Winternachmittag (Haiku) (gelöscht)

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Ciconia

Mitglied
Hmm … ein Haiku aus nur zwei Zeilen, das hätte ich mich nie getraut. Die Kälte gehört in diesem Fall für mich dazu. Oder meinst Du, Walther, dass mit dem Wort Scherenschnitt schon genügend Starre ausdrückt ist? Ich denke drüber nach …

Gruß Ciconia
 

Walther

Mitglied
hi Ciconia,

man kann heute alles tun - aber man sollte die grundelemente des haiku erfüllen. die stehen ziemlich gut beschrieben hier: http://deutschehaikugesellschaft.de/haikulexikon/uber-haiku/

ja, das wort "Scheerenschnittwäldchen" - wunderbar übrigens, herzl. glückwunsch - enthält das meiste; die kälte braucht es eigentlich nicht mehr, um ein ganzes feuer an assoziationen zu erzeugen.

lg w.
 

wüstenrose

Mitglied
Halli Hallo,
deine Version, Ciconia, hat mich beim ersten Lesen angesprochen.
Ab und an verfolge ich, was sich in der "Haiku-Ecke" tut.
Walthers Gedanken finde ich nun spannend, sie sind geeignet, auch den Horizont desjenigen zu weiten, der hier eben mal vorbeischaut.

Ja, ich bin jetzt sozusagen gespannt, wie das Abwägen ausgeht und ganz nebenbei dieser Form ein klein wenig näher gekommen.

lg wüstenrose
 

Ciconia

Mitglied
Hallo wüstenrose,

ja, das ist jetzt für mich sehr schwierig. Ich zweifle nicht daran, dass man ohne die dritte Zeile auskommen könnte, weiß aber andererseits nicht so recht, ob sie wirklich stört. Für mich fühlte es sich einfach kompletter an.
Danke zunächst für Deinen Eintrag.

Gruß Ciconia
 
Hallo Ciconia,
meiner meinung nach ist die dritte Zeile nicht überflüssig, bringt aber inhaltlich zu wenig Neues oder auch Kontrastierendes. Die Kälte ist, finde ich, eine wichtige Information und situiert den Text jahreszeitlich, aber intensiver und origineller verpackt müsste sie sein! Gruß E. L.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Walther,
danke für Dein Lob und den Link. Trotzdem neige ich dazu, eine dritte Zeile beizubehalten, auch wenn ich nach wie vor nichts Besseres als das Bestehende anzubieten habe.

Hallo Eike,
danke auch für Deine Überlegungen. Vielleicht hast Du Recht, dass es ein wenig an Originalität mangelt.
Diese Art von goldrotem Himmel gibt es übrigens nur in klaren, kalten Wintermonaten, und genau dann geht die Sonne hier hinter einem kleinen Wäldchen unter und gibt ihm dadurch in der Dämmerung etwas wahrlich Scherenschnitthaftes. Durch die Eiseskälte der letzten Tage wurde dieser Eindruck noch verstärkt.

Vielleicht hat ja noch jemand eine bessere Idee für die dritte Zeile.

Gruß Ciconia
 
Hallo Ciconia,
was hältst Du von
"die froststarre Hand"
Das ergibt einen Perspektivwechsel, der indirekt mit dem Wort Scherenschnitt assoziiert.
Gruß
E. L.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Eike,

das würde mir gefallen, allerdings "aus froststarrer Hand".

Danke für die Idee!

Gruß Ciconia
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo in die Runde,

offenbar steht nun diese Version im Raum:

Vor goldrotem Himmel
ein Scherenschnittwäldchen
aus froststarrer Hand


Damit würde ich assoziieren, dass das Wäldchen tatsächlich von besagter Hand ausgeschnitten worden wäre.
Vielleicht auch von der Hand (des Wetter-) Gottes?
Insgesamt würde das Bild plötzlich sehr unkonkret und eröffnete der Interpretation viel Raum, das bringe ich nicht mehr zusammen mit Bernds Aussage:

Ein Haiku stellt direkt das Bild dar, was man sieht.
Aber ich frage hier mal nach als "Haiku-Schnupper-Praktikant", es geht mir nicht ums Besserwissen, sondern darum, mich der Form anzunähern.

lg wüstenrose
 
A

aligaga

Gast
Ein Haiku sei wie
eine Frucht. Äußerlich Fleisch,
im Innern ein Kern.

Das hier, o @Ciconia, geht eher in Richtung Grütze. Ein Kompott, bei dem's nichts zu kauen gibt, isst sich langweilig.

Heiter

aligaga
 

Walther

Mitglied
dein text oben,

lb aligaga,

ist kein haiku. er verstößt gegen die eherne regel, nichts doppelt zu sagen.

schweigen gehört nicht zu deinen stärken, nicht einmal dort, wo es geboten wäre, wenn du nämlich keine ahnung hast, wovon du schreibst.

lg W.


lb Wüstenrose,

in der tat ist die gefrorene hand interpretativ.

für die von Ciconia geschilderte szene ist es unerheblich, welche jahreszeit herrscht. das macht den text so wunderbar. es ist das offene, das raum für den leser beläßt.

lg W.
 
A

aligaga

Gast
Herrlich doch, wie unser durch sämtliche doitschen Forengassen rumpelnder Allesdichter glaubt, sogar noch wohlmeinendste Kommentare verschlimmmbessern zu müssen und uns mit "ehernen" Gesetzen daherkommt. Schepper, rassel, bumm!

@Ali glaubt, der "Großdichter" habe @Ciconias Hai-Kuh gar nicht ans Euter gegriffen - sonst hätte er ja festgestellt, wie kalt das ist, so spät am Abend oder früh am Morgen. Dass ein Scherenschnitt in der Winterkälte starr werden sollte, kommt @ali spanisch vor. Die seinen sind immer schon unbeweglich gewesen!

Vor Lachen vom Kanapee kugelnd

aligaga
 

Ciconia

Mitglied
Danke nochmals, Walther, Eike und Wüstenrose, für Eure Diskussionsbeiträge. Ich habe nun eine neue Version eingestellt, die hoffentlich etwas Neues hineinbringt.

Gruß Ciconia
 
A

aligaga

Gast
Der "blinkende Abendstern" ist schon so oft missbraucht worden, o @Ciconia, dass dieser Planet inzwischen auf jeden Text toxisch wirkt.

Alternaiv-Vorschlag:

Vor goldrotem Himmel
ein Scherenschnittwäldchen -
da! Ein Blaulicht blinkt!

Heiter immmer weiter

aligaga
 

wüstenrose

Mitglied
Mir fehlt auf dem Haiku-Terrain noch etwas das Gefühl, um die einzelnen Versionen gegeneinander abwägen zu können, aber soviel kann ich doch sagen: Insbesondere das Scherenschnittwäldchen hat es auch mir angetan.
Und sonst?
Ein Hoch! auf den konstruktiven Austausch.

lg wüstenrose
 

rogathe

Mitglied
Vorschlag für die dritte Zeile:
Blaulichter blinken

Aligagas Idee finde ich gut - so entsteht ein Kontrast zur vermeintlichen Idylle. (z.B. Waldbrand)

rogathe
 

Ciconia

Mitglied
Nein danke, rogathe, in meinem Bild ist kein Platz für Kontraste. Ich wollte ausnahmsweise mal die reine Idylle schildern. Warum sollte ich sie ausgerechnet durch Blaulicht im Wald zerstören?

Gruß Ciconia
 
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