vergessen

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ENachtigall

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Lieber Oliver,

ich möchte sagen, auch die Zeilen, jede für sich, perlen hier ab.

Das Besondere liegt m.E. in der Dynamik des Aufbaus, die auf die Wahrnehmung der Lesenden einzuwirken scheint.

In Strophe 1 sind die ersten drei Zeilen für sich abgeschlossene Aussagen.
Zeile 4 lässt sich als Ergänzung zu Zeile 3 herab; muss aber nicht.

"die zeit geht anders" - wird festgestellt, gefolgt von
"die sekunden perlen ab" - Dieses Abperlen kann Geräusch sein, Bild oder Empfinung.
"endlich schweigen" - steht da; wie ein Aufatmen nach viel Gerede.
"die uhren" - stehen alldem bei wie arbeitslose Zeitmaschinen.

In Strophe 2 gibt es optisch ein adäquat schlichtes Ensemble. Auch hier lässt sich jede Zeile eigenständig verstehen - wenngleich die Verbindung zwischen 1 und 2 sowie 3 und 4 den Lesenden naheliegt.

"ich schreibe worte" ist eindeutig
"mitten in dich hinein" - kann sein, da ist Platz, eine Leere zu füllen. Wer will assoziiert: ins Schwarze treffen.
"sie fragen schon" - noch nach! Obwohl die Hoffnung auf Antwort schon so
"lange nicht mehr" - lebt.

Vergessen ist eine Chimäre aus Fluch und Segen.


Ein feines Gedicht, wie ich finde!
Es bleibt dieser Spielraum der Gedankenfreiheit - den ich hier schamlos ausnutze - ein Geschenk an die Bande der Gedichtjunkies.
Go ahead folks! und verzeiht mir die ungeplante Auszeit zwischendrin.

Mit guten Nachtgrüßen,

Elke
 
Zuletzt bearbeitet:

revilo

Mitglied
Hallo, mein schöner Vogel. Ich danke Dir recht herzlich. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir beim Schreiben dieses Gedichtes wenig bis gar nichts gedacht. Ich schreibe immer absichtslos. Herzliche Grüße von Oliver
 

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