versos de la qasida

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Tula

Mitglied
Hallo mimi

Ich vermute der Titel will den Leser ins maurische Granada führen. Bei mir hat's funktioniert. Sehr romantisch und stimmungsvoll.
LG
Tula
 

L'étranger

Mitglied
Hallo mimi,

das sind sehr stimmungsvolle, wohlklingende Verse. Wenn sie dem Titel nach auch arabische Verse feiern, sie funktionieren genauso gut für jedes Gedicht, dass uns in nächtlicher Lektüre berührt.

Im ersten Wort hätte ich "nacht" statt "nachts" geschrieben; das zischt nicht so, und inhaltlich passt es genauso gut.

Gruß Lé.
 
G

Gelöschtes Mitglied 21589

Gast
Liebe Mimi,

dein Gedicht verströmt auf mich, vielleicht auch durch den Titel, den Hauch des Exotischen. Dabei weiß ich gar nicht, was der Titel auf deutsch bedeutet, aber das trägt noch zu diesem Gefühl bei. Inhaltlich und den Klang betreffend erinnert mich dein Gedicht wie die anderen auch an arabische Lyrik.

Ich würde aber auch das erste Wort in nacht ändern, weil mit nachts eine Zeitdauer ausgedrückt wird, die des Verbes ist nicht bedarf. Also entweder müsste es heißen, nachts, da dein mund... oder nacht ist es, da dein mund...

Die eigentlich schönste Stelle in deinem Gedicht ist für mich übrigens der dritte Vers. "Eigentlich" schreibe ich, weil die Analogiebildung zwischen herz und zedernwald für mich seinen Reiz hat, aber gleichzeitig funktioniert dieses Bild meiner Ansicht nach nicht wirklich. Das liegt daran, dass Metaphern oder auch Analogien eine inhärenten Logik folgen sollten. Wenn z.B. von einem "Wüstenschiff" als Metapher für ein "Kamel" gesprochen wird, dann funktioniert das, weil das Verhältnis beider Begriffe durch analoge Eigenschaften und Funktionen begriffen werden kann (z.B. Warentransport, Wüste in diesem Sinne vergleichbar mit Meer, etc.). Bei den Worten herz und zedernwald ist diese Verhältnisbildung meiner Meinung nach nicht möglich. Die Schönheit des Verses generiert sich somit vor allem aus dem exotischen Bild, bei genauerem Hinsehen trübt sich dieses in meinen Augen aber etwas durch die unlogische Analogiebildung.

Dein Gedicht habe ich dennoch gern gelesen!
Viele Grüße
Frodomir
 

Mimi

Mitglied
… correcto, Tula... sehr zielsicher... genauer gesagt führt der Text in die Gärten der Nasridenpaläste innerhalb der Mauern der Roten ( die Alhambra)… und als gigantische Kulisse...die Sierra Nevada...
...freut micht, dass du das Ziel "der Reise" erkannt hast...

...danke für die Wertung, lieber Tula...



...versos, also Verse... hier die Verse einer Qasida… eine vorislamische, altarabische Gedichtform, deren Ursprung vermutlich die beduinische Form ist...aus dieser Form entwickelten sich die bekannten Ghazal…

… und Lé… ich finde deinen Einwand durchaus berechtigt...es zischt, meinst du..." das nachts"...wobei der Klang eines Wortes oder einer Sprache immer vom individuellen Hörgeschmack abhängt...mag sein, dass ich da vielleicht eher zu einem, von multilingualen Einflüssen geprägten Hörgeschmack neige...
...und ja...vielleicht ist es auch ein klein wenig vom spanischen "S" inspiriert, dass fast immer scharf ausgesprochen wird...vergleichbar mit dem "ß" oder "ss" im Deutschen...

… danke für deinen Kommentar...


.. dass mit den Metaphern ist so eine Sache, Frodimir... einige funktionieren im Deutschen nur eingeschränkt ...aber es geht hier nicht um nüchterne Analogienbildung...wenn es für dich exotisch klingt... ist das völlig in Ordnung...
...das Temporaladverb am Satzanfang bedarf nicht unbedingt eines finiten Verbs … es kann aber den Klang eines Verses stark beeinflussen...

… auch dir ein Dank...


...ich sende euch sonnige Grüße...
Mimi
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
"nachts" -"ist" es? Genauso falsch wie "nachmittags ist es".

Wenn die "quasida" einen fünfhebigen Paarreim meint - dann ist sie nicht gerade eine besonders exotische Versform. Sondern eben nur ein Paarreim. Nicht mal als Haufenreim iteriert wie die Ghasele, die zwar mit einem Reimpaar beginnt (meistens, nicht immer), aber als Haufenreim ihre Reime häuft.

Aber das ist ein sehr schönes Liedchen. Gerade die Zedernwald-Metapher ist originell, kühn, fordert die Phantasie des Lesers heraus. Wer die Analogie sucht - und das wäre durchaus eine beachtliche Leistung des interpretierenden Lesers - mag an die Herzkranzgefäße denken, die aus den Samenkapselhüttenkammergeheimnissen des Herzens hervorwurzeln.
Daß die blutsaftigen Herzen vor Liebe "brennen", ist dagegen ziemlich üblich, aber dieses Imagination überdehnt im Grunde genommen genauso kühn die poetische Metapher wie der von ätherischen Ölen durftende Zedernwald.

grusz,. hansz
 

Mimi

Mitglied
...ja, lieber Daniel...wir Menschen denken, träumen, reden und erinnern uns in Bildern...
visualisierte Kommunikation ist dabei alles, was ohne das gesprochene Wort auskommt...
...aber eigentlich ist es völlig egal ob visuell, akustisch oder durch bewusstes Erleben...
unser Gehirn wird immer , wenn auch durch unterschiedliche Kanäle, an der gleichen Stelle erregt... sie liegt direkt hinter der Augenhöhle...im Stirnlappen des Großhirns...

sei gegrüßt
Mimi
 

Mimi

Mitglied
...grüß dich, Hansz...

… "Was ist denn nachts? "es"??", fragst du?...

ja, nun kann man sicherlich darüber streiten ob " nacht ist es " nicht grammatikalisch korrekt(er) wäre... anstelle des " nachts ist es "...
und natürlich kann jeder Leser dies anders empfinden...
diese versos aus einer längeren qasida schrieb ich … im Alter von knapp 16 Jahren...und ich entschied mich die Verse unverändert … also in der deutschen Fassung... zu belassen...sie sind autobiographisch...
… da ich fast alle meine Gedichte in mehreren Sprachen schreibe... gibt es von den versos de la qasida noch eine spanische und arabische Fassung...
… ich schrieb sie als "Liebeslied" in doppelter Hinsicht...
...ein junger Mensch... fast noch ein Kind...und dennoch eine Frau... mit dem ungebändigten Drang nach Identität und Halt... nach Heimat und Hafen...
der atemberaubende und magische Augenblick der sich bot... vielleicht ist ja das mit dem "es" gemeint...
...und das doppelte Bauchkribbeln einer ersten großen Liebe und ihrer Magie... für einen wundervollen Menschen … und soviel mehr für eine Landschaft...voller Geschichte und Geschichten einzigartiger Schönheit … Verbundenheit, Wurzeln und Herkunft...

??...vielleicht kannst du dieses "es" … nun jetzt besser verstehen oder nachvollziehen...??

beste Grüße
Mimi
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
ja, nun kann man sicherlich darüber streiten ob " nacht ist es " nicht grammatikalisch korrekt(er) wäre... anstelle des " nachts ist es "...
und natürlich kann jeder Leser dies anders empfinden...
Das sind zwei verschiedene Sätze:
"es ist nacht" bedeutet, daß es Nacht ist; "ist" ist Kopula in einem Prädikatsnominalsatz, "ist nacht" ist ein vollständiges Prädikat.
"es ist nachts" ist ein unvollständiger Satz, denn "nachts" ist ein Adverbiale mit der Bedeutung "bei Nacht";
"ist" als Prädikat kann entweder als Vollverb in der Bedeutung "existiert" da stehen - dann würde ich gerne wissen, was das "es" sein soll, das da in der Nacht vor sich hin existiert;
oder als Kopula, der ein Prädikatsnomen fehlt;
oder als Hilfsverb zu einem Partizip, das hier aber auch fehlt.

Welche von diesen drei Möglichkeiten ist denn nun sinnvoll?

grusz, hansz
 

Mimi

Mitglied
... hmmm...was hätte ich damals als "sinnvoll "
empfunden?!... heute schwer zu sagen...
ich schrieb ja bereits, dass ich es unverändert ließ...aber da ich schon immer gerne die Grenzen von Sprachen ausprobiert und ausgedehnt habe, ... empfinde ich das "ist" im Vers nicht als Kopula in einem Prädikatsnominalsatz...
letztendlich bleibt es jedem Leser frei, es so zu interpretieren oder zu verstehen, wie er es empfindet oder meinetwegen für sinnvoll hält...

by the way...deine Ausführungen im Bezug auf die Zedernwald Metapher sind wirklich beeindruckend... obwohl sie nicht leicht zu erkennen ist.. Chapeau, lieber Hansz!...

viele Grüße
Mimi
 

Mimi

Mitglied
"Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder
der Liebenden. Und auch meine Seele
ist das Lied eines Liebenden."
(Nietzsche, also sprach Zarathustra)

...mir läutet es ein, lieber Hansz...du hast ja Recht damit...es passt besser das " nacht ist es"
...belassen wir es damit...

...und Nietzsche ist mir manchmal zu halkyonisch...aber eben nur manchmal...
 


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