Waterloo

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Ciconia

Mitglied
„Und Sie machen wohl ganz allein Urlaub auf Mykonos?“
Mein dicker Sitznachbar mustert mich interessiert von der Seite.
Nee, Dickerchen, da geht nichts. Mein Traumprinz sieht anders aus und wartet schon auf mich.
„Nein, nein, mein Freund holt mich gleich am Flughafen ab. Wir fahren dann weiter nach Paros.“
Ich gönne ihm ein wohlwollendes Lächeln und schließe die Augen. Bis zur Landung will ich noch ein wenig träumen.

An Selbstbewusstsein mangelt es mir an diesem Sonntag im Mai nicht; ich fühle mich so frei und unbeschwert, dass mich das Dröhnen der kleinen Propeller-Maschine von Olympic Airways überhaupt nicht ängstigt. Ein ruhiger Flug von Athen über die Ägäis, das Meer strahlt heute besonders blau. Die weißen Häuser von Mykonos nehmen allmählich Konturen an, nur noch wenige Minuten, bis ich Hannes in die Arme fallen werde. Ich glühe voller Vorfreude auf den heutigen Abend, aufgeregt rutsche ich auf meinem Sitz hin und her. Zwei Wochen Getrenntsein können eine verdammt lange Zeit sein, wenn man sich erst drei Monate kennt.

Hannes ist schon seit einer Woche auf Paros, sein Urlaub hatte bereits festgestanden, bevor wir uns kennenlernten. Sein schwuler Freund Achim besitzt ein Ferienhaus in Naoussa, dort trifft sich jeden Sommer ein größerer Freundeskreis, und da sei auch Platz für mich, hat Hannes gesagt.
„Du brauchst nur einen billigen Flug nach Mykonos, da hole ich dich ab“, hat er mein anfängliches Zögern vom Tisch gewischt. Um meine Finanzen steht es nach dem Einrichten einer neuen Wohnung nicht gut, aber dieses Urlaubsangebot will ich nicht ausschlagen. Der einzige Wermutstropfen: Ich kann aufgrund der Urlaubspläne am Arbeitsplatz erst später nachkommen.

Achim kenne ich nicht, wie ich überhaupt bis jetzt niemanden aus Hannes‘ Bekanntenkreis kennengelernt habe. Bei unseren bisherigen Treffen sind wir nicht oft ausgegangen, in seiner gemütlichen Altbauwohnung mit dem riesigen Futonbett vergehen die Stunden sowieso immer viel zu schnell.

Mein Traggestellrucksack erscheint als eines der ersten Gepäckstücke auf dem Laufband, ich schultere ihn und durchquere mit schnellen Schritten die kleine Ankunftshalle.
Hannes ist nirgendwo zu entdecken, auch auf dem Vorplatz keine Spur. Die wenigen Passagiere verteilen sich rasch auf wartende Autos und Taxis. Ein Frösteln überfällt mich, mein Magen zieht sich schmerzhaft zusammen.
Ruhig liegt die Landstraße in der flirrenden Mittagssonne. Fast eine halbe Stunde stehe ich mit zunehmendem Entsetzen vor dem Gebäude. Die Leichtigkeit, mit der ich vor Stunden in Deutschland abgeflogen bin, weicht einer bleiernen Schwere.
Neben mir hält ein Taxi. Ein Fenster wird heruntergekurbelt, der Dicke von vorhin fragt mit breitem Grinsen:
„Wollen Sie mitfahren in die Stadt? Ich glaub, hier fährt heute kein Bus mehr.“
Ich zögere, weiß aber nicht so recht, worauf ich noch warten soll.
„Wenn Sie mich am Hafen absetzen könnten …“
Gottlob verkneift er sich weitere Fragen, ich habe nicht die geringste Lust auf Erklärungen. Stattdessen erzählt er von seinem beschädigten Koffer, auf den er so lange habe warten müssen. Wer fährt denn heutzutage mit einem Koffer nach Griechenland, denke ich amüsiert und schaue weiter konzentriert aus dem Fenster.

Ich verliere jedes Zeitgefühl, während ich am Kai auf und ab laufe. Ein modernes Tragflächenboot liegt zur Abfahrt nach Paros bereit. Von früheren Aufenthalten auf den Kykladen kenne ich nur die alten Fähren, des Öfteren echte Seelenverkäufer, mit denen die Überfahrt gemächlich vorangeht und die Seele noch Zeit hat, der Distanz zu folgen. Heute will ich nur eins: schnell vorankommen und Hannes finden. Meine Seele scheint schon vorausgereist zu sein.
Ich werfe mich erschöpft und schweißgebadet auf einen der vielen freien Plätze. Minutenlang starre ich auf das Meer; das vorhin so strahlende Blau wirkt nur noch trostlos grau. Am Horizont werden die Umrisse einer Insel sichtbar, Naxos oder Paros? Ich habe die Orientierung verloren. Meine Gedanken rasen im Tempo des Bootes.
Ist Hannes krank geworden? Hatte er einen Unfall? Kann es wirklich sein, dass Achims Ferienhaus keinen Telefonanschluss hat?

In letzter Minute erwische ich in Parikia den Bus nach Naoussa. Der Fahrer steuert das altersschwache Fahrzeug mit einer Hand über die holperige Landstraße, die andere Hand mit der Zigarette hängt lässig aus dem Fenster. Laute Bouzouki-Klänge dröhnen aus dem Radio und machen es mir nicht leicht, meine wirren Gedanken zu sortieren. Immer wieder sehe ich Hannes vor mir, mit seinem dunklen Wuschelkopf und dem frechen Lachen - ein Mensch mit ewig guter Laune.

In Naoussa steigen mit mir die letzten zwei Fahrgäste aus, Endstation. Über dem staubigen Busplatz flirrt die immer noch heiße Sonne. Niemand wartet. Ich komme mir vor wie ein Luftballon, aus dem ganz langsam die Luft entweicht, fühle mich innerhalb von Stunden um Jahre gealtert, belogen, betrogen, verloren, gedemütigt. Ein Häufchen Elend.

Der Ort scheint überschaubar. Die meisten Läden an der Hauptstraße haben geöffnet. Meinen Rucksack darf ich vorübergehend in einem Kafenion abstellen. Ich frage mich durch, es gibt mehrere deutsche Geschäftsleute.
„Kennt jemand eine Gruppe von deutschen Männern, die hier ein Ferienhaus besitzen? Kennt jemand Achim aus Deutschland?“
Achselzucken, mürrische Antworten, belustigte Blicke. Ich trotte zunehmend genervt von Tür zu Tür.
„Ja, Achim und Hannes hab ich heute Nachmittag getroffen, auf dem Strandfest“, säuselt schließlich ein quirliger deutscher Galeriebesitzer, „aber wo das Ferienhaus ist, weiß ich leider nicht.“
„Heute Nachmittag?“ Meine Stimme überschlägt sich.
Mit süffisantem Lächeln und leicht angehobenen Augenbrauen mustert er mein inzwischen arg lädiertes Äußeres. In einem Spiegel hinter dem Kassentisch sehe ich eine Frau, die unmöglich ich sein kann: Durchgeschwitzt, die am Morgen flott geföhnte Frisur plattgedrückt, die neue Bluse verknittert, der Kopf vor Aufregung und Hitze hochrot.
Bevor ich meinen Rucksack wieder abhole, sinke ich für einige Minuten völlig apathisch auf eine Bank unter dem riesigen Maulbeerbaum im Zentrum. Ein Hotel ist nicht im Budget vorgesehen, aber irgendwo muss ich übernachten. Ich entscheide mich für ein etwas heruntergekommenes kleines Hotel in Hafennähe, das ich mir gerade noch leisten kann.

Unter der heißen Dusche klingt die Anspannung ein wenig ab. Ich lasse das Wasser so lange laufen, bis es endgültig kalt wird – als ob man alle trüben Gedanken damit wegspülen könnte. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich seit Stunden nichts mehr gegessen und getrunken habe.
„Guck doch mal ins ‚Barbarossa‘, in der Bar trifft sich abends alles“, haben mir bei meinem Gang durch den Ort mehrere Leute gesagt. Bestmöglich wieder hergerichtet, zumindest äußerlich, mache ich mich auf den Weg. In der Taverne neben dem ‚Barbarossa‘ schlinge ich eine riesige Portion Moussaka in mich hinein und behalte den Eingang der Bar im Auge.
Eine kleine Flasche Retsina später traue ich mich hinein. Die Bar ist gut besucht, auch zwei deutsche junge Männer, mit denen ich vorhin an der Hotelrezeption kurz gesprochen habe, sitzen dort. Sie winken mich an ihren Tisch.
„Ich brauch erst einmal einen Metaxa.“
„Und vor dem Urlaub ist nichts vorgefallen?“, fragt der Eine, nachdem ich „Ihr glaubt ja nicht, was mir passiert ist …“ in allen Einzelheiten erläutert habe.
„Nee, ich glaub nicht. Na ja, vielleicht doch. Hannes hatte in den letzten Tagen immer weniger Zeit für mich. Ach ja, angerufen hat er am Vorabend vor meiner Abreise auch nicht, obwohl wir das fest vereinbart hatten. Aber ihr kennt ja die schlechten Telefonverbindungen auf den Inseln. Mein Flug war schließlich schon gebucht, hätte ich ihn verfallen lassen sollen? Wisst ihr, so einen Typen wie Hannes findet man nicht jeden Tag.“
Einige Minuten schweigen wir. Zum ersten Mal an diesem Tag versuche ich ehrlich zu mir selbst zu sein.
War nicht ich diejenige gewesen, die den ersten Schritt gemacht und ihn sofort nach dem gemeinsamen Seminar angerufen und ein Treffen vorgeschlagen hatte? Waren unsere Verabredungen nicht meistens von mir initiiert worden?
Mittlerweile ist mir völlig egal, was die Gläser enthalten, die mir ständig neu serviert werden, doch irgendwann brauche ich frische Luft und trete kurz vor die Tür.

Er läuft mir direkt in die Arme: Hannes, mit einem Mann und einer Frau im Schlepptau. Wir erstarren beide. Nervös nestelt er an seiner Brille, seine Augen flackern unruhig. Er kann nicht an mir vorbeigehen, ich versperre ihm den Eingang. Er folgt mir auf meine Bitte zögerlich, wir setzen uns auf die Kaimauer.
„Wo warst du??“
Er habe angeblich mehrfach versucht, mich zu erreichen (was definitiv nicht stimmen kann), er habe die ganze Woche über viel Zeit zum Überlegen gehabt und sei zu dem Schluss gekommen, dass dies für ihn keine zufriedenstellende Beziehung sei.
„Du kommst zu mir, wann immer du Lust hast, mit mir ins Bett zu gehen, du nimmst keine Rücksicht darauf, dass ich Zuhause auch noch was für die Ausschreibung tun muss, die für mich so wichtig ist – das engt mich einfach alles zu sehr ein.“
Er klingt wütend, wahrscheinlich überspielt er damit nur seine Unsicherheit.
„Aber deswegen müssen wir doch nicht gleich die ganze Beziehung beenden! Ich kann warten, bis du wieder mehr Zeit hast!“
Er schüttelt den Kopf.
„Franzi, ich hab, ehrlich gesagt, nie damit gerechnet, dass du tatsächlich nach Paros kommst. Versteh doch endlich, ich will das alles nicht mehr!“
Nicht nur die kleinen Boote an der Kaimauer scheinen plötzlich zu schwanken. Ich kralle meine Hände in den kalten Beton.
„Ich hab gemerkt, dass Achim mir doch mehr bedeutet als ich dachte. Wir haben übrigens schon seit Jahren eine lockere Beziehung.“
Ich schaffe es nicht einmal, ihn rechts und links zu ohrfeigen, weil ich fürchte, dabei ins Wasser zu fallen. Sehe ich da Tränen in seinen Augen?
„Ich kann’s nicht ändern!“
Wir laufen fast eine halbe Stunde lang am Kai auf und ab, ich jammere, ich weine und merke bald selbst, dass ich vor allem alles falsch und mich selbst lächerlich mache.
„Begreif doch endlich, es hat keinen Zweck!“
Er umarmt mich wortlos und verschwindet um die nächste Ecke.

Ich bemühe mich, die Tränen wegzuwischen und mich halbwegs wieder herzurichten, bevor ich in die Bar zurückkehre. Meine neuen Freunde hören mir zum zweiten Mal an diesem Abend geduldig zu. Lange nach Mitternacht torkeln wir, zu Dritt untergehakt, zum Hotel. Auf dem Balkon leeren wir eine weitere Flasche Wein.

Das Erwachen am späten Vormittag ist grauenvoll. Ich habe wenig und sehr unruhig geschlafen. Mückenstiche quälen mich. Der Schädel brummt, der Mund ist ausgetrocknet, und es gab nicht einmal eine Flasche Wasser im Zimmer. Ich kippe ein Glas Leitungswasser hinunter, es schmeckt abgestanden.
Meine Tröster von gestern sind morgens weitergereist. Den Nachmittag verbringe ich am Monasteri-Strand. Mein ganzer Körper schmerzt, ich suche Abkühlung im klaren Wasser der Bucht, döse vor mich hin, kann mich nicht auf das mitgebrachte Buch konzentrieren. Ich weiß nicht, was schmerzhafter ist: Mein Selbstmitleid oder der Ärger über meine Naivität und das blinde Vertrauen in diesen Hallodri.

Am Abend esse ich in der Taverne bei Stavros.
„Darf ich mich dazu setzen?“, spricht mich eine Frau an; sie sitzt schon, ehe ich antworten kann.
„Ich bin Kathrin“, stellt sie sich vor. Ich schätze sie auf etwa Mitte Vierzig und finde sie auf Anhieb sympathisch.
Es dauert nicht lange, bis ich herausfinde, dass sie Hannes und seine Freunde kennt.
„Ja, ich war mit der ganzen Clique gestern bei einem Strandfest und anschließend im Barbarossa. Dann warst du diejenige, die Hannes dort abgefangen hat?“
Ihre Frage scheint harmlos. Belustigt gibt sie zu, dass sie sehr wohl über die Zusammenhänge Bescheid weiß.
„Hannes ist wirklich ein toller Kerl, wir haben uns gestern ausgezeichnet unterhalten. Kann ich verstehen, dass du ganz wild nach ihm bist.“
Ich überhöre das Offensichtliche, nehme nur ihr wohltuendes Verständnis wahr.
Die Fältchen in ihrem Gesicht verraten ein gewisses Alter, aber sie überspielt dies mit ihrer unbekümmerten jugendlichen Art. Ich lasse mich überreden, mit ihr in eine Disco zu gehen.
Nach kurzer Zeit taucht auch Hannes mit seiner Clique auf. Er verzieht das Gesicht, als er mich sieht, will sofort wieder gehen. Ich halte ihn auf, eines muss ich noch wissen:
„Welcher ist denn nun Achim?“
Er deutet auf einen kleinen Dunkelhaarigen. Dessen Kleidung wirkt mehr nachlässig als lässig, die Haare schmierig, seine ganze Erscheinung ziemlich ungepflegt. Ich finde ihn auf Anhieb abstoßend und kämpfe mit einem aufsteigenden Brechreiz bei der Vorstellung, dass Hannes und er …
Sie verwinden in der Menge.
„Ihr Schwuchteln!“, plärre ich ihnen wie von Sinnen hinterher.
Es ist wieder sehr spät, als ich angetrunken und heulend in mein durchgelegenes Hotelbett falle.

In den folgenden Tagen kümmert sich Kathrin rührend um mich, wir mieten uns Mofas und düsen kreuz und quer über die Insel. Als das Gespräch auch heute auf das unmögliche Verhalten von Hannes und seine Bisexualität kommt, lacht sie.
„Soll ich ihn wieder auf den richtigen Weg bringen, Franziska?“
Mich beschleicht sofort das Gefühl, dass sie es ernst meint.

Da Kathrin am nächsten Tag angeblich verabredet ist, fahre ich allein los und drehe das windige kleine Moped bis zum Anschlag auf. An manchen Abhängen bremse ich erst im letzten Moment, es macht mir Spaß, auf Risiko zu spielen. Aber die Bremsen funktionieren gut. Spätnachmittags kehre ich wohlbehalten zurück, verstaubt und verschwitzt, aber zufrieden mit mir.
Zum ersten Mal seit Tagen beginne ich wieder klarer zu denken.

Am Abend überwinde ich mich und gehe allein in die Disco. Ich will mich amüsieren, zumindest will ich es versuchen. Zu spät merke ich, dass der Typ, dem ich nach Mitternacht auf sein Zimmer folge, ziemlich zugedröhnt ist. Er schläft ein, bevor wir wirklich zur Sache kommen. Die Vögel zwitschern höhnisch, so scheint es mir, als ich im Morgengrauen leise weinend zurück in mein Hotel eile.

Zwei weitere Tage vergehen, in denen ich wie in Schockstarre in Naoussa ausharre. Ein kleines Erlebnis nachmittags am Strand gibt mir dann das Signal zum Aufbruch: Ich sehe Hannes und Kathrin Hand in Hand um eine Klippe verschwinden. Sie könnte fast seine Mutter sein ist alles, was ich in diesem Moment denken kann.

Die erste Fähre bringt mich am nächsten Morgen nach Mykonos. Ich finde schnell ein sauberes, preisgünstiges Zimmer, sogar mit Meerblick. Die restlichen Urlaubstage verdöse ich am Strand, wenigstens Sonnenbräune will ich mit nach Hause nehmen. Abends treibe ich mich in Bars und Discos herum. Ich habe in diesem Urlaub viel verloren, jetzt verliere ich auch noch mich selbst.

„Na, das Wetter war wohl sehr gut. Sie hatten sicher einen schönen Urlaub“, bemerkt ein Kollege, als ich nach zwei Wochen braungebrannt an meinen Arbeitsplatz zurückkehre. Die dunklen Augenringe vom wenigen Schlaf und durchzechten Nächten sind sorgfältig mit Make-up überdeckt. So redselig wie ich mich im Urlaub allen möglichen Leuten anvertraut habe, so schweigsam bin ich nun daheim. Ich werde Zeit brauchen, viel Zeit.
 

ThomasStefan

Mitglied
Klasse geschrieben. Ein langer Text, bei dem aber nie Langeweile aufkommt, ich blieb ständig dabei. Erstaunlich, da dass gar nicht meine Themen sind. Gekonnt, weil erlebt?
LG Thomas
 

Ciconia

Mitglied
Danke an PEEB und die Anonymen für die guten Wertungen und danke, Thomas Stefan, für das Lob.

Das Leben schreibt sicher oft die besten Geschichten, aber deshalb muss man nicht alles, was man schreibt, selbst erlebt haben. Es hilft jedoch, wenn man die beschriebenen Schauplätze gut kennt und vielleicht die eine oder andere selbsterlebte Szene mit einfließen lassen kann. Dann entstehen die Geschichten fast wie von selbst. :cool:

Gruß Ciconia
 

xavia

Mitglied
Eine spannende und interessante Geschichte, obwohl darin erstaunlich wenig passiert: Supergut erzählt!
 

Ciconia

Mitglied
Danke, Xavia, freut mich, dass die Geschichte Dir gefällt – allerdings würde ich das
obwohl darin erstaunlich wenig passiert
nicht so stehen lassen. Im Inneren der Prota passiert doch eine ganze Menge, auch wenn dies nicht explizit erklärt wird. Ich könnte mir denken, dass so ein Erlebnis eine junge Frau sehr lange prägen würde.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
„Und Sie machen wohl ganz allein Urlaub auf Mykonos?“
Mein dicker Sitznachbar mustert mich interessiert von der Seite.
Nee, Dickerchen, da geht nichts. Mein Traumprinz sieht anders aus und wartet schon auf mich.
„Nein, nein, mein Freund holt mich gleich am Flughafen ab. Wir fahren dann weiter nach Paros.“
Ich gönne ihm ein wohlwollendes Lächeln und schließe die Augen. Bis zur Landung will ich noch ein wenig träumen.

An Selbstbewusstsein mangelt es mir an diesem Sonntag im Mai nicht; ich fühle mich so frei und unbeschwert, dass mich das Dröhnen der kleinen Propeller-Maschine von Olympic Airways überhaupt nicht ängstigt. Ein ruhiger Flug von Athen über die Ägäis, das Meer strahlt heute besonders blau. Die weißen Häuser von Mykonos nehmen allmählich Konturen an, nur noch wenige Minuten, bis ich Hannes in die Arme fallen werde. Ich glühe voller Vorfreude auf den heutigen Abend, aufgeregt rutsche ich auf meinem Sitz hin und her. Zwei Wochen Getrenntsein können eine verdammt lange Zeit sein, wenn man sich erst drei Monate kennt.

Hannes ist schon seit einer Woche auf Paros, sein Urlaub hatte bereits festgestanden, bevor wir uns kennenlernten. Sein schwuler Freund Achim besitzt ein Ferienhaus in Naoussa, dort trifft sich jeden Sommer ein größerer Freundeskreis, und da sei auch Platz für mich, hat Hannes gesagt.
„Du brauchst nur einen billigen Flug nach Mykonos, da hole ich dich ab“, hat er mein anfängliches Zögern vom Tisch gewischt. Um meine Finanzen steht es nach dem Einrichten einer neuen Wohnung nicht gut, aber dieses Urlaubsangebot will ich nicht ausschlagen. Der einzige Wermutstropfen: Ich kann aufgrund der Urlaubspläne am Arbeitsplatz erst später nachkommen.

Achim kenne ich nicht, wie ich überhaupt bis jetzt niemanden aus Hannes‘ Bekanntenkreis kennengelernt habe. Bei unseren bisherigen Treffen sind wir nicht oft ausgegangen, in seiner gemütlichen Altbauwohnung mit dem riesigen Futonbett vergehen die Stunden sowieso immer viel zu schnell.

Mein Traggestellrucksack erscheint als eines der ersten Gepäckstücke auf dem Laufband, ich schultere ihn und durchquere mit schnellen Schritten die kleine Ankunftshalle.
Hannes ist nirgendwo zu entdecken, auch auf dem Vorplatz keine Spur. Die wenigen Passagiere verteilen sich rasch auf wartende Autos und Taxis. Ein Frösteln überfällt mich, mein Magen zieht sich schmerzhaft zusammen.
Ruhig liegt die Landstraße in der flirrenden Mittagssonne. Fast eine halbe Stunde stehe ich mit zunehmendem Entsetzen vor dem Gebäude. Die Leichtigkeit, mit der ich vor Stunden in Deutschland abgeflogen bin, weicht einer bleiernen Schwere.
Neben mir hält ein Taxi. Ein Fenster wird heruntergekurbelt, der Dicke von vorhin fragt mit breitem Grinsen:
„Wollen Sie mitfahren in die Stadt? Ich glaub, hier fährt heute kein Bus mehr.“
Ich zögere, weiß aber nicht so recht, worauf ich noch warten soll.
„Wenn Sie mich am Hafen absetzen könnten …“
Gottlob verkneift er sich weitere Fragen, ich habe nicht die geringste Lust auf Erklärungen. Stattdessen erzählt er von seinem beschädigten Koffer, auf den er so lange habe warten müssen. Wer fährt denn heutzutage mit einem Koffer nach Griechenland, denke ich amüsiert und schaue weiter konzentriert aus dem Fenster.

Ich verliere jedes Zeitgefühl, während ich am Kai auf und ab laufe. Ein modernes Tragflächenboot liegt zur Abfahrt nach Paros bereit. Von früheren Aufenthalten auf den Kykladen kenne ich nur die alten Fähren, des Öfteren echte Seelenverkäufer, mit denen die Überfahrt gemächlich vorangeht und die Seele noch Zeit hat, der Distanz zu folgen. Heute will ich nur eins: schnell vorankommen und Hannes finden. Meine Seele scheint schon vorausgereist zu sein.
Ich werfe mich erschöpft und schweißgebadet auf einen der vielen freien Plätze. Minutenlang starre ich auf das Meer; das vorhin so strahlende Blau wirkt nur noch trostlos grau. Am Horizont werden die Umrisse einer Insel sichtbar, Naxos oder Paros? Ich habe die Orientierung verloren. Meine Gedanken rasen im Tempo des Bootes.
Ist Hannes krank geworden? Hatte er einen Unfall? Kann es wirklich sein, dass Achims Ferienhaus keinen Telefonanschluss hat?

In letzter Minute erwische ich in Parikia den Bus nach Naoussa. Der Fahrer steuert das altersschwache Fahrzeug mit einer Hand über die holperige Landstraße, die andere Hand mit der Zigarette hängt lässig aus dem Fenster. Laute Bouzouki-Klänge dröhnen aus dem Radio und machen es mir nicht leicht, meine wirren Gedanken zu sortieren. Immer wieder sehe ich Hannes vor mir, mit seinem dunklen Wuschelkopf und dem frechen Lachen - ein Mensch mit ewig guter Laune.

In Naoussa steigen mit mir die letzten zwei Fahrgäste aus, Endstation. Über dem staubigen Busplatz flirrt die immer noch heiße Sonne. Niemand wartet. Ich komme mir vor wie ein Luftballon, aus dem ganz langsam die Luft entweicht, fühle mich innerhalb von Stunden um Jahre gealtert, belogen, betrogen, verloren, gedemütigt. Ein Häufchen Elend.

Der Ort scheint überschaubar. Die meisten Läden an der Hauptstraße haben geöffnet. Meinen Rucksack darf ich vorübergehend in einem Kafenion abstellen. Ich frage mich durch, es gibt mehrere deutsche Geschäftsleute.
„Kennt jemand eine Gruppe von deutschen Männern, die hier ein Ferienhaus besitzen? Kennt jemand Achim aus Deutschland?“
Achselzucken, mürrische Antworten, belustigte Blicke. Ich trotte zunehmend genervt von Tür zu Tür.
„Ja, Achim und Hannes hab ich heute Nachmittag getroffen, auf dem Strandfest“, säuselt schließlich ein quirliger deutscher Galeriebesitzer, „aber wo das Ferienhaus ist, weiß ich leider nicht.“
„Heute Nachmittag?“ Meine Stimme überschlägt sich.
Mit süffisantem Lächeln und leicht angehobenen Augenbrauen mustert er mein inzwischen arg lädiertes Äußeres. In einem Spiegel hinter dem Kassentisch sehe ich eine Frau, die unmöglich ich sein kann: Durchgeschwitzt, die am Morgen flott geföhnte Frisur plattgedrückt, die neue Bluse verknittert, der Kopf vor Aufregung und Hitze hochrot.
Bevor ich meinen Rucksack wieder abhole, sinke ich für einige Minuten völlig apathisch auf eine Bank unter dem riesigen Maulbeerbaum im Zentrum. Ein Hotel ist nicht im Budget vorgesehen, aber irgendwo muss ich übernachten. Ich entscheide mich für ein etwas heruntergekommenes kleines Hotel in Hafennähe, das ich mir gerade noch leisten kann.

Unter der heißen Dusche klingt die Anspannung ein wenig ab. Ich lasse das Wasser so lange laufen, bis es endgültig kalt wird – als ob man alle trüben Gedanken damit wegspülen könnte. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich seit Stunden nichts mehr gegessen und getrunken habe.
„Guck doch mal ins ‚Barbarossa‘, in der Bar trifft sich abends alles“, haben mir bei meinem Gang durch den Ort mehrere Leute gesagt. Bestmöglich wieder hergerichtet, zumindest äußerlich, mache ich mich auf den Weg. In der Taverne neben dem ‚Barbarossa‘ schlinge ich eine riesige Portion Moussaka in mich hinein und behalte den Eingang der Bar im Auge.
Eine kleine Flasche Retsina später traue ich mich hinein. Die Bar ist gut besucht, auch zwei deutsche junge Männer, mit denen ich vorhin an der Hotelrezeption kurz gesprochen habe, sitzen dort. Sie winken mich an ihren Tisch.
„Ich brauch erst einmal einen Metaxa.“
„Und vor dem Urlaub ist nichts vorgefallen?“, fragt der Eine, nachdem ich „Ihr glaubt ja nicht, was mir passiert ist …“ in allen Einzelheiten erläutert habe.
„Nee, ich glaub nicht. Na ja, vielleicht doch. Hannes hatte in den letzten Tagen immer weniger Zeit für mich. Ach ja, angerufen hat er am Vorabend vor meiner Abreise auch nicht, obwohl wir das fest vereinbart hatten. Aber ihr kennt ja die schlechten Telefonverbindungen auf den Inseln. Mein Flug war schließlich schon gebucht, hätte ich ihn verfallen lassen sollen? Wisst ihr, so einen Typen wie Hannes findet man nicht jeden Tag.“
Einige Minuten schweigen wir. Zum ersten Mal an diesem Tag versuche ich ehrlich zu mir selbst zu sein.
War nicht ich diejenige gewesen, die den ersten Schritt gemacht und ihn sofort nach dem gemeinsamen Seminar angerufen und ein Treffen vorgeschlagen hatte? Waren unsere Verabredungen nicht meistens von mir initiiert worden?
Mittlerweile ist mir völlig egal, was die Gläser enthalten, die mir ständig neu serviert werden, doch irgendwann brauche ich frische Luft und trete kurz vor die Tür.

Er läuft mir direkt in die Arme: Hannes, mit einem Mann und einer Frau im Schlepptau. Wir erstarren beide. Nervös nestelt er an seiner Brille, seine Augen flackern unruhig. Er kann nicht an mir vorbeigehen, ich versperre ihm den Eingang. Er folgt mir auf meine Bitte zögerlich, wir setzen uns auf die Kaimauer.
„Wo warst du??“
Er habe angeblich mehrfach versucht, mich zu erreichen (was definitiv nicht stimmen kann), er habe die ganze Woche über viel Zeit zum Überlegen gehabt und sei zu dem Schluss gekommen, dass dies für ihn keine zufriedenstellende Beziehung sei.
„Du kommst zu mir, wann immer du Lust hast, mit mir ins Bett zu gehen, du nimmst keine Rücksicht darauf, dass ich Zuhause auch noch was für die Ausschreibung tun muss, die für mich so wichtig ist – das engt mich einfach alles zu sehr ein.“
Er klingt wütend, wahrscheinlich überspielt er damit nur seine Unsicherheit.
„Aber deswegen müssen wir doch nicht gleich die ganze Beziehung beenden! Ich kann warten, bis du wieder mehr Zeit hast!“
Er schüttelt den Kopf.
„Franzi, ich hab, ehrlich gesagt, nie damit gerechnet, dass du tatsächlich nach Paros kommst. Versteh doch endlich, ich will das alles nicht mehr!“
Nicht nur die kleinen Boote an der Kaimauer scheinen plötzlich zu schwanken. Ich kralle meine Hände in den kalten Beton.
„Ich hab gemerkt, dass Achim mir doch mehr bedeutet als ich dachte. Wir haben übrigens schon seit Jahren eine lockere Beziehung.“
Ich schaffe es nicht einmal, ihn rechts und links zu ohrfeigen, weil ich fürchte, dabei ins Wasser zu fallen. Sehe ich da Tränen in seinen Augen?
„Ich kann’s nicht ändern!“
Wir laufen fast eine halbe Stunde lang am Kai auf und ab, ich jammere, ich weine und merke bald selbst, dass ich vor allem alles falsch und mich selbst lächerlich mache.
„Begreif doch endlich, es hat keinen Zweck!“
Er umarmt mich wortlos und verschwindet um die nächste Ecke.

Ich bemühe mich, die Tränen wegzuwischen und mich halbwegs wieder herzurichten, bevor ich in die Bar zurückkehre. Meine neuen Freunde hören mir zum zweiten Mal an diesem Abend geduldig zu. Lange nach Mitternacht torkeln wir, zu Dritt untergehakt, zum Hotel. Auf dem Balkon leeren wir eine weitere Flasche Wein.

Das Erwachen am späten Vormittag ist grauenvoll. Ich habe wenig und sehr unruhig geschlafen. Mückenstiche quälen mich. Der Schädel brummt, der Mund ist ausgetrocknet, und es gab nicht einmal eine Flasche Wasser im Zimmer. Ich kippe ein Glas Leitungswasser hinunter, es schmeckt abgestanden.
Meine Tröster von gestern sind morgens weitergereist. Den Nachmittag verbringe ich am Monasteri-Strand. Mein ganzer Körper schmerzt, ich suche Abkühlung im klaren Wasser der Bucht, döse vor mich hin, kann mich nicht auf das mitgebrachte Buch konzentrieren. Ich weiß nicht, was schmerzhafter ist: Mein Selbstmitleid oder der Ärger über meine Naivität und das blinde Vertrauen in diesen Hallodri.

Am Abend esse ich in der Taverne bei Stavros.
„Darf ich mich dazu setzen?“, spricht mich eine Frau an; sie sitzt schon, ehe ich antworten kann.
„Ich bin Kathrin“, stellt sie sich vor. Ich schätze sie auf etwa Mitte Vierzig und finde sie auf Anhieb sympathisch.
Es dauert nicht lange, bis ich herausfinde, dass sie Hannes und seine Freunde kennt.
„Ja, ich war mit der ganzen Clique gestern bei einem Strandfest und anschließend im Barbarossa. Dann warst du diejenige, die Hannes dort abgefangen hat?“
Ihre Frage scheint harmlos. Belustigt gibt sie zu, dass sie sehr wohl über die Zusammenhänge Bescheid weiß.
„Hannes ist wirklich ein toller Kerl, wir haben uns gestern ausgezeichnet unterhalten. Kann ich verstehen, dass du ganz wild nach ihm bist.“
Ich überhöre das Offensichtliche, nehme nur ihr wohltuendes Verständnis wahr.
Die Fältchen in ihrem Gesicht verraten ein gewisses Alter, aber sie überspielt dies mit ihrer unbekümmerten jugendlichen Art. Ich lasse mich überreden, mit ihr in eine Disco zu gehen.
Nach kurzer Zeit taucht auch Hannes mit seiner Clique auf. Er verzieht das Gesicht, als er mich sieht, will sofort wieder gehen. Ich halte ihn auf, eines muss ich noch wissen:
„Welcher ist denn nun Achim?“
Er deutet auf einen kleinen Dunkelhaarigen. Dessen Kleidung wirkt mehr nachlässig als lässig, die Haare schmierig, seine ganze Erscheinung ziemlich ungepflegt. Ich finde ihn auf Anhieb abstoßend und kämpfe mit einem aufsteigenden Brechreiz bei der Vorstellung, dass Hannes und er …
Sie verschwinden in der Menge.
„Ihr Schwuchteln!“, plärre ich ihnen wie von Sinnen hinterher.
Es ist wieder sehr spät, als ich angetrunken und heulend in mein durchgelegenes Hotelbett falle.

In den folgenden Tagen kümmert sich Kathrin rührend um mich, wir mieten uns Mofas und düsen kreuz und quer über die Insel. Als das Gespräch auch heute auf das unmögliche Verhalten von Hannes und seine Bisexualität kommt, lacht sie.
„Soll ich ihn wieder auf den richtigen Weg bringen, Franziska?“
Mich beschleicht sofort das Gefühl, dass sie es ernst meint.

Da Kathrin am nächsten Tag angeblich verabredet ist, fahre ich allein los und drehe das windige kleine Moped bis zum Anschlag auf. An manchen Abhängen bremse ich erst im letzten Moment, es macht mir Spaß, auf Risiko zu spielen. Aber die Bremsen funktionieren gut. Spätnachmittags kehre ich wohlbehalten zurück, verstaubt und verschwitzt, aber zufrieden mit mir.
Zum ersten Mal seit Tagen beginne ich wieder klarer zu denken.

Am Abend überwinde ich mich und gehe allein in die Disco. Ich will mich amüsieren, zumindest will ich es versuchen. Zu spät merke ich, dass der Typ, dem ich nach Mitternacht auf sein Zimmer folge, ziemlich zugedröhnt ist. Er schläft ein, bevor wir wirklich zur Sache kommen. Die Vögel zwitschern höhnisch, so scheint es mir, als ich im Morgengrauen leise weinend zurück in mein Hotel eile.

Zwei weitere Tage vergehen, in denen ich wie in Schockstarre in Naoussa ausharre. Ein kleines Erlebnis nachmittags am Strand gibt mir dann das Signal zum Aufbruch: Ich sehe Hannes und Kathrin Hand in Hand um eine Klippe verschwinden. Sie könnte fast seine Mutter sein ist alles, was ich in diesem Moment denken kann.

Die erste Fähre bringt mich am nächsten Morgen nach Mykonos. Ich finde schnell ein sauberes, preisgünstiges Zimmer, sogar mit Meerblick. Die restlichen Urlaubstage verdöse ich am Strand, wenigstens Sonnenbräune will ich mit nach Hause nehmen. Abends treibe ich mich in Bars und Discos herum. Ich habe in diesem Urlaub viel verloren, jetzt verliere ich auch noch mich selbst.

„Na, das Wetter war wohl sehr gut. Sie hatten sicher einen schönen Urlaub“, bemerkt ein Kollege, als ich nach zwei Wochen braungebrannt an meinen Arbeitsplatz zurückkehre. Die dunklen Augenringe vom wenigen Schlaf und durchzechten Nächten sind sorgfältig mit Make-up überdeckt. So redselig wie ich mich im Urlaub allen möglichen Leuten anvertraut habe, so schweigsam bin ich nun daheim. Ich werde Zeit brauchen, viel Zeit.
 

Wipfel

Mitglied
Auch meinen Respekt für diese Geschichte. Über einen Satz stolpere ich aber immer wieder uund würde ihn wie folgt umstellen:
Er habe angeblich mehrfach versucht, mich zu erreichen [strike](was definitiv nicht stimmen kann), [/strike][strike]er habe [/strike][blue]und [/blue]die ganze Woche über viel Zeit zum Überlegen gehabt[blue].[/blue][strike] und [/strike][blue]Nun[/blue] sei [blue]er[/blue] zu dem Schluss gekommen, dass dies für ihn keine zufriedenstellende Beziehung sei.
Grüße von wipfel
 

fuuly

Mitglied
Hallo Ciconia,
deine Geschichte liest sich schön flüssig und es liegt eine knisternde Spannung in der Luft, sodass ich erwartungsvoll durchgelesen habe. Ich dachte, gibt es unter frisch Verliebten keine Handys, aber ich war noch nicht in Griechenland vielleicht sind da die Funklöcher größer? Kurze Frage: Schreibt man
„Und vor dem Urlaub ist nichts vorgefallen?“, fragt der Eine
der eine nicht klein? Rechtschreibung ist für mich ein finsteres Tal. Aber zurück zum Schluss der Geschichte, ich dachte doch tatsächlich, jetzt muss der Knall kommen und der dicke Sitznachbar vom Anfang entpuppt sich als Achim, der Lover von Hannes.
Schöne Grüße
fuuly
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Fuuly,

heute kaum noch zu glauben: Es gab mal eine Zeit ohne Handys. Ich meinte dies durch die „kleine Propeller-Maschine von Olympic Airways“, die vielen Rucksackreisenden, den Hinweis auf alte Fähren und den altersschwachen Bus deutlich gemacht zu haben, aber vielleicht habe ich da zu viel vorausgesetzt. Ich war zwar selbst schon lange nicht mehr auf griechischen Inseln, aber ich glaube, all das sind Relikte aus einer vergangenen Zeit. Im Handy-Zeitalter hätte diese Geschichte sicher nicht funktioniert.

Die Großschreibung von „der Eine“ ist meines Erachtens erlaubt, wenn ich die etwas verwirrenden Rechtschreibregeln richtig deute.
jetzt muss der Knall kommen
Ja, das wäre ein Knaller gewesen – aber ich denke, gerade eine Erzählung kann ganz gut ohne auskommen.

Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren. Ich wünsche Dir viel Spaß und Erfolg in der Leselupe!

Gruß Ciconia
 

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