Wenn ich wüsste (gelöscht)

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Architheutis

Gast
Liebe Ciconia,

lyrische Prosa, prosaische Lyrik - ich weiß, die Grenzen sind fließend. Dein Text bewegt sich wohl in dieser Grauzone. Ich kann es nicht entscheiden.

Die ersten beiden Strophen sind eigentlich zu schön, aber was wäre, wenn Du sie streichtest, als Entwurf für zB Kurzprosa aufbewahrtest?

Es bliebe:

[blue]Wenn ich wüsste,
dass mir nicht mehr viel Zeit bliebe,
könnte ich mich nicht entscheiden.
Ich wartete wohl bei dir.[/blue]

Für mich ists Lyrik in Reinform, ists Textverdichtung, ist schön genug.

Das könnte hier noch spannend werden. ;-)

Lieben Gruß,
Archi
 

revilo

Mitglied
...zu viel konjunktiv.....wirkt daher eher fade....archi´s Vorschlag schließe ich mich an....

Lg revilo
 

Ciconia

Mitglied
Danke, lieber Archi, dass Du Dir die Zeit für einen Kommentar genommen hast. Ein interessanter Ansatz, den Du da bringst, aaaaber ..

Was wäre, wenn ich die ersten beiden Strophen streichen würde? Wäre dann noch erkennbar, dass es mehrere Alternativen gibt, zwischen denen Lyrich sich entscheiden könnte? Wäre dann noch erkennbar, dass weder die Kälte des Nordens noch die Wärme des Südens so viel Trost spenden könnten wie das „Du“? Ich denke nicht.

Was lyrische Prosa / prosaische Lyrik angeht: Ich kenne die Grenzen nicht, ich sehe nur, dass hier auch sehr lange Texte als ungereimte Lyrik behandelt werden. Warum also nicht dieser Text? Für eine Kurzprosa scheint er mir eher nicht geeignet.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo revilo,

nur wegen des Konjunktivs fade? Hm, ich weiß nicht ...

Ansonsten: siehe Kommentar an Archi

Gruß Ciconia
 
A

Architheutis

Gast
Ich nochmal, mit folgendem Kompromissvorschlag:


[blue]Wenn ich wüsste,
dass mir nicht mehr viel Zeit bliebe,
würde ich das Schiff nach Norden nehmen,
schwere Gedanken vom eisigen Wind verjagen lassen,
die Aussicht auf schneeweiße Gipfel erhellte mein dunkles Gemüt,
würde den Zug nach Süden nehmen,
meine todkranke Seele von der gleißenden Sonne bestrahlen lassen,
der Anblick sattgrüner Täler weitete meinen trüben Blick,
doch könnte ich mich entscheiden?
Ich wartete wohl bei dir.
[/blue]

Ich kann Dir auch nicht gewiss sagen, obs noch Lyrik ist. Ich denke, es ist Lyrik.

In meinem Entwurf habe ich den Konjukntiv zu entschärfen versucht, denn er stört mich ebenfalls.

Schau einfach mal, vielleicht kommt jemand mit einer besseren Idee um die Ecke.

Lieben Gruß,
Archi
 

revilo

Mitglied
..es geht mir nicht um die Abgrenzung von Prosa und Lyrik, sondern um den Stil....die letzte Strophe ist wirklich gut, wird aber von dem Rest "aufgefressen"...schade....aber es ist natürlich Dein Gedicht.....

Lg revilo
 

Ciconia

Mitglied
Danke, Archi und revilo,

ich werde mal über einen Kompromiss nachdenken. Nicht ganz so minimalistisch, dass nur die letzte Strophe bleibt, aber ohne einen Großteil des konjunktivischen "Wasserkopfs". Vielleicht fällt mir was ein. :confused:

Gruß Ciconia
 

revilo

Mitglied
ich hab hier halt den Ruf eines Minimalisten....lass Dich nicht entmutigen...schon gar nicht von mir :D....

LG revilo
 

Ciconia

Mitglied
An Mut fehlt es mir eigentlich nicht, lieber revilo ... :D
Aber in diesem Fall warte ich noch auf die Eingebung ... oder, wie Archi sagte
vielleicht kommt jemand mit einer besseren Idee um die Ecke
.
Gruß von der ratlosen Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Eigentlich mochte ich ja meine Konjunktive, aber weil diese anscheinend nicht den Lesergeschmack treffen, habe ich nun folgende Variante ins Auge gefasst:

Wenn ich wüsste,
dass mir nicht mehr viel Zeit bliebe,
würde ich ein letztes Mal meine Koffer packen.
Doch könnte ich mich für Norden oder Süden entscheiden?
Ich wartete wohl bei dir.

Wäre das besser?

Gruß Ciconia
 

ENachtigall

Mitglied
Hallo Ciconia,

ein kleiner Zeitfehler ist drin:

"Wenn ich wüsste, dass mir nicht mehr viel Zeit bleibt (statt bliebe), ..."

Anders wäre es bei: "Falls mir nicht mehr viel Zeit bliebe, ..."

Sicher kennst Du das Zitat: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen". Dieser Satz hat den gleichen Aufbau wie Deiner.

LG

Elke
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Elke,

danke für Deinen Kommentar, mit dem Du mich ein wenig verunsicherst. Ich meine, es handelt sich hier um einen „irrealen Bedingungssatz“, bei dem immer der Konjunktiv II anzuwenden ist.

Was das „Apfelbäumchen“ betrifft: Der Martin Luther zugeschriebene Ausspruch lautet „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge ...“, er wird so auch in Hoimar von Ditfurths „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“ zitiert.

Aber hundertprozentig sicher bin ich mir wirklich nicht, vielleicht kannst Du mich ja noch von Deiner Version überzeugen.

Gruß Ciconia
 

Label

Mitglied
Liebe Ciconia

ich empfinde deinen Text als sehr poetisch
die Gedanken schaffen eine filigrane, ja zärtliche Atmosphäre, das gefällt mir gut.

Ich bin mit dir der Meinung dass der Konjunktiv II erforderlich ist.
Da der Konjunktiv inzwischen von vielen Menschen als umständlich und sogar steif aufgefasst wird, hier ein Vorschlag dem entgegenzuwirken:


Wenn ich wüsste,
dass mir nicht mehr viel Zeit bliebe,

nähme ich ein Schiff nach Norden
damit die Aussicht auf schneeweiße Gipfel mein dunkles Gemüt erhellt
und der eisige Nordwind meine schweren Gedanken verjagt

oder ich nähme den Zug nach Süden
um die gleißende Sonne meine todkranke Seele bestrahlen zu lassen,
und der Anblick sattgrüner Täler weitete meine trüben Sinne.

Wenn ich wüsste,
dass mir nicht mehr viel Zeit bliebe,
könnte ich mich nicht entscheiden.
Ich wartete wohl bei dir.


vielleicht kannst du damit etwas anfangen.

Dir einen lieben Gruß
Label
 

Ciconia

Mitglied
Liebe Label,

herzlichen Dank für die Beschäftigung mit meinem Text und Deinen Vorschlag, der mich ein Stückchen weiter gebracht hat.
Ich habe nun die Wiederholung in der 2. Strophe herausgenommen und einiges umgeschrieben, d.h. Konjunktiv-bereinigt.

Ich hoffe, dass es so ein wenig "leichter" geworden ist.

Lieben Gruß
Ciconia
 

Zeder

Administrator
Teammitglied
Hallo Ciconia,

noch ein Vorschlag:

Wenn ich wüsste,
dass mir nicht mehr viel Zeit bliebe,
würde ich das Schiff nach Norden nehmen,
oder den Zug nach Süden

Wenn ich wüsste,
dass mir nicht mehr viel Zeit bliebe,
wartete ich wohl bei dir.


Grüße von Zeder
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Zeder,

herzlichen Dank auch für Deinen Vorschlag. Eine ähnliche Version hatte ich zwischenzeitlich auch schon mal angedacht, dann aber doch wieder verworfen, weil sie mir zu komprimiert und nicht aussagekräftig genug erschien für das, was ich mit diesem Text wirklich ausdrücken wollte.

Lieben Gruß und schönen Sonntag
Ciconia

Ich lasse es jetzt mal bei der gestern geänderten Fassung und danke noch einmal allen, die sich mit diesem Text befasst haben. Ich weiß das sehr zu schätzen.
 

Ciconia

Mitglied
Mit dem Abstand einiger Wochen schien mir der Ursprungstext nun doch ein wenig zu "plüschig". Ich habe ihn deshalb (dank Eurer Ideen) auf ein für mich vertretbares Minimum geschrumpft.

Ciconia
 
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