War Tuchi ein Sexist?

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wiesner

Mitglied
War Tuchi ein Sexist?


Dass Soldaten Mörder sind
Mensch Tuchi
was für Diskussionen damals
heute ist man viel weiter
es gibt gute und schlechte
wir sind die guten Mörder
die anderen die schlechten
also die echten Mörder

Dass Soldatinnen Mörderinnen sind
Mensch Tuchi
haste wohl übersehen
is aber nich schlimm
jehörn se zu uns sind se jut
die andern sind echt janz schlecht

Musst ooch anne Weiber denken
det kann sonst jefährlich werden
heutzutage
hörste Tuchi
 

sufnus

Mitglied
Hey Béla,
mein erster Gedanke beim Lesen war, dass der Schwenk zu dem Aspekt der Rekrutierung von Frauen für die (welche?) Armee den Blick auf die pazifistische Grundbotschaft etwas verstellen könnte, indem aus der Frage, ob es "gute" und "schlechte" Soldaten gibt, eine Gleichberechtigungsdiskussion wird. Mein zweiter Gedanke ist, dass Du mit dieser - horribile dictu - zweiten Front gerade die Denkunschärfe in unseren, schon etwas denkfaulen westlichen Gesellschaften aufs Korn nimmst (oje... schon wieder ein martialisch angehauchter Ausdruck) .
Und das Berlinern im zweiten Teilist ein Geniestreich!
LG!
S.
 

petrasmiles

Mitglied
Sorry, ich bin manchmal ein bisschen sarkastisch. Nicht, weil ich das Gendern an sich nicht respektieren würde, sondern weil mich Dogmatismus nervt, und darum erlaube ich mir manchmal, Wörter, die nicht gegendert werden können, zu gendern. Und eigentlich habe ich analog zum Text mit meiner Parallele die 'Frage' des Gedichtes - nach dogmatischer Lesart - bejahen wollen.

LG Petra
 
Nannten sie ihn damals nicht "Tucho"? Ich glaube mich zu erinnern, dass seine etwas missgünstige Biographin Lisa Matthias diesen Spruch bringt: "Für den dicken Tucho ist dem dicken Tucho nichts zu schade." (Aus dem Gedächtnis zitiert, ohne Gewähr.)

Für Grundsatzdiskussionen anderer Art bin ich heute Abend zu müde.
 

Chandrian

Mitglied
Sorry, ich bin manchmal ein bisschen sarkastisch. Nicht, weil ich das Gendern an sich nicht respektieren würde, sondern weil mich Dogmatismus nervt, und darum erlaube ich mir manchmal, Wörter, die nicht gegendert werden können, zu gendern. Und eigentlich habe ich analog zum Text mit meiner Parallele die 'Frage' des Gedichtes - nach dogmatischer Lesart - bejahen wollen.

LG Petra
Mit meiner rhetorischen Frage wollte ich natürlich genau darauf hinaus… ich bin es leid, von der sprachpuristischen Seite immer und immer wieder dieselben Witze zu hören, während man (ironischerweise) selbst Dogmatismen aufrecht erhält, anstatt einen Konsens zu finden. Ich möchte dir auf keinen Fall unterstellen, Puristin zu sein, auf jeden Fall verwendest du aber dieselbe Rhetorik.
 

petrasmiles

Mitglied
Mein Konsensvorschlag: Für angemessene Sichtbarkeit ohne Beugung der Sprache, wo es weh tut.
Ich dachte eigentlich, einen Witz zu machen, sei keine Rhetorik und die einzige *istin die ich bin ist Pazifistin.
Bitte nicht vergessen: Es geht hier um Tucholsky.

LG Petra
 

sufnus

Mitglied
Arno hat recht, Tucholsky wurde Tucho genannt. Ich hatte das Tuchi für künstlerische Freiheit von Béla gehalten, um die Diskussion noch etwas stärker in ein ironisches Licht zu setzen.
Und die sich anbahnende Genderdiskussion entspricht ein bisschen meiner Befürchtung beim ersten Lesedurchgang. Das eigentliche Thema ist ja - wie Petra andeutet - der Pazifismus.
LG!
S.
 

Chandrian

Mitglied
Arno hat recht, Tucholsky wurde Tucho genannt. Ich hatte das Tuchi für künstlerische Freiheit von Béla gehalten, um die Diskussion noch etwas stärker in ein ironisches Licht zu setzen.
Und die sich anbahnende Genderdiskussion entspricht ein bisschen meiner Befürchtung beim ersten Lesedurchgang. Das eigentliche Thema ist ja - wie Petra andeutet - der Pazifismus.
LG!
S.
Wie in der Schweiz, das i ist eine „Verniedlichung“. Habs auch so gelesen und finde es passend.
 

wiesner

Mitglied
Guten Morgen in die Runde,

besten Dank für Eure lebendige Diskussion! Die Genderei hatte ich weniger im Blick, eher die Geschlechterparität, auch und gerade im Hinblick auf Untaten oder kriegerische Verbrechen, an denen in zunehmendem Maße Frauen beteiligt sind. (Bevor ich's vergesse: Muss es nicht das Genderei heißen? ;) ). Petras Ironie war schnell erkennbar, ich selbst rühre mit diesem Gedicht im selben Topf, sufnus und Chandrian greifen das Berlinern und die i-Verniedlichung auf. 'Tucho', bester Arno, ist natürlich völlig richtig.

Euch einen schönen Tag
Béla
 
Das von mir gestern Abend ungenau Zitierte lautet korrekt so: "Für den guten Tucho ist dem guten Tucho nichts zu teuer." (Lisa Matthias, Ich war Tucholskys Lottchen, S. 66) Das recht subjektive Buch von Tucholskys früherer Partnerin ist durchaus lesenswert, auch im Hinblick auf Verhältnis und Rollen von Geschlechtern damals.

Pazifismus? Ich las neulich wieder Tucholskys Aufsatz "Kopenhagener krabbeln auf ein Kriegsschiff" von 1927. Da wir hier ein Textarbeitsforum sind, versage ich es mir, daraus zu zitieren. (Im Netz leicht zu finden.)
 

revilo

Mitglied
Das Problem an diesem Gedicht ist, dass der normale Leser, zu denen ich mich zähle ohne Erklärung nicht auf des Pudels Kern kommt; eine erklärende Fußnote wäre hilfreich gewesen… Schön wäre auch, wenn du dein albernes Verhalten mir gegenüber ändertest; du bist doch eigentlich dem Trotzalter schon längst entwachsen, oder? Du hast zwar stolz darauf hingewiesen, ich stünde auf deiner Ignore- Liste, ich weiß aber genau, dass du meine Kommentare liest … Also, komm aus deiner Schmollecke!
 



 
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