war es das quietschen

4,80 Stern(e) 5 Bewertungen

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Mitglied
Lieber Kristian!

Ich kehre seit gestern immer wieder zu diesem Text zurück, denn er zieht mich magisch an.
In erster Linie, weil ich ihn sprachlich und von den Bildern her unheimlich ansprechend finde.
Teilweise aber natürlich auch, weil ich das Gefühl habe, meiner eigenen Interpretation vielleicht nicht ganz trauen zu wollen.

...wird wohl so
viel länger halten
ein leben lang
denkt er
meines bestimmt
In einer scheinbaren Momentaufnahme wird da ein ganzes Leben zwischen Gleisschwellen gebreitet und man ahnt, es war nicht nur das Quietschen...

Feinst gemalt, wie eine natura morta con vanitas. Sehr schön!

Liebe Grüße,
fee
 
Ganz vorzüglich gelesen, liebe Fee!

Ja, das Stillleben - inmitten städtischer Bewegungen und Geräusche: Sowas verlangt sehr sparsame, zugleich punktgenaue Sprache, denn durch sie bleiben Spielräume offen zu interpretieren. Und empfinden. Einzig die Seh- und Denknähe des Helden zu den Gleisschwellen ist dem Autor zu unterstellen, der dadurch einen Rückbezug sichert und sogar ermöglicht, sich selbst in dieser (Entscheidungs?)Situation zu sehen. Ist dann vanitas nicht auch die Möglichkeit richtigen Erkennens, um den letzten Schritt NICHT! zu machen? Ich weiß nicht ... möglich ... Die, wie ich finde, herrliche Banalität einer einbiegenden Straßenbahn zieht möglicherweise ein erneutes Überlegen nach.

Herzlichen Dank auch für die tolle Bewertung!

Kristian
 

Walther

Mitglied
Hi,
man darf in der präzision das ungefähre nicht zu seht entkleiden, damit die assoziationsräume bleiben.
lg W.
 
Das siehst Du völlig richtig, Walther! Ich habe im Vorlauf noch einiges herausgenommen/gestrafft, um diese Räume groß genug zu lassen.

Danke für die tolle Wertung!


Kristian

Gruß und Dank auch an Franke!
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Kristian,

mir geht es wie fee, immer wieder lese ich dein Gedicht.
Ich liebe Gedichte, die mir als Leser Freiraum lassen und ich nehme es gerne ein die Empfehlungsliste auf.

Liebe Grüße
Manfred
 
Oh ...

Ganz herzlichen Dank, Manfred, für die überraschende Empfehlung!

Die kleinen Texte habens manchmal wirklich in sich ...


Kristian
 

Samoth

Mitglied
war es das quietschen


was denkt er
am brückengeländer
beim runterschaun
das gleisbett muss neu sein
zwischen den schwellen
erkennt er
ist immer weniger platz
es wird wohl so
viel länger halten
ein leben lang
denkt er
meines bestimmt und

pünktlich um sechs
biegt die tram ein
nur der protagonist weiß, wie es ausgeht.
 



 
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