Welch ein Fortschritt

Anonym

Gast
Welch ein Fortschritt

Die Entwicklung der Sexualität erfolgt nach Freud in zwei Etappen. In der ersten wird das Kind von der oralen, narzisstischen, analen und ödipalen Phase gebeutelt. Glücklicherweise gönnt er ihm ab etwa dem fünften Lebensjahr eine Ruhezeit, eine „Latenzperiode“.
Mit zwölf ist Schluss mit lustig, die zweite Etappe beginnt, die „genitale Phase“ bemächtigt sich ihres Objektes und mit aller Macht brechen die Triebe aus.
Hier nun kommt es im Laufe der Jahre – ansatzweise bei werdenden, insbesondere aber bei gewordenen – Journalisten, Schriftstellern, Politikern und anderen hysterisch-neurotisch strukturierten Persönlichkeiten, zu einer Wiederholung der durchlittenen kindlichen Phasen. Allerdings ohne geordnete zeitliche Abfolge und mit manchmal mehr als einer dominierenden Phase gleichzeitig.
So gibt es Déjà-vu-Erlebnisse, in denen offenkundig eine grundsätzlich banale – manchmal auch: fatale, schale oder geistig-kahle – Phase, und zwar zusammen mit einer blödipalen, in die Latenz gedrängt wird, indem eine narzisstische Phase sich selbstherrlich in den Vordergrund stellt, soweit, dass gar die orakelnde Phase zur Marginalie gerät.
Wenn der normal-gesunde, also sexuell frustrierte, also verklärt-traumtänzelnde psychopathische Durchschnittspatient zu Freuds Zeiten in Luftschiffen, Schlangen, Krawatten, Hämmern, Flinten, Dolchen, Schirmen etc. zwangsläufig Penis-Symbole sah, und, analog dazu, in Höhlen, Schiffen, Dosen, Schachteln, Kästen, Schränken, Öfen etc. getarnte Vaginen, geschieht Ähnliches beim heutigen Geistesarbeiter. Auch er wittert hinter fast jedem Gesichtszug ein Symbol.

Nur hat er es gelernt, sofort, direkt und unhörbar zu reflektieren: Sackgesicht!, denkt er. Oder: Fotze, verdammte!

Ich denke: Welch ein Fortschritt!
 

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