Und sowas im Bus ...

Und sowas im Bus...


Busfahrerstammtisch. Da saß ich mit vier Männer und zwei Frauen zusammen. Es war ein schöner warmer Sommerabend. Ein paar Bierchen waren schon durch. Die Stimmung wurde ausgelassen bis ausschweifend. Neben den Anekdoten zum gelegentlichen Übereifer mancher Verkehrsteilnehmer - von ungeschickt bis dreist, von harmlos bis gemeingefährlich, ob mit oder ohne Unfallfolgen - kamen auch langsam die etwas schlüpfrigen Themen auf den Tisch.
Da ich eher der stille Typ bin, kam ich kaum zu Wort.
„Mein Lehrfahrer hat mir immer gesagt 'Sommerwetter ist Augenwetter'. Das bestätigt sich jedes Jahr auf's Neue, wenn die Temperaturen steigen. Da muss Mann“, betonte Toni. „Da muss man echt aufpassen, wo man hinguckt, um den Verkehr nicht aus den Augen zu verlieren“, sagte er und lachte.
„Wohl eher den Verkehr im Auge haben“, grölte Alfred albern.
„Oh, Anna, jetzt packen die Jungs wieder ihre Männerwitze aus“, witzelte Gudrun.
„Ach, so mancher knackige Männerhintern hat mich auch schon mal abgelenkt. Ist nix passiert, aber ...“, antwortete die Kollegin.
„Ach, Mädels, ihr seid zwei ganz Ausgeschlafene“, befand Werner. „Euch hauen doch unsere Witze nicht aus den Socken, oder?“
„Witze? Das sind Tatsachenberichte!“, tönte Dietmar.
„Klar, du guckst den Weibern ja auch immer direkt auf die Titten“, unterstellte Toni.
„Oh, da kriegt man eine Menge zu sehen. Komm, Werner, erzähl mal die Geschichte mit dieser heißen Braut letzte Woche“, forderte Dietmar vom Kollegen.
„Oh, ja, die ist heiß, lange blonde Haare, süßes Gesicht, recht kurzen weißen Rock und ein hellrotes Oberteil. Ich stehe an der Haltestelle, will gerade losfahren, da kommt von der anderen Straßenseite diese junge Dame herüber gehoppelt, echt, anders kann man das nicht nennen. Die kommt genau auf mich zu, ich kann also nicht los.“
„Du wirst sie ja wohl noch mitgenommen haben?“, vermutete Gudrun.
„Klar doch. Der Knüller an dieser Frau war jedoch ihr Oberteil und, zugegeben, auch das, was drunter war. Das war nämlich eine ganze Menge. Und das Kleidungsstück war komplett schulterfrei. Sie hoppelte ...“ Werner lachte. „Sie hoppelte so auf mich zu, und der Saum dieses Shirts rutschte immer tiefer. Man konnte schon den tiefen Graben sehen“, beschrieb er mit einem Schmunzeln. „Und er wurde immer tiefer.“
Das Grinsen stand schon allen im Gesicht.
Toni war neugierig. „Und? Wie weit ist es gerutscht?“
„Ich hab die Tür aufgemacht, dann stolperte sie beim Einsteigen noch ein bisschen. Sie riss die Arme hoch, um sich am Griff zu halten. Da wäre es beinahe passiert. Ich wusste gar nicht, wo ich hingucken sollte, aber ich konnte einfach nicht anders. Sie trug auf jeden Fall keinen BH. Alle Achtung bei dem Volumen. Sie sagte artig 'danke'. Ich konnte es mir gerade noch verkneifen, die Antwort 'ich habe zu danken' rauszulassen.“
Jetzt war das Gelächter groß.
„Und? Hattest du in der Nacht danach feuchte Träume?“, stichelte Gudrun.
„Es hat mich auf jeden Fall noch eine Weile begleitet. Sie ist nämlich bis zur Endhaltestelle mitgefahren. Und im Spiegel konnte ich sie während der Fahrt auch sehen. Alles klar soweit?“
„Männer!“, stöhnte Anna. „Ihr freut euch wahrscheinlich, wenn die leicht bekleideten Damen vorne einsteigen, damit ihr was zu Gucken habt, richtig?“
„Wenn es doch nett anzusehen ist“, gab Werner zu und seufzte.
„Oh, ich hatte zuletzt ein geiles Erlebnis. Ich stehe an der Kreuzung, Ampel ist rot. Gegenüber zum Linksabbiegen steht ein Mädel mit so 'nem Liegerad. Ich sage euch, die war scharf, wie 'ne Rasierklinge. Kurzes Röckchen, auch nicht richtig eng, und da war nichts drunter. Die Sonne stand mir im Rücken und hat genau auf ihre blankrasierte Muschi gestrahlt. So eng konnte sie die Beine gar nicht zusammenkneifen, dass man das nicht sehen konnte“, prahlte Dietmar.
„Na, da hattest du ja echt den Platz an der Sonne“, urteilte Alfred. „Ich hatte mal an Karneval zwei geile Pärchen im Bus. Ganz hinten, letzte Reihe, Gelenkzug. Bei Bodenwellen geht es da halt ganz gut auf und ab. So ist das doch super, dachten sich die Bräute wohl. Ihr könnt euch sicher denken, was da gelaufen ist.“
„Die haben gepoppt, ist doch klar!“, johlte Toni.
„Zumindest haben sie Kondome benutzt. Die habe ich nämlich an der Endstelle dort gefunden. Nee, aber der Knaller war nach einer heftigen Bodenwelle der Brüller, den eines der Mädels gelassen hatte. 'Ey, du Arsch, das war das falsche Loch!', hat sie gebrüllt. Der ganze Bus hat lauthals gegrölt, war nämlich gut voll.“
„Da ist er wohl rausgeflutscht und ins Hintertürchen wieder rein, hahaha!“ Toni schlug belustigt auf den Tisch.
„Habt ihr denn keine tollen Geschichten erlebt?“, sprach Werner die beiden Damen an.
„Ohhh, doch“, tirilierte Anna. „Die Typen mit ihren dicken Karren, die sich für die Könige halten, haben sonst wohl eher nichts zu bieten. Ich stand mal an der roten Ampel, da kam so eine Karre neben mich. Ich guck so nach links runter. Da hat der Typ auf dem Beifahrersitz ein Handtuch in der Hand ...“
Toni war erneut ungeduldig und unterbrach die Kollegin: „Na, und, was ist denn dabei?“
„Na, wart ab. In der anderen Hand darunter hielt er seinen steifen Schwanz, den er mir dann zeigte. Der war vielleicht mickrig, sage ich euch“, sagte Anna höhnisch.
„Der hat sich da einen gerubbelt?“, entgegenete Gudrun fassungslos.
„Ich dachte nur, pack das Ding mal lieber weg, damit es keiner sieht. Das ist ja peinlich. In seiner Pranke war das Ding kaum zu sehen. Ich habe nur gelacht.“
„Ausgelacht hast du ihn, ja?“, vermutete Alfred.
„Klar! Das war echt peinlich.“
„Mich hat mal eine Tussy ausgelacht“, gestand Alfred. „Ich stand, so wie du, an einer roten Ampel. Da kam ein schickes Cabrio neben mich. Der Inhalt war auch ganz schick, lange blonde Haare, blaue Augen, heiße Figur.“
„Und die hat dich ausgelacht?“, stichelte Toni.
„Ich hab so zu ihr geschaut. Da beugt sie sich in meine Richtung und blökt 'Hey, was guckste so?'. Dabei gewährte sie mir einen sehr tiefen Einblick. Ich glaube, die hatte nur dieses lange, weite Top mit Spaghettiträgern an. Als sie so nach vorn gebeugt dasaß, konnte ich ihr bis auf den Schoß gucken. Ich schwöre, da war gar nix drunter. Meine Augen müssen mich verraten haben, denn sie pfiff mich an 'Hey, guck ruhig. Haste jetzt 'n Ständer? Dann wichs dir einen! Arschloch!' und raste mit quietschenden Reifen davon.“
„Ach, du Armer“, neckte Anna ihn. „Du hast fast alles sehen können. Ist doch auch was.“
„Leute, es ist spät geworden“, sagte Werner und deutete auf die Uhr. „Ich denke, ich bin gleich weg.“
„Das ist ein guter Plan. Ist genug für heute“, stimmte Alfred zu.
„Halt, halt, Leute!“, rief Toni. „Einen hab ich noch. Peinlichkeit hoch zehn, sage ich euch. Nicht für mich, nein.“
„Dann lass hören“, forderte Anna.
„Ich komme gerade in die Schleife Ostheim, der Bus rappelvoll. Ich stehe noch nicht ganz, da krakehlt ein Typ an der zweiten Tür derart laut in sein Telefon, dass es alle mitbekamen.“
„Was ist daran so besonders?“, meinte Werner.
„Er sagte 'Ja, ein Kondom habe ich, ich komme gleich!'. Die Leute lagen am Boden vor Lachen. Und ich knallte wohl etwas hart auf die Bremse vor Schreck. Und die Oma vorn auf dem Rasierplatz war auch schlagfertig. 'Sie müssen sich ja Sachen anhören, junger Mann ...', meinte sie trocken.“
Toni hatte die Lacher auch hier auf seiner Seite.
„Oh, ja, die Leute mit ihrer verdammten Telefoniererei“, fluchte Werner. „Da hatte ich auch mal eine. Die hatte wohl gerade Stress mit ihrem Typen. Sie telefonierte mit ihrer Freundin und hat ihr haarklein erzählt, was der Kerl mit einer anderen machte, mit der sie ihn wohl gerade im Bett erwischt hatte.“
„Klingt lustig“, quittierte Toni.
„Als die Worte 'Schwanz' und 'blasen' fielen, platzte mir der Kragen. 'Mädel, halt jetzt die Klappe, hier sind Kinder zugegen!' habe ich in die Sprechanlage gebrüllt. Doch sie plapperte munter weiter, beschimpfte die Andere mit den üblichen Schimpfworten, hatte wohl gar nicht mitgekriegt, dass ich sie meinte. Ich erreichte die nächste Haltestelle, bin aufgestanden, zu ihr hin und habe ihr gesagt: 'Ende des Gesprächs oder raus!'.“
Und wieder kam Tonis Ungeduld durch. „Und? Ist sie ausgestiegen?“
„Sie maulte rum, sagte zu ihrer Freundin am anderen Ende 'der blöde Busfahrer will mir das Telefonieren verbieten und mich rausschmeißen', bevor sie wieder ins unerwünschte Detail ging.“
„Die Kleine hatte Liebeskummer, Werner“, vermutete Dietmar. „Da musst du Verständnis zeigen. War sie denn wenigstens ein Hingucker?“
„Nö, so, wie sie gekleidet war, hätte ich vermutet, dass sie genauso eine Schlampe ist, wie die, mit der ihr Macker sie jetzt betrogen hatte und die sie auch als solche tituliert hatte.“
Gudrun fiel es auf, und sie sprach mich an. „Hey, Rainer, du hast ja gar nichts erzählt. Hast du noch keine wilden Geschichten erlebt?“
„Ach, wisst ihr. Ich glaube, manche dieser Geschichten, die man immer so hört, sind auch erfunden“, meinte ich. „Also bei mir ist noch nichts Derartiges passiert.“
„Das kann doch nicht sein“, brummte Toni enttäuscht. „Also, meine Geschichte ist wahr, so wahr ich hier stehe, Leute.“
„Ach, Jungs“, jammerte Anna. „Ihr immer mit Euren kaputten Ansichten. Ich hab jetzt keinen Bock mehr. Ich gehe nach Hause.“
Gudrun schloss sich an und begleitete Anna. Und dann löste sich die gesellige Runde ganz auf. Nur ich blieb noch kurz sitzen.
„Mein Bus kommt in zehn Minuten. Geht ihr ruhig schon“, meinte ich.
Dann waren alle weg. Ich ging hinaus zur Bushaltestelle, der Bus kam zwei Minuten später. Ich setze mich vorne zum Kollegen an die erste Tür. Zwei Haltestellen weiter will er gerade wieder anfahren, da bemerkt er die junge Dame, die von der anderen Straßenseite auf den Bus zukam:
lange blonde Haare, süßes Gesicht, recht kurzen weißen Rock und ein hellrotes Oberteil, schulterfrei – und eine Wahnsinnsoberweite ...
 
Hallo Rainer Zufall,

ich habe mich jetzt mehr oder weniger durch diese Geschichte durchgequält und erst beim dritten Versuch geschafft, sie ganz zu lesen.

Meiner Meinung nach tauchen viel zuviel Erzähler auf. Toni, Anna, Gudrun, Werner, Dietmar und der Ich-Erzähler, der kaum zu Wort kommt. Viel zu viele, das ist unübersichtlich.

Im letzten Abschnitt springst du von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Was noch mehr stört, sind die vielen Inquit-Formeln. Warum glaubst du, dass sie überhaupt nötig sind? Toni betonte, Gudrun witzelte, Werner befand, Dietmar tönte, Toni johlte.... Viel zu viel des Guten.

Versuch einfach mal, einen Dialog zu schreiben, ohne dich verpflichtet zu fühlen, diese Formeln zu präsentieren.
Lass sie einfach weg - aber so, dass der Leser weiß, wer gerade spricht. Ist nicht immer einfach, aber hier kommt mir die Geschichte wie eine Speise vor, die mit zu vielen Zutaten verdorben wurde.

LG SilberneDelfine
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo SilberneDelfine,
oh, ich weiß, was du meinst. Ich habe es vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber bei einem Stammtisch ist es halt so, dass jeder seine Geschichten zum Besten gibt, der eine mehr, der andere weniger dramatisch.
Das mit dem Zeitwechsel ist mir glatt durchgegangen. Du weißt doch: man kann noch so oft Korrekturlesen, man übersieht immer etwas.
Der Vergleich mit der verdorbenen Speise ist witzig, denn sowas ist mir letztens erst passiert ...
Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Aber bei einem Stammtisch ist es halt so, dass jeder seine Geschichten zum Besten gibt, der eine mehr, der andere weniger dramatisch
Hallo Rainer Zufall,

etwas genauso wiederzugeben, wie es in Wirklichkeit stattgefunden hat (das wollte ich sowieso noch fragen, ob das sozusagen autobiographisch oder in dem Fall wohl eher protokollarisch ist), kann manchmal etwas problematisch werden.

Man muss eine Geschichte nicht genauso erzählen, wie sie passiert ist. :)

Mein Vorschlag wäre, hier nur zwei oder drei Protagonisten zu Wort kommen zu lassen, die sich gegenseitig im Dialog die Bälle zuwerfen. Man kann in einer Geschichte ruhig etwas dazu erfinden.

Aber schön, dass du die Kritik nicht übel nimmst, das freut mich.

Der Vergleich mit der verdorbenen Speise ist witzig, denn sowas ist mir letztens erst passiert ...
Auch durch zuviele Zutaten?

LG SilberneDelfine
 
Hallo SilberneDelfine,
nein, es war nur eine Zutat, die wohl nicht ganz in Ordnung war. Sie hatte das Essen leider ungenießbar gemacht.

Warum sollte ich Kritik übel nehmen? Nur in einem konstruktiven Austausch kann man etwas lernen, oder?

Ein paar dieser "Erlebnisse" sind tatsächlich ein bisschen geflunkert, aber es sind auch Wahrheiten beschrieben. Die Pointe zum Schluss ist zumindest eine davon. Und der Typ mit dem Kondom war auch bei mir im Bus. Ich hätte echt beinahe den Bordstein rasiert, als der seinen Spruch losgelassen hatte :D
Ein Stammtisch sind halt immer mehrere Leute, so, wie in meiner Geschichte eben sechs oder sieben. Und wenn jeder etwas erzählt ...
Aber Du hast sicher recht. Manchmal ist weniger mehr.
Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 

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