Von der Virtualität verführt

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Wo11ling

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Frivoles und Sinnliches – Kleines Vorspiel

Von der Virtualität verführt

Vor einigen Monaten war das noch alles absolutes Neuland für ihn. Da hatte er sich endlich ein Herz gefasst und sich – wenn auch noch mit ein paar Skrupeln – bei einer dieser unzählig vielen Kontaktbörsen, die es im Internet gibt, angemeldet. Seine Neugier war halt größer als jene tugendhafte Erziehung, die er einmal vor etlichen Jahren in seiner frühen Jugend genossen hatte. Keine Frage, dass sie für ihn gut gewesen war, denn so wurde aus ihm nicht nur ein stattlicher, sondern zudem auch ein erfolgreicher Mann. Er hatte viel in seine Ausbildung investiert und dabei jegliche Unterstützung erhalten, die dazu vonnöten war. In all den Jahren war er seinem Ziel bis hin zu dieser beruflichen Karriere mit viel Anerkennung unbeirrt gefolgt. Es hatte ihm Spaß gemacht und viel Freude bereitet. Doch jetzt war da bereits seit einiger Zeit die Befürchtung, etwas im Leben verpasst haben zu können. Eigentlich fehlte es ihm an nichts. Er hatte eine sichere sowie herausfordernde Stelle in leitender Funktion. Finanziell war er unabhängig und konnte sich jeden Wunsch erfüllen, den er hatte. Vielleicht lag es nicht zuletzt auch an seiner Erziehung, dass er trotz alledem ein eher bescheidenes Leben führte. Nun fand er, dass er schon ein bisschen in die Jahre gekommen war und es eine Lücke in seinem Leben gab, die es zu schließen galt. Unvermittelt und ohne Vorankündigung war ihm klar geworden, dass es keine Frau in seinem Leben gab. Dies sollte sich nun endlich ändern.

Deswegen saß er jetzt – wie an den letzten Freitagen zuvor auch schon – nach getaner Arbeit wieder mal an seinem Computer, um auf den diversen Profilen dieser Kontaktbörse nach ihr zu suchen. Dabei ging es ihm nicht darum, die Frau fürs Leben zu finden. Vielmehr suchte er nach einer Gespielin, welche ihn spüren ließ, dass er ein interessanter Mann war, der für eine Frau attraktiv und begehrenswert schien. So surfte er völlig gedankenverloren durchs Internet. Und flog er eben noch von seiner Fantasie getrieben durch diese virtuelle Welt, landete er im nächsten Moment – und zwar auf ihrem Profil. Hatte ihn da etwa die Realität eingeholt? Mochte schon sein, doch dann nur, um ihn nun in noch höhere Sphären fliegen zu lassen. Es war ihr zwar kurzer, aber dafür klarer Profiltext, der seiner Fantasie neue Flügel verlieh.

Denn sie war die Frau, die keine Beziehung suchte, sondern nach Lust und Spaß für zwischendurch. Sie war die Frau, die gern einmal aus dem Alltag und der Routine ausbrach, die genau wusste, was sie wollte: nämlich eine Zusammenkunft zwischen ihr und ihm. Es sollte ganz einfach und ohne jegliche Verpflichtung zugehen – insbesondere jedoch frei von Vorwürfen. Sie hatte eine Vorliebe für inszenierten Sex. Dabei ließ sie sich bereitwillig auf Rollenspiele ein, welche ihr die Möglichkeit eröffneten, sich ganz vertrauensvoll in seine Hände zu begeben. Ihr Anspruch allerdings war hoch, denn sollte er sie hierbei von einem Höhepunkt zum nächsten bringen.

Und er war der Mann, dem genau dies alles überaus gut gefiel. Er war nur allzu gern der Mann, der ihren Körper langsam und sanft entkleiden, ihn mit seinen geschickten Händen streicheln und liebkosen, ihn mit seinen Lippen küssen und verführen, ihn mit seiner Zunge kosten und reizen wollte. Wie sehr sehnte er sich danach, seine gefühlvollen Hände zärtlich und liebevoll durch ihr langes Haar gleiten zu lassen. Dabei würde er lange in ihre verträumten Augen blicken und darin versinken. Tief in sich spürte er dieses heftige Verlangen, ihre Lippen mit den seinen zu berühren, um mit ihr in einem lang anhaltenden und innigen Kuss zu versinken. Es dürstete ihn nach ihrer weichen und warmen Haut, die er mit seinen Händen spüren wollte.

Und sie war eben genau diese Frau, die Gefallen daran hatte, wenn seine warmen Hände ihre runden und lieblichen Brüste umspielten. Sie konnte es kaum erwarten, dass seine so geduldigen Finger ihre Brüste an ihren empfindlichsten Erhebungen zart streichelten. Diese würden sich noch mehr erheben, umschlösse er sie mit seinem warmen Mund, um sie mit seiner gefühlvollen und agilen Zunge zu liebkosen.

Oder sollte sie seine Zunge viel lieber an ganz anderer Stelle spüren wollen? Etwa viel tiefer? Sollte seine Zunge ihr kunstvolles Werk nicht doch lieber dort zwischen ihren Schenkeln ausüben? Hier könnte sie dann unablässig diese kleine, aber stark erregte Lustperle liebkosen. Von Zeit zu Zeit würden seine Lippen diese sanft umschließen, um vorsichtig daran zu saugen. Doch Gnade dürfte sie weder von seinen Lippen noch seiner Zunge erwarten. Ein Abbruch wäre – einmal mit diesem Spiel begonnen – undenkbar. Denn viel zu gern verrichteten beide ihr Werk. Sie bestünden vielmehr auf gerechte Entlohnung und wären erst dann wirklich zufrieden, wenn ihr bis zur äußersten Spannung erregter Körper sich aufbäumte und so verharrte, um nach einer Weile völlig entspannt als auch überglücklich und zufrieden auf das Bett zurückzusinken.

Doch just in diesem Augenblick seines erhitzten Gedankenganges stürzte sein PC ab. Erst am nächsten Tag brachte er ihn wieder zum Laufen. Doch da gab es ihr Profil schon nicht mehr. – Aus der Traum!

(geschrieben/überarbeitet 2016/2020)
 

Susi M. Paul

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Lieber Wo11ling, zwei hübsche Geschichten sind dir da gelungen. Actionmäßig natürlich reichlich diskret, dafür mit umso mehr Sorgfalt auf der Sprache. Die andere vielleicht eine Idee zu ausgefallen, aber trotzdem gut als Experiment (und sie lenkt den Blick auf die männliche Dominanz dieser unserer Sprache - herrlich vs dämlich). Diese hier an drei, vier Stellen etwas redundant (zu viele und), aber wirklich schön zuende gebracht.
 

Wo11ling

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Lieben Dank @Susi M. Paul für den erfreulichen Kommentar zu dieser Geschichte als auch meinem durchaus kleinen Experiment in Form der Geschichte „Der Erogenität auf der Spur“.

Was diese Geschichte („Von der Virtualität verführt“) angeht, gebe ich gerne zu, mit der Konjunktion „und“ etwas üppig gespielt zu haben, um einen gewissen Fluss bzw. Rausch aufzubauen. Ich hoffe, es nicht zu arg übertrieben zu haben. Aber zugegeben, grenzwertig ist es zumindest. (Ein bisschen viel „zu“, oder?)

Hinsichtlich der anderen Geschichte habe ich mir nach langer, langer Zeit einen kleinen Traum erfüllt. Diese Idee umzusetzen, hat wirklich lange gedauert. Sie ist sicherlich nicht nur etwas „ausgefallen“, sondern wohl auch verspielt, denn hat mir das Kreieren unheimlich viel Spaß bereitet.

„Actionmäßig“ ist in beiden Geschichten nicht sonderlich viel los. Dafür gibt es andere Geschichten von mir, in denen ich beim Schreiben deutlicher geworden bin. Doch wollte ich es erst einmal sacht angehen. Aber auch dabei kann man „Schiffbruch“ erleben, wie ich heute unmittelbar erfahren durfte. Deshalb weiß ich im Augenblick nicht, ob es ratsam ist, gleich mit weiteren Geschichten und Geschichtchen nachzulegen.
 
Hallo Wo11ling,
auch die ist mit feiner Feder gezeichnet. Man fiebert mit dem Protagonisten dem ersehnten Ziel entgegen, das dann wie eine Seifenblase zerplatzt. So ein Ärger ...
Schöne Grüße,
Rainer Zufall
 

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