Überflüssig (Limerick)

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JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Zum Dichtertreff neulich in Langeln
kam Lilo, sich JoteS zu angeln.
Sie wirkte tipptopp,
und doch wurd's ein Flop:
der Typ war nur ständig am Grangeln.
 

James Blond

Mitglied
Schönes Beispiel für eine Fehlinterpretation.

An Frauen schien's gar nicht zu mangeln.
Wenn es an etwas "nicht mangelt", dann bedeutet dies, dass (mehr als) genug davon vorhanden ist, nicht aber, dass dafür kein Bedarf besteht.

Dass hier das Reimwort "mangeln" die beabsichtigte Aussage nicht stützt, verrät auch der Versuch, sie im Titel noch zu verdeutlichen. Allerdings sollte ein Limerick auch ohne Titel auskommen.

Nun lässt sich "nicht mangeln" natürlich gut als ironische Umschreibung verwenden, dass an etwas kein Interesse besteht. Zum Beispiel so:


Zum Schwulentreff neulich in Langeln
kam Lilo, um Männer zu angeln.
Sie wirkte tipptopp,
und doch wurd's ein Flop:
An Frauen schien's dort nicht zu mangeln.


So wird immerhin die Ironie der Pointe deutlicher, allerdings auf Kosten der Plausibilität, denn Treff und Anliegen passen von vornherein nicht zusammen - das Ergebnis ist zwar nett formuliert, allerdings nicht wirklich überraschend.

Bei einem Dichtertreff ist es (jedenfalls für den Leser) nicht von vornherein ersichtlich, warum dort kein Interesse an Frauen bestehen sollte. Es sei denn, der Text gibt dazu Hinweise.

Zum Dichtertreff neulich in Langeln
ging Lilo, sich Männer zu angeln.
Sie gab sich salopp,
und so wurd's ein Flop:
An Damen schien's eher zu mangeln.


Grüße
JB
 

Ciconia

Mitglied
Gut gebrüllt, JB, trotzdem überzeugen mich Deine Ausführungen nicht.
Wenn es an etwas "nicht mangelt", dann bedeutet dies, dass (mehr als) genug davon vorhanden ist, nicht aber, dass dafür kein Bedarf besteht.
Sagt wer? „Mangeln an“ hat durchaus die gleiche Bedeutung wie „fehlen an“. Den Hinweis auf einschlägige Wörterbücher kann ich mir bei Dir sicher sparen.
Nun lässt sich "nicht mangeln" natürlich gut als ironische Umschreibung verwenden, dass an etwas kein Interesse besteht
Eben! Damit widersprichst Du Dir nun selbst. Und da es sich hier um einen Limerick handelt, könnte man doch eine "ironische Umschreibung" durchaus gelten lassen.
Allerdings sollte ein Limerick auch ohne Titel auskommen
Auch ein Limerick braucht einen Titel. Und wenn dieser die Aussage noch unterstreicht, kann ich nichts Verwerfliches daran erkennen. Schlimmer wäre es, wenn die einzige Erklärung der Pointe im Titel läge.
Zum Schwulentreff
Diese Variante scheint mir zu plump.
Bei einem Dichtertreff ist es (jedenfalls für den Leser) nicht von vornherein ersichtlich, warum dort kein Interesse an Frauen bestehen sollte.
Vielleicht manchmal doch?

Danke für die Beschäftigung mit diesem Limerick.

Gruß Ciconia
 
A

aligaga

Gast
Was für ein Getös' doch um diesen mühsamen Reim!

Wer in der Schul' den Deutschunterricht nicht dauernd geschwänzt haben sollte, liest unschwer und unzweideutig, das sich hier eine aufgebrezelt hat, um weniger der Lührik zu frönen als vielmehr ein Mannsbild abzubekommen.

Dass die Zuhörerschaft bei den im allgemeinen sehr dünn besuchten "Dichtertreffen" rein weiblich zu sein pflegt, hat sie offenbar übersehn - was uns vermuthen lässt, das Mädel habe keinen Schimmer von der Dichtkunscht.

Quietschvergnügt

aligaga
 

James Blond

Mitglied
Hm, warum denn gleich so hitzig?

„Mangeln an“ hat durchaus die gleiche Bedeutung wie „fehlen an“.
Wer wollte das bestreiten? Doch was folgt daraus?

Die Formulierung "es fehlte nicht an ..." bedeutet im üblichen Sprachgebrauch, dass ... dort in ausreichender Menge, wenn nicht gar im Übermaß vorhanden war, nicht jedoch, dass "kaum Bedarf an ..." bestand:

Auf dem Wochenmarkt fehlte (mangelte) es nicht an exotischen Früchten.

Was folgt daraus?
A) Es gab sie in großer Anzahl
B) Niemand interessierte sich dafür.


Ich habe eigentlich nur den bisherigen Stand der Kritik zusammengefasst, auf beabsichtigte Ironie hingewiesen und daraus einen Vorschlag entwickelt, doch anscheinend fruchten meine Ausführungen hier nur wenig.

Na gut, dann eben nicht.
:)


Gruß
JB
 

Ciconia

Mitglied
Nur noch eines, werter JB:
Sind dies nicht zwei leicht unterschiedliche Bedeutungen?
Es mangelte nicht an Frauen.
An Frauen schien’s gar nicht zu mangeln.
Und dann geb ich auf - ich glaube, mehr ist ein Limerick nicht wert ... ;)

Gruß Ciconia
 
A

aligaga

Gast
Auch den Unterschied zwischen "fehlen" und "mangeln" lernte der aufmerksame Schöler bereits in der Volksschul'.

Wenn etwas fehlt, dann ist es schlechterdings gar nicht vorhanden - es kommt in toto nicht vor, wurde absichtlich weggelassen oder vergessen. Diese Aussage ist wertfrei.

Wenn es (an) etwas mangelt, heißt das noch nicht, dass es vollständig fehlt - es ist nur zu wenig, wofür auch immer. Also keine wertfreie, sondern eine bewertende Ansage. Et vice versa: Wenn an etwas kein Mangel herrscht, gibt's das im Überfluss.

Aber Achtung: Das "Fehlen" führt das "Falsch" mit an der Hand! Eine Fehlernährung ist eine Falschernährung. Eine Mangelernährung enthält von allem oder nur von einem Teil zu wenig. Eisenmangel führt zu Blutarmut und zum teuren, weißen Schnitzel. Wenn das Eisen in der Nahrung fehlt, stirbt das Kalb, noch bevor der Schlachte kommt.

An Frauen besteht in Doitschland kein Mangel. Sie sind in der Mehrzahl.

Heitern Sinns wie immer

aligaga
 

James Blond

Mitglied
Es mangelte nicht an Frauen.
An Frauen schien’s gar nicht zu mangeln.
Ja, da gibt es einen Unterschied:

Der erste Satz beinhaltet eine Tatsache, zweite Satz betont mehr den subjektiven Eindruck im Sinne von

An Frauen schien’s ihnen gar nicht zu mangeln.

Sicher wird so auch eine ironische Lesart begünstigt: Es ging nicht um die Anzahl der anwesenden Frauen, sondern um das "mangelnde" Interesse an ihnen. Noch besser wäre es allerdings, wenn das aus dem Text indirekt auch ersichtlich wäre. Die Herren Dichter, so denke ich, sind ja per se nicht an Frauen desinteressiert. Was also hat sie dazu gebracht, eine attraktive Frau zu ignorieren?

Möglicherweise waren auch dort aufgeblähte Egomanen zu sehr mit Rivalitätskämpfen und Platzhirschattacken beschäftigt, in die üblichen Rechthabereien und Neiddebatten verwickelt, wie wir sie aus zahllosen grünen Lyrikforenseiten kennen? ;) Oder sie erwarteten von den anwesenden Damen keine brauchbaren Ingredienzien für ihre lyrischen Sprachbäder, oder, oder.

Eine kleine Andeutung im Text wäre dazu nicht verkehrt.


Grüße
JB
 

Ciconia

Mitglied
Hallo JB,

so allmählich wird's doch …
An Frauen schien’s ihnen gar nicht zu mangeln.
Wenn es ins Metrum gepasst hätte, wäre dies natürlich auch die Formulierung meiner Wahl gewesen.
Möglicherweise waren auch dort aufgeblähte Egomanen zu sehr mit Rivalitätskämpfen und Platzhirschattacken beschäftigt, in die üblichen Rechthabereien und Neiddebatten verwickelt, wie wir sie aus zahllosen grünen Lyrikforenseiten kennen?
Möglich … :cool:

Für die letzte Zeile hätte ich bisher nur einen Vorschlag:
An Wertschätzung schien’s hier zu mangeln.

Das ist aber wahrscheinlich noch nicht Erklärung genug. Ich schlaf mal drüber.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Ein ganz neuer Vorschlag, der das strittige "mangeln" außen vor lässt:

[ 4][ 4]Zum Dichtertreff neulich in Meißen
[ 4][ 4]kam Lilo zum Männeraufreißen.
[ 4][ 4]Sie wirkte tipptopp,
[ 4][ 4]und doch wurd’s ein Flop.
[ 4][ 4]Wenn Männer sich dichtend verbeißen …
 
A

aligaga

Gast
Hihi - das Gereim war schon vorher nicht luschtig und entbehrt nunmehr vollkommen jeden Witzes. Was soll an der törichten Behauptung, öffentlich auftretende "Lühriker" höben's nicht darauf an, ihre weibliche Kundschaft zu betören?

Mag ja sein, dass manche eher verstörend wirken, aber ihr Ziehl ist doch immer dasselbe. Schon der olle Gehimrath hat seinen Schwulst nicht in leere Räume gestellt ...

Quietschvergnügt

aligaga
 

Ciconia

Mitglied
Unvollständige Sätze und Tippfehler machen einen Kommentar nicht unbedingt überzeugender …

Speziell für @ali diese kleine Variante:

[ 4][ 4]Zum Dichtertreff neulich in Meißen
[ 4][ 4]ging einer zum Frauenaufreißen.
[ 4][ 4]Er kam sehr gut an
[ 4][ 4]als einziger Mann.
[ 4][ 4]Warum denn in Lyrik verbeißen?


Vergnügt, aber nicht quietschend
Ciconia
 

James Blond

Mitglied
Noch eine Variante

Klar,
es geht natürlich auch ohne das schwierige "mangeln", doch steckt gerade darin auch eine feine Ironie, die sich nicht gleich erschließt und um die es eigentlich schade wäre.

Noch ein Vorschlag:


Beim Dichtertreff "Lonely" in Langeln
wollt' Lil einen Single sich angeln.
Sie wirkte tipptopp,
und doch wurd's ein Flop:
Es schien ihm an gar nichts zu mangeln.



Gruß
JB
 

Ciconia

Mitglied
doch steckt gerade darin auch eine feine Ironie, die sich nicht gleich erschließt und um die es eigentlich schade wäre.
:D :D :D
Wisst Ihr was? Ich lasse den Limerick jetzt einfach in der Erstfassung stehen, sonst diskutieren wir noch tagelang. :rolleyes:

Danke nochmals an JB und an Xavia.

Gruß Ciconia
 

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