War es Mord?

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Sie sagten es war Selbstmord. Ich fragte nach dem Brief. Sie sagten, ich solle meine Emails checken. Doch da war nichts. Sie sagten, dass es keinen Brief gab und auch keine Ermittlungen geben würde. Ich fragte nach der Autopsie. Sie sagten, das wäre nicht notwendig.
Dann klappten sie die Akte zu. Sie verschwand im Archiv, und du warst nicht mehr, als ein zufriedener +1 Count in irgendeiner Statistik.

Auf der bunten und lauten Junge-Leute-Beerdigung erzählte mir dein Bruder, dass du in letzter Zeit Angst hattest. Im Dunkeln, im Hellen, in der Dämmerung. Einfach immer.
Das deckte sich mit meiner Vermutung, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte.
Dein Bruder sagte, du hättest ihm mal was von einem Typ erzählt, der dir in der Disco was in den Drink getan hat. Am nächsten Tag waren deine Oberschenkel blau an den Innenseiten.

Und dann bist du zufällig einfach so gegen einen Baum gefahren? Einfach so ohnmächtig geworden? Hast dir einfach so selbst den Schädel zertrümmert?
Das mit der Ohnmacht, sagten sie, könnte auch sein. Entweder Suizid oder Unfall.

Noch am selben Abend, nach der Beerdigung, habe ich dich wieder ausgegraben.
Die Erde war noch locker und auch wenn ich nur eine Schaufel hatte, und nicht den kleinen Bagger, ging es relativ einfach. Vier Stunden ausheben, 2 Stunden zuschaufeln. Bei letzterem hast du mir zugeschaut.

Jetzt liegst du hier auf dem Tapeziertisch in der Garage. Eine Baustellenlampe taucht dich in grelles Licht. Lässt deine blasse Haut nahezu leuchten. Ich bin froh, dass es nicht zu heiss draußen ist, aber du riechst trotzdem schlecht.
Jetzt liegst du hier auf dem Tapeziertisch, ich sitze daneben auf einem Stuhl und blättere in einem dicken Buch über postmortale Vergiftungsmerkmale. Da steht, dass man manches im Rachen oder an der Zunge erkennt. Anderes am Magen.
Neben dir auf dem Tisch liegt ein Skalpell, eine Säge und was man sonst so braucht, um die Wahrheit zu finden.
Ich atme tief durch, lege das Buch zur Seite und erhebe mich langsam. Als ich die, vollkommen überflüssigen, Handschuhe anziehe, denke ich:
„Zeit ein bisschen Doktor zu spielen, Babe.“
 
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Hallo Tommy,

krasse Geschichte.
Ein paar kleine Fehler habe ich entdeckt.

Sie sagten Komma ich solle meine Emails checken.
Sie verschwand im Archiv Komma und du kein Komma warst nicht mehr Komma als ein ...
... von einem Typen erzählt, der dir in der Disco ...
Das mit der Ohnmacht Komma sagten sie, könnte ...
... was man sonst so braucht Komma um die Wahrheit ...
... Handschuhe anziehe Komma denke ich:

Schöne Grüße,
Rainer Zufall
 
Hallo Tommy,

tja, ist halt mein Steckenpferd. Habe aber schon bemerkt, dass nicht jeder so erpicht darauf ist, was schade ist, denn gerade diese Textarbeit ist ein Qualitätsmerkmal der Leselupe, finde ich. Wie Du richtig sagst, man lernt nie aus.
Und prompt bemerkte ich gleich im ersten Satz, dass ich da das fehlende Komma übersehen hatte: Sie sagten Komma es war Selbstmord.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 

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