Warten auf Ida

3,50 Stern(e) 6 Bewertungen

Ciconia

Mitglied
Der kleine übersichtliche Dorffriedhof hat in den letzten Jahren vieles von seiner einstigen Friedlichkeit und Beschaulichkeit verloren. Kraftstrotzende Bäume, die jahrzehntelang dezent Schatten spendeten und dem Friedhof etwas Parkähnliches gaben, wurden abgeholzt. Vielen Gräbern sieht man an, dass sie nicht mehr regelmäßig gepflegt werden.

Auf einem schiefstehenden, verwitterten Grabstein mit der Inschrift

Gustav Meyer
geb. 1892 gest. 1962
Ida Meyer, geb. Lehmann
geb. 1894

hängt seit längerem ein regenverwaschener Zettel der Friedhofsverwaltung. Die „Nutzungsberechtigten“ werden aufgefordert, sich umgehend bei der Verwaltung zu melden, da die „Nutzungsdauer“ überschritten sei.

Ida muss eine vorausschauende und praktisch denkende Frau gewesen sein. Sicher war es nicht ihre Schuld, dass sie ihr Versprechen nicht einhalten konnte und ihren Gustav all die Jahre vergebens warten ließ.
 
U

USch

Gast
Hallo Ciconia,
netter Plot bei so einer ernsten Angelegenheit, doch duraus denkbar in unserer Verwaltungswelt.
LG Uwe
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Uwe,

ich glaube, da ist weniger die Verwaltungswelt Schuld als die Tatsache, dass Ida (Jahrgang 1894!) mittlerweile woanders beigesetzt wurde, aus welchen Gründen auch immer.

Gruß Ciconia
 
U

USch

Gast
Ja klar, aber das kann die Verwaltung sich ja auch ausrechnen oder nachforschen. Wir leben doch nicht in Griechenland.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Uwe,

ich weiß zwar nicht, was das jetzt mit Griechenland zu tun hat .. aber die Verwaltung kann doch nicht wissen, wer als Erbfolger die "Nutzungsrechte" übernommen hat!

Eine Grabstelle kauft man normalerweise für 25 oder 30 Jahre und zahlt im voraus, wobei die Frist im Falle eines Familiengrabes bei jeder neuen Beisetzung neu zu laufen beginnt. Ist nun die "Nutzungsdauer" verstrichen, versucht die Friedhofsverwaltung an der zuletzt bekannten Adresse des Zahlungspflichtigen Auskunft über eine Verlängerung zu bekommen.

Da Ida aber sehr wahrscheinlich nicht mehr lebt und wohl auch keine lebenden Verwandten bekannt sind, muss sich die Friedhofsverwaltung mit einer öffentlichen Aufforderung am Grabstein begnügen.

Tut mir leid, dass diese Erklärung jetzt länger war als der kleine Text!

Gruß Ciconia
 
E

eisblume

Gast
Hallo Ciconia,

netter Text, bei dem du sprachlich leider einiges an Potential verschenkst (z. B. übersichtlicher Dorffriedhof - da würde sich doch eine stimmungsvollere Beschreibung geradezu anbieten).
Dazu kommen dann noch z. B. die dezent Schatten spendenden Bäume. Wie jetzt ein Baum, der jahrzehntelang! so vor sich hin gewachsen ist, lediglich einen dezenten Schatten spenden kann, erschließt sich mir nicht.
Aus deiner Erklärung an USch ist erst klar, dass Ida wirklich nicht mehr am Leben ist. Diese Erklärung sollte aber dein Text leisten können, auch wenn ich des Rechnens mächtig bin, und zumal dein letzter Satz durchaus so zu verstehen ist, dass Ida noch leben würde und Gustav immer noch auf sie wartet. Worin jetzt das vorausschauende und praktische Naturell Idas begründet liegt, ist mir völlig unklar.

LG
eisblume
 

Paloma

Mitglied
Hallo Ciconia,

vielleicht liegt es an mir – aber ich verstehe fast nichts von deinem Text.
Wie kann ein kleiner, übersichtlicher Dorffriedhof parkähnliche erscheinen?
Wie, um alles in der Welt, ist ein Baum fähig dezent Schatten zu spenden?
Wie lange kann Regen einen Zettel waschen (seit Längerem (schreibt man groß)) bis er sich auflöst?
Was ist an Ida praktisch und was ist an ihr vorausschauend?
Was für ein Versprechen hat sie Gustav gegeben? Wollte sie sich umbringen?

Ich finde, und das ist nicht böse gemeint, das hier ist eher ein Rätsel – als eine Kurzprosa.

Liebe Grüße
Paloma
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Eisblume und Paloma,

Eure Kommentare kommen mal wieder unisono im Doppelpack, mit denselben Textbausteinen wie häufig, z. B. "Potential verschenkt". An wen denn? Auf jeden Fall sind Eure Einwände fast identisch, so dass ich sie in einem beantworten kann.

Es tut mir leid, wenn Ihr auch mit diesem Text nichts anfangen könnt. Vielleicht habt Ihr einfach noch nicht oft auf Friedhöfen zu tun gehabt.

Welche Ausmaße hat in Eurer Vorstellung denn ein Park? Ein Park ist eine "gestaltete größere Grünfläche", er muss nicht die Ausmaße des Englischen Gartens haben, sondern kann auch ein übersichtlich gestalteter Friedhof sein. Wieviel Schatten ein Baum spendet, kommt wohl immer auf die Art des Baumes und seinen Standort an - wenn damit die Wege gesäumt sind, müssen die Gräber durchaus nicht im vollen Schatten liegen, sondern bekommen "dezenten" Schatten.

Was den "Zettel" angeht, war dies vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt - es ist etwas Dickeres, vielleicht eine Art Pappe, das einige Zeit der Witterung standhält, aber allmählich ein wenig verwaschen aussieht. In einem trockenen Sommer kann er also durchaus "seit längerem" (Kleinschreibung wird auch bei neuer Rechtschreibung empfohlen, liebe Paloma) dort haften.

Bei genauem Lesen der Grabinschrift erkennt man, dass nur Idas Geburtsdatum, aber nicht ihr Sterbedatum eingraviert ist. Das hat man früher häufiger gemacht - praktisch und vorausschauend, weil kostensparend, wenn die Gravur des Namens und des Geburtsdatums gleich beim Grabsteinkauf für den Erstverstorbenen erfolgt. Und ist wie ein stilles Versprechen zu sehen, dass man auch mal in dieser Grabstätte ruhen will.

Ida ist nach menschlichem Ermessen nicht mehr am Leben und hat ihre Ruhestätte wohl woanders gefunden. Das Grab soll offensichtlich in Kürze aufgelöst werden soll - das läßt sich aus der Aufforderung der Friedhofsverwaltung folgern -, somit hat Gustav wohl vergebens "gewartet". Habt Ihr nie davon gehört, dass ein Verstorbener auf dem Friedhof "wartet", bis seine Lieben zu ihm gebettet werden?

Ein wenig Lebenserfahrung setze ich beim Lesen schon voraus. Wenn Ihr aber weiterhin so große Schwierigkeiten wie bisher mit meinen Texten habt, schlage ich vor, dass Ihr sie in Zukunft einfach ignoriert - die schlechten Wertungen könnt Ihr ja trotzdem wie immer anonym abgeben.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Der kleine übersichtliche Dorffriedhof hat in den letzten Jahren vieles von seiner einstigen Friedlichkeit und Beschaulichkeit verloren. Kraftstrotzende Bäume, die jahrzehntelang dezent Schatten spendeten und dem Friedhof etwas Parkähnliches gaben, wurden abgeholzt. Vielen Gräbern sieht man an, dass sie nicht mehr regelmäßig gepflegt werden.

Auf einem schiefstehenden, verwitterten Grabstein mit der Inschrift

Gustav Meyer
geb. 1892 gest. 1962
Ida Meyer, geb. Lehmann
geb. 1894

haftet seit längerem eine regenverwaschene Mitteilung der Friedhofsverwaltung. Die „Nutzungsberechtigten“ werden aufgefordert, sich umgehend bei der Verwaltung zu melden, da die „Nutzungsdauer“ überschritten sei.

Ida muss eine vorausschauende und praktisch denkende Frau gewesen sein. Sicher war es nicht ihre Schuld, dass sie ihr Versprechen nicht einhalten konnte und ihren Gustav all die Jahre vergebens warten ließ.
 
E

eisblume

Gast
Hallo Ciconia,

mit deinem letzten Absatz hast du natürlich völlig Recht, ignorieren ist eine gute Idee. Zudem – wozu braucht es handwerkliche Kenntnisse, wenn man vor Lebenserfahrung nur so sprüht.
Ich finde es grad sehr schade, dass man Kommentare nicht bewerten kann, die finde ich z. T. nämlich um Längen gelungener. Auch meine ich – natürlich völlig unmaßgeblich, denn was weiß ich schon – dass dir längere Texte (z. B. deine Kindergeschichte)insgesamt besser liegen als so kurze.
Werten werde ich nicht, weder anonym noch offen, ich sags dir einfach so - höher als 4 würde ich nicht gehen. (Abgesehen davon weiß ich nicht, was du immer mit dem vorwurfsvollen Hinweis der anonymen Wertungen hast - du machst es doch nicht anders, oder täusche ich mich? ;-) )

Grüßle
eisblume
 

Ofterdingen

Mitglied
Liebe Ciconia,

Mir gefällt dein Kommentar auch besser als dein Text: Er ist adressatenbezogen, engagiert, authentisch, inhaltlich klar und voller echter Emotionen, verwendet seine sprachlichen Mittel zielführend. Vielleicht wäre es gar keine so schlechte Idee, wenn du dir beim nächsten Schreiben gleich einen Gegner vorstellst, gegen den du anschreibst. Das meine ich im Ernst.

LG,

Ofterdingen
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Ofterdingen,
stell doch mal ein Foto von Dir ein - vielleicht klappt's dann mit der Vorstellung! :D :D :D
Und wenn Dein Kommentar ernst gemeint war: Danke!

Gruß Ciconia
 
A

AchterZwerg

Gast
Hallo Ciconia,
ich empfinde deine Kurzprosa als sehr gelungen. Bezogen auf die "Parkähnlichkeit" gebe ich dir Recht. - Auch ein Vorgarten, 10 x 10m, kann parkähnliche Züge tragen.
Mir gefällt, dass du den Text aus einer kühlen Beobachterposition schreibst, die Emotionen den Lesern überlässt. Hinter und zwischen den Zeilen verbirgt sich in dieser Hinsicht allerhand (Ablauf der Friedhofspflege, das Ende dörflicher Idylle nebst Sozialkontrolle, das Fehlen der Ehefrauenleiche u. v. a. mehr).
[Die unterschiedliche Resonanz lässt sich evtl. aus einem gewissen Unverständnis der Pointe gegenüber erklären.]
Ich selber gehe gern auf Friedhöfen spazieren und machte mir unlängst - beim Anblick der Friedhofsmitteilungen - vergleichbare Gedanken. ;)
Freundliche Grüße
der8.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo AchterZwerg,

danke auch Dir für diese Beurteilung!

Du hast Recht: Grabsteine erzählen immer Geschichten - über die Ehefrau, die ihren Mann um 50 Jahr überlebt hat, den viel zu früh im Krieg gefallenen Sohn, ein verstorbenes Kind ... da könnte man noch viele Texte draus machen.

Gruß Ciconia
 
Ein wunderbarer Text - witzig, nicht zu kurz, nicht zu lange. Das einzige, was ich bedauere, ist, daß wieder einmal das genaue Geburtsdatum fehlt, denn es ist nicht unwesentlich, welches Tierkreiszeichen da umsonst warten muß. Einem Fischeverstorbenen dürfte das zum Beispiel regelmäßig passieren, während Schützen und Widder auch unter Toten noch umtriebig ... na gut ...

Gruß
Lothar
 

Grauschimmel

Mitglied
Der Ton macht die Musik und der Wille

…dem Autor zu helfen. Und beim Autor zu unterscheiden, wird mir hier tatsächlich geholfen oder einer „überjeholfen!“. Ja, da war sie wieder, in meinem Kopf, die Bestätigung der These: „Stellvertreterkriege über unschuldige Geschichten“. Nur steht sie diesmal unter einem Werk von Dir, liebe „Dame C.“, weil Angreifer und Verteidiger vertauscht.
Welch Kraftverschwemmung (hoffentlich unterkringelt das jetzt Niemand so wie mein unsichtbarer Wächter) an Zeit, an Gedanken…die eigentlich dem Leser gehören sollten.
Deshalb empfehle ich Dir nicht, gegen einen „Gegner anzuschreiben“, obwohl ich glaube, zu wissen was gemeint war, denn es trifft immer die falschen, die Geschichten, den Leser, den wir doch erreichen wollen.

Die nachdenklichen Botschaften, die Du nicht rätselhaft sandtest, sind bei mir auch ohne regenfeste Mitteilung und den neuen Kommentar angekommen.
Sie bestärken mich, die „abgeholzten Bäume“ und „Idas Pragmatismus“.
Ich will mal unterm grünen Rasen liegen oder im Meer versinken (seit Langem mein Beschluss, den ich freilich nicht mehr kontrollieren kann, nach dem Fall des ….), weil ich dann nicht „warten muss“ und jede Wiese, jeder Strand … Ort von Trauer und Erinnerung sein kann, so es sie als „ schöne Orte“ noch gibt, an die man gehen will.

Danke Ciconia, für Deine Bestätigung! Aber es ist noch keine Zeit für mich zu gehen!

Netten Gruß, auch an die… Quatsch, aber überlegt Euch was, an alle Leser, Grauschimmel.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Lothar, hallo Grauschimmel,

auch wenn ich Euren Zeilen nicht bis in alle Details folgen kann, ist folgende Botschaft bei mir angekommen: Ihr habt den Text ohne Probleme verstanden. Das beruhigt mich sehr.
Herzlichen Dank für Eure Kommentare und die Bewertung!

Gruß Ciconia,
deren Tierkreiszeichen auf eine große Kämpfernatur schließen lässt
und die niemals vorhatte, „gegen einen Gegner anzuschreiben“, sondern immer sehr beflissen ist, ihren Lesern Hilfestellung zu geben und Dinge richtigzustellen :cool:

Schönen Abend noch!
 
Stilistisch gesehen ist der Text eine überaus schwache Darbietung. Die kritischen Stimmen sind mehr als berechtigt.
Ich bewerte den Text nicht, sage aber, mache dir einmal Gedanken über deine Schreiberei. Änderst du nichts daran, wirst wohl für immer eine Hobbyschreiberin bleiben.

Das kannst du dir zu Herzen nehmen, oder auch nicht.
Ich meins nur gut.

Grüße
Gernot
 

Oben Unten