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Warum hat sie mir denn nichts gesagt?

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Ciconia

Mitglied
Warum hat sie mir denn nichts gesagt? Ich verstehe das nicht. Lore hätte mir doch alles anvertrauen können. Ich hätte ihr bestimmt zugehört. Obwohl - sie wurde immer gleich so ungeduldig, wenn ich etwas nicht verstand, rein akustisch nicht verstehen konnte, weil ich seit Jahren schwerhörig bin. Wenn sie es dann wiederholen sollte, hat sie gleich geschrien, als sei ich debil. Das empfand ich schon ziemlich verletzend. Manchmal erzählte sie auch so unzusammenhängende Sachen und warf mir anschließend vor, dass meine Auffassungsgabe nicht mehr die beste sei. Sie handelte gern mehrere Sachen auf einmal ab, so sprunghaft, ich konnte mich oft nur schwer darauf einstellen.

Wie schlecht es ihr ging, hätte sie mir wirklich mal in Ruhe sagen können. Wir saßen tagsüber viel zusammen, zumindest bei den Mahlzeiten. Ansonsten beschäftige ich mich überwiegend mit Politik und Wirtschaft, man muss ja den Überblick behalten über all die Missstände in unserer heutigen Welt. Aber auch da ihre Ungeduld, wenn ich ihr mal wichtige Dinge erklären wollte, politische Zusammenhänge in Europa und die Gefahren des Euro, aber sie winkte immer gleich ab. Das Thema interessierte sie überhaupt nicht.
„Was soll ich mich denn aufregen, die paar Jahre, die wir noch leben! Dann lass uns das Geld jetzt raushauen, wenn du so eine Angst vor der Inflation hast.“
Basta. Das hat mich fürchterlich geärgert, schließlich hat man mit Mitte sechzig noch einige Jahre vor sich. Da muss man doch darauf achten, dass das Geld reicht, wenn die Zinsen ständig weiter sinken. Mich macht das richtig krank, mit anzusehen, wie mein Erspartes jeden Tag weniger wert ist. Ich kann nicht einfach so in den Tag hineinleben.

„Ich würde so gern einmal eine Seereise machen“, fing Lore vor ein paar Wochen wieder an, obwohl sie genau wusste, dass mich keine zehn Pferde auf ein Schiff bringen.
„Nerv mich nicht dauernd damit“, habe ich gleich abgeblockt, „dann fahr doch allein!“
Da hat sie lange geschwiegen und ein beleidigtes Gesicht gezogen. Letztes Jahr war sie schon mal allein auf Reisen. Ich habe nichts dagegen gehabt, sie war ja finanziell unabhängig. Spaß hat es wohl nicht so richtig gemacht, meinte sie anschließend. Was kann ich denn dafür? Früher sind wir viel gereist, aber in letzter Zeit ist mir die Lust vergangen. Überall auf der Welt ist so viel Natur zerstört worden, es ist nirgends mehr so wie früher. Ich habe ja auch meine kleinen Krankheiten, wer weiß, ob es am Urlaubsort eine ausreichende ärztliche Versorgung gibt. Dazu kommt, dass fast nirgendwo mehr geraucht werden darf. Wie soll ich denn einen Urlaub genießen, wenn ich überall eingeschränkt werde?

Lore wollte immer nur unterwegs sein, als würde sie etwas im Leben verpassen. Dabei haben wir so eine schöne Wohnung mit Blick ins Grüne, da sollte man sich eigentlich wohlfühlen, oder? Ich fand das, ehrlich gesagt, ein wenig undankbar. Sie komme sich richtig eingesperrt vor, wir würden überhaupt nichts mehr unternehmen, warf sie mir neulich vor, da war ich richtig sauer.
„Such dir doch neue Hobbies“, habe ich ihr geraten. Lore hat ihr Leben lang viel gelesen. Irgendwann fing sie dann an, selbst Geschichten zu schreiben, das konnte sie erstaunlich gut. Ich hätte ihr ab und zu mal einen Tipp geben oder den Text querlesen können, aber sie stellte sich stur.
„Das ist mein Text“, beharrte sie, „da musst du dich nicht auch noch einmischen.“
Und schon hatten wir den dicksten Streit, nur weil sie sich nichts von mir sagen lassen wollte. Dabei bin ich mir sicher, dass ich einigen ihrer oberflächlichen Geschichten durchaus mehr Tiefgang hätte geben können.

Seitdem ich in Rente bin, habe ich selbstverständlich Zuhause mehr mitgeholfen. Aber ich glaube, das gefiel ihr gar nicht.
„Ich habe jahrelang den Haushalt geschmissen, da brauchst du mir jetzt nicht zu sagen, wie voll die Waschmaschine sein muss oder wann ich die Spülmaschine anwerfen darf!“, kam es dann gleich ganz patzig von ihr. Dabei wollte ich nur beim Energiesparen helfen, man muss das Geld schließlich nicht zum Fenster hinauswerfen. Deshalb habe ich sie auch gebeten, beim Einkaufen immer auf Sonderangebote zu achten, als Rentnerin hat man schließlich Zeit genug, um die günstigsten Geschäfte abzuklappern. Ich selbst kenne mich nicht so aus mit Lebensmitteln, volle Läden sind mir sowieso ein Gräuel.

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, fällt mir ein, dass sie in letzter Zeit hin und wieder sehr bedrückt war. Ihr ging es wohl wirklich nicht gut, und sie klagte häufig über Schmerzen. Ich habe das nie so richtig ernst genommen, ich wusste ja, dass sie zu Übertreibungen neigte. Außerdem waren es häufig Zipperlein, die ich am selben Tag auch spürte, vielleicht wetterbedingt. Sowas soll man nicht überbewerten.
„Ich fühl mich heute wieder so schlapp“, sagte sie morgens manchmal, aber ich war der Meinung, dass sie abends vielleicht ein, zwei Gläser Wein zu viel getrunken hatte, da geht es einem halt nicht gut am nächsten Morgen. Was sie tatsächlich abends allein beim Fernsehen so trank, habe ich nie mitbekommen. Ich mag nicht gern fernsehen, ich informiere mich abends lieber im Internet und trinke dabei in Ruhe meine Bierchen. Mag sein, dass es manchmal ein, zwei Fläschchen zu viel waren und ich dann nicht ganz so nett zu Lore war.
Trotz allem hat sie ihren Haushalt im Griff gehabt, jeden Tag für uns gekocht und am Wochenende einen schönen Kuchen gebacken. Das werde ich wirklich sehr vermissen. Dafür war ich ihr immer dankbar, ich habe sie auch oft gelobt.

Ich bin so durcheinander. Warum nur hat sie kein Vertrauen zu mir gehabt? Ich bin schließlich ihr Mann, seit gut zwanzig Jahren! Heiraten wollte ich allerdings nie, muss man ja heute nicht unbedingt. Ob sie noch darauf gehofft hat, kann ich gar nicht sagen. Gesprochen haben wir darüber schon lange nicht mehr.
Stutzig geworden bin ich neulich, als sie plötzlich aus heiterem Himmel sagte, sie wolle lieber keine Seebestattung, wie wir es mal geplant hatten, die See sei ihr zu kalt. Wenn man keine weiteren Angehörigen hat und nicht verheiratet ist, muss man ja alles rechtzeitig festlegen, mit Testament und Vollmachten.
„Ich glaub, ich möchte lieber in so einem Friedwald liegen, ganz ruhig unter riesigen Bäumen. Versprichst du mir das?“
Da habe ich nur gelacht.
„Was soll das denn jetzt? Es ist doch bekannt, dass Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer, also werde ich mich irgendwann zuerst verabschieden!“
Lore hat mich lange angeschaut. „Woher willst du das denn wissen?“

Heute war ich bei Dr. Westphal, ihrem Hausarzt. Er sah mich fragend an, als ich ungemeldet in der Praxis auftauchte und mich als Lebensgefährte von Lore Baumann vorstellte. Glücklicherweise hatte ich ja eine Vollmacht dabei, da waren Lore und ich immer vorausschauend. Es war sehr, sehr schwierig für mich, die richtigen Worte zu finden:
„Ich habe sie gestern tot aufgefunden.“
Er schien ein wenig verunsichert.
„Mein Beileid, Herr Pfeifer! Ich wusste gar nicht, dass Frau Baumann einen Partner hatte. Mir gegenüber hat sie nie etwas davon erwähnt. Ich dachte, sie sei alleinstehend und ziemlich einsam. Sie war ja wegen ihrer Depressionen schon länger bei mir in Behandlung, und ich wollte sie an einen Therapeuten überweisen. Aber sie konnte sich nicht dazu entschließen, eine Therapie zu beginnen. Zunächst wollte sie herausfinden, woher die ständigen starken Schmerzen kamen. Ich habe ihr mehrere Fachärzte empfohlen. Leider kann ich in ihrer Krankenakte keinen Hinweis finden, ob sie meinem Ratschlag gefolgt ist.“

Warum hat sie denn nie mit mir darüber gesprochen?

„Und Sie haben tatsächlich nichts davon gewusst?“, hakte er noch einmal ungläubig nach.
„Nein, ich hatte keine Ahnung!“
Wo die vielen Tabletten herkamen, konnte er sich auch nicht erklären. Lore muss sie längere Zeit gehortet und wahrscheinlich von mehreren Ärzten bekommen haben. Da habe ich mich nie drum gekümmert, sie hatte ihre eigene kleine Hausapotheke in ihrem Schlafzimmer.
Dort habe ich Lore gestern Morgen gefunden. Sie sah so friedlich aus. Als hätte sie gerade einen schönen Traum.
Nicht einmal einen Abschiedsbrief hat sie hinterlassen. Wie konnte sie mir das antun? Es gibt so viel zu erledigen, wie soll ich das alleine schaffen? Soll ich nun nach einem Friedwald suchen? Im Testament steht noch, dass sie Seebestattung wünscht. Ich weiß gar nicht, wer mir in dieser Situation helfen könnte, gemeinsame Freunde gibt es schon lange nicht mehr.
Nachdem die letzten Verwandten verstorben waren, habe ich mal zu ihr gesagt:
„Jetzt haben wir nur noch uns! Wir müssen gut auf uns aufpassen.“
Aber ich habe doch nie damit gerechnet, dass ich allein zurückbleibe. Warum hat sie mir denn nie gesagt, wie sie sich wirklich fühlte?

Vielleicht wäre ich mit ihr gegangen.
 

Languedoc

Mitglied
Hallo Cicona,

Berührende Geschichte, hallt nach.

Zum Stil:
Ein Mann, der durcheinander ist, darf natürlich seine Sätze ein bisschen durcheinander daherreden. Dennoch meine ich, ein paar Füllwörter weniger täten dem Text gut. Heiße Kandidaten für eine Überprüfung sind:
- so
- da
- und andere Wörter dieser Art wie: schon, dann, ja, gleich...



Ein paar "Erbsen" sind mir auch aufgefallen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):


Nach Lores Reise:
Spaß hat es wohl nicht so richtig gemacht, [blue]meinte sie[/blue] anschließend.
Nach meinem Gefühl meint hier der Mann etwas, und nicht Lore. Also den Satz eventuell anders formulieren.


„Das ist mein Text“, beharrte sie, „da musst du dich nicht auch noch einmischen.“
„Das ist mein Text“, beharrte sie[blue].[/blue] „[blue]D[/blue]a musst du dich nicht auch noch einmischen.“


Dabei bin ich mir sicher, dass ich einigen ihrer [strike]oberflächlichen[/strike] Geschichten durchaus mehr Tiefgang hätte geben können.

„Und Sie haben tatsächlich nichts davon gewusst?“, hakte er [strike]noch einmal[/strike] ungläubig nach.


Just my two cents, vielleicht brauchbar für Dich.

Grüße von
Languedoc
 

Ciconia

Mitglied
Warum hat sie mir denn nichts gesagt? Ich verstehe das nicht. Lore hätte mir doch alles anvertrauen können. Ich hätte ihr bestimmt zugehört. Obwohl - sie wurde immer gleich ungeduldig, wenn ich etwas nicht verstand, rein akustisch nicht verstehen konnte, weil ich seit Jahren schwerhörig bin. Wenn sie es dann wiederholen sollte, hat sie gleich geschrien, als sei ich debil. Das empfand ich schon ziemlich verletzend. Manchmal erzählte sie auch völlig unzusammenhängende Sachen und warf mir anschließend vor, dass meine Auffassungsgabe nicht mehr die beste sei. Sie handelte gern mehrere Sachen auf einmal ab, so sprunghaft, ich konnte mich oft nur schwer darauf einstellen.

Wie schlecht es ihr ging, hätte sie mir wirklich mal in Ruhe sagen können. Wir saßen tagsüber viel zusammen, zumindest bei den Mahlzeiten. Ansonsten beschäftige ich mich überwiegend mit Politik und Wirtschaft, man muss doch den Überblick behalten über all die Missstände in unserer heutigen Welt. Aber auch da ihre Ungeduld, wenn ich ihr mal wichtige Dinge erklären wollte, politische Zusammenhänge in Europa und die Gefahren des Euro. Sie winkte immer gleich ab. Das Thema interessierte sie überhaupt nicht.
„Was soll ich mich denn aufregen, die paar Jahre, die wir noch leben! Dann lass uns das Geld jetzt raushauen, wenn du Angst vor der Inflation hast.“
Basta. Das hat mich fürchterlich geärgert, schließlich hat man mit Mitte sechzig noch einige Jahre vor sich. Da muss man doch darauf achten, dass das Geld reicht, wenn die Zinsen ständig weiter sinken. Mich macht das richtig krank, mit anzusehen, wie mein Erspartes jeden Tag weniger wert ist. Ich kann nicht einfach so in den Tag hineinleben.

„Ich würde unheimlich gern mal eine Seereise machen“, fing Lore vor ein paar Wochen wieder an, obwohl sie genau wusste, dass mich keine zehn Pferde auf ein Schiff bringen.
„Nerv mich nicht dauernd damit“, habe ich gleich abgeblockt, „dann fahr doch allein!“
Da hat sie lange geschwiegen und ein beleidigtes Gesicht gezogen. Letztes Jahr war sie schon mal allein auf Reisen. Ich habe nichts dagegen gehabt, sie war ja finanziell unabhängig. Spaß hat es ihr wohl nicht wirklich gemacht. Was kann ich denn dafür? Früher sind wir oft gereist, aber in letzter Zeit ist mir die Lust vergangen. Überall auf der Welt ist so viel Natur zerstört worden, nichts ist mehr wie früher. Ich habe auch meine kleinen Krankheiten, wer weiß, ob es am Urlaubsort eine ausreichende ärztliche Versorgung gibt. Dazu kommt, dass fast nirgendwo mehr geraucht werden darf. Wie soll ich denn einen Urlaub genießen, wenn ich überall eingeschränkt werde?

Lore wollte immer nur unterwegs sein, als würde sie etwas im Leben verpassen. Dabei haben wir eine wunderschöne Wohnung mit Blick ins Grüne, da sollte man sich eigentlich wohlfühlen, oder? Ich fand das, ehrlich gesagt, ein wenig undankbar. Sie komme sich richtig eingesperrt vor, wir würden überhaupt nichts mehr unternehmen, warf sie mir neulich vor. Das hat mich richtig sauer gemacht.
„Such dir endlich neue Hobbies“, habe ich ihr geraten. Lore hat ihr Leben lang viel gelesen. Irgendwann fing sie dann an, selbst Geschichten zu schreiben, das konnte sie erstaunlich gut. Ich hätte ihr ab und zu mal einen Tipp geben oder den Text querlesen können, aber sie stellte sich stur.
„Das ist mein Text“, beharrte sie, „da musst du dich nicht auch noch einmischen.“
Und schon hatten wir den dicksten Streit, nur weil sie sich nichts von mir sagen lassen wollte. Dabei bin ich mir sicher, dass ich einigen ihrer oberflächlichen Geschichten durchaus Tiefgang hätte geben können.

Seitdem ich in Rente bin, habe ich selbstverständlich Zuhause mitgeholfen. Aber ich glaube, das gefiel ihr gar nicht.
„Ich habe jahrelang den Haushalt geschmissen, da brauchst du mir jetzt nicht zu sagen, wie voll die Waschmaschine sein muss oder wann ich die Spülmaschine anwerfen darf!“, kam es dann gleich ganz patzig von ihr. Dabei wollte ich nur beim Energiesparen helfen, man muss das Geld schließlich nicht zum Fenster hinauswerfen. Deshalb habe ich sie auch gebeten, beim Einkaufen immer auf Sonderangebote zu achten, als Rentnerin hat man schließlich Zeit genug, um die günstigsten Geschäfte abzuklappern. Ich selbst kenne mich nicht gut aus mit Lebensmitteln, volle Läden sind mir sowieso ein Gräuel.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, fällt mir ein, dass sie in letzter Zeit hin und wieder sehr bedrückt war. Ihr ging es wohl wirklich nicht gut, und sie klagte häufig über Schmerzen. Ich habe das nie richtig ernst genommen, ich wusste ja, dass sie zu Übertreibungen neigte. Außerdem waren es häufig Zipperlein, die ich am selben Tag auch spürte, vielleicht wetterbedingt. So was soll man nicht überbewerten.
„Ich fühl mich heute wieder so schlapp“, sagte sie morgens manchmal. Ich war der Meinung, dass sie abends vielleicht ein, zwei Gläser Wein zu viel getrunken hatte, da geht es einem halt nicht gut am nächsten Morgen. Was sie tatsächlich abends allein beim Fernsehen trank, habe ich nie mitbekommen. Ich mag nicht gern fernsehen, ich informiere mich abends lieber im Internet und trinke dabei in Ruhe meine Bierchen. Mag sein, dass es manchmal ein, zwei Fläschchen zu viel waren und ich dann nicht ganz so nett zu Lore war.
Trotz allem hat sie ihren Haushalt im Griff gehabt, jeden Tag für uns gekocht und am Wochenende einen schönen Kuchen gebacken. Das werde ich wirklich sehr vermissen. Dafür war ich ihr immer dankbar, ich habe sie auch oft gelobt.

Ich bin völlig durcheinander. Warum nur hat sie kein Vertrauen zu mir gehabt? Ich bin schließlich ihr Mann, seit gut zwanzig Jahren! Heiraten wollte ich allerdings nie, muss man ja heute nicht unbedingt. Ob sie noch darauf gehofft hat, kann ich gar nicht sagen. Gesprochen haben wir darüber schon lange nicht mehr.
Stutzig geworden bin ich neulich, als sie aus heiterem Himmel sagte, sie wolle lieber keine Seebestattung, wie wir es mal geplant hatten, die See sei ihr zu kalt. Wenn man keine weiteren Angehörigen hat und nicht verheiratet ist, sollte man alles rechtzeitig festlegen, mit Testament und Vollmachten.
„Ich glaub, ich möchte lieber in einem Friedwald liegen, ganz ruhig unter riesigen Bäumen. Versprichst du mir das?“
Da habe ich nur gelacht.
„Was soll das denn jetzt? Es ist doch bekannt, dass Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer, also werde ich mich irgendwann zuerst verabschieden!“
Lore hat mich lange angeschaut. „Woher willst du das denn wissen?“

Heute war ich bei Dr. Westphal, ihrem Hausarzt. Er sah mich fragend an, als ich ungemeldet in der Praxis auftauchte und mich als Lebensgefährte von Lore Baumann vorstellte. Glücklicherweise hatte ich eine Vollmacht dabei. Es war sehr, sehr schwierig für mich, die richtigen Worte zu finden:
„Ich habe sie gestern tot aufgefunden.“
Er schien ein wenig verunsichert.
„Mein Beileid, Herr Pfeifer! Ich wusste gar nicht, dass Frau Baumann einen Partner hatte. Mir gegenüber hat sie nie etwas davon erwähnt. Ich dachte, sie sei alleinstehend und ziemlich einsam. Sie war ja wegen ihrer Depressionen schon länger bei mir in Behandlung, und ich wollte sie an einen Therapeuten überweisen. Aber sie konnte sich nicht dazu entschließen, eine Therapie zu beginnen. Zunächst wollte sie herausfinden, woher die ständigen starken Schmerzen kamen. Ich habe ihr mehrere Fachärzte empfohlen. Leider kann ich in ihrer Krankenakte keinen Hinweis finden, ob sie meinem Ratschlag gefolgt ist.“

Warum hat sie denn nie mit mir darüber gesprochen?

„Und Sie haben tatsächlich nichts davon gewusst?“, hakte er ungläubig nach.
„Nein, ich hatte keine Ahnung!“
Wo die vielen Tabletten herkamen, konnte er sich auch nicht erklären. Lore muss sie längere Zeit gehortet und wahrscheinlich von mehreren Ärzten bekommen haben. Darum habe ich mich nie gekümmert, sie hatte ihre eigene kleine Hausapotheke in ihrem Schlafzimmer.
Dort habe ich Lore gestern Morgen gefunden. Sie sah so friedlich aus. Als hätte sie gerade einen schönen Traum.

Nicht einmal einen Abschiedsbrief hat sie hinterlassen. Wie konnte sie mir das antun? Es gibt unheimlich viel zu erledigen, wie soll ich das alleine schaffen? Soll ich nun nach einem Friedwald suchen? Im Testament steht noch, dass sie Seebestattung wünscht. Ich weiß gar nicht, wer mir in dieser Situation helfen könnte, gemeinsame Freunde gibt es schon lange nicht mehr.
Nachdem die letzten Verwandten verstorben waren, habe ich mal zu ihr gesagt:
„Jetzt haben wir nur noch uns! Wir müssen gut auf uns aufpassen.“
Aber ich habe doch nicht damit gerechnet, dass ich allein zurückbleibe. Warum hat sie mir denn nie gesagt, wie sie sich wirklich fühlte?

Vielleicht wäre ich mit ihr gegangen.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Languedoc,

Deine Tipps nehme ich gerne an, natürlich sind sie brauchbar für mich.

Der Monolog eines verstörten alten Mannes darf sicherlich einige Füllwörter mehr enthalten als üblich, der Stil ein anderer sein, da stimmen wir wohl überein. Ich habe trotzdem einiges entfernt und geändert. Danke, dass Du mich darauf hingewiesen hast.

Gruß Ciconia
 

anbas

Mitglied
Hallo Ciconia,

ein guter Text, wie ich finde. - Ernst und unter die Haut gehend, aber nicht auf "Tränendrüsendruck geschneidert" :D.

An einer Stelle würde ich noch eine Nachbesserung vorschlagen:
Aber auch da ihre Ungeduld
Kann man schreiben, klingt aber nicht gut - ein "war" oder "war wieder" zum Beispiel würde besser passen.

Liebe Grüße

Andreas
 

Ciconia

Mitglied
Danke, Andreas!

Auf die Tränendrüsen wollte ich hier auch nicht drücken. Es sollte nur eine Geschichte sein, die zum Nachdenken anregt.

Wie ich weiter oben schon schrieb, ist dies ja der Monolog eines alten Mannes, also im weitesten Sinne wörtliche Rede. Die darf schon etwas "lässiger" rüberkommen. Deshalb würde ich den Satz
Aber auch da ihre Ungeduld
gern so stehen lassen - zumal sich sonst ein weiteres "war" einschleichen würde, und das vermeide ich immer gerne.

Danke für Deine Beschäftigung mit dem Text.

Gruß Ciconia
 

MicM

Mitglied
Hallo Ciconia,

den Text habe ich sehr gerne gelesen. Die Gedankenwelt, die Stimmung, die Sprache - alles passt für mich perfekt zusammen. Ich mochte es sehr, die Ambivalenz des Prot zu verfolgen. Nach meiner Lesart ist der Prot zwar einerseits zu bedauern, weil er seine geliebte Frau verloren hat, andererseits bleibt er trotz des Todes (weiterhin) ein Egoist, der nur an sich denkt und nicht reflektiert, wie wenig er zuvor zugehört hat (wobei er auf seine Weise natürlich „stets bemüht“ war, was man ihm wiederum zu gute halten kann). Auch die Frau bleibt ambivalent, da sie sich nicht an ihn wenden konnte/wollte, aber ihn teils auch auf Distanz gehalten hat. Dieses unglückliche Zusammenspiel im „gemeinsamen“ Leben wird mit vielen gut beschriebenen Details sehr plastisch vermittelt, ohne zu werten. Hierzu passt die Nüchternheit der Sprache (und die kleinen Holperer, siehe vorherigen Anmerkungen) sehr gut. Ein Satz, der in einem anderen Kontext plump und bloßstellend wäre, entfaltet hier volle traurige und beißend selbstironische Wirkung:

Dabei bin ich mir sicher, dass ich einigen ihrer oberflächlichen Geschichten durchaus Tiefgang hätte geben können.
Mein Lieblingsatz in diesem Text!

Nur eine Stelle würde ich minimal anpassen: Da der Text sehr auf den inneren Monolog des Prot fokussiert ist, würde ich die erste direkte Rede des Arztes etwas einkürzen. Diese (ebenfalls) monologartigen Ausführungen des Arztes habe mich etwas (zu sehr) aus der Gedankenwelt des Prot gerissen. Die mittleren drei, vier Sätze könnten, meine ich, gekürzt/zusammengefasst werden.

Vielen Dank!

Auf bald,
MicM
 

Ciconia

Mitglied
Hallo MicM,

Du hast Dich sehr gut in diesen Text eingefühlt – es freut mich, dass er bei Dir genau die Wirkung entfaltet hat, die ich beabsichtigte. Da diese Geschichte monatelang unbeachtet (unter anderem Titel) im Anonymen stand, war ich mir nämlich nicht sicher gewesen, ob ein Herüberziehen zur Kurzprosa noch Sinn machen würde. Die Reaktionen von Andreas und Dir haben mich nun beruhigt.

Deine Auffassung zur Rede des Arztes leuchtet mir ein, nur bin ich noch nicht sicher, wie ich die (für mich notwendigen) Informationen in verkürzter Form darstellen könnte. Ich denke noch mal darüber nach.

Vielen Dank für Deine Beschäftigung mit diesem Text.

Gruß Ciconia
 

MicM

Mitglied
Hallo Ciconia,

was das Arztgespräch angeht, denke ich, ein paar Detailinformationen könnte man schon "opfern", einiges kann man auch in einem Satz zusammenziehen (wird auch so klar) und kürzere Sätze helfen ebenfalls. Hier mal ein Vorschlag, was ich meine (sicher noch nicht der Weisheit letzter Schluss):

„Mein Beileid, Herr Pfeifer! Ich wusste gar nicht, dass Frau Baumann einen Partner hatte. Hat sie nie erwähnt. Ich dachte, sie sei alleinstehend. Sie wirkte ziemlich einsam. Sie war ja schon länger bei mir. Wegen ihrer Depressionen empfahl ich ihr eine Therapie. Doch sie zögerte. Sie wollte den Grund für ihre ständigen Schmerzen wissen. Ich habe ihr mehrere Fachärzte empfohlen. Leider weiß ich nicht, ob sie meinem Rat gefolgt ist.“

Im Übrigen - ja, bitte gern mehr Kurzprosa und bitte nicht bei Anonymus "verstecken".

Auf bald,
MicM
 

Ciconia

Mitglied
Warum hat sie mir denn nichts gesagt? Ich verstehe das nicht. Lore hätte mir doch alles anvertrauen können. Ich hätte ihr bestimmt zugehört. Obwohl - sie wurde immer gleich ungeduldig, wenn ich etwas nicht verstand, rein akustisch nicht verstehen konnte, weil ich seit Jahren schwerhörig bin. Wenn sie es dann wiederholen sollte, hat sie gleich geschrien, als sei ich debil. Das empfand ich schon ziemlich verletzend. Manchmal erzählte sie auch völlig unzusammenhängende Sachen und warf mir anschließend vor, dass meine Auffassungsgabe nicht mehr die beste sei. Sie handelte gern mehrere Sachen auf einmal ab, so sprunghaft, ich konnte mich oft nur schwer darauf einstellen.

Wie schlecht es ihr ging, hätte sie mir wirklich mal in Ruhe sagen können. Wir saßen tagsüber viel zusammen, zumindest bei den Mahlzeiten. Ansonsten beschäftige ich mich überwiegend mit Politik und Wirtschaft, man muss doch den Überblick behalten über all die Missstände in unserer heutigen Welt. Aber auch da ihre Ungeduld, wenn ich ihr mal wichtige Dinge erklären wollte, politische Zusammenhänge in Europa und die Gefahren des Euro. Sie winkte immer gleich ab. Das Thema interessierte sie überhaupt nicht.
„Was soll ich mich denn aufregen, die paar Jahre, die wir noch leben! Dann lass uns das Geld jetzt raushauen, wenn du Angst vor der Inflation hast.“
Basta. Das hat mich fürchterlich geärgert, schließlich hat man mit Mitte sechzig noch einige Jahre vor sich. Da muss man doch darauf achten, dass das Geld reicht, wenn die Zinsen ständig weiter sinken. Mich macht das richtig krank, mit anzusehen, wie mein Erspartes jeden Tag weniger wert ist. Ich kann nicht einfach so in den Tag hineinleben.

„Ich würde unheimlich gern mal eine Seereise machen“, fing Lore vor ein paar Wochen wieder an, obwohl sie genau wusste, dass mich keine zehn Pferde auf ein Schiff bringen.
„Nerv mich nicht dauernd damit“, habe ich gleich abgeblockt, „dann fahr doch allein!“
Da hat sie lange geschwiegen und ein beleidigtes Gesicht gezogen. Letztes Jahr war sie schon mal allein auf Reisen. Ich habe nichts dagegen gehabt, sie war ja finanziell unabhängig. Spaß hat es ihr wohl nicht wirklich gemacht. Was kann ich denn dafür? Früher sind wir oft gereist, aber in letzter Zeit ist mir die Lust vergangen. Überall auf der Welt ist so viel Natur zerstört worden, nichts ist mehr wie früher. Ich habe auch meine kleinen Krankheiten, wer weiß, ob es am Urlaubsort eine ausreichende ärztliche Versorgung gibt. Dazu kommt, dass fast nirgendwo mehr geraucht werden darf. Wie soll ich denn einen Urlaub genießen, wenn ich überall eingeschränkt werde?

Lore wollte immer nur unterwegs sein, als würde sie etwas im Leben verpassen. Dabei haben wir eine wunderschöne Wohnung mit Blick ins Grüne, da sollte man sich eigentlich wohlfühlen, oder? Ich fand das, ehrlich gesagt, ein wenig undankbar. Sie komme sich richtig eingesperrt vor, wir würden überhaupt nichts mehr unternehmen, warf sie mir neulich vor. Das hat mich richtig sauer gemacht.
„Such dir endlich neue Hobbies“, habe ich ihr geraten. Lore hat ihr Leben lang viel gelesen. Irgendwann fing sie dann an, selbst Geschichten zu schreiben, das konnte sie erstaunlich gut. Ich hätte ihr ab und zu mal einen Tipp geben oder den Text querlesen können, aber sie stellte sich stur.
„Das ist mein Text“, beharrte sie, „da musst du dich nicht auch noch einmischen.“
Und schon hatten wir den dicksten Streit, nur weil sie sich nichts von mir sagen lassen wollte. Dabei bin ich mir sicher, dass ich einigen ihrer oberflächlichen Geschichten durchaus Tiefgang hätte geben können.

Seitdem ich in Rente bin, habe ich selbstverständlich Zuhause mitgeholfen. Aber ich glaube, das gefiel ihr gar nicht.
„Ich habe jahrelang den Haushalt geschmissen, da brauchst du mir jetzt nicht zu sagen, wie voll die Waschmaschine sein muss oder wann ich die Spülmaschine anwerfen darf!“, kam es dann gleich ganz patzig von ihr. Dabei wollte ich nur beim Energiesparen helfen, man muss das Geld schließlich nicht zum Fenster hinauswerfen. Deshalb habe ich sie auch gebeten, beim Einkaufen immer auf Sonderangebote zu achten, als Rentnerin hat man schließlich Zeit genug, um die günstigsten Geschäfte abzuklappern. Ich selbst kenne mich nicht gut aus mit Lebensmitteln, volle Läden sind mir sowieso ein Gräuel.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, fällt mir ein, dass sie in letzter Zeit hin und wieder sehr bedrückt war. Ihr ging es wohl wirklich nicht gut, und sie klagte häufig über Schmerzen. Ich habe das nie richtig ernst genommen, ich wusste ja, dass sie zu Übertreibungen neigte. Außerdem waren es häufig Zipperlein, die ich am selben Tag auch spürte, vielleicht wetterbedingt. So was soll man nicht überbewerten.
„Ich fühl mich heute wieder so schlapp“, sagte sie morgens manchmal. Ich war der Meinung, dass sie abends vielleicht ein, zwei Gläser Wein zu viel getrunken hatte, da geht es einem halt nicht gut am nächsten Morgen. Was sie tatsächlich abends allein beim Fernsehen trank, habe ich nie mitbekommen. Ich mag nicht gern fernsehen, ich informiere mich abends lieber im Internet und trinke dabei in Ruhe meine Bierchen. Mag sein, dass es manchmal ein, zwei Fläschchen zu viel waren und ich dann nicht ganz so nett zu Lore war.
Trotz allem hat sie ihren Haushalt im Griff gehabt, jeden Tag für uns gekocht und am Wochenende einen schönen Kuchen gebacken. Das werde ich wirklich sehr vermissen. Dafür war ich ihr immer dankbar, ich habe sie auch oft gelobt.

Ich bin völlig durcheinander. Warum nur hat sie kein Vertrauen zu mir gehabt? Ich bin schließlich ihr Mann, seit gut zwanzig Jahren! Heiraten wollte ich allerdings nie, muss man ja heute nicht unbedingt. Ob sie noch darauf gehofft hat, kann ich gar nicht sagen. Gesprochen haben wir darüber schon lange nicht mehr.
Stutzig geworden bin ich neulich, als sie aus heiterem Himmel sagte, sie wolle lieber keine Seebestattung, wie wir es mal geplant hatten, die See sei ihr zu kalt. Wenn man keine weiteren Angehörigen hat und nicht verheiratet ist, sollte man alles rechtzeitig festlegen, mit Testament und Vollmachten.
„Ich glaub, ich möchte lieber in einem Friedwald liegen, ganz ruhig unter riesigen Bäumen. Versprichst du mir das?“
Da habe ich nur gelacht.
„Was soll das denn jetzt? Es ist doch bekannt, dass Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer, also werde ich mich irgendwann zuerst verabschieden!“
Lore hat mich lange angeschaut. „Woher willst du das denn wissen?“

Heute war ich bei Dr. Westphal, ihrem Hausarzt. Er sah mich fragend an, als ich ungemeldet in der Praxis auftauchte und mich als Lebensgefährte von Lore Baumann vorstellte. Glücklicherweise hatte ich eine Vollmacht dabei. Es war sehr, sehr schwierig für mich, die richtigen Worte zu finden:
„Ich habe sie gestern tot aufgefunden.“
Er schien ein wenig verunsichert.
„Mein Beileid, Herr Pfeifer! Ich wusste gar nicht, dass Frau Baumann einen Partner hatte. Ich dachte, sie sei alleinstehend, sie wirkte ja ziemlich einsam. Sie war wegen ihrer Depressionen schon länger bei mir in Behandlung. Ich wollte sie an einen Therapeuten überweisen, aber sie konnte sich nicht zu einer Therapie entschließen. Zunächst wollte sie herausfinden, woher die ständigen starken Schmerzen kamen. Ich habe ihr mehrere Fachärzte empfohlen. Leider kann ich in ihrer Krankenakte keinen Hinweis finden, ob sie meinem Ratschlag gefolgt ist.“

Warum hat sie denn nie mit mir darüber gesprochen?

„Und Sie haben tatsächlich nichts davon gewusst?“, hakte er ungläubig nach.
„Nein, ich hatte keine Ahnung!“
Wo die vielen Tabletten herkamen, konnte er sich auch nicht erklären. Lore muss sie längere Zeit gehortet und wahrscheinlich von mehreren Ärzten bekommen haben. Darum habe ich mich nie gekümmert, sie hatte ihre eigene kleine Hausapotheke in ihrem Schlafzimmer.
Dort habe ich Lore gestern Morgen gefunden. Sie sah so friedlich aus. Als hätte sie gerade einen schönen Traum.

Nicht einmal einen Abschiedsbrief hat sie hinterlassen. Wie konnte sie mir das antun? Es gibt unheimlich viel zu erledigen, wie soll ich das alleine schaffen? Soll ich nun nach einem Friedwald suchen? Im Testament steht noch, dass sie Seebestattung wünscht. Ich weiß gar nicht, wer mir in dieser Situation helfen könnte, gemeinsame Freunde gibt es schon lange nicht mehr.
Nachdem die letzten Verwandten verstorben waren, habe ich mal zu ihr gesagt:
„Jetzt haben wir nur noch uns! Wir müssen gut auf uns aufpassen.“
Aber ich habe doch nicht damit gerechnet, dass ich allein zurückbleibe. Warum hat sie mir denn nie gesagt, wie sie sich wirklich fühlte?

Vielleicht wäre ich mit ihr gegangen.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo MicM,

danke, dass Du Dir noch einmal die Mühe gemacht hast, eine Verkürzung zu finden.
Ich habe den entsprechenden Absatz jetzt ein wenig entschlackt, allerdings nicht ganz so stakkatohaft wie vor Dir vorgeschlagen. In dieser auch für den Arzt schwierigen Situation gegenüber einem alten Mann, der gerade seine Partnerin verloren hat, dürfen es ruhig ein paar Worte mehr sein, denke ich.
… bitte nicht bei Anonymus "verstecken"
Wieso verstecken? Der Bereich ist doch für alle frei zugänglich. Manchmal lohnt sich ein Besuch … ;)

Gruß Ciconia
 

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