Über die Unfähigkeit zu lieben

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Rezension zu:

Patrick Findeis, Wo wir uns finden, DVA 2012, ISBN 978-3-421-04536-2

Schon in seinem viel beachteten und von der Kritik sehr gelobten Debütroman „Kein schöner Land“ hatte der 1975 geborene und in Berlin lebende Schriftsteller Patrick Findeis einen fast unlösbaren Konflikt zwischen den Generationen beschrieben, und den Rezensenten. trotz einer stellenweise fast poetischen Sprache. erschüttert über die Tristesse und die Hoffnungslosigkeit im Leben seiner Protagonisten zurückgelassen.

Auch in seinem zweiten Roman „Wo wir uns finden“ wählt er einen Titel, der ein altes Volkslied zitiert und schon damit wieder den fast schmerzhaften Widerspruch zwischen einer romantischen Verheißung und der Zerstörung der Außen- und Innenwelt seiner Protagonisten deutlich macht.

In insgesamt vier Kapiteln mit vielen Vor- und Rückblenden, die die Aufmerksamkeit des Lesers erfordern, erzählt Findeis in seinem neuen Roman die Geschichte vom verlorenen Sohn aus dem Lukasevangelium auf seine Weise. Und zwar zunächst aus dem Blickwinkel des alt gewordenen Vaters Josef. Weil er für die Kredite seines Sohnes gebürgt hat, der sich aus dem Staub gemacht hat, wird sein kleines Haus verpfändet. Arm und abgestumpft sucht er Hilfsarbeiten und erinnert sich verbittert an die Zeit, als er mit seinem noch kleinen Sohn Siggi gespielt und seine Frau unterstützt und auch später sowohl sein Studium als auch seine ersten beruflichen Schritte finanziert hatte. Mittlerweile kann er die Enttäuschung und die Wut gar nicht mehr spüren.

In einem auch sprachlich verwirrenden Rückblick blendet Findeis dann eine Geschichte ein aus Siggis Kindheit, aus der der Leser die genauen Zusammenhänge über Siggis verstorbene Mutter erfährt.

Und auch gegen Ende des Romans, als der nach Amerika geflüchtete Siggi seine schwangere Freundin verlässt, die nächsten beiden Leben zerstört und nach Hause zurückkehrt, wo er aber natürlich nie richtig ankommen kann, verweigert Patrick Findeis konsequent das Happy End. Es muss wohl an der eigenen, mir unbekannten Lebensgeschichte des Autors liegen, dass er in seinen beiden Roman jegliche positiven, lebensbejahenden, hoffnungsvollen Ansätze ausschließt. In seiner Sicht der Welt sind wir Menschen verdammt, immer wieder die gleichen Fehler zu machen und das, was schön sein könnte im Leben, zu zerstören.

Es ist diese Unfähigkeit zu lieben, an der auch die in „Wo wir uns finden“ beschriebene Vater-Sohn-Beziehung leidet und sie schließlich auffrisst bis zur Unkenntlichkeit.

Insofern ist die Lektüre auch des zweiten Romans von Patrick Findeis für den bei aller Kritikfähigkeit doch sehr lebensfrohen und immer optimistischen Rezensenten keine ganz leichte Kost gewesen.
 

 
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