Wie gewohnt beim alten Treffpunkt

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Seit langem telefonierten wir mal wieder miteinander. Es war schön deine Stimme zu hören. Du fragtest, ob ich mich noch an unser letztes Spiel erinnerte. Ich bejahte dies und du fordertest mich erneut auf das Spiel zu spielen.
Wir trafen uns oft an ungewöhnlichen Plätzen, doch das war es gerade, was uns antörnte.
Für 21 Uhr verabredeten wir uns und ich fuhr aufgeregt auf dem Parkplatz vor dem Treffpunkt. Ich schloss den BMW ab und erblickte dich nach kurzer Zeit. Als sich unsere Blicke trafen, warst du mir gleich wieder vertraut, als hätten wir uns erst gestern getrennt.
Du hattest lange, schwarze Lederstiefel und einen taillierten Mantel an. Dein rotes Haar, einer lodernden Flamme gleich, hing offen, in einer wilden Mähne, wie die des Löwen, auf deinen Schultern. Deine grauen Augen funkelten mich an, doch ich hatte keine Angst, den ich bin dieses mal der Jäger, der seine Waffe immer griffbereit dabei hat.
Eigentlich hätte ich dich gerne eine Weile taxiert, doch du entschlüpftest mir schon aus dem Blickfeld. Ich setzte mich in aller Ruhe in Bewegung, denn als guter Jäger, weiß man, wie man Fährten lesen muss. Deine Duftmarke war unverkennbar und so folgte ich meiner Nase. Ich kam vorbei am Schokoregal, vollgestopft mit Leckereien, welches mich fast zum Aufgeben brachte, denn sie wusste ganz genau, dass ich Schokolade über alles liebte, das Biest. Doch mein Jagdinstinkt trieb mich weiter, vorbei am Getränkestand, den Backwaren bis hin zu den Waschlotionen.
Keine Spur von dir, doch so leicht gebe ich nicht auf. Ich lief den Weg zurück und siehe da, fand ich ein Strumpfband von dir. Ich hob es auf und roch daran. Es duftete nach dir und der Geruch entsicherte meine Waffe, also war Vorsicht geboten. Vorbei an der Käsetheke entdeckte ich ein paar schwarze Seidenstrümpfe, auch diese verstaute ich sorgfältig.
Als ich an der Ecke des Biotresen stand, erhaschte ich einen Blick von dir und meine Pupillen weiteten sich. Vorsichtig schlich ich mich an die begehrte Trophäe heran, doch als ich dort ankam, warst du schon längst weitergezogen. Als Trostpflaster fand ich deinen BH. Er hing über einem Glas Pfefferschoten. Ich nahm ihn an mich und verstaute auch diesen. Du triebst mich noch ein Weilchen in die Irre, doch dann machtest du einen Fehler und ließt dein Höschen zurück. Wohlwollend nahm ich die Fährte auf und ich wusste, meine Waffe war geladen, bereit zum Abschuss. Es gab nur noch eine Möglichkeit, ich wusste dass ich dich in die Enge getrieben hatte, es gab kein entrinnen. In der „Oase“, dem Pflanzenstand, entdeckte ich dich. Wie eine verschreckte Katze, fauchtest du mich an, dabei öffnete sich der Mantel und deine ganze Schönheit kam zum Vorschein. Die Jagd hatte ein Ende. Ich näherte mich dir und meine Waffe sprang aus dem Halfter, um dich in den Yuccapalmen hart zu nehmen. Endlich hatte ich die begehrte Trophäe. Das Raubtier in dir wurde plötzlich ganz zahm und fraß mir aus der Hand. Du sagtest: „Wie gut, dass ich hier die Geschäftsführerin bin“ und wedeltest mit dem Eingangsschlüssel.
 

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