Warten lernen

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Ciconia

Mitglied
Die Krankheit hat dir Kraft genommen,
den Lebensmut vorerst geraubt.
Das Morgen siehst du nur verschwommen,
vergisst, dass jemand an dich glaubt.

Den Schmerz betäubst du mit Tabletten,
die Zeit rauscht leer an dir vorbei.
In unbequemen Klinikbetten
sind Alltagssorgen einerlei.

Man sagt, du müssest warten lernen,
du kämest optimal voran.
Du selbst wähnst Heilung stets im Fernen,
vielleicht in Jahren, irgendwann?

Und manchmal rinnen kleine Tränen
verstohlen über dein Gesicht.
Du wirst sie später nie erwähnen -
gemeinhin kennst du Schwäche nicht.
 

blackout

Mitglied
Du nimmst dich eines Themas an, über das wenig gesprochen wird, bei dem der Betroffene dann vielleicht sogar noch des Selbstmitleids bezichtigt wird.
Wir alle werden einmal krank und müssen ins Krankenhaus, von den Ärzten kriegt man nur das zu hören, was sie bereit sind, einem zu sagen, und im Grunde ist man nur aufs Hoffen, dass man gesund wird, angewiesen. Das ist eine außergewöhnliche Situation, die der Kranke bisher nicht gekannt hat und mit der er klarkommen muss. Du erfasst das in deinem Gedicht sehr gut. Mir gefällt, dass du immer wieder Themen "am Rande" aufgreifst.

Ein sehr sauber geschriebenes Gedicht, das man mit Interesse liest.

Gruß, blackout
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ein Gedicht, dass mich sehr an meine Mutter erinnert. Sie war eine dieser "Heldinnen".
Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße
Manfred
 

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