"Warum unsere Flüchtlingspolitik allen schadet – und was jetzt zu tun ist"

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Rezension zu:

Alexander Betts, Paul Collier, Gestrandet, Siedler 2017, ISBN 978-3-8275-0090-8

Das vorliegende Buch von Alexander Betts und Paul Collier, der schon in vielen früheren Büchern wie „Die unterste Milliarde“ oder zuletzt 2016 „Exodus: Warum wir die Einwanderung neu regeln müssen“ sich als Querdenker beim Thema Entwicklung und Flüchtlingspolitik zeigte, ist eines von mehreren, die in diesem Frühjahr erscheinen und aus philosophisch-ethischen (wie etwa Julian Nida-Rümelin, Über Grenzen denken. Eine Ethik der Migration) oder politischen Perspektiven (wie etwa Hans-Peter Schwarz, Die neue Völkerwanderung nach Europa) darüber nachdenken, was angesichts von insgesamt 65 Millionen Flüchtlingen auf der ganzen Welt und vielen Millionen, die allein in Afrika und dem Nahen Osten auf gepackten Koffern sitzen um nur möglichst schnell nach Europa zu kommen, getan werden muss.

Beide glauben sie nicht an das Konzept offener Grenzen als richtige Antwort auf das Elend der Welt, wie sie bei uns immer noch von den Grünen und Teilen der Linken propagiert werden. Sie sind überzeugt, dass offene Grenzen das Elend nicht wesentlich mildern, sondern die Herkunftsregionen weiter schwächen und die sozialen Konflikte in den aufnehmenden Ländern verschärfen würden. Sie sind keine Lösung für die beschämenden humanitären Skandale unserer Zeit.

So ähnlich argumentieren die beiden Autoren des hier vorliegenden Buches. Sie kritisieren die Flüchtlingspolitik Deutschlands im Jahr 2015 als Politik des kopflosen Herzens. Gegen beliebig offene Grenzen, die ja mittlerweile auch schon wieder großflächig verschlossen sind in Europa, plädieren sie für ein Konzept, das es Menschen möglich macht, in der Nähe ihrer Heimatländer zu bleiben, um dorthin, wenn sich die Lage in ihrem Herkunftsland gebessert hat, wieder zurückkehren zu können.

An vielen Bespielen erläutern sie dieses Konzept, was nach meiner Beobachtung die deutsche Politik mittlerweile auch begriffen hat mit ihrer neuen Afrikapolitik.

Der Kern der Vorschläge von Betts und Collier sind sichere Zufluchtsorte für Flüchtlinge in den sicheren Nachbarländern der von Krisen und Kriegen betroffenen Länder, großzügig unterstützt von den Ländern, die bisher das erste Ziel ihrer Flucht waren. Auch die reichen arabischen Golfstaaten müssten hier mehr zur Finanzierung herangezogen werden.

Viele Reisen deutscher Politiker nach Afrika und Kooperationen mit Herkunftsländern von Migranten zeigen, dass die Politik sehr wohl begriffen hat, dass in diese Richtung umgeschwenkt werden muss. Die Frage ist nur, ob es für Vieles nicht schon zu spät ist und ob die Bevölkerung wirklich darauf vorbereitet ist, welche Aufgaben da noch auf die reichen europäischen Länder zukommen werden.

„Warum unsere Flüchtlingspolitik allen schadet – und was jetzt zu tun ist“ – dieses Buch kann helfen, sich auf die nötigen Schritte vorzubereiten und sie mit Unterstützung der Bevölkerung umzusetzen. Im Wahlkampf in diesem Jahr werden sie aber wohl kein Thema werden.
 

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