Was jetzt - ein Essay über Europa und seine Zukunft

Rezension zu:

Hugo Portisch, Was jetzt, Ecowin 2011, ISBN 978-3-7110-0019-4

Hugo Portisch ist in Österreich sehr bekannt. Er zählt seit vielen Jahren zu den bedeutendsten Journalisten des Landes, dessen Meinung und Expertise dort über die Grenzen der Parteien und gesellschaftlichen Gruppen gehört und ernst genommen wird.

Wenn er sich nun in einer Zeit, in der in Europa mit täglich neuen und verwirrenden Nachrichten nicht nur, aber vor allen Dingen aus Griechenland (Italien wird noch in diesem Jahr dazukommen, das kann prophezeien) die eh schon lange vorhandene Skepsis großer Bevölkerungsteile noch weiter geschürt wird, zur europäischen Frage zu Wort meldet, dann ist das nicht nur in Österreich ein Ereignis. Dass sich Portischs Buch in nur wenigen Tagen so verkauft, dass nun schon die vierte Auflage vergriffen ist, dann kann das nur bedeuten, dass er weit über die eurokritischen Kreise hinaus gelesen und rezipiert wird. Und das nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland, wie die zahlreichen zustimmenden Kritiken von dort beweisen.

Portisch schaut zurück, er erinnert sich, wie Europa nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg langsam zusammengewachsen ist und ruft der heutigen Generation all das als überhaupt nicht selbstverständlich in Erinnerung. „Heute erleben wir“, sagt er, „wie rasch oft all das in Europa Erreichte in den Hintergrund gedrängt wird, wie leichtfertig viele bereit sind, die europäische Gemeinschaft wieder aufzugeben, sich hinter die alten Grenzen zurückzuziehen, in der falschen Annahme, sie hätten unseren heutigen Wohlstand und unserer soziale Sicherheit, unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten in Europa und in der Welt auch ganz allein geschafft, wozu es in Wirklichkeit einer jahrzehntelangen Anstrengung Europas bedurft hat. Vor allem auch der Solidarität und der gegenseitigen Hilfe.“

All das ruft er als 84- jähriger, ähnlich wie der alte Hans-Dietrich Genscher in Deutschland, seinen Landsleuten zu, die in schnellen und vielleicht auch verständlichen Reflexen um ihr Geld fürchten. Doch bei Europa geht es um mehr als um Rettungsschirme. Es geht um Demokratie und um Freiheit und um Frieden.

Dass Länder wie Griechenland, Italien und Spanien über lange Zeit über ihre Verhältnisse gelebt haben, dass sie bis in die Regierung hinein Korruption und Vetternwirtschaft üben, dass ein Mann wie Berlusconi in den Knast gehört, ist den anderen Ländern Europa seit langem bekannt. Sie haben es geduldet und durch ihr Wegschauen noch gefördert. Europa wird in einigen Jahren, wenn man von der aktuellen Krise in der Vergangenheitsform sprechen wird, anders aussehen. Aber, und das ist die wichtige Mahnung Portischs, es darf in seinen Grundfesten nicht in Frage gestellt werden.
 

 
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