Übersetzung Oread

4,00 Stern(e) 2 Bewertungen
Oread / Hilda Doolittle (1886 - 1961)
Whirl up, sea—
Whirl your pointed pines,
Splash your great pines
On our rocks,
Hurl your green over us—
Cover us with your pools of fir.
Oreade / Hilda Doolittle (1886 - 1961)

Wirbel, Meer—
Wirbel deine spitzen Zirbelkiefern,
Ergieße deine großen Kiefern
Auf unsre Felsen,
Schleudere dein Grün über uns—
Bedecke uns mit deinen Pfuhlen aus Föhren.
 
Oread / Hilda Doolittle (1886 - 1961)
Whirl up, sea—
Whirl your pointed pines,
Splash your great pines
On our rocks,
Hurl your green over us—
Cover us with your pools of fir.
Oreade / Hilda Doolittle (1886 - 1961)

Wirbel, Meer—
Wirbel deine spitzen Zirbelkiefern,
Spritze deine großen Kiefern
Auf unsre Felsen,
Schleudere dein Grün über uns—
Bedecke uns mit deinen Pfuhlen aus Föhren.
 

Tula

Mitglied
Hallo Artbeck

Das mit der wörtlichen Übersetzung klingt mitunter merkwürdig, bei diesem habe ich in der ersten Zeile Bedenken. Im Deutschen wirbelt eher der Wind, während sie die See "aufwühlt".

Dann entsteht eher ungewollt ein Binnenreim (wirbel, zirbel), der aber auch nicht stört.

Spritzen und Gießen will mir auch nicht passen, ich würde "wirft auf die Felsen" vorziehen, auch wenn die Bilder im Gedicht natürlich metapherischen Charakter haben.

LG
Tula
 
Hallo Tula!

Dieser Text von Hilda Doolittle ist ein kleines Biest.

Ich beschäftige mich schon ein bisschen länger mit ihm - und immer, wenn ich denke, ich habe die passende Übersetzung, kommt ein neuer Aspekt hinzu und sie erscheint immer noch nicht fertig.

Deine Vorschläge behalte ich im Hinterkopf, vielen Dank dafür! - ihnen entnehme ich auch den Rat, mich stärker vom Original zu lösen.

Das Wirbeln ("Whirl") erschien mir bisher nicht so problematisch (stelle mir dabei einen Mahlstrom vor), aber die Übersetzung des lautmalerischen "Splash" schon eher. Der Imperativ "Wirf" wäre nach meinem Empfinden eine Art Dopplung des anschließenden "Schleudere"...

Den "Pool" im letzten Vers finde ich ebenfalls kniffelig.

Werde den Faden wohl noch weiterspinnen.

Viele Grüße,
Artbeck
 

Tula

Mitglied
Moin Artbeck

Ich habe mich etwas näher mit dem Gedicht befasst und einige Analysen gelesen. Du hast dir da in der Tat einen zunächst unscheinbaren, dann aber doch schweren Brocken herausgesucht. Die widersprüchlichen Bilder von Meer und Wald als imaginäres Bild ihrer Vereinigung. Hhmm ... ich hielt es eher für eine gesamte Metapher der Allkraft der Natur, sich ihr hinzugeben usw.

Nochmals zur Sprache: das Gedicht lebt von der Stärke seiner Bilder, da werden übermenschliche Gewalten heraufbeschworen (ich sehe jetzt die Nymphe vor mir, mit glühenden Augen und gen Himmel gestreckten Armen ...) Das macht die Übersetzung besonders schwer.

Wirbel ist auch ein Substantiv, insofern klingt "Wirbel, Meer" irgendwie befremdend. Als beschwörender Aufruf ginge vielleicht:

Wirbel dich auf! Meer -

pointed pines - ich las in einer der Analysen, dass diese Poesie Adjektive weitestgehend vermeided. Somit verstand ich diesen als substantivierten Ausdruck, fand dann allerdings keine Übersetzung für 'pointed pines' als spezielle Baumart. Wie dem auch sei, die Zirbelkiefer wirkt hier sehr botanisch-fachmännisch. Andererseits ist 'groß' für einen Baum nicht gerade herausragend. Mein Vorschlag:

Wirbel deine hohen Kiefern,
Schlage deine stolzen Pinien
auf unseren Fels

Das baut zwar auf Adjektive (hoch, stolz), entspricht in meinen sprachlichen Empfindungen aber eher dem erhabenden Bild eines Waldes.

Auch in der letzten Zeile wirkt 'bedecken' sprachlich ziemlich neutral. Die pools sind auch nicht leicht zu übersetzen, hier geht es bildlich sicher um eine Überzahl an solchen. Mein Vorschlag

Wirf deine Seen aus Föhren über uns

Aber dann wird das 'uns' wiederholt. Mist ...

Mal probieren wie's so in seiner Gesamtheit ausschaut, nochmals bestärkend als BESCHWÖRUNG:


Wirbel dich auf! Meer -
Wirbel deine hohen Kiefern,
Schlage deine stolzen Pinien
auf unseren Fels.
Schleudere auf uns dein Grün -
Wirf deine Seen aus Föhren über uns.


Im Englischen wiederholt sich sich 'us' nur einmal. Da der Fels im Original ebenfalls 'ours' ist, entsteht in der Übertragung ein dreifaches 'uns-'. Noch eine Schwierigkeit; 'auf den Fels' wäre inhaltlich leider eine bedauernswerte Reduktion. Man kann die Wiederholung dann noch als Stilmittel begründen :)

LG
Tula
 

Tula

Mitglied
PS: Alternative zur letzten Zeile:

Überziehe uns mit deinen Seen aus Föhren


Nochmals zu splash: genaugenommen heißt das "ins/aufs Wasser klatschen" bzw. Wasser auf/an etwas schlagen. Wie die Wellen auf den Fels. Spritzen ist auch splash, als Folge des Aufschlags oder auch in Spritzern auf etwas/jemanden ...
Im Sinne der Bilder im Gedicht denke ich deshalb, dass das Schlagen passender ist, es beinhaltet die Kraft und Wucht der Wellen

Tula
 
Hallo Tula,

habe mich noch gar nicht bei dir für deinen fundierten und hilfreichen Beitrag bedankt, was ich hiermit tun möchte! Sobald mehr Zeit da ist, werde ich dir noch ausführlicher antworten.

Viele Grüße,
Artbeck
 

HerbertH

Mitglied
Oread / Hilda Doolittle (1886 - 1961)

Whirl up, sea—
Whirl your pointed pines,
Splash your great pines
On our rocks,
Hurl your green over us—
Cover us with your pools of fir.
Mein Versuch

Wirbele Dich hoch, See -
Wirbele Deine spitzen Kiefern
Verspritze deine Riesenkiefern
Auf unsere Felsen
Schleudere Dein Grün über uns
Überdecke uns mit Deinen Tannenlachen

Gemeint die See, aber mit Anklang an den See
Tannenlachen: Analog zu Blutlachen (pools of blood)

Das up in der ersten Zeile ist aus meiner Sicht wichtig.
Könnte man vielleicht auch mit auf (Wirbele Dich auf) übersetzen. Auch "Gischte Dich auf" wäre möglich...
 
Oread / Hilda Doolittle (1886 - 1961)
Whirl up, sea—
Whirl your pointed pines,
Splash your great pines
On our rocks,
Hurl your green over us—
Cover us with your pools of fir.
Oreade / Hilda Doolittle (1886 - 1961)

Hoch die Gischt, Meer—
Wirbele deine spitzen Pinien,
Spritze deine Riesenkiefern
Auf unsre Felsen,
Schleudere dein Grün über uns—
Bedecke uns mit deinen Seen aus Föhren.
 
Hallo Tula, hallo HerbertH!

Der erste Vers könnte wirklich effektiver übersetzt werden, da stimme ich euch beiden zu. Die Verwendung von „Gischt“ finde ich gut, mit diesem Imperativ könnte es klappen: „Hoch die Gischt –Meer!“
Von den (zu) botanischen „Zirbelkiefern“ werde ich mich auch trennen, wobei mir der Gleichklang zum Wirbeln gelegen kam … „stolze Pinien“ sind mir allerdings zu wertend und passen meines Erachtens nicht so zum Konzept der Imagisten, auch wenn du die Verwendung des Wortes an sich überzeugend erläuterst, Tula. Da greife ich auf das „Riesen…“ zurück, so, wie es herberth vorschlägt und verwende die Wiederholung von Pinien, so, wie es im Original auch geschieht.
Das „…lachen“ für „pools“ lässt ein wenig die Assoziationen von Tiefe, von dem Unergründlichen der „pools“ vermissen (Meine Pfuhlen waren da allerdings auch nicht besser). Am besten passen wirklich die „Seen“ – das ist stimmig mit der Größenordnung der anderen Meeresbegriffe.

Vielen Dank nochmals für euren genauen Blick und die Zeit, die ihr für diese Zeilen verwendet habt!

Grüße,
Artbeck
 
Oread / Hilda Doolittle (1886 - 1961)
Whirl up, sea—
Whirl your pointed pines,
Splash your great pines
On our rocks,
Hurl your green over us—
Cover us with your pools of fir.
Oreade / Hilda Doolittle (1886 - 1961)

Hoch die Gischt, Meer—
Wirbele deine spitzen Pinien,
Spritze deine Riesenpinien
Auf unsre Felsen,
Schleudere dein Grün über uns—
Bedecke uns mit deinen Seen aus Föhren.
 

Oben Unten