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Ciconia

Mitglied
Die halbe Flasche Wein nach Mitternacht war wohl doch zu viel, denkt Achim, als er sich am späten Vormittag mit schmerzendem Kopf aus dem Bett hievt. Aber er lässt ungern eine angebrochene Flasche bis zum nächsten Tag stehen, der Wein schmeckt dann einfach nicht mehr. Außerdem kann man am Wochenende ruhig mal ein Gläschen mehr trinken.

Langsam zieht er die Vorhänge auf. Die grelle Sonne blendet ihn, unwillkürlich kneift er die Augen zusammen. Allmählich könnte sich der Sommer verabschieden, wenn es nach ihm ginge. Er schlurft missmutig auf seinen kleinen Balkon, der glücklicherweise um diese Tageszeit noch im Schatten liegt, zündet sich eine Zigarette an und versucht sich zu erinnern, was er gestern Abend im Kurzgeschichten-Forum veröffentlicht hat. Meistens kommen ihm am späten Abend die besten Ideen. In letzter Zeit musste er sich aber immer öfter eingestehen, dass ein nochmaliges Korrigieren am nächsten Morgen dem Text ganz gut getan hätte.

Nach dem Duschen und einem starken Kaffee fühlt er sich besser. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, heute mal wieder eine Runde zu joggen, aber bei der Hitze? Außerdem gibt es sicher viele interessante Neuigkeiten im Forum.

Achim loggt sich ein, überfliegt die neuesten Beiträge (auch andere Mitglieder schienen nachts die vermeintlich besten Ideen zu haben) und konzentriert sich bei der nächsten Zigarette noch einmal auf seinen eigenen mitternächtlichen Text. Sooo schlecht liest sich der gar nicht, aber einige kleine Flüchtigkeitsfehler waren dann doch der späten Stunde geschuldet. Er bessert hier und da einige Formulierungen aus, ärgert sich (nur ganz kurz!), dass sein Beitrag bisher nicht öfter angeklickt wurde, und versendet die korrigierte Fassung.

Noch eine Zigarette, und Achim ist endlich wieder in Bestform. Er beschließt, die Idee, die ihm letzte Nacht noch kurz vor dem Einschlafen durch den Kopf ging, noch heute zu einer neuen Geschichte zu verarbeiten, und beginnt zu schreiben.

Achims Begeisterung für diese wirklich brillante Handlung steigt mit jeder Zeile. Er feilt konzentriert an seinen Formulierungen und vergisst dabei völlig die Zeit. Erst als er irgendwann hungrig wird, nimmt er wahr, dass schon später Nachmittag sein muss. Eine Pizza vom Lieferservice wäre jetzt gerade recht. Geliefert wird wie immer prompt, und Achim verdrückt die Pizza gleich am Schreibtisch, dazu genehmigt er sich ein erstes Gläschen Wein. Heute will er sich aber mit dem Alkohol etwas zurückhalten und auf jeden Fall früher schlafen gehen.

Als er nach dem Essen auf eine Zigarettenlänge hinaustritt, stellt er fest, dass die Wärme erträglicher geworden ist. Vielleicht sollte er wenigstens noch einen kleinen Spaziergang machen und dabei auch gleich Zigaretten mitbringen. Achim kann überhaupt nicht verstehen, dass Leute den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbringen und vom Leben draußen kaum noch etwas mitbekommen. Zum Beispiel seine Schwester, diese naive Gans! Sie ist ein hoffnungsloser Fall von Internetsucht. Was der neulich übrigens passiert ist… so etwas würde es bei ihm nie geben. Sie hatte doch tatsächlich einen Mann über ein Internet-Forum kennengelernt und sich mit ihm getroffen. Leider passten das Foto des Mannes und sein wahres Aussehen nicht so recht zusammen, und Achim musste sich wieder tagelang ihr Gejammer am Telefon anhören. Er selbst hält grundsätzlich mehr Abstand zu seinem Forum, er gibt auch niemals persönliche Daten preis.

Der Spaziergang tut ihm gut, weitere Ideen für den Fortgang seiner Geschichte schießen ihm durch den Kopf. Er setzt sich anschließend sofort wieder an den Schreibtisch und schreibt weiter.

Ein paar Gläschen Wein und zwei Stunden später ist die Geschichte fertig. Achim ist sehr zufrieden mit seinem neuesten Werk. Mit dem Absenden will er sich diesmal Zeit lassen, zuvor möchte er noch die neuesten Beiträge im Forum lesen.

Es hat sich doch tatsächlich jemand erdreistet, Achims gestrige Geschichte, die er mittags so sorgfältig überarbeitet hatte, ziemlich herablassend zu kommentieren. Darauf muss er diesem Wichtigtuer gleich noch antworten. Wohltuend ist dagegen diese nette Jungredakteurin. Sie hat seinen Text wie immer mit sehr blumigen Worten gewürdigt. Die Dame würde er ganz gerne mal kennenlernen. Ob er ihr das vorschlagen sollte? Vielleicht könnte sie ihm noch ein paar Tipps geben!

Je länger Achim darüber nachdenkt, desto reizvoller erscheint ihm seine Idee. Vor lauter Begeisterung öffnet er doch noch eine Flasche Wein. Er träumt längere Zeit vor sich hin, überfliegt den neuen Text noch einmal flüchtig und schickt ihn dann ab. Der wird bestimmt einschlagen wie eine Bombe, davon ist er felsenfest überzeugt!

Achim schaltet den PC aus und räumt die zwei leeren Flaschen in die Abstellkammer. Der Wecker zeigt 1.47 Uhr, als bei ihm endlich das Licht ausgeht.
 

Paloma

Mitglied
Hallo Ciconia,

wenn du deinen Protagonisten als einen selbstgefälligen Hobbyautor darstellten wolltest, der mal eben schnell, möglichst noch betrunken, etwas runterschreibt – Flüchtigkeitsfehler als „nicht so schlimm“ ansieht, seine Texte abschickt und auf Applaus wartet, dann ist dir das gelungen. Er ist megaunsympathisch. Leider gibt es solche Schreiberlinge auch in der Realität, zum Glück kommen sie nicht so allzu häufig vor.
Inhaltlich hast du das schön wiedergegeben – für mich ist das Trash im positiven Sinn.

Die Umsetzung finde ich handwerklich nicht so gelungen. Ich würde dir empfehlen, deinen Text noch mal auf Adjektive zu untersuchen und das ein oder andere – oder auch sehr viele – durch Handlung zu ersetzen.

Einige Sätze würde ich umformulieren, z. B.

Als er nach dem Essen auf eine Zigarettenlänge hinaustritt,
das ist ungenau – wo tritt er denn hin?

oder

Was der neulich übrigens passiert ist… so etwas würde es bei ihm nie geben. Sie hatte doch tatsächlich einen Mann über ein Internet-Forum kennengelernt und sich mit ihm getroffen.
Mal davon abgesehen, dass vor den ... ein Leerzeichen kommt, denke ich mal, er wird wohl auch keinen Mann im Netz suchen, zumindest gibt es keinen Hinweis darauf, dass er homosexuell ist.

Außerdem sind in deinem Text sehr, sehr viele Füllwörter – da könntest du bequem auf mindesten 2/3 verzichten.

Ich meine, es lohnt sich dran zu bleiben.

Liebe Grüße
Paloma
 
U

USch

Gast
Hallo Ciconia,
ich finde im Gegensatz zu Paloma, dass die Füllwörter zu der Geschichte passen. Der sehr unsympathische Protagonist füllt sich ja auch ab - mit Alkohol. So findet sich im Text dieser Aspekt analog wieder, so als wenn du gerade der Schreiber/die Schreiberin bist. Das hat was.
LG USch
 

Ciconia

Mitglied
Die halbe Flasche Wein nach Mitternacht war wohl doch zu viel, denkt Achim, als er sich am späten Vormittag mit schmerzendem Kopf aus dem Bett hievt. Aber er lässt ungern eine angebrochene Flasche bis zum nächsten Tag stehen, der Wein schmeckt dann einfach nicht mehr. Außerdem kann man am Wochenende ruhig mal ein Gläschen mehr trinken.

Langsam zieht er die Vorhänge auf. Die grelle Sonne blendet ihn, unwillkürlich kneift er die Augen zusammen. Allmählich könnte sich der Sommer verabschieden, wenn es nach ihm ginge. Er schlurft missmutig auf seinen kleinen Balkon, der glücklicherweise um diese Tageszeit noch im Schatten liegt, zündet sich eine Zigarette an und versucht sich zu erinnern, was er gestern Abend im Kurzgeschichten-Forum veröffentlicht hat. Meistens kommen ihm am späten Abend die besten Ideen. In letzter Zeit musste er sich aber immer öfter eingestehen, dass ein nochmaliges Korrigieren am nächsten Morgen dem Text ganz gut getan hätte.

Nach dem Duschen und einem starken Kaffee fühlt er sich besser. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, heute mal wieder eine Runde zu joggen, aber bei der Hitze? Außerdem gibt es sicher viele interessante Neuigkeiten im Forum.

Achim loggt sich ein, überfliegt die neuesten Beiträge (auch andere Mitglieder scheinen nachts die vermeintlich besten Ideen zu haben) und konzentriert sich bei der nächsten Zigarette noch einmal auf seinen eigenen mitternächtlichen Text. Sooo schlecht liest sich der gar nicht, aber einige kleine Flüchtigkeitsfehler waren offensichtlich der späten Stunde geschuldet. Er bessert hier und da einige Formulierungen aus, ärgert sich (nur ganz kurz!), dass sein Beitrag bisher nicht öfter angeklickt wurde, und versendet die korrigierte Fassung.

Noch eine Zigarette, und Achim ist endlich wieder in Bestform. Er beschließt, die Idee, die ihm letzte Nacht kurz vor dem Einschlafen durch den Kopf ging, gleich heute zu einer neuen Geschichte zu verarbeiten, und beginnt zu schreiben.

Achims Begeisterung für diese wirklich brillante Handlung steigt mit jeder Zeile. Er feilt konzentriert an seinen Formulierungen und vergisst dabei völlig die Zeit. Erst als er irgendwann hungrig wird, nimmt er wahr, dass schon später Nachmittag sein muss. Eine Pizza vom Lieferservice wäre jetzt gerade recht. Geliefert wird wie immer prompt, und Achim verdrückt die Pizza gleich am Schreibtisch, dazu genehmigt er sich ein erstes Gläschen Wein. Heute will er sich aber mit dem Alkohol etwas zurückhalten und auf jeden Fall früher schlafen gehen.

Als er nach dem Essen auf dem Balkon eine weitere Zigarette raucht, stellt er fest, dass die Wärme erträglicher geworden ist. Vielleicht sollte er wenigstens einen kleinen Spaziergang machen und dabei auch gleich Zigaretten mitbringen. Achim kann überhaupt nicht verstehen, dass Leute den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbringen und vom Leben draußen kaum noch etwas mitbekommen. Zum Beispiel seine Schwester, diese naive Gans! Sie ist ein hoffnungsloser Fall von Internetsucht. Was der neulich übrigens passiert ist ... so etwas würde es bei ihm nie geben. Sie hatte doch tatsächlich jemanden über ein Internet-Forum kennengelernt und sich mit ihm getroffen. Leider passten das Foto des Mannes und sein wahres Aussehen nicht so recht zusammen, und Achim musste sich wieder tagelang ihr Gejammer am Telefon anhören. Er selbst hält grundsätzlich mehr Abstand zu seinem Forum, er gibt auch niemals persönliche Daten preis.

Der Spaziergang tut ihm gut, weitere Ideen für den Fortgang seiner Geschichte schießen ihm durch den Kopf. Er setzt sich anschließend sofort wieder an den Schreibtisch und schreibt weiter.

Ein paar Gläschen Wein und zwei Stunden später ist die Geschichte fertig. Achim ist sehr zufrieden mit seinem neuesten Werk. Mit dem Absenden will er sich diesmal Zeit lassen, zuvor möchte er die neuesten Beiträge im Forum lesen.

Es hat sich doch tatsächlich jemand erdreistet, Achims gestrige Geschichte, die er mittags so sorgfältig überarbeitet hatte, ziemlich herablassend zu kommentieren. Darauf muss er diesem Wichtigtuer sofort antworten. Wohltuend ist dagegen diese nette Jungredakteurin. Sie hat seinen Text wie immer mit sehr blumigen Worten gewürdigt. Die Dame würde er ganz gerne mal kennenlernen. Ob er ihr das vorschlagen sollte? Vielleicht könnte sie ihm ein paar Tipps für seine Texte geben!

Je länger Achim darüber nachdenkt, desto reizvoller erscheint ihm seine Idee. Vor lauter Begeisterung öffnet er eine weitere Flasche Wein. Er träumt längere Zeit vor sich hin, überfliegt den neuen Text noch einmal flüchtig und schickt ihn dann ab. Der wird bestimmt einschlagen wie eine Bombe, davon ist er felsenfest überzeugt!

Achim schaltet den PC aus und räumt die zwei leeren Flaschen in die Abstellkammer. Der Wecker zeigt 1.47 Uhr, als bei ihm endlich das Licht ausgeht.
 

Ciconia

Mitglied
Danke für die Kommentare!

Ich glaube, man muss gar nicht so viel hineininterpretieren.

selbstgefälligen Hobbyautor
Er ist megaunsympathisch
So unsympathisch wollte ich Achim gar nicht darstellen. Ich dachte eher an einen etwas schwachen Menschen mit Selbstüberschätzung und guten Vorsätzen, der jeden Tag wieder genau daran scheitert. Da ist es eher nebensächlich, dass er zufällig "Hobbyautor" ist, er würde mit seinen Charakterzügen auch in anderen Bereichen dassselbe erleben.

Ich habe Kleinigkeiten im Text geändert und versucht, einige leidige Füllwörter loszuwerden.

@ USch: Danke für Deine Interpretation der Füllwörter! Ich nehme an, sie war nicht ernst gemeint?!?

@ Petra: Könntest Du mir bitte auf die Sprünge helfen, wie Dein Satz zu verstehen ist?

Danke und Gruß
Ciconia
 

petrasmiles

Mitglied
Gerne, ich finde, dass Dein Protagonist nur um sich selbst kreist, und was er dabei erlebt, ist für mich nicht tragend.

Ich möchte klar stellen, dass Du nichts 'falsch' machst. Du willst ja einen solchen Menschen beschreiben und machst das auch anschaulich. Und auch diese uneingelösten, halb ernst gemeinten Versprechungen an sich selbst tragen zu der Anschaulichkeit einer im Grunde traurigen Existenz bei.
Mich persönlich interessieren nur solche Menschen nicht, und ich käme nicht auf die Idee, über sie in dieser Form zu schreiben. Sehr wahrscheinlich eine Temperamentsfrage.
Mehr wollte ich mit meinem Kommentar nicht zum Ausdruck bringen.

Liebe Grüße
Petra
 

Ciconia

Mitglied
... und ich dachte, in jedem von uns steckt so ein bißchen Achim ...

Danke für die Erklärung, Petra!

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Die halbe Flasche Wein nach Mitternacht war wohl doch zu viel, denkt Achim, als er sich am späten Vormittag mit schmerzendem Kopf aus dem Bett hievt. Aber er lässt ungern eine angebrochene Flasche bis zum nächsten Tag stehen, das Zeug schmeckt dann einfach nicht mehr. Außerdem kann man am Wochenende ruhig mal ein Glas mehr trinken.

Langsam zieht er die Vorhänge auf. Die grelle Sonne blendet ihn, unwillkürlich kneift er die Augen zusammen. Allmählich könnte sich der Sommer verabschieden, wenn es nach ihm ginge. Er schlurft missmutig auf seinen kleinen Balkon, der glücklicherweise um diese Tageszeit noch im Schatten liegt, zündet eine Zigarette an und versucht sich zu erinnern, was er gestern Abend im Kurzgeschichten-Forum veröffentlicht hat. Meistens kommen ihm am späten Abend die besten Ideen. In letzter Zeit musste er sich allerdings des Öfteren eingestehen, dass ein nochmaliges Korrigieren am nächsten Morgen dem Text ganz gut getan hätte.

Nach dem Duschen und einem starken Kaffee fühlt er sich besser. Eigentlich wollte er heute mal wieder eine Runde joggen, aber bei der Hitze? Außerdem gibt es sicher viele interessante Neuigkeiten im Forum.

Achim loggt sich ein, überfliegt die neuesten Beiträge (auch andere Mitglieder scheinen nachts die vermeintlich besten Einfälle zu haben) und konzentriert sich bei der nächsten Zigarette noch einmal auf seinen eigenen mitternächtlichen Text. Sooo schlecht liest sich der gar nicht, nur einige Flüchtigkeitsfehler waren offensichtlich der späten Stunde geschuldet. Er bessert hier und da ein wenig aus, ärgert sich (nur ganz kurz!), dass sein Werk bisher nicht öfter angeklickt wurde, und versendet die korrigierte Fassung.

Noch eine Zigarette, und Achim ist endlich wieder in Bestform. Er beschließt, die Idee, die ihm letzte Nacht kurz vor dem Einschlafen durch den Kopf ging, gleich heute zu einer neuen Geschichte zu verarbeiten, und beginnt umgehend zu schreiben.

Achims Begeisterung für diese wirklich brillante Handlung steigt mit jeder Zeile. Er feilt angespannt an seinen Formulierungen und vergisst dabei völlig die Zeit. Erst als er irgendwann hungrig wird, nimmt er wahr, dass schon später Nachmittag sein muss. Eine Pizza vom Lieferservice wäre jetzt gerade recht. Geliefert wird wie immer prompt, und Achim verdrückt die Pizza gleich am Schreibtisch, dazu genehmigt er sich ein erstes Gläschen Wein. Heute will er sich aber mit dem Alkohol zurückhalten und auf jeden Fall früher schlafen gehen.

Nach dem Essen, bei einer weiteren Zigarette auf dem Balkon, stellt er fest, dass die Wärme erträglicher geworden ist. Vielleicht sollte er einmal um den Block gehen und dabei auch gleich Zigaretten mitbringen. Achim kann überhaupt nicht verstehen, dass Leute den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbringen und vom Leben draußen kaum noch etwas mitbekommen. Zum Beispiel seine Schwester, diese naive Gans! Sie ist ein hoffnungsloser Fall von Internetsucht. Was der neulich passiert ist ... Sie hatte jemanden im Internet kennengelernt und sich mit ihm getroffen. Leider passten das Foto des Mannes und sein wahres Aussehen nicht so recht zusammen, und Achim musste tagelang ihr Gejammer am Telefon anhören. Er selbst hält grundsätzlich mehr Abstand zu seinem Forum, er gibt niemals persönliche Daten preis.

Der kleine Spaziergang tut ihm gut, unterwegs kommen ihm weitere Ideen für den Fortgang seiner Geschichte. Er setzt sich Zuhause sofort wieder an den PC und schreibt weiter.

Ein paar Gläser Wein und zwei Stunden später ist der Text fertig. Achim ist sehr zufrieden mit seinem neuesten Werk. Mit dem Absenden will er sich diesmal Zeit lassen, zuvor möchte er die aktuellen Kommentare lesen.

Das gibt’s doch nicht! Jemand erdreistet sich, Achims gestrigen Beitrag, den er mittags so sorgfältig überarbeitet hatte, ziemlich herablassend zu besprechen. Darauf muss er diesem Wichtigtuer sofort antworten. Wohltuend ist dagegen diese nette Jungredakteurin. Sie hat seinen Text wie immer mit sehr blumigen Worten gewürdigt. Die Dame würde er ganz gern mal kennenlernen. Ob er ihr das vorschlagen sollte? Vielleicht könnte sie ihm ein paar Tipps geben!

Je länger Achim darüber nachdenkt, desto reizvoller erscheint ihm seine Idee. Beschwingt öffnet er eine weitere Flasche. Er träumt eine Weile vor sich hin, liest das Geschriebene ein letztes Mal flüchtig durch und schickt es dann ab. Das wird einschlagen wie eine Bombe, davon ist er felsenfest überzeugt!

Achim schaltet den PC aus und räumt die zwei leeren Flaschen in die Abstellkammer. Der Wecker zeigt 1.47 Uhr, als endlich das Licht ausgeht.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo KaGeb,

schön, dass Du diese ältere Geschichte (eine meiner ersten) gefunden hast. Von einem Redakteur hätte ich allerdings erwartet, dass er eine Bewertung, die weit unterhalb des Durchschnitts liegt, auch begründet. Oder ging es hier vielleicht gar nicht so sehr um den Text?

Gruß Ciconia
 

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