Warum müssen Bushido pöbeln und Jonathan Meese ständig den rechten Arm hochheben...

...und die beiden in einen Topf geworfen werden und die Medien so viel davon berichten?

[Einige assoziative Überlegungen, wild durcheinander geworfen, aber ohne jegliche Verschwörungstheorie mit dem Versprechen, jeder und jede darf sich was rausziehen und pöbeln]

Am Anfang war die Energie und die Energie strömte ins Sein und machte das Sein. Kinder werden geboren, gewollt oder ungewollt, geliebt oder ungeliebt.

Kinder landen an der Werkbank, im Hörsaal, in der Politik, im Knast. Manchmal auch dies nacheinander, doch zumeist entweder so oder so.

Kindern wird oft gesagt: „Es ist wie es ist“. Die das glauben, legen teilweise erstaunlich entspannte Leben hin. Lernen, arbeiten, treffen einen Partner, bekommen Kinder, bauen ein Haus, bekommen Enkel, reisen im Alter und sterben friedlich. Auf den Lippen ein zufriedenes „Es ist wie es ist – und es war nicht schlecht“.

Wenn ich in einer Reihenhaussiedlung aufwachse, mit einem Auto vor der Tür und meine Eltern Arbeit haben und wir zweimal im Jahr in den Urlaub fahren und ich Musikunterricht bekomme und zum Sport gehen kann und auf eine gute Schule gehe und an eine gute Universität gehen darf und mir gesagt wurde „wer arbeiten will findet auch Arbeit“ und mir gesagt wurde „manche sind zu dumm oder zu faul, Du aber nicht mein Junge“, dann, ja dann gibt es für mich keinen Grund mein Leben in Frage zu stellen, zumal wenn ich für Greenpeace spende und ein Patenkind in Namibia mit 50Euro im Monat unterstütze.

Wenn ich eine Straße weiter neben der Reihenhaussiedlung aufwachse, mit zu vielen Menschen auf zu wenig Raum und meine Eltern keine Arbeit haben und meine Eltern keine Bildung haben und wir kein Auto haben, aber die anderen und wir nicht in den Urlaub fahren, aber die andern und mir gesagt wird „es ist wie es ist und es wird nicht besser“, dann ist das so.

Und wenn das Mittelschichtkind gelangweilt ist und wenn das Mittelschichtkind nicht geliebt wird und wenn das Mittelschichtkind klauen geht und wenn das Mittelschichtkind Feuer legt und wenn das Mittelschichtkind vor den Kadi muss, dann kann es glimpflich ausgehen. Muss es aber nicht, vielleicht endet das Mittelschichtkind im Dreck und das war es dann mit der Mittelschicht.

Und wenn das Unterschichtenkind sich anstrengt und wenn das Unterschichtenkind gefördert wird und wenn das Unterschichtenkind ein Stipendium bekommt und wenn das Unterschichtkind eine Partnerin findet und wenn das Unterschichtkind aufsteigt und wenn das Unterschichtenkind dann ein Reihenhaus hat und ein Auto und Urlaub machen kann und Kinder hat, dann wird „es denen mal besser gehen“.

Aber wenn das Kind ein Türkenkind ist, das einen Türkenvater hat, der in Deutschland geboren wurde und eine Türkenmama hat, die in Deutschland geboren und wurde und wenn das Türkenkind dann merkt, dass es komisch angeguckt wird, obwohl das Türkenkind so deutsch spricht wie jedes andere Kind und gar kein türkisch kann und wenn die Eltern sagen, „Du muss Dich nur anstrengen“, aber das gar nicht mehr glauben, weil sie sich auch angestrengt haben, aber nicht angekommen sind, dann denkt das Türkenkind vielleicht noch mal nach.

Und dann sagt sich das Türkenkind „man mag mich hier nicht“ und dann sagt sich das Türkenkind, „dann mag ich Euch auch nicht“.

Und wenn ein Mensch im Gewitter steht und Angst hat und wenn ein Mensch vor Menschen steht und Angst hat und wenn ein Mensch auf dem Amt steht und Angst hat, dann wurde ihm vielleicht zu wenig Mut gemacht.

Und dann fängt dieser Mensch vielleicht an zu trinken oder zu schlagen und wenn er zuschlägt, dann ist die Angst weg und wenn er noch mal zuschlägt ist noch mehr Angst weg und wenn er zutritt und noch mal zutritt, und noch mal, bis Knochen brechen, bis ein Kiefer bricht, bis Blut fließt, soviel Blut, dann ist die Angst vielleicht weg und auch die Wut- diese irrsinnige Wut, soviel Wut, für den Moment weg.

Und wenn dem Kind gesagt wird, Du musst gehorchen und das Kind gehorcht und wenn dem Kind gesagt wird Du muss lernen und das Kind lernt und wenn dem Kind gesagt wird, „es ist wie es ist“ und wenn das Kind fragt, „wieso, kann es nicht anders sein?“ und wenn dem Kind diese wirren Gedanken ausgeprügelt werden und ihm gesagt wird, wir schlagen Dich aus Liebe, dann fügt sich das Kind. Oder es fügt sich nicht.
Es wird vorsichtig, es wird misstrauisch, es fängt an zu beobachten. Es beobachtet die Menschen, es sieht die Welt mit neuen, misstrauischen Augen. Es will immer hinter die Kulissen schauen. Je älter desto mehr. Und es sieht immer mehr Kulissen, falsches Sprechen, falsches Lächeln, falsches Berühren.

Und vielleicht denkt es nach und denkt nach und denkt nach und will verstehen, nicht was die Welt im Innersten zusammenhält, nein es will verstehen, wie die Welt funktioniert. Und es fängt an sich Gedanken über die Welt zu machen. Und es erkennt, dass es diese Welt gar nicht gibt. Nie gegeben hat und nie geben wird.

Wer in der Wüste lebt, wer im Eis lebt, wer in der Ebene lebt, wer in den Bergen lebt, lebt in einer eigenen Welt mit eigenen Gesetzen. Er sieht anders, er fühlt anders, er geht anders, er schmeckt anders.

Weltweit nutzen 2 Milliarden Menschen das Internet. Fast eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 45 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. 1,4 Milliarden Menschen haben pro Tag weniger als einen Euro zur Verfügung. Weltweit gibt es derzeit 58 Kriege oder bewaffnete Konflikte.

Einer davon ist der Moro-Konflikt. Schon mal gehört? „Der seit Anfang der 1970er Jahre währende Konflikt konnte bei den Friedensgesprächen 2006 wegen erheblichen Divergenzen und schwerer Verstöße gegen das Waffenstillstands-abkommen zwischen der Regierung und der Moro-islamische Befreiungsfront (MILF), nicht gelöst werden. Die MILF fordert umfassende Autonomierechte, die Kontrolle über die vorhandenen Ressourcen und eine muslimisch geprägte Verwaltungs- und Regierungsform für das beanspruchte Gebiet, das mit Mindanao, dem Sulu-Archipel, dem Süden Palawans und Basilan rund ein Drittel des Staatsgebietes ausmacht.“[Wikipedia] (Na, um welches Land handelt es sich? Pustekuchen, nie gehört. Es sind die Philippinen.)

Ist dies die eine Welt? Ist dies die Welt in der alles mit allem zusammenhängt? Beileibe nicht. Die eine Welt gibt es nicht, es gibt den Planeten Erde, ja, mehr aber auch nicht. Es gibt keine Weltordnung. Es gibt keine Weltverfassung. Oder besser, ja es gibt eine Weltordung, es gibt eine Weltverfassung. Auf dem Papier.

Da steht es nun das Menschlein und versucht sich einen Überblick zu verschaffen. Das haben auch seine Väter und Mütter und Großväter und Großmütter versucht – machmal. Wie war das bei den Großeltern und Eltern: Zeitung, Radio, Fernsehen und Lexika. Wenn ich ad hoc etwas wissen wollte, schaute ich im Brockhaus nach oder einem anderen Lexikon.

„Bundeswehr: wichtigstes bewaffnetes Machtorgan des staatsmonopolistischen Regimes der BRD, dessen innenpolitische Funktion die Sicherung der monopolkapitalistischen Klassenherrschaft ist und dessen außenpolitische Funktion darin besteht, expansionistische Ziele unter militärischer Gewaltanwendung erreichen zu können.

NVA: sozialistische Armee des ersten deutschen Arbeiter- und Bauern-Staates, der DDR; bewaffnete Organ der von der Arbeiterklasse geführten Werktätigen zum Schutz der sozialistischen Ordnung, der sozialistischen Errungenschaften und des friedlichen Lebens der Bürger der DDR.“

Soweit Dietz Wörterbuch der Geschichte. In welchem Teil erschienen, lässt sich leicht erschließen.

Und was lernten wir in der BRD: Die Bundeswehr ist eine Verteidigungs- die NVA eine Angriffsarmee. Das ließe sich schon dadurch beweisen, dass BRDPanzer mehr Rückwärts- als Vorwärtsgänge hätten und bei der NVA sei es umgekehrt.

Mehr gab es nicht. Aktuelles fand in Funk und Fernsehen statt. Gegenmeinung in manchen Fernsehmagazinen (WDR „Rotfunk2) oder Zeitungen, TAZ. In Hamm/Westfalen las man keine TAZ, da las man die WAZ. In der DDR war das veröffentlichte Meinungsspektrum noch schmalspuriger, doch nicht gänzlich unkritisch, wie immer behauptet wird.

Es gibt keine Wahrheit, es gibt nur Standpunkte und über die kann man diskutieren. Das sehen oder wollen viele nicht sehen, weder die unterschiedlichen Wahrheiten, noch die Notwendigkeit des Diskurses. Dieser Diskurs war immer herrschaftsgeleitet, vor allem in Zeiten, in denen Meinungsäußerung eine Einbahnstraße war. Dem Volk blieb nur die Demonstration. Und die wiederum konnte eingeschränkt werden. Nun ist herrschaftsgeleitet nicht so zu verstehen, dass eine Stelle eine Meinung vorgibt (jedenfalls nicht im Westen). Doch verblüffender Weise folgt die Berichterstattung in der Regel einem Mainstream, was auch nicht verwunderlich ist.

Denn an den Schalthebeln der (Meinungs-)Macht sitzen doch recht homogen zusammengestellte Eliten. Kunst speist sich historisch eher aus einem linken Milieu, Parteiaktivisten stammen eher aus einem Mittelschichtmilieu. Wirtschaftseliten ticken eher konservativ. Ausnahmen bestimmen die Regel und sorgen für bunte Einsprengsel, nicht aber für Revolutionen.

Jetzt kann man gegenargumentieren und auf die friedliche Umwälzung in der DDR verweisen. Doch was ist dort passiert. Offensichtliche Dummheit der Herrschenden und ihrer dienstwilligen Vasallen – und das waren nicht wenige - hat den Zusammenbruch herbeigeführt. Elite wurde nicht erneuert, dem Volk wurden zwar Brot, aber zu wenig Spiel und Ablenkung in Form von Reisen, Autos und Südfrüchten gegeben. Dem Volk wurde auch die letzte Illusion von möglicher Veränderung genommen. Die Illusion von möglicher Veränderung stabilisiert Systeme, siehe USA:

47 Millionen Menschen in den USA leben von Essensmarken. 46 Millionen hatten vor der Einführung der gesetzlichen keine Krankenversicherung. Zustände, wie es sie in der DDR nie gab. Warum aber kommt es nicht zu Massenaufständen, zu einer friedlichen Revolution. Weil den Leuten eingebleut wird, täglich: Wir sind das freieste Land auf Erden, die älteste Demokratie, bei uns kann jeder! vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen. Das ist Dauerbeschallung a la Nordkorea.

Die Einführung des Internets und des www war eine Revolution. Theoretisch kann sich jeder, jederzeit (außer die armen 2 Milliarden Menschen ohne Zugang, s.o.) über alles informieren und an allem partizipieren. Websites, Blogs, Twitter, Facebook geben Greti und Pleti die Möglichkeit von Partizipation. Urdemokratischer Marktplatz.

Alles Schwachsinn. Manche Länder kontrollieren, manche sperren.

Was wissen wir voneinander, was suchen Deutsche im Netz, was Kanadier, was Iraner, was Puertoricaner?

Es ist eine Nischenwelt entstanden, in der jeder seine Nische besetzen kann und wer es nicht aushält, geht nicht auf die Straße, sondern ins Internet.

Niemals waren mehr Informationen verfügbar, gleichzeitig herrscht eine beunruhigende Gleichförmigkeit vor, jeder schreibt von jedem ab. Shitstorms sind echte Stürme, sie stürmen hoch und verschwinden, als wenn es sie nie gab. Es herrscht eine unglaubliche Aufregung im Netz. Wenn im 18.Jahrhundert irgendwo etwas passierte, stand es vielleicht Tage später in einer Zeitung und wenn ich reagieren wollte und konnte, kam die Reaktion wiederum Tage später. Schnelle Informationen waren einer kleinen Elite per reitendem Boten und später Telegraph vorbehalten. Was bekam denn der Süßwasserfischer an irgendeinem See in Ostpreußen mit?

Heute branden die Themen hoch, riesigen Sturzbächen gleich fließen sie durch das Internet. Aufregung um Ägypten, um Snowden, um Krankheiten, Lebensmittelskandale. Tage und Wochen später fort, vergessen, ausgelöscht. Das ist Orwell!!!

Wenn ich einen alten Brockhaus, eine alte Zeitung im Schrank habe, kann ich noch mal nachblättern. Andere Dinge verschwinden, werden überschrieben, ausgetauscht. Ja, ja, soweit bekannt.

Die Frage ist, wie geht das alles weiter?

Je mehr ich weiß, desto weniger weiß ich. Die Gewissheiten verschwinden oder war das schon immer so? Nicht ganz: Amerika gut, Russland böse. Das war eine Gewissheit. Jedenfalls im 20. Jahrhundert. Was waren eigentlich die Gewissheiten davor? Wahrscheinlich keine. Da war nur, „es ist wie es ist, Du Landloser.“ Und jetzt? USA spioniert uns aus, Russland gibt dem Aufdecker Asyl. Riesenaufregung. Eigentlich weniger um den Sachverhalt, als um die Schwierigkeiten der Einordnung nach Gut und Böse.

Wäre es nicht einfacher zu sagen, es gibt keine Gewissheiten, maximal Wahrscheinlichkeiten und aus eigener Erfahrung gesammelte Erkenntnis? Was bringt es denn zu sagen, Deutschland ist ein reiches Land, wenn ich auf Hartz IV bin. Was bringt mir das beste Gesundheitssystem, wenn Ärzte meine Gesundheit verpfuschen. Was habe ich von Reisefreiheit, wenn ich kein Geld habe. Was habe ich von Informationsfreiheit, wenn ich nie gelernt habe, mich unabhängig zu informieren.

Die meisten Menschen verstehen irgendwann, wie der Hase läuft. Aber die Schlussfolgerungen daraus sind unterschiedliche. Der eine fängt an zu saufen, der andere zu schlagen, der dritte endet vor dem Bildschirm, der vierte auf der Straße, der fünfte wird Multimillionär und Steuerbetrüger oder Multimillionär und Machtgeil oder Multimillionär und Frauengeil.

Wer wird von uns am meisten verehrt? Popstars und Schauspieler. Was machen wir mit dieser statistischen Gewissheit?

Die Beschwörungsrituale verlieren an Kraft, weil die Rituale als Rituale verstanden werden. Wie lebt ein 40iger in Bosnien, der den Krieg erlebt hat, wie der 40jährige, der die DDR erlebt hat und wie der 40jährige der in Braunschweig aufwuchs und dort noch lebt.

Woher kommt der Hass, die Verachtung von Politiker und Demokratie? Weil Dinge versprochen wurden, die niemand halten kann. Das wussten die Politiker und das wussten die Wähler. Und es ging und geht immer so lange gut, wie es gelingt eine kritische Masse in Schach zu halten, durch Brot und Spiele. Da wo das nicht gelingt, kommt es zu Unruhen.

Warum begrüßten wir die Unruhen und den Putsch gegen Mubarak? Weil es ein undemokratisches System war. Warum kritisieren wir nicht den Putsch gegen den demokratisch gewählten Nachfolger? Weil er nicht in unser „Wertesystem“ passt, bzw. weil er sich unseren Einflussmöglichkeiten entzieht. Wir unterscheiden nicht nach Demokratie oder Nicht-Demokratie, wir unterscheiden nach Wertesystem und Einflussmöglichkeit. Deshalb können wir auch mit Saudi-Arabien. Wo machen wir eine Ausnahme von dieser Regel? Wenn wir sicherheitspolitische oder wirtschaftliche Nachteile befürchten (China. Wenn dort die Demokratie ausbricht, dann Gnade Gott der Stabilität der Region und der Absatzmärkte)

Das ist alles ist gar nicht schlimm, aber warum wird das nicht gelehrt, dass es die eine Realität nicht gibt, dass alles Interpretation und Sichtweise unterliegt? Und warum unternehmen wir nicht da echte Anstrengungen, wo es möglich wäre? Und da sind wir wieder oben bei den Kindern und ihren Startmöglichkeiten. Da, wo Notwendigkeiten klar sind, klar handeln, da wo Interpretationsspielräume sind, Transparenz zeigen und diese nennen und das Wort "alternativlos" von der Bundesprüfstelle für gefährliche Aussagen verbieten lassen.
 

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