Zu Ende gebaut ist nie. Gedichte

Rezension zu:

Sabine Gruber, Zu Ende gebaut ist nie. Gedichte, Haymon 2014, ISBN 978-3-7099-7140-6

Große und wichtige Romane hat sie geschrieben, die Schriftstellerin Sabine Gruber. Nun legt der Haymon Verlag eine kleine Sammlung von insgesamt 14 Gedichten von ihr vor unter dem Titel „Zu Ende gebaut ist nie“. Den gleichen Titel hat ein Gedicht, das mit seiner realistisch-hoffnungsvollen Sicht auf das menschliche Leben kurz vor seiner letzten Phase programmatisch steht für viele andere in diesem schmalen Heft. Sie schauen bilanzierend auf das eigene Leben, auf Beziehungen, auf den sicheren Tod:

„Zu Ende gebaut ist nie. Trugschluß,
Daß mit dem Notausgang nach drüben
Das Atmen Sinn gewönne. Daß wir
Ohne Aussicht hofften. Vor dem offenen

Portal stoßen sie dich, drängen sich
An deinen Körper, den du längst der
Zeit verschenkt hast im Wiederwunsch
Nach Fortbestand. Wie abgrundtief

Die Augen finden, was sie suchen:
Lichtloslicht, rauhreife Wärme,
Du taumelst und gehest ein,
Hinein in den ewigen Rohbau.“

Und an anderer Stelle wird die Unausweichlichkeit des Todes und des Sterbens, die man ab einem bestimmten Alter nicht mehr von sich weisen kann, noch kräftiger und nüchterner beschrieben:

„Es kommt der Tod und er wird
Nicht deine Augen haben, nicht
Deinen Mund, Nicht Ein- und Aus
Reden, das Atmen als Grund.

Es kommt der Tod, er wird
Nicht deine Hände haben, nicht
Dein Gewicht, wird nach mir
Suchen, nach deinem Gesicht.

Es kommt der Tod,
Mit großen Worten,
Unser Tod
An hellen Orten.“

Lyrik voller Skepsis ist das, und dennoch sind Grubers Gedichte nicht fatalistisch. Sie sehen das eigene und das fremde Leben nüchtern, ohne metaphysische Rückbindung, und suchen dennoch immer wieder nach Zeichen von Leben, auch wenn die Zukunft knapp wird. Denn: „Zu Ende gebaut ist nie.“
 

 
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