Wassernah

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Ciconia

Mitglied
Ich sitz allein am Nordseestrand
und schau auf plattes Watt statt Wogen.
Man hat mich heute kurzerhand
um Sicht aufs Brandungsspiel betrogen.

Vorm Horizont verschwimmt ein Schiff,
dort muss es wirklich Wasser geben.
Von oben krönt ein Möwenpfiff
mein sowieso beschissnes Leben.

In meiner Sandburg dös ich vor mich hin
und hör im Traum leis Wellen schlagen.
Als ich erwach mit Flutschaum unterm Kinn,
kann ich die Aussicht kaum ertragen.
 
Zuletzt bearbeitet:

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ciconia,

Du kannst ruhig im letzten Vers zwei Silben dazu packen. Ich bin aber der Überzeugung, dass dann auch die zweite Zeile noch zwei Silben braucht. Die letzte verkürzt lassen. So wird die Wirkung des Konstrukts gesteigert (und man wird im Rhythmus nicht mehr hin und her geworfen). Ich demonstriere es mal:

In meiner Sandburg dös ich vor mich hin
und hör derweil im Traum die Wellen schlagen.
Als ich erwach mit Flutschaum unterm Kinn,
kann ich die Aussicht kaum ertragen.

Gruß

Jürgen
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Jürgen,

was den Rhythmus angeht, bin ich anderer Meinung: Bei Deiner Version hätte die letzte Strophe drei unterschiedliche Zeilenlängen (10/11/10/9 Silben) – ich finde, das wirkt noch unruhiger.
Aber vielleicht passe ich die letzte Strophe noch an die anderen beiden an. Ich denke mal darüber nach.

Gruß Ciconia
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ciconia,

die weibliche Kadenz ist immer eine Silbe länger; die "Elfsilbigkeit" stellt immer noch rhythmisch ein viel kleineres Problem (nämlich gar keines) dar als die "Neusilbigkeit" wie vorliegend.

Eine längere weibliche Kadenz ist der "natürliche Zustand", eine kürzere kommt unerwartet. Als Autor fehlt einem oft die Distanz, das zu bemerken (ist mir auch schon gelegentlich passiert).

Zudem ist mit Z2 lang und Z4 kurz das bewährte Stilmittel der Katalexe zur Betonung des Schlusssatzes eingesetzt während dieser wirkungsvolle Kniff durch die "zu kurze" Zeile vorher in Deiner Version zerstört wird.

Gruß

Jürgen
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
P.S.: Und vergiss bitte zwischendurch, dass ich der "Klötendichter" bin. Ich bin nicht im Wettbewerb mit Dir und ich meine es nur gut. ;)
 

Ciconia

Mitglied
[ 4]Ich sitz allein am Nordseestrand
[ 4]und schau auf plattes Watt statt Wogen.
[ 4]Man hat mich heute kurzerhand
[ 4]um Sicht aufs Brandungsspiel betrogen.
[ 4]
[ 4]Vorm Horizont verschwimmt ein Schiff,
[ 4]dort muss es wirklich Wasser geben.
[ 4]Von oben krönt ein Möwenpfiff
[ 4]mein sowieso beschissnes Leben.
[ 4]
[ 4]Ich dös im Sand dumpf vor mich hin,
[ 4]hör schlafestrunken Wellen schlagen,
[ 4]erwach mit Flutschaum unterm Kinn -
[ 4]und kann die Aussicht kaum ertragen.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Jürgen,

eine solche Finesse wie die „Katalexe“ war mir bisher nicht bekannt – ich bin ja nur eine einfache Reimerin …

Auch wenn Du es gut mit mir meinst – mir gefallen grundsätzlich gleich lange Strophen besser. Deshalb habe ich jetzt den Strandkorb geopfert und die dritte Strophe geändert und angepasst. Vielleicht gefällt sie Dir ja trotzdem. ;)

Gruß Ciconia
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ciconia,

...gleichlange Strophen, in denen die weiblichen Kadenzen eine Silbe länger (9:8) sind, wie sich das gehört. Vorhin meintest Du noch, andersrum (10:11) sei völlig ok... ;)

Gut, lassen wir`s der Takt stimmt jetzt.

Eins noch: Katalexe findet nur in der letzten Zeile statt und ändert nichts am restlichen Metrum. Das Metrum hattest Du selbst gewechselt und dass es zweimel "eierte" hätte man durch die Beseitigung des einen "Eierers" geschickt eine schaffen können... Ach herrjeh, ich fange ja wieder an....

Gruß

Jürgen
 

Ciconia

Mitglied
Vorhin meintest Du noch, andersrum (10:11) sei völlig ok...
Nein, Jürgen, das meinte ich nicht. Mein ursprüngliches Gedicht hatte 8/9/8/9 Silben bzw. in der letzten Strophe 10/9/10/9 – und diese wollte ich eventuell nach Deinem ersten Kommentar an die ersten beiden anpassen. Selbiges habe ich dann getan.

Gruß Ciconia
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
10:9 mit 9 in der weiblichen Kadenz. Das ist freundlich gesprochen etwas nervös....
Hier kommt es nicht aufs exakte Zählen an, sondern darauf, dass die weibliche Kadenz eine Silbe mehr braucht als die männliche, nicht eine weniger.
 

Ciconia

Mitglied
Moin Jürgen,

so allmählich weiß ich nicht mehr, worum es Dir eigentlich geht. Ich darf noch einmal wiederholen:
Meine jetzige Fassung hat in allen drei Strophen 8/9/8/9 Silben, mit 9 in der weiblichen Kadenz. Sie hat also eine Silbe mehr als die männliche. Wo liegt also für Dich das Problem?

Gruß Ciconia
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Moin Ciconia,

nirgends mehr. Das Problem war, dass Du in einem Vers zwei weibliche Kadenzen, die jeweils kürzer als die männlichen waren besser fandest als eine innerhalb des Verses "korrekte" erste weibliche Kadenz mit Katalexe in der Schlusszeile und damit lagst Du leider komplett falsch.

Inzwischen ist alles glatt gebügelt und in bester Ordnung. Nur das, was ich Dir erklären wollte, hast Du offensichtlich immer noch nicht verstanden, was aber durchaus auch an mir liegen kann.

Komm, lassen wir's....

Beste Grüße

Jürgen
 

Ciconia

Mitglied
Nur das, was ich Dir erklären wollte, hast Du offensichtlich immer noch nicht verstanden
Offensichtlich liest Du nicht genau, lieber Jürgen, deshalb noch einmal: Ich schrieb gestern Morgen nach Deinem ersten Kommentar, dass ich die letzte Strophe eventuell an die ersten beiden anpassen würde (also 8/9/8/9), aber dass mir Deine vorgeschlagene Version (10/11/10/9) nicht so zusagen würde. Warum unterstellst Du mir jetzt fehlendes Verständnis? Es ist doch müßig, heute noch auf einem Problem herumzureiten, das gestern eines war und schon gestern Nachmittag behoben wurde.

Gruß Ciconia
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Wenn ich das matschige Stück vom Kuchen in den Müll werfe kann ich hinterher nicht besser backen.

Weitermachen.
 

Ciconia

Mitglied
Ich wäre sowieso dafür, dass man die Rubriken Gereimtes und Feste Formen endlich abschafft, dann könnten sich die echten Lyriker noch besser auf das Ungereimte konzentrieren.

Dieses ewige Reimesuchen und Silbenzählen strengt auf Dauer viel zu sehr an. Und so richtig rätseln kann man als Leser meistens auch nicht im Gereimten. ;)
 

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