Vierter Brief an Mascha Kaleko

Vierter Brief an Mascha Kaleko

Es kann ja sein, dass ich mit siebzig Jahren
Mich fragen werde: Was es denn nun war,
Das Leben und die Liebe … Sonderbar,
Könnt ich zum Bild, das mir mit grauen Haaren

Entgegenguckt im Spiegel, leise sagen,
Ganz sonderbar, als wär es nie gewesen,
Als könnt ich‘s nicht aus meinen Augen lesen,
Als sollt ich es am Ende gar nicht fragen.

Warum soll ich mich jetzt zu Ende denken?
Ins Übermorgen gucken? Macht das Sinn?
Noch stecke ich als Rätsel mittendrin
Im Leben, in der Liebe, im Verschenken

Ans Leben. Und so wird es lange bleiben.
Ich nehm dich, wenn du willst, als Rätsel mit,
Wir kommen hin und wieder aus dem Tritt
Und lassen uns ins Unverhoffte treiben!

Dann sind wir Hexen, und wir steuern Besen,
Wir geben aller Unvernunft Rabatt,
Wir gucken uns an allen Wundern satt,
Und irgendwann ist alles dann gewesen.
 

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