“
Tanja trocknete ihre Hände ab, ging zur Küchentür, blieb stehen, als ihr Franziska zurief: „Machst no de Hühnerstall fertig, aber de Geschicht bleibt unter uns Weibsleut. Vastahst!“



Verriegelt und verschlossen

„Hast du es dir bequem gemacht?“ Klara rümpfte ihre Nase, schnüffelte. „Es stinkt hier. Es stinkt nach Scheiße.“ Sie trat näher an Fridolin heran. „Du bist es. Schweine stinken immer nach Scheiße.“ Sie stieß mit ihrem rosa Gummistiefel gegen seinen Hocker. „Steh auf, wenn deine Herrin vor dir steht!“
Er stand auf und verschränkte seine Arme. „Und?“
„Warum?“
Fridolin zuckte mit den Achseln. „Warum was?“
„Zugegeben hattest du es. Warum bist du zurück, hast dich als schwarzen Mann verkleidet und mich gezwungen?“ Sie spuckte auf den Boden. Das Wasser schlug Wellen, nachdem ihre Spucke eingetaucht war.
„Wegen des Zettels.“
„Lügner!“
„Ich lüge nicht. Ich bin zurück, habe mich umgezogen, bin zur Stahltür, aber ...“
„Aber?“
„Sie war abgeschlossen; war mit einem neuen Schloss verriegelt. Ich bin dann raus.“
Klara nickte. Er log nicht. Ihm hätte sie eine Backpfeife gegeben und wäre rausgerannt. Der Mistkerl, der ihr befohlen hatte, sich zu entkleiden, die weißen Dessous überzuziehen, hielt eine Pistole in seiner schwarz behandschuhten Rechten, bedrohte sie. Den Gebrauch einer Waffe traute sie Fridolin nicht zu.
„Du lügst. Wo bist du anschließend hin?“
„Erst habe ich Josephine gesucht, dann bin ich mit dem Fahrrad herumgefahren. Ich weiß nicht mehr wo hin.“
„Hat dich jemand gesehen?“
Er schwang den Kopf. „Woher soll ich das wissen? Es ist Jahre her.“
„Denk nach!“
Er schloss die Augen. „Warte? Als ich nach Josephine suchte, war ich erneut bei dem anderen Bunker. Da war ein Mann.“
„Hast du ihn erkannt?“
„Nein!“
„Aber daran, dass es ein Mann war, kannst du dich erinnern.“
„Ja! Wie viele Frauen kennst du, die im Stehen pinkeln?“
Klara schmunzelte. „Ich pinkle im Stehen.“
„Wie bitte?“
„Ein Mädchenspaß. Erkläre ich dir mal später. Aber du weißt es genau?“
„Wie Mädchen im Stehen?“
„Das er?“
„Ja! Ich pinkelte. Da kam er, holte sein Ding heraus, fragte mich, ob ich ...“
„Ihm einen bläst?“
„Bin abgehauen. Der Rest floss in meine Hose.“
„Welcher Rest?“
„Was wohl.“
„Kanntest du ihn?“
„Nein.“
„War es Anton?“
„Nein!“
„Joos, Valentin?“
„Nein, Nein!“, schrie er und hielt sich den Kopf. Seine Hände glitten über sein Gesicht. „Warum war Klara noch im Bunker?“

Sie zupfte an ihrer Halskette. „Als Josephine aus der Zelle gerannt ist, hat sie die Stahltür zugeschlagen und der Riegel ist ...“
„Wie bei Vale“, fuhr er ihr ins Wort.
„Vale?“
„Andere Geschichte.“
Sie schürzte ihre Lippen. „Du hast dir keine Sorgen gemacht?“
„Tanja! Der Alptraum verfolgt mich bis heute. Die Nacht war angebrochen, als ich zum Reithof zurückkam. In Klaras und Josephines Zimmer war Licht und ich sah Josephine am Fenster.“
„Du bist dann ins Bett?“
„Ja! Zu der Zeit durfte ich nicht mehr zu den Mädchen. Das weißt du.“

Sie drehte sich eine Locke, zupfte dabei erneut an ihrer Kette. Fridolins Aussage deckte sich mit der von Josephine, jedenfalls wie sie damals berichtete. Sie hatte Sorge, erinnerte sie sich an ihre Worte. Vorwürfe plagten sie. Sie stand auf, zog sich an, nahm Fridolins Fahrrad und fuhr zum Bunker. Die Tür war mit einem neuen Schloss versperrt. Am Morgen brach sie erneut auf. Suchte auf dem ganzen Gelände, bis jemand sie niederschlug. Sie erwachte in der Bunkerzelle, ging ins Freie. Ein Polizeibeamter ...

„Deine Tür war, wie immer, abgeschlossen“, zischte sie.
Er schlug an seine Stirn. „Bin ich dämlich. Stephanie, Stephen? Du bist Stephen. Warum hattest du ein Einzelzimmer bei den Jungen? Warum sagtest du mir immer, wir glichen uns, wenn du mir übers Kleid strichst. Du dachtest, ich bin wie du. Ein Junge, der ein Mädchen sein will.“
Ihre Hand schlug auf Fridolins Wange auf. „Ich bin Klara, du Scheißer! Was faselst du für einen Schwachsinn?“
Fridolin rieb sich die Wange und sie über ihren Oberarm. Abwegig war seine Vermutung nicht. Wie oft hatte sie mit diesen Gedanken gespielt. Als Kind hatte sie Tanja nie nackt gesehen. Dann die Auswanderung nach Südafrika, ihre Abschirmung. Nein! Tanja hatte ein Kind geboren. Zufall? Sie hatte einen Freund. Sie schwärmte von ihm, befreien würde er sie.
Klara hatte ihn nie gesehen. Zufall. Ein Wink des Schicksals? Sie dachte an Svenja, Antonia.
Niemand wusste von dem Geschäft mit Doc. Oder? Ein Mann kann kein Kind gebären. Nein! Zu viel Zufall ertrug die Welt nicht. Es war dieses Schwein, das ihr gegenüberstand, dass sie geschwängert hatte. Erst ihren Spaß genießen und dann, wenn sie ihren Mann stehen müssen, das Weite suchen.
Sie hatte die Wahrheit verdreht, dieses stand sie sich ein. Sie erzählte jeden, dass Stephen der Vater war. Der passte eben in die Geschichte. Wenngleich sie Tanja ausgefragt hatte, konnte sie sich an nichts erinnern. Trotzdem blieb eine Restwahrscheinlichkeit. War Antonia nicht ihre genetische Tochter? Hatte sie sich prostituiert? Für Geld ein fremdes Kind ausgetragen? Es nicht hergeben? Tanjas Kind bekamen sie.
Alles drehte sich. Ergriff der Wahn sie? Sie holte aus, doch kurz vor seinem Gesicht hielt sie inne.

„Tanja, du hattest deinen Spaß. Lache dich mit Josephine krank. Lasse mich frei. Ich verrate Josephine nichts.“
„Wie kommst du darauf, dass ich dich freilasse?“ Sie strich über seine Wange. „Du bist eine sexy Dame. Igor ist ein Gentleman, aber“, sie drückte ihren Zeigefinger auf seinen Mund, „sprich nicht, sonst erfährt er, was in deinem Höschen steckt.“ Sie blickte ihn an. „Ich tue, was ich kann; lege bei ihr ein gutes Wort für dich ein.“
Sie wandte sich von ihm ab, marschierte zur Leiter, ein letztes Mal drehte sie sich zu ihm um, dann kletterte sie hinauf.

„Seit wann stehst du auf Rosa?“, hörte sie eine Stimme hinter sich.
Sie sah zu Boden. „Besser als nasse Füße“, gab sie zu verstehen, dabei schlüpfte sie aus den Gummistiefeln und nahm sie hoch. „Vielleicht steht dir rosa.“
„Zu klein.“
Sie stieg in ihre Turnschuhe. „Schade.“
„Wie lange soll er da unten ausharren?“
„Igor! Das liegt nicht in meiner Hand.“ Sie wandte ihr Gesicht dem Schwimmbecken zu. „Zurzeit nicht. Wir müssen sicher sein, dass Josephine nichts mitbekommt. Am besten, wenn sie im Kongo ist.“
„Kongo?“
Sie wandte sich zu ihm um und flüsterte: „Gesagt hat sie es mir nicht, aber manchmal ist sie leichtsinnig.“
Igor zeigte über seine Schultern. „Was mache ich bis dann mit ihm?“
Klara zuckte mit den Achseln. „Halt ihn am Leben, sorge dafür, dass er schläft, binde ihn fest. Denke dir etwas aus.“
„Dann?“
Sie legte ihre Hand auf seine Schultern. „Dann schicke ich dir eine Nachricht.“
Igor verabschiede sich von ihr, woraufhin sie den Gang weiter entlang schritt, die Tür öffnetet, die ins Freie führte. Dann spürte sie, wie eine Hand sich auf ihren Mund legte.



Von den Landfrauen erwählt

Antonia warf Alinas Bikinioberteil vom Bett und fiel mit dem Hintern voraus vor deren Füße, woraufhin diese jene mit einem Ruck ihrer Ferse an ihr Gesäß stieß und geiferte: „Passt auf! Jetzt kann ich alles neu machen.“
Antonia schlüpfte aus ihren weißen Spangenschuhen. „Wer lackiert sich die Fußnägel im Bett?“
„Ich“, grummelte Alina, steckte den Pinsel in den Flakon und stellte denselben auf ihren Nachttisch ab.
Sich weiter auf das Nachtlager schiebend, zog Antonia ihre Füße herauf, spreizte die Knie ab, bis ihre Fußsohlen sich berührten und fächerte mit ihrem opal-grünen Trachtenrock. „Ich gehe ein vor Hitze.“
Mit der linken Hand zog sie ihre blütenweiße Bluse aus dem Bund, mit der Rechten schnappte sie sich Alinas Finger und legte sie an ihren Bauch.
Alina zog angewidert ihren Arm zurück. „Geh dich duschen! Habt wieder eure Trachtentänze aufgeführt?“ Sie zupfte am Bändchen ihrer Bikinihose. „Also ich gehe gleich in den Pool.“ Ihr Gesicht zu einer Fratze verzogen, betrachtete sie das feuerrote Fläschchen. „Wenn ich hier fertig bin.“
„Gleich? Nee! War eine Versammlung, da sind Männer verboten.“ Antonia nahm ihre Haube, die mit goldenen Fäden dekoriert war, von ihrem Kopf und legte sie beiseite. Dann zupfte sie Haarnadeln aus ihrer Frisur, steckte diese zwischen ihre Lippen, bis der Haarkranz auseinanderfiel und zwei Zöpfe rechts, links herunterbaumelten. „Gaa glauu gu no.“
„Wie?“
Antonia sah sich um, nahm die Nadel aus dem Mund, hüpfte vom Bett und griff an den Rock. „So viel Stoff und nicht eine einzige Tasche.“
„Damit der Teufel sich nicht darin verstecken kann“, gab Alina von sich, wobei sie lachte.
„Was ist das für ein Quatsch?“
Alina träufelte Nagellackentferner auf einen Wattebausch und lehnte ihren Kopf zurück. „Nicht richtig eingewiesen, wie?“ Ohne ihrer Freundin eines Blickes zu würdigen, malträtierte sie mit der Watte ihre Zehen. „Hast du je Franzi gesehen, dass sie eine Hose mit Taschen anhat?“, hörte sie Alina.
„Noch nicht einmal in Hose“, antwortete Antonia, legte die Haarnadel auf die Fensterbank ab, kippte das Fenster an und wedelte sich die einströmende Luft zu.
„Hat sie Handtaschen?“, hörte sie abermals Alinas Stimme.
„Weiß ich nicht?“
„Nein! Läuft nur mit ihrem kleinen Weidenkorb herum“, Alina warf den Wattebausch in Richtung ihres Kleiderschrankes, der an der Wand gegenüber dem Fußendes des Bettes stand, „und weißt warum?“
„Nee!“
„Damit jeder Mann gleich sieht, dass sie keinen Dämon bei sich hat.“ Alina schnappte sich die Nagellackflasche. „Frauen stehen mit dem Teufel im Bunde. Hast nicht gewusst?“, erklärte sie und tippte sich an die Stirn. „Die sind alle Gaga in diesen Trachtendings.“

Antonia trat an ihre Freundin heran. „Ein bisschen von gestern, aber ...“
„Was aber?“
„Na ja?“ Antonia baute sich vor Alina auf, streckte ihren Hals und hob ihre Nasenspitze gen Zimmerdecke. „Ich bin die Auserwählte.“
Alina zog eine Spur feuerroter Farbe auf ihren Zehennagel und schielte Antonia über ihre Schulter an. „Wie? Was?“
Sich vorbeugend, stützte Antonia sich auf ihren Knien ab. „Ich bin eine direkte Nachfahrin von Maria.“
„Ich von Harry Potter“, gab Alina kichernd von sich, tauchte den Pinsel ein. „Du spielst die Maria“, gab sie zum Besten und lackierte den Nagel ihres rechten großen Zehs.
Antonia strich den Rock zurück und warf sich aufs Bett. „Nicht die, die Anderen.“
Alina streckte ihre Beine über die Bettkante. „Äh!“
„Maria Magdalena, Jesus Ehefrau?“
Den Pinsel Antonia überreichend, spreizte Alina demonstrativ ihre Hand vor Antonias Gesicht. „Der war verheiratet?“
Antonia tunkte den Pinsel ein, bemalte Alinas Daumennagel. „Warum nicht? Der war doch über dreißig und zu der Zeit bestimmt Vater.“
„Steht nichts in der Bibel.“
Über ihre Oberlippe leckend, lackierte Antonia den nächsten Nagel.
„Sind nicht alle Evangelien aufgenommen. Egal! Jedenfalls hatten Maria und Jesus Kinder und die Älteste hat dann die Blutlinie der Maria gegründet“, verkündete Antonia ihren Kopf erhoben.
„Heißt es nicht Blutlinie Christi?“
„Machos, alles Machos. Das war es doch, Maria wollte das Judentum reformieren, aber für sie als Frau unmöglich, deshalb die Geschichte mit ihrem Mann.“ Alina kicherte und zuckte mit ihren Schultern. „Vielleicht hat man sie sogar gekreuzigt.“ Sie hielt ihr die gespreizte Linke hin, wedelte mit der Rechten und pustete auf ihre Fingernägel.
„Jedenfalls wird zweitausend Jahre nach Maria eine Nachfahrin geboren, die als Auserwählte das Judentum reformiert“, fuhr Antonia fort.
„Das bist du?“
Antonia kicherte, erhob ihren Zeigefinger und sprach mit Pathos: „Sogt de Franzi!“, worauf Alina ihr einen Vogel zeigte.
Antonia stand auf. „Ich habe einen Beweis“, gab sie mit einem Zwinkern zu verstehen und hob den Saum ihres Trachtenrocks.
Alina schlug an ihre eigene Stirn „Ganz klar, dass du fantasierst, wer trägt bei dieser Hitze eine Strumpfhose.“
Weiterhin mit der Rechten den Saum haltend, zupfte sie an ihren cremeweißen wollenden Strümpfen. „Weil diese Dinger elendig kratzen.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, strich Antonia ihren Slip samt Strumpfhose über ihre Knie und setzte sich aufs Bett. Dann streckte sie ihr rechtes Bein, fasste an ihre Zehen, zog den Kniestrumpf, einschließlich des daran hängenden, vom Fuß und vollzog dasselbe beim Linken. Sie legte den Saum des Rocks erneut an ihrer Taille, drehte sich auf ihrem Gesäß und spreizte die Beine. „Was siehst du?“
Alina schaute ihr zwischen die Schenkel. „Keine Schamhaare.“
„Du wieder? Nur, weil es bei dir sprießt.“ Antonia hob die Achseln. „Damit du dich später rasierst.“
„Wie?“
Antonia strich sich ihr Haar über die Schulter. „Machen alle Frauen. Zumindest rasiert sich Tanja.“ Sie zupfte an ihrem Ohrläppchen. „Jedenfalls seit neustem.“

„Egal“, Antonia strich über ihren Bauch, bis ihre Finger fast die Schamlippen berührten. „Hier!“
Alina beugte sich vor. „Ein Muttermal.“
„Welche Form hat es?“
Den Kopf zur Seite gelehnt, grinste Alina sie an. „Herzförmig.“
Antonia richtete sich auf. „Das Zeichen Marias.“
Alina tippte sich an die Schläfe, zog ihre Bikinihose aus, streckte Antonia ihr Hinterteil entgegen und spreizte die Beine. „Ein Muttermal ist nichts Besonderes!“
Die Stirn gerunzelt, drückte Antonia ihren rechten Zeigefinger zwischen Anus und Vulva ihrer Freundin. „Weder herzförmig, noch ... außerdem am Arsch.“
Ein abfälliger Pfiff verließ Alinas Mund, während sie ihre Hände an ihren Hinterkopf legte. „Du glaubst den Blödsinn?“
„Franzi hat mir gesagt, dass meine Großmutter das gleiche Mal ...“
„Dann kennt Franzi Bärbels Mutter?“
„Mensch. Verstehst du nicht? Bärbel ist somit meine Mutter.“
Sie zupfte sich an ihrem Ohrläppchen. Es entsprach zwar nicht ganz ihrer Theorie, aber es war für sie zu früh, ihrer Freundin diese entgegenzuschleudern.
Alina zog ihre Oberlippe herauf. „Was für eine Erkenntnis? Absolut neu. Außerdem war.“
„War?“
„Sie ist tot.“
„Wenn nicht?“
Antonia biss sich auf ihre Unterlippe und weichte ihre Frage auf. „In meinem Herzen lebt sie weiter.“
Alina presste ihre linke Hand auf die Oberschenkel, spreizte ihre Knie, bis sie beinahe die Matratze berührten, schloss die Augen und hauchte: „Erklär’s mir?“

Das gekippte Fenster schlug zu. Antonia zog sich ihren Rock über die Knie. Alina bedeckte mit ihrem rechten Arm ihre Brüste und mit der linken Hand ihre Scham, während sich Antonia umdrehte und plärrte: „Kannst nicht anklopfen?“
„Wollte euch fragen, ob ihr auf’ne Cola rüberkommt“, blubberte Matthias vor sich hin.
Alina rollte auf den Rücken, drehte den Kopf nach rechts. „Ach du bist’s!“
Antonia stützte sich auf, fuhr durch ihr Haar und wisperte: „Ich wollte mich gerade umziehen.“
Alina schwang über die Bettkante. „Ich auch.“ Sie ergriff ihr Bikinioberteil, hing es sich über den Hals, schritt auf ihren Bruder zu und wandte ihm den Rücken zu. „Bindest mal zu?“
„Kommt ihr jetzt oder nicht?“
Den Saum des Rocks fest an die Knie gepresst, schob sich Antonia vom Bett. „Ich gehe erst einmal duschen.“
„Ich in den Pool“, gab Alina Matthias zu verstehen, ging sogleich zu ihrem Bett, schnappte sich ihre Bikinihose, stieg hinein. Sodann wandte sie sich Antonia zu, fragte sie, ob sie nachkommen wollte, woraufhin diese Matthias anblinzelte und „vielleicht später“ murmelte.



 
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ahorn

Mitglied
Hallo Liselotte,

denke dir etwas aus, habe Fantasie. ;)
Gestatte den Protagonisten einen subjektiven Blick auf die Welt. Zumindest weiß Samuel, was sie meint.

Liebe Grüße
Ahorn

Kapitel Im Kleidchen reitfertig eingestellt.
 
Hallo Ahorn,

ich muss mich doch mal um den armen Fridolin kümmern.;)

Schraube locker

Entschuldigen Sie Komma Milena, dass sie ...
... es nie verstanden Komma weshalb.
... ein paar Wimpernschläge ...
Samuel Komma würden Sie sich ...
... mit einem Juden liiert.
... ohne sich zu ihm zuzuwenden.
... aus ihrem amourösen Traum ...
... in Dessous gesehen und ich sehe Sie in Unterhose.
Er senkte den Kopf.
Samuel Komma ziehen Sie bitte die obere ...
... ab und stöckelte zur anderen Seite des Labors und Komma murmelte: Kannst auch das erste 'und' durch ein Komma ersetzen, wenn es Dir besser gefällt. Zweimal 'und' im selben Satz ist ungeschickt (habe ich von Dir gelernt :cool:)
... dass Sie ein kurzes Kleid ...
Wollen Sie mir kündigen?
Zurück an der Prothese Komma wandte sie sich ...
Gehen Sie in Rente?
Dies ist kein Alter, ...
Ein Privatinstitut hat mich abgeworben.
... wenn Sie allein sind?
Samuel Komma spannen Sie mich nicht ...
Samuel Komma Sie arbeiten seit ...
Samuel Komma Sie sprechen in Rätseln.
Hatte ich mal.

Eremit wider Willen

... schnappte sich ihren Zinkeimer ...
... teuflisches Lächeln war es, dass ihr Gesicht verzerrte.
Ich würde dir gerne einen Sessel anbieten ...
Ich bin nicht hier Komma um mit dir einen Plausch ...
Dann mache zu mindestens zumindest dein Herz frei.
Weißt du nicht, wo der Herr wohnt?
Schweig Komma Hexe.
Soweit ich es aus der Bibel kenne Komma an seiner Seite.
... mit dem Herrn vermählen?

Im Kleidchen reitfertig

... älterem Bruder ...
... erzählte sie ihm nicht die ganze ...
... einfach einen Gentest?
... als trüge er an allem die Schuld ...
... und trotzte den Herbststürmen.
... Finger berührten ihr Knie ...
... an Hindrik Komma nicht an Matthias Komma und wünschte ...
... erst kalt Komma dann heiß ...
Ausversehen Aus Versehen
... sie wieder in die Gegenwart holte.
Dass sie mit irgendeinem Fremden ...
... beugte sich erneut Komma bis aus ...
... dabei beugte sie sich zur Rechten ...
Ihn in den nicht den Schwur betreffenden ...
... du weißt schon Komma gering und außerdem ...
Dass ein Onkel seine Nichte ...
Mann Komma seid ihr Weiber kompliziert.

So, für mehr reicht es heute leider nicht. Muss noch was essen und dann zur Arbeit.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Hallo Ahorn,

Falsche Ausfahrt

Janet Komma du hier?
... ein gehauchtes "Hallo" entgegnen raunte.
Da entgeht den Männern kein Komma aber was.
... hochgewachsen Komma jedoch knackig.
Wäre ich ein Kerl Komma würde ich ...
... auf dem Weg zu Nummer sieben.
Nach einer gefüllten Ewigkeit ... Womit ist sie denn gefüllt? ;) Ersetze das erste 'l' durch ein 'h' ...
... mit wem sie in die Kiste ...
Dass sie geheiratet hat?
... die rechte hintere Tür einer schwarzen ...
Ute Komma setz dich neben ...
... am Körper liegenden, kurzen Sommerkleides ...
... in Markl Komma nicht in München.
Ist das nicht das Dorf, in ...
Genau kein Komma der Komma der sich letztes Jahr ...
... schmachtete und steckte ihre Finger ...
Damit kann man Geld verdienten?
"Erregend", schmachtete sie.

Weiberkram

... die Türklinke der Küchentischtür.
... oder gar Männer ihrem Körper näherten.
... des eichenden Esstisches. ? Ich würde Eichenesstisches schreiben ...
... es sei denn, er war Holländer ...
Von einem Mann Komma der seit dreißig Jahren Tod tot ist.
... dafür entlohnt hätte Komma Stephen Franziskas Sohn zu ehelichen. Irgendwas fehlt da, aber ich weiß nicht was ...
... soweit sie es sich dachte Komma nicht strafbar.

So, geschafft. Wann geht's weiter? ;)

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 

ahorn

Mitglied
Hallo Rainer Zufall,

ich danke Dir für deine Tat und hoffe, dass Du nicht dem Wahn verfallen bist. ;)
Dabei bin ich Dir weiterhin den Zufall schuldig.

Kannst auch das erste 'und' durch ein Komma ersetzen, wenn es Dir besser gefällt. Zweimal 'und' im selben Satz ist ungeschickt (habe ich von Dir gelernt :cool:)
Asche auf mein Haupt. :rolleyes:
Allerdings ist wahrlich das erste 'und' Murks. Denn das Bein will ich sehen, das man, während man stöckelt, die ganze Zeit ablegt.:eek:

oder gar Männer ihrem Körper näherten
Oh Gott, der Satz ist mir ja komplett in die Grütze gefallen. Sie hat nichts dagegen, wenn ein Mann sich ihr nähert.

Womit ist sie denn gefüllt?
Mit der Seele der verfluchten Autokorrektur natürlich.

des eichenden Esstisches. ? Ich würde Eichenesstisches schreiben ...
An diesen, über diesen Tisch grüble ich seit dem ersten Teil. 'Eichenesstisches' ist galanter ohne Frage, jedoch liegt mir die Betonung durch das Doppel-S zu sehr auf dem 'ess' und nicht auf der Eiche. Vielleicht hast Du eine Idee wie man das Problem umschiffen kann. Ich habe keine.

Wann geht's weiter?
Natürlich am Donnerstag! Mit Fridolin dem armen Wicht.


Liebe Grüße,
Ahorn
 
Hallo Ahorn,

bitte, bitte, gern geschehen.
Diesen Grützesatz hatte ich einfach nicht verstanden, war mir zumindest nicht sicher, was Du eigentlich damit sagen willst. Es erschien mir logisch, ihr eine Berührungsphobie zu unterstellen. Dem ist offenbar nicht so. Dann musst Du diesen Satz aber gründlich umarbeiten.
Autokorrektur ist immer lästig, macht mein LibreOffice aber nur, wenn ich versehentlich einen Zeilenumbruch mache. Wenn ich mit Leerzeichen weiter schreibe, passiert da nix.
Dann lass das -ess- einfach weg. Aus dem Kontext ist doch erkennbar, dass es der Esstisch sein soll, oder? Vorschlag: Aishe rollte zur Essecke, platzierte sich an die Stirnseite des Eichentisches, Tanja setzte sich ... usw.

Oh, ja, den Herrn Zufall solltest Du noch begutachten, denn da sind inzwischen ganz spannende Dinge entstanden, die ich hier aber noch nicht so bald einstellen mag. Dann kauft keiner mehr mein Buch, wenn er es hier lesen kann ... :cool: Zumindest hatte ich die Absicht, noch vor Weihnachten damit auf den Markt zu gehen. Ein paar der hier eingestellten Episoden sind in überarbeiteter Form drin, aber auch eine ganze Reihe neuer Geschichten. Diese "Wie alles begann"-Episode steht da logischerweise am Anfang.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Hallo Ahorn,

dann geht es weiter.

... oder spielte sie ein doppeltes Spiel.
Seit seiner frühesten Jugend ...
... eine Freude daran Komma ihn und Boon ...
Dabei waren sie Zwillingsschwestern ...
... nicht als Mädchen, gar sondern als Frau wahr. Ich würde sagen, 'gar' verstärkt eine Einschätzung; dies ist hier jedoch nicht der Fall (na, vielleicht biologisch, aber ...), hier ist es eine klare Unterscheidung.
Okay, ich sollte erst weiterlesen, dann macht das 'gar' wieder Sinn ... :oops:
... er nichts Besseres zu tun hatte ...
Er richtete sich auf ...
Der Park Komma im Still ...
... ein Bauerngarten, auf welchem Mädchen Komma gekleidet in ...
... die Komma gehüllt in ihrer Tracht Komma ihre Waren ...
... die Stimme eines Mannes kein Komma ihn fragte ...
... obwohl er Komma gleich wie die Mädchen ...
... über dem Kleid einen Blazer trug ...
... er sich in Sicherheit vermutet ...
... vergessen Komma wie er von Jeanette.
Sollte er sich Komma als Mädchen verkleidet, sich in das Internat ...
Mit festem Willen es schaffen.
... mit Wasser bedeckten Fließsen, bis zur Leiter, die ihm den Weg der Freiheit zeigte Komma und murmelte:

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Hallo Ahorn,

Dass sie deine und Tanjas Tante war.
... nur dass auf der Rückseite von Aarons Foto ...
... bei einer Schmuggelfahrt ...
Weswegen warst du zwei Monate in Thailand?
... flossen über ihre Wangen Punkt
... man mich entführt hat Punkt und Es war nicht ...
... seit neusten neuestem Hendrik.
... mit der anderen in der Luft ...

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Hallo Ahorn,

nein, ich sage jetzt nicht, dass ich mich gewundert hätte. Nein! Du hast halt konzentriert gearbeitet. Sehr gut.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Hallo Ahorn,

Tanja starrte, fixierte ungläubig Valentin ungläubig an. Das 'an' passt zwar zu 'starrte', allerdings nicht zu 'fixierte'. Ich glaube, hier solltest Du Dich für eines entscheiden.
... ob sie sich jubeln sollte kein Komma oder Angst empfand.
Sie musterte, betrachtete all jenes ...
... Traunstein nahe Goslar ... Traunstein liegt am Chiemsee.
Es gibt weder einen Titus Komma noch eine Tita ...
Aishe stützte sich auf dem Tisch ab ...
Tanjas versuchte, die einzelnen Bilder ...
... nervöse, wie das Pendel ...
Sie blieb Komma den Rücken zu Tanja gekehrt, stehen.

Das war es schon.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 

ahorn

Mitglied
Hallo Rainer Zufall,

Traunstein nahe Goslar ... Traunstein liegt am Chiemsee.
Aber voll!
Für mich als überzeugter Ostfale zügig zu erklären.
Wie jedermann weiß, war Heinrich der Löwe Herzog von Sachsen und Bayern. Wenn man alle Gebiete zwischen Sachsen, einschließlich der heutigen bayrischen Bestandteile Franken und Schaben eliminiert, liegt München fast am Harz.
Nur dumm, dass zu dieser Zeit Goslar kaiserlich war, der Zankapfel, weshalb Heinrich sein Lehen verlor und auf die Insel floh.

Spaß beiseite. Traunstein KOMMA nahe Goslar. ;)

Liebe Grüße
Ahorn
 


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