Und es war Sommer

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Ciconia

Mitglied
Von Westen naht ein Tief mit Namen Liese.
Ein Storch steht starr auf durchgeweichter Wiese.
Das letzte Vogelzwitschern ist verklungen,
selbst Amseln haben lang nicht mehr gesungen.

Was blühte, sank ermattet in die Beete,
wenn es zuvor nicht schon der Wind verwehte.
Gemeiner Pilz bedroht den Goldliguster,
nur Fuchsien sind im Regen viel robuster.

Die Sonnenblumen schmeckten nachts den Schnecken,
am Birnbaum zeigen Blätter Schimmelflecken.
Zwei Hummeln dümpeln leblos in der Tonne,
mein Leben dümpelt auch, ganz ohne Sonne.

Es regnet nun gefühlt seit Siebenschläfer.
Im Teich ertränken sich drei Erlenkäfer.
Die Vorschau trübt erneut die Stimmungslage:
Das neue Tief bleibt uns noch vierzehn Tage.
 
Nun, Ciconia, Beobachtungsfreude und Poesie scheinen von der Wetterlage zu profitieren. Die Zeilen kommen mir ziemlich spritzig vor, wie nach einem belebenden Guss von oben geschrieben.

Hier im Nordosten ist das Wetter insgesamt deutlich besser. Bin viel draußen unterwegs, komme weniger zum Lesen und Schreiben als sonst üblich.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön
 

Ciconia

Mitglied
Moin Arno, da gehörst Du wohl zu den wenigen Glücklichen, die in diesem Sommer nicht vom Wetter genervt sind. Hier bei uns sind es nicht die ganz großen Starkniederschläge, sondern das ewig Unbeständige, das jede Planung für Außenaktivitäten zunichtemacht. Da schreibt man dann notgedrungen ein paar Gedichte mehr … ;)
Freut mich, dass es Dir gefallen hat.

Gruß Ciconia
 

Mondnein

Mitglied
Ich liebe diese durchwachsenen Sommer. Da ich in einem Dachgeschoß wohne, ohne Klimaanlage, sind mir die Hitzewellen zuwider, die kühleren 20-Grad-Tage lassen mich atmen, ich hänge nicht bloß schwach rum, bin nicht ganz so tot, - also ich bin sehr zufrieden mit den Tiefdruck-Ketten und ihren kleinen Zwischenhochs.

Dein Gedicht ist nicht schlecht: Zwar reihst Du Beobachtungsimpressionen aneinander, aber mit nicht ganz abgenutzten Begriffen, z.B. die "Erlenkäfer", das bringt so einer Auflistung Qualität.

Und die Amseln - die singen morgens nicht mehr so viel, aber dann, wenn uns eine richtig dunkle Wolkenwand imminiert, so ein Pseudoabendgrau, flöten sie wunderschöne Melodien.

Hier, nah dem Dach, kreischen die Mauersegler so dicht an meinem Gesicht vorbei, diese fliegenden Nägel, daß ich fast schon Angst bekomme. Was für ein Schrei!
 

Ciconia

Mitglied
Danke für die Schilderung Deiner Impressionen, Mondnein. So hat halt jeder andere Ansprüche an den Sommer.

Zu meiner Aneinanderreihung von Eindrücken hätte unbedingt noch das Klappern der Störche aus dem nahen Nest gehört – das gibt es eben nur im Frühling und Sommer und ist völlig wetterunabhängig.
Gartenvögel gibt es bei uns jedes Jahr weniger, weil auch die Insekten leider allmählich verschwinden. Nur die aggressiven Spatzen und Tauben vermehren sich ständig, sie sind halt nicht auf Insekten angewiesen.

Der Erlenkäfer heißt eigentlich korrekt Erlenblattkäfer. Er ist ein ganz übler Bursche und frisst im Frühjahr mit seiner Verwandtschaft in rasender Geschwindigkeit die jungen Erlenblätter. Das sieht dann aus wie mit der Lochzange bearbeitet. In diesem Jahr haben wir den Kampf gewonnen - natürlich ohne Pestizide.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Heute hatte ich ein déjà-vu ...
Nur der Erlenblattkäfer hat sich in diesem Jahr kaum gezeigt.

Ciconia
 

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